
Project Manager Site Development, YNCORIS
© YNCORIS
Die stoffliche Nutzung von CO₂ – bekannt als Carbon Capture and Utilization (CCU) – entwickelt sich zunehmend zu einem Schlüsselaspekt der europäischen Transformationsstrategie hin zu einer defossilisierten, kreislauffähigen Industrie. Gemeinsam mit Technologien aus dem Bereich Power‑to‑X, ermöglicht CCU die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen, Chemikalien und materiellen Grundstoffen auf der Basis von abgeschiedenen CO₂. Diese wandeln CO2 aus Emissionen zu einer wertvollen Rohstoffquelle und ermöglichen den Schritt hin zu einer erfolgreichen CO₂‑Valorisierung.
Als Standortbetreiber und Energieversorger unterstützt das Unternehmen YNCORIS im Chemiepark Knapsack diese Entwicklung aktiv mit. Mit dem Sponsoring des Innovationspreises „Best CO2 Utilisation“, der jedes Jahr auf der CO₂‑based Fuels and Chemicals Conference 2026 verliehen wird, unterstreicht das Unternehmen, wie wichtig eine effektive Infrastruktur, Kooperationen und marktfähige Lösungen für die Umsetzung einer funktionierenden CO₂‑Kreislaufwirtschaft sind. In diesem Interview diskutiert Sebastian Trunk, Projektmanager Standortentwicklung, die Relevanz am Beispiel des Chemieparks Knapsack in Hürth (Deutschland).
Warum ist der Anschluss des Chemieparks Knapsack an eine CO₂‑Infrastruktur für Unternehmen wie YNCORIS so essenziell – besonders im Hinblick auf CO₂‑Valorisierung und Power‑to‑X‑Anwendungen?
Die CO₂‑Infrastruktur ist für uns bei YNCORIS der zentrale Hebel, um die Defossilisierung und Dekarbonisierung des Chemieparks voranzutreiben. Hierdurch bildet sie einen Kernbaustein unserer CCUS‑Strategie. Jahrzehntelang war es die Hauptaufgabe von Chemieparkbetreibern, die ansässigen Unternehmen so zu unterstützen, dass sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Heute kommt eine neue Aufgabe hinzu: Wir müssen unsere Kunden aktiv bei der Defossilisierung unterstützen und diese durch eine smarte Infrastruktur ermöglichen. Die Ergebnisse unserer CO₂‑Bilanz zeigen klar, dass die Wärmeerzeugung – speziell die Dampfversorgung – der größte CO2 Emittent ist. Ohne einen verlässlichen CO₂‑Abtransport und Wege zur erfolgreichen CO2-Nutzung (CCU) oder -Speicherung (CCS) bleiben die technisch und wirtschaftlich tragfähigen Dekarbonisierungspfade begrenzt. Genau deshalb hat der Infrastrukturausbau für uns im Chemiepark Knapsack Priorität.
Wie gestaltet sich die Transformation der Energie- und Medienversorgung insbesondere im Hinblick auf die Rolle von CO₂‑Abscheidung und CO₂‑Nutzung?
YNCORIS verfolgt eine zweigleisige Strategie. Eine wichtige Rolle spielt die Umstellung des Besicherungssystems weg von Kohle, hin zu Strom und Gas. Das reduziert Emissionen unmittelbar und erhöht zudem die Flexibilität. Im zweiten Strang ergänzen wir perspektivisch die Grundlast, die heute aus einem EBS‑Kraftwerk (Energie‑aus‑Abfall) stammt, durch eine CO₂‑Abscheidung mit anschließender Nutzung oder Speicherung. Nur so lässt sich diese zentrale Säule der Versorgung dekarbonisieren. Parallel schaffen wir die technische und regulatorische Basis: Im Projekt CaReS Knapsack analysieren wir gemeinsam mit EEW, OGE und SEFE mögliche Carbon-Capture‑Optionen und -Designs für den Standort. Damit können wir bei passenden Rahmenbedingungen schnell entscheiden und Lösungen zügig umsetzen.
Die YNCORIS‑Studie zur CO₂‑Infrastruktur im Kölner Raum vernetzt zahlreiche Akteure entlang der CCU-Wertschöpfungskette. Wie fügt sich dieses Konzept in den Gesamtkontext einer CO₂‑Kreislaufwirtschaft ein?
Die Studie bündelt die Aktivitäten entlang der gesamten CCUS‑Wertschöpfungskette: von Punktquellen in Knapsack und dem Cluster Wesseling über bestehende Pipelinekorridore und Hubs bis hin zu Langstreckenleitungen, temporären Speichern, einem Exit‑Punkt Richtung Port of Antwerp/Bruges (POAB) und finalen Speichern unter der Nordsee. Als Partner sind unter anderem Shell, LYB, EEW, Evonik, YNCORIS, Nippon Gases, SEFE, OGE, Fluxys sowie der Port of Antwerp/Bruges beteiligt.
YNCORIS verfolgt hierbei eine dreistufige Zielsetzung: kurzfristig schaffen wir eine Plattform zum Austausch über CCUS; mittelfristig ermitteln wir CAPEX und OPEX für eine CO₂‑Infrastruktur zwischen Köln und Antwerpen/Zeebrugge und leiten belastbare Business Cases ab; langfristig streben wir den Anschluss des Chemieparks Knapsack an diese Infrastruktur an, um die Dekarbonisierung dauerhaft abzusichern.
Welche Standortvorteile bietet gerade die Region Köln für eine effektive CO₂‑Nutzung und innovative Power‑to‑X‑Konzepte?
Die Region zeichnet sich durch ein integriertes Chemiecluster, bereits bestehende Pipelineverbindungen und inzwischen gewachsene Rechtsklarheit aus. Das erlaubt voraussichtlich, eine CO₂‑Sammelschiene auf bestehenden Trassen aufzubauen und so die CAPEX einer europäischen CO₂‑Infrastruktur gerade im dicht besiedelten Raum deutlich zu senken. Das hilft nicht nur CCS, sondern auch CCU: Wegen des hohen Energie‑ und Wasserstoffbedarfs sollte CO₂ genau dort als alternativer Kohlenstoff eingesetzt werden, wo grüne Energie und Wasserstoff in großem Maßstab und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sind. Das muss nicht zwingend am Emittentenstandort sein, denn auch eine gut vernetzte Infrastruktur eröffnet hier effiziente Allokation und Skaleneffekte.
Was braucht es, damit die Transformation hin zu einer defossilisierten Kreislaufwirtschaft gelingt und wie bewerten Sie Carbon Capture Storage (CCS) im Vergleich zu alternativen Dekarbonisierungspfaden?
Die Erfahrung aus diversen Gesprächen mit unseren Partnern und Studien ist eindeutig: CCS ist unter den heutigen Rahmenbedingungen die realistischste Option, um ein EBS‑Kraftwerk und weite Teile der chemischen Industrie zu dekarbonisieren. Zugleich ist die Kette zu komplex, um eine Umsetzung als einzelnes Unternehmen alleine zu stemmen. Es braucht die intensive Zusammenarbeit von Industrie, Politik und Gesellschaft, um planungs‑ und genehmigungsrechtliche Verlässlichkeit, Förder‑ und Marktdesigns für Transport und Speicherung, grenzüberschreitende Interoperabilität sowie klare Haftungsregeln zu schaffen. Industrie‑, Netz‑ und Hafenpartner sind sich einig, dass die CO₂‑Infrastruktur der kleinste gemeinsame Nenner ist, um eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige Chemie in Europa zu sichern. Der nächste Schritt von YNCORIS besteht daher darin, die Ergebnisse aus dem Projekt CaReS Knapsack und der Infrastrukturstudie zusammenführen, Routen und Hubs konkretisieren und eine Umsetzung von CCUS bestmöglich vorzubereiten, um bei passenden Rahmenbedingungen zügig starten können.

Obwohl YNCORIS derzeit den Fokus auf CO2-Infrastruktur und CCS legt, unterstützt Ihr Unternehmen als Sponsor den Innovationspreis „Best CO₂ Utilisation“. Können Sie uns die Beweggründe erläutern?
Mittelfristig sehen wir CCS als pragmatischeren Lösungsansatz, langfristig ist CO2 jedoch eine wertvolle, erneuerbare Kohlenstoffquelle, die fossile Lösungen sukzessive substituieren wird. Die effektive Nutzung von CO2steckt jedoch auch im Vergleich zu anderen Technologien der Kreislaufwirtschaft auf industriellem Maßstab tendenziell noch in den Kinderschuhen. Von daher legt YNCORIS großen Wert darauf, junge innovative Unternehmen, die hier auf der CO2-based Fuels and Chemicals Conference reihenweise zu finden sind, durch diesen Support auf ihrer langen Reise zu unterstützen und ihnen eine Bühne zu geben.
Source
CO2-based Fuels and Chemicals, Originaltext, 2026-04-21.
Supplier
Chemiepark Knapsack
nova-Institut GmbH
YNCORIS
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