{"id":99209,"date":"2021-10-22T07:26:00","date_gmt":"2021-10-22T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=99209"},"modified":"2021-10-19T15:01:55","modified_gmt":"2021-10-19T13:01:55","slug":"windeln-fur-eine-nachhaltige-biookonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/windeln-fur-eine-nachhaltige-biookonomie\/","title":{"rendered":"Windeln f\u00fcr eine nachhaltige Bio\u00f6konomie"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>In einem EU-gef\u00f6rderten Projekt entwickelt das T\u00fcbinger Biotech-Unternehmen Novis zusammen mit internationalen Partnern eine vollst\u00e4ndig kompostierbare Windel, die keine aus Kunststoffen gefertigten Teile enth\u00e4lt. Damit k\u00f6nnten die bisher anfallenden Riesenmengen an gebrauchten Einmalwindeln und die enormen Kosten ihrer Beseitigung verringert und die bei ihrer Verbrennung auftretenden Treibhausgase vermieden werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.biooekonomie-bw.de\/application\/files\/8316\/2747\/9376\/Superabsorber_links_trocken_rechts_mit_Wasser.jpg\" alt=\"Das Bild zeigt den die Fl\u00fcssigkeit aufnehmenden F\u00fcllstoff in Windeln. Zu sehen sind zwei Haufen eines wei\u00dfen Pulvers. Links ist ein kleiner Haufen abgebildet (trockener Zustand des Superabsobers) Auf der rechten Seite ist ein, in etwa 7mal so gro\u00dfer Haufen zu sehen (Zustand nach Aufnahme von Wasser).\" width=\"360\" height=\"239\"\/><figcaption>Superabsorber aus Natriumpolyacrylat (links: trocken; rechts: nach Aufnahme von Wasser).&nbsp;\u00a9&nbsp;Novis GmbH<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Deutschlands Babys verbrauchen in ihren ersten beiden Lebensjahren jeden Tag zehn Mio. Windeln. 95 Prozent davon sind Einwegwindeln, die wegen ihrer Plastikbestandteile nicht kompostiert oder in Deponien entsorgt werden k\u00f6nnen, sodass am Ende nur ihre Verbrennung bleibt. Allein in einer Stadt wie Berlin kommen jedes Jahr \u00fcber 40.000 t Wegwerfwindeln zusammen (das sind bis zu zehn Prozent des gesamten Hausm\u00fclls), die bei gesch\u00e4tzten Gesamtkosten von zehn Mio. Euro oder mehr beseitigt und verbrannt werden m\u00fcssen.<sup>1)<\/sup>&nbsp;F\u00fcr St\u00e4dte und Gemeinden stellt die Entsorgung von Windeln und \u00e4hnlichen Hygieneprodukten nicht nur einen wichtigen Kostenfaktor dar, sondern wegen der damit verbundenen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen auch eine Umweltbelastung, die von den kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieben ber\u00fccksichtigt werden muss, damit sie der auf sie zukommenden Verpflichtung zur Reduktion ihres Treibhausgasaussto\u00dfes auf dem Weg zu einer klimagerechten Bio\u00f6konomie nachkommen k\u00f6nnen. Auch energetisch lohnt sich die Verbrennung der gebrauchten Windeln wegen ihres hohen Feuchtigkeitsgehalts nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Windeln enthalten Kunststoffe f\u00fcr die elastischen B\u00fcndchen um die Beine, Verschl\u00fcsse und B\u00e4nder, Kleber sowie f\u00fcr die Superabsorber (Superabsorbent Polymers) in der Einlage, die ein Vielfaches ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen k\u00f6nnen und heute f\u00fcr alle saugf\u00e4higen Inkontinenzprodukte unverzichtbar sind. Zwar sind inzwischen eine Reihe angeblich biologisch abbaubarer (biodegradable) Produkte auf dem Markt, doch bei der Lekt\u00fcre der Produktinformationen erkennt man, dass das keineswegs hundertprozentig gilt und sie immer noch diverse Kunststoffe enthalten. Die britische Zeitung <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/blog\/2010\/apr\/26\/nappy-debate\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eThe