Neue EU-Strategie legt Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft im Textilbereich

Zukunftsimpuls des Wuppertal Instituts zeigt, wie Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen kann

Kürzlich veröffentlichte die Europäische Kommission ihre neue EU-Strategie für nachhaltige und zirkuläre Textilien. Die ambitionierte Vision: Textilabfälle sollen reduziert, zirkuläre Maßnahmen gefördert und negative Umweltfolgen der Textilindustrie minimiert werden. Doch wie sieht eine Textilwirtschaft aus, die Textilien im Kreislauf führt, und welche politischen Anforderungen ergeben sich daraus für Deutschland? Ein neuer Zukunftsimpuls des Wuppertal Instituts zeigt, welche Position Deutschland in der Transformation hin zu einer zirkulären Textilindustrie einnehmen könnte.

Die Textilindustrie richtet sich in erster Linie nach dem Massenkonsum – mit gravierenden Auswirkungen für die Umwelt. Aufgrund von unzähligen Chemikalien sowie enormen Wasser-, Erdöl-, und Energieverbrauch ist die Textilindustrie mitverantwortlich für rund vier Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen sowie für verunreinigte Gewässer weltweit. Einer der schwerwiegendsten Umweltprobleme ist der Textilabfall selbst, der für immense „Müll-Landschaften“ in Ländern außerhalb Europas verantwortlich ist.

Dieses Problem ist auf die bislang linear gestaltete Wertschöpfungskette zurückzuführen. Daher ist eine ganzheitliche Transformation notwendig, wie der Zukunftsimpuls “Die Kreislaufwirtschaft als neues Narrativ für die Textilindustrie” des Wuppertal Instituts veranschaulicht. Die Autor*innen analysieren die textilen Wertschöpfungsketten mit Blick auf Deutschlands Chancen einer kreislaufwirtschaftlichen Transformation. Nach ihrer Ansicht sollte beispielsweise mithilfe von Pilotprojekten das bestehende Sammel- und Sortiersystem in Deutschland zu einer flächendeckenden Erfassung und qualitätssichernden Wiederverwendung ausgebaut werden. In dem Papier verdeutlichen sie daher, dass der Weg aus der Konsum- und Wegwerfgesellschaft – auch “take, make, dispose” genannt – hin zu geschlossenen und ressourceneffizienten Kreisläufen nur gelingt, wenn Textilabfälle minimiert und Rohstoffe in das System zurückgeführt werden. Dies ließe sich auch mit ökonomischen Anreizen, wiederaufbereiteten oder umfunktionierten Textilien – beispielsweise Taschen aus Bettlaken –, mit Reparatur-Services oder den Kauf von Secondhand-Kleidung erreichen.

Damit der Ausstieg aus der immer maßloseren “Fast Fashion” gelingt, stellt Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, heraus: “Eine Roadmap zur Kreislaufwirtschaft der Textilindustrie in Deutschland muss in ein konsistentes Gesamtkonzept integriert sein und die Vorgaben der Textilstrategie umfassen. Sie soll Grundlagen für die Umsetzung liefern und gleichzeitig helfen, Deutschland als Vorreiter der zirkulären Textilwirtschaft zu positionieren.”

Die bereits bestehenden deutschen Maßnahmen sollten klare Anreize für eine Wiederverwendung und die Abfallvermeidung setzen. Würden Unternehmen für das textile Abfallmanagement in die Verantwortung gezogen, könnte dies Anreiz sein, reparaturfähige oder wiederverwendbare Kleidung verstärkt auf den Markt zu bringen.

Die Grafik zeigt das Konzept einer textilen Kreislaufwirtschaft und die dafür notwendigen Maßnahmen - die sich entlang der Wertschöpfungskette umsetzen lassen
Die Grafik zeigt das Konzept einer textilen Kreislaufwirtschaft und die dafür notwendigen Maßnahmen – die sich entlang der Wertschöpfungskette umsetzen lassen. – © Wuppertal Institut

Source

Wuppertal-Institut, Pressemitteilung, 2022-05-09.

Supplier

European Commission
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH

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