Deutsche Umwelthilfe und NABU entlarven falsche Umweltversprechen des chemischen Recyclings

Chemisches Recycling soll besonders viel Energie verbrauchen, führe zu hohen Materialverlusten und erzeugt giftige Nebenprodukte

  • Neue Studie von Deutscher Umwelthilfe, NABU und anderen Umweltverbänden belegt, dass angebliche Umweltvorteile des chemischen Recyclings nicht nachgewiesen werden können
  • Vorhandene Studien zur Umweltverträglichkeit dieser unausgereiften Technologie sind intransparent, einseitig und enthalten diverse Fehler – unabhängige Studien fehlen
  • Chemisches Recycling verbraucht besonders viel Energie, führt zu hohen Materialverlusten und erzeugt giftige Nebenprodukte
  • DUH und NABU fordern Abfallvermeidung, Mehrweg, Recyclingfähigkeit und werkstoffliches Recycling zu stärken

Die als besonders innovativ und umweltfreundlich beworbene Technologie des chemischen Recyclings hält nicht, was sie verspricht. Dies ist das Ergebnis einer aktuell veröffentlichten Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH), des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und weiterer europäischer Umweltverbände. Gemeinsam haben die Verbände Studien zu den Umweltauswirkungen des chemischen Recyclings analysiert. Das Ergebnis: bisher fehlt es an unabhängigen Untersuchungen zu diesem Thema. In den untersuchten Publikationen werden Ergebnisse verzerrt dargestellt, ungerechtfertigte CO2-Gutschriften erteilt und wichtige Umweltaspekte außer Acht gelassen. Zusätzlich verhindert die Geheimhaltung zugrundeliegender Daten eine Reproduzierbarkeit der Studienergebnisse. Die vermeintlichen Umweltvorteile des chemischen Recyclings können damit nicht belegt werden.

Das chemische Recycling wird zunehmend als Alternative zu nachweislich umweltfreundlicheren werkstofflichen Recyclingverfahren ins Spiel gebracht. Unternehmen wie BASF, Südpack und Borealis haben sich im Projekt „Chemcycling“ zusammengeschlossen, um das chemische Recycling in Deutschland voranzubringen. Dabei wird mit der Umweltfreundlichkeit der Verfahren geworben, obwohl diese bisher nicht nachgewiesen sind.

„Die Versprechen der Industrie zur Umweltfreundlichkeit des chemischen Recyclings entbehren jeder Grundlage. Diese unausgereifte Technologie ist hochriskant und hat massive Umweltauswirkungen. Um die Probleme durch Kunststoffabfälle in den Griff zu bekommen, sind viele Lösungsansätze bereits vorhanden – sie müssen nur umgesetzt werden. So gibt es ein großes Potential mehr Verpackungen als bisher zu recyceln, indem sie recyclingfähig gestaltet werden. Auch sollten durch die Förderung von Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Öko-Design Abfallmengen insgesamt reduziert werden. Das chemische Recycling darf wichtige Investitionen und Entwicklungen in diese Richtung keinesfalls behindern“, sagt die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH, Barbara Metz.

Chemische Recyclingtechniken sind mit einem enormen Energiebedarf verbunden, da Kunststoffe unter hohen Temperaturen in ihre Bausteine zerlegt und dann unter erneutem Energieaufwand wieder zusammengesetzt werden müssen. Zudem entstehen beim Recyclingprozess giftige Chemikalien, die in aufwändigen Aufbereitungsprozessen wieder entfernt werden müssen und als gefährliche Abfälle zurückbleiben. Diese wichtigen Umweltaspekte wurden in bisherigen Ökobilanzen nur ungenügend berücksichtigt.

„Das mechanische Recycling ist nachweislich umweltfreundlicher als das chemische Recycling. Die Politik darf sich von intransparenten und tendenziösen Ökobilanzen nicht täuschen lassen. Initiativen sollten sich auf Recyclingfähigkeit, Sortier- und werkstoffliche Recyclingtechnologien konzentrieren. In diesen Bereichen gibt es einen enormen Handlungsbedarf. Das chemische Recycling wäre eine Sackgasse, die wichtige Mittel für andere umweltfreundlichere Technologien vergeuden würde“, kritisiert der Bundesgeschäftsführer des NABU, Leif Miller.

Nach Angaben der Chemieindustrie geht bei den bislang angewendeten chemischen Recyclingprozessen die Hälfte des eingesetzten Materials verloren. Zudem ist unklar, ob Kunststoffhersteller mit hohen Anteilen an chemisch recyceltem Material überhaupt umgehen können und ob sich dies nicht sogar negativ auf die Materialqualität auswirkt.

Hintergrund

Als chemisches Recycling werden Verfahren zusammengefasst, bei denen Altkunststoffe in ihre Grundbausteine zerlegt werden, die dann als Rohstoffe zur Herstellung von neuen Kunststoffen oder anderen Materialien dienen. Im Gegensatz zum sogenannten mechanischen Recycling findet dabei eine chemische Veränderung des Materials statt. Das chemische Recycling verspricht, aus bisher nicht recycelbaren Kunststoffabfällen neuwertige Kunststoffe herzustellen, die sogar im Lebensmittelbereich eingesetzt werden können. Zur technischen Umsetzbarkeit und Umweltrisiken dieser Technologie liegen bisher aber noch keine ausreichenden Informationen vor. Das chemische Recycling wird bisher in Deutschland noch nicht in großindustriellem Maßstab angewendet.Links:Die Studie „Die Umweltauswirkungen des chemischen Recyclings von Kunststoffen – Zehn offene Fragen zu vorliegenden Ökobilanzen“ auf deutsch und englisch finden Sie untenstehend als PDF-Downloads.

 

Downloads

201218_Verbändestudie_Die_Umweltauswirkungen_des_chemischen_Recyclings_von_Kunststoffen_final.pdf 7 MB
201204_Joint_Paper_Understanding_Environmental_Impacts_of_CR.pdf 7 MB

 

Kontakte DUH

Barbara Metz
Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin
Mobil: 0170 7686923
E-Mail: metz@duh.de

Thomas Fischer
Leiter Kreislaufwirtschaft
Tel.: 030 2400867-43
Mobil: 0151 18256692
E-Mail: fischer@duh.de

Kontakt NABU

Sascha Roth
Referent für Umweltpolitik
Tel.: 030 284 984-1660
E-Mail: sascha.roth@nabu.de

Source

Deutsche Umwelthilfe, Pressemitteilung, 2020-12-18.

Supplier

BASF Corporation (US)
Borealis Polyolefine AG
Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
SÜDPACK Verpackungen GmbH & Co. KG

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