Guardian\u201c schrieb 2010<\/a>, dass solche \u201eBiodegradable Diapers\u201c in einer Deponie mehr als 50 Jahre \u00fcberdauern und zudem noch das stark klimasch\u00e4digende Treibhausgas Methan emittieren. Innerhalb der EU kommt eine regul\u00e4re Kompostierung nicht in Frage, solange Windeln mit Plastikanteilen auf dem Markt sind, die Kompostieranlagen die abbaubaren Windeln nicht erkennen und sie deshalb mit allen anderen zusammen f\u00fcr die Verbrennung aussortieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"621475\">Das Entwicklungsprojekt PAWN<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_.jpg\" alt=\"Dr. Thomas Helle, CEO der Novis GmbH, T\u00fcbingen. \u00a9 Novis GmbH\" class=\"wp-image-99219\" width=\"195\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_.jpg 1400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_-200x300.jpg 200w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_-683x1024.jpg 683w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_-100x150.jpg 100w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_-768x1151.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_-1367x2048.jpg 1367w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_-180x270.jpg 180w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/10\/T.Helle_-1320x1978.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><figcaption>Dr. Thomas Helle, CEO der Novis GmbH, T\u00fcbingen.\u00a0\u00a9\u00a0Novis GmbH<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Das 2009 von Dr. Thomas Helle gegr\u00fcndete T\u00fcbinger Biotech-Unternehmen Novis GmbH hat sich mit vier weiteren Unternehmen aus Deutschland, der Slowakei, Zypern und Israel zu einem Konsortium zusammengeschlossen, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine vollst\u00e4ndig biologisch abbaubare Windel zu entwickeln. Ende 2020 erhielt das <a href=\"https:\/\/cordis.europa.eu\/project\/id\/965715\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Entwicklungsprojekt namens PAWN<\/a> \u2013 ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der Partnerfirmen Polygreen, Avgol, Wilogis und Novis \u2013 den Zuschlag im Rahmen des EU-F\u00f6rderprogramms \u201eHorizon 2020 \u2013 Fast Track to Innovation (FTI)\u201c. Das F\u00f6rderprojekt im Umfang von vier Mio. Euro steht im Zusammenhang mit den Pl\u00e4nen der EU, den Verbrauch von Kunststoffen in Europa so weit wie m\u00f6glich einzuschr\u00e4nken. Gemeinsam wollen die Partner des Konsortiums eine Windel aus nachwachsenden Rohstoffen zur Marktreife bringen, bei der alle bisher aus Kunststoffen gefertigten Teile \u2013 B\u00fcndchen, Verschluss, Kleber und Superabsorber \u2013 durch erneuerbare Materialien ersetzt werden, sodass die PAWN-Windel zu 100 Prozent kompostierbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb des Projektes ist die Novis GmbH f\u00fcr das Lebenszyklusmanagement zust\u00e4ndig, insbesondere auch f\u00fcr die erfolgreiche Kompostierung aller Teile der Windel. Daf\u00fcr analysiert und evaluiert Novis die einzelnen Schritte im Verlauf des Projektes in Hinblick auf die Umweltbilanz des Gesamtproduktes. F\u00fcr die Projektziele ist es besonders wichtig, dass schon in fr\u00fchen Entwicklungsstadien die umweltvertr\u00e4gliche Entsorgung des Endproduktes im Blick behalten wird. Dar\u00fcber hinaus arbeitet Novis an der Identifikation und der Kompostierung abbaubarer Vorprodukte f\u00fcr die Windeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt der Einmalwindel &#8211; einem typischen Produkt der Wegwerfwirtschaft \u2013 entsteht mit PAWN ein Produkt, das durch ein geordnetes Recycling in das regenerative System der Kreislaufwirtschaft \u00fcberf\u00fchrt wird und sich in das gro\u00dfe strategische Ziel der EU einf\u00fcgt, den europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Bio\u00f6konomie zu transformieren. Es steht zu erwarten, betont Helle, dass Plastikanteile in Windeln von der EU verboten werden, sobald Alternativen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"621938\">R\u00fccknahmesystem f\u00fcr geordnetes Recycling n\u00f6tig<\/h3>\n\n\n\n<p>Novis ist seit Jahren im Bereich Bioenergie, Mehrwertgewinnung und nachhaltiger Entsorgung von Abf\u00e4llen t\u00e4tig und f\u00fcr seine Aufgaben im PAWN-Projekt bestens ger\u00fcstet. Das Unternehmen hat Biogasanlagen in S\u00fcdeuropa und Afrika auf der Basis von Schafmist, Champignonkompost und anderen Abf\u00e4llen errichtet. Zu seinen aktuellen Projekten geh\u00f6ren die Gewinnung von Kakao aus Kakaoschalen, der Einsatz von Champignonkompost als Torfersatz, die Extraktion von Schwermetallen und die Weiterverwendung von Verbrennungsschlacken aus M\u00fcllheizkraftwerken sowie die Gewinnung und Nutzung des bei der Rotweinproduktion anfallenden CO<sub>2&nbsp;<\/sub>(siehe BIOPRO-Artikel \u201e<a href=\"https:\/\/www.biooekonomie-bw.de\/fachbeitrag\/aktuell\/das-redwine-projekt-und-der-klimawandel\">Das RedWine-Projekt und der Klimawandel<\/a>\u201c). Gemeinsam ist den Projekten, wie Helle darlegt, dass jedes Produkt die Welt ein bisschen besser machen soll als vorher.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb des PAWN-Konsortiums entwickeln der israelische Hygieneartikel-Hersteller Avgol Nonwovens und die Unternehmensgruppe Polygreen \u2013 Circular Economy Solutions die biologisch abbaubaren Superabsorber und Vliesmaterialien. Celltex in der Slowakei ist f\u00fcr die Herstellung der Windeln verantwortlich; die Wilogis Hygieneprodukte in V\u00f6lklingen\/Saar ist f\u00fcr die Produktvermarktung zust\u00e4ndig. Das Konsortium pr\u00fcft jetzt, inwieweit eigene R\u00fccknahmesysteme f\u00fcr Hygieneartikel im Markt eingef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, durch die Windeln und Inkontinenzprodukte einem geordneten Recycling zugef\u00fchrt w\u00fcrden. In einem ersten Schritt ist eine Pilotanlage geplant, in der die Windeln vollst\u00e4ndig verg\u00e4rt und die Reststoffe weiter verwertet werden. Ein solches Verfahren k\u00f6nnte auch dazu dienen, Biogasanlagen, die nach 20 Jahren aus der Marktf\u00f6rderung ausscheiden m\u00fcssen, mit neuen Rohstoffen zu versorgen. Das w\u00e4re, wie Helle betont, f\u00fcr alle Seiten profitabel.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Quelle<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>1) Senatsverwaltung des Landes Berlin &#8211; Abfallwirtschaftskonzept 2010-2020.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontakt<\/h3>\n\n\n\n<p>Dr. Thomas Helle<br>CEO Novis GmbH<br>E-Mail: <a href=\"mailto:thomas.helle@novis.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">thomas.helle@novis.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem EU-gef\u00f6rderten Projekt entwickelt das T\u00fcbinger Biotech-Unternehmen Novis zusammen mit internationalen Partnern eine vollst\u00e4ndig kompostierbare Windel, die keine aus Kunststoffen gefertigten Teile enth\u00e4lt. Damit k\u00f6nnten die bisher anfallenden Riesenmengen an gebrauchten Einmalwindeln und die enormen Kosten ihrer Beseitigung verringert und die bei ihrer Verbrennung auftretenden Treibhausgase vermieden werden. 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