{"id":9864,"date":"2007-02-27T00:00:00","date_gmt":"2007-02-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070227-07n"},"modified":"2007-02-27T00:00:00","modified_gmt":"2007-02-26T22:00:00","slug":"lobby-fuer-nachwachsende-rohstoffe-bei-lack-und-farben-schlecht-vertreten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/lobby-fuer-nachwachsende-rohstoffe-bei-lack-und-farben-schlecht-vertreten\/","title":{"rendered":"Lobby f\u00fcr Nachwachsende Rohstoffe bei Lack und Farben schlecht vertreten"},"content":{"rendered":"<p><b>Im Heft 3\/2007 ist der erste <a href=\"http:\/\/www.oekotest.de\/\" >\u00d6KO-TEST<\/a>-Bericht ver\u00f6ffentlicht, in dem die normengerechte Deklarationen der Einsatz- und Inhaltsstoffe gesondert bewertet und mit 30% im Gesamtergebnis ber\u00fccksichtigt wurden. Die Testbewertungen von 25 Dispersionsfarben f\u00fchren zu der bekannten Diskussion, ob synthetische Inhaltsstoffe wie Kunstharze, L\u00f6semittel und Konservierungsstoffe grunds\u00e4tzlich mit &#8220;sehr gut&#8221; bewertet werden d\u00fcrfen. Nach der Klarstellung von \u00d6KO-TEST 2006 in Zukunft die Inhaltsstoffe aus endlichen Rohstoffquellen nicht mehr abwerten zu wollen, darf es nicht wundern, wenn unter den 8 &#8220;sehr gut&#8221; Produkten 7 Kunstharz- bzw. Acrylfarben zu finden sind. Nur ein Produkt von &#8220;Biofa&#8221; schaffte es in die Spitzengruppe.<\/b><\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.positivlisten.info\/\" >Arbeitsgemeinschaft kontrolliert deklarierte Rohstoffe e.V. <\/a> sucht nach den Gr\u00fcnden und kommentiert den Test wie folgt: <\/p>\n<p>Zum einen werden den Naturfarbenhersteller unkorrekte Angaben zu den Inhaltsstoffen nachgewiesen. Zum anderen weisen sie teilweise erh\u00f6hte Emissionen leichtfl\u00fcchtiger Kohlenwasserstoffe auf. Beide Aspekte sind im Sinne der europ\u00e4ischen Normen f\u00fcr den Umwelt- und Verbraucherschutz nicht erw\u00fcnscht. Die Abwertungen w\u00e4ren f\u00fcr die Hersteller vermeidbar gewesen, wenn sie die Normenentwicklung auf der EU-Ebene in den letzten Jahren sorgf\u00e4ltig verfolgt h\u00e4tten:<\/p>\n<ul>\n<li> Die versch\u00e4rfte VOC-Verordnung ist mit der EU-Richtline 2004\/42\/EG seit 1.1.2007 in Kraft getreten,<\/li>\n<li> Die EU-Zubereitungsrichtlinie 1999\/45\/EG mit den \u00c4nderungen der EU-RL 2006\/8\/EG vom 23.1.2006 und damit auch die Vorgaben f\u00fcr Sicherheitsdatenbl\u00e4tter gem\u00e4\u00df TRGS 220 mit der Ausgabe Dezember 2006.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dem \u00d6KO-TEST-Team ist kein Vorwurf zu machen, wenn bei der \u00dcberpr\u00fcfung von gesetzlichen Vorgaben die M\u00e4ngel aufgezeigt und die betroffenen Produkte abgewertet werden. Der Kommentar von Frau Achstetter im Testbericht zu der unscharfen Position des europ\u00e4ischen Naturfarbenverbandes ist zutreffend und sollte zu einer Neuorientierung der Verbandspolitik anregen. Im folgenden eine Analyse der wichtigsten Abwertungsaspekte:<\/p>\n<p><b>&#8220;l\u00f6semittelfrei&#8221; oder &#8220;aromatenfrei&#8221;<\/b><br \/>Bei den Dispersionen mit dem RAL-G\u00fctezeichen &#8220;Blauer Engel&#8221; ist die Verwendung der Bezeichnung &#8220;l\u00f6semittelfrei&#8221; untersagt, da auch Wasser ein L\u00f6semittel ist und die Verbraucher bei der Bezeichnung &#8220;frei&#8221; von 0 Anteile im Produkt ausgehen. So ist die LIVOS-Dispersionsfarbe mit einer ansonsten vorbildlichen &#8220;Geregelten Volldeklaration&#8221; und der R-Symbolik \u00fcber diese Bezeichnung &#8220;l\u00f6semittelfrei&#8221; und dem Bezug zum ECO-Label gestolpert mit einer deutlichen Abwertung. <\/p>\n<p>Seltsamerweise hat sich bei diesen Begriffen eine Regelung bei den Berufsgenossenschaften und deren GISCODE-Deklarationssystemen durchgesetzt, die es zul\u00e4sst, dass Produkte mit einem VOC- bzw. Aromatenanteil unterhalb von 1,0 Gew.% als &#8220;frei&#8221; deklariert werden k\u00f6nnen. Damit wird beim Anwender und Verbraucher die irrige Meinung geweckt, dass die Produkte frei von VOC- und aromatischen Anteilen sind. <\/p>\n<p>Die Aromatenanteile sind aber besonders im Bereich der TVOC, also der Stoffe die in der Analytik nicht zugeordnet werden k\u00f6nnen, mit Geruchsbel\u00e4stigung und Befindlichkeitsst\u00f6rungen aufgefallen. Eine ausf\u00fchrliche Beschreibung dieses Themas der geruchlichen Auff\u00e4lligkeiten ist in der Brosch\u00fcre des <a href=\"http:\/\/www.uba.de\/\" >Umweltbundesamtes<\/a> zu lesen, die unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.umweltdaten.de\/publikationen\/fpdf-l\/3123.pdf\" >Schadstoffe und Ger\u00fcche erkennen und vermeiden<\/a> erschienen ist. Die Brosch\u00fcre steht <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070227-07\/3123.pdf\" >hier<\/a> als PDF-Dokument (ca. 1,9 MB) bereit.<\/p>\n<p><b>VOC-Richtlinie 2004\/42\/EG   (Decopaint-Richtlinie)<\/b><br \/>In der g\u00fcltigen VOC-Richtlinie werden Rohstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen mit dem gleichen Richtwerten begrenzt wie Rohstoffe aus endlichen Ressourcen. Konkret bedeutet dies, dass der Weg zur Abkehr von der Erd\u00f6lschiene keine Vorteile bringt, wenn die im Lebenszyklus neutralen Rohstoffe im VOC-Raster durchfallen. <\/p>\n<p>Ein typisches Beispiel daf\u00fcr sind die Harze und \u00e4therischen \u00d6le wie Orangen\u00f6l oder Balsamterpentin, die sowohl in der Kosmetikindustrie als auch bei Naturfarben als Konservierungsmittel eingesetzt werden. Der Einsatz