Saarbrücker Biotechnologen forschen an der Herstellung nachhaltiger Recycling-Kunststoffe

Ziel der Saarbrücker Forscherinnen und Forscher ist es, mithilfe von Mikroorganismen Bausteine für nachhaltige Kunststoffe aus Abfällen herzustellen

Prof. Christoph Wittmann und sein Team am Institut für Systembiotechnologie der Saar-Universität forschen im EU-Projekt „REPurpose“ daran, mithilfe von Mikroorganismen Bausteine für nachhaltige Kunststoffe aus Abfällen herzustellen
Prof. Christoph Wittmann am Institut für Systembiotechnologie der Saar-Universität © Michael Simon

Fast 380 Millionen Tonnen Kunststoffe werden derzeit pro Jahr produziert – mit stark steigender Tendenz und den bekannten negativen Folgen für unseren Planeten. Das EU-Projekt „REPurpose“ will daher neue Wege für die effiziente Nutzung von Ressourcen bei der Kunststoff-Herstellung erforschen. Daran beteiligt ist auch das Institut für Systembiotechnologie (iSBio) unter der Leitung von Prof. Christoph Wittmann von der Universität des Saarlandes. 

„Innerhalb von ‚REPurpose‘ entwickeln wir neuartige mikrobielle Syntheserouten zu zentralen biobasierten Bausteinen für die neuen Kunststoffe“, erläutert Prof. Christoph Wittmann. Sein Team am Institut für Systembiotechnologie ist darauf spezialisiert, Mikroorganismen für technische Prozesse einzusetzen. „Indem wir den Stoffwechsel der genutzten Bakterien gezielt umleiten, entwickeln wir sie zu maßgeschneiderten Zellfabriken, die Abfallstoffe auf Basis von Kartonagen und Pappen in Wunschprodukte umwandeln“, erklärt der Biotechnologe.

Durch das spätere Zusammenfügen der biobasierten Bausteine mit enzymatisch vorbehandelten Plastikabfällen sei es möglich, im REPurpose-Verbund neue Wege einzuschlagen – hin zu den ökologischsten Gummimaterialien, die es bisher gibt: nicht-fossil, kontrolliert abbaubar und unbegrenzt recyclingfähig, so Wittmann. Die Forschungsarbeiten am Institut würden dabei in den kommenden vier Jahren mit 620.000 Euro gefördert.

Das Projekt „REPurpose“, an dem insgesamt elf europäische Partner beteiligt sind, will neue Lösungen finden, um die klassischen petrochemischen Kunststoffe ersetzen zu können. Im Fokus steht die nachhaltige Herstellung neuartiger Kunststoffe (thermoplastischer Polymere), die für Konsumgüter aller Art, beispielsweise Autoteile oder Baumaterialien Verwendung finden. Dafür sollen Abfälle aus Papier, Pappe und Karton genutzt werden sowie auch Abfälle aus Kunststoffen, die in großen Mengen beispielsweise in Textilfasern, Kunststoffflaschen oder Folien stecken.

Die Europäische Union fördert „REPurpose“ durch das Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon Europe“ mit rund 6,1 Millionen Euro (Finanzhilfe Nr. 101057971). Das Gesamtvolumen beläuft sich auf 6,5 Millionen Euro. Das Projekt bringt zehn Partner aus sieben Ländern der Europäischen Union und einen assoziierten Partner aus dem Vereinigten Königreich zusammen.

Die weiteren Projektpartner sind: Bio Base Europe Pilot Plant (Belgien) als Koordinator, die Firmen Renasci, B4Plastics (Belgien), Photon Mission (Niederlande) sowie Epoch BioDesign, zuvor Mellizyme, als assoziierter Partner (Vereinigtes Königreich), die Universität für Bodenkultur Wien (Österreich), die Universität Aalborg (Dänemark) sowie die Forschungsinstitutionen Italbiotec (Italien), AIMPLAS und AVEP (Spanien). 

Hintergrund

Die jährliche Kunststoffproduktion von derzeit knapp 380 Millionen Tonnen wird sich bis 2035 voraussichtlich verdoppeln und bis 2050 sogar vervierfachen; dies macht die Suche nach neuen Lösungen zur effizienten Ressourcennutzung bei der Herstellung von Kunststoffen zu einer Aufgabe von globaler Bedeutung. 

Kontakt

Prof.  Dr. Christoph Wittmann
Institut für Systembiotechnologie
Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-71971
E-Mail: christoph.wittmann@uni-saarland.de

Source

Universität des Saarlandes, Pressemitteilung, 2022-11-02.

Supplier

Aalborg University Copenhagen
AIMPLAS (Asociación de Investigación de Materiales Plásticos y Conexas)
B4Plastics
Bio Base Europe (BBEU)
Institut für Systembiotechnologie (iSBio)
Renasci
Universität des Saarlandes
Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)

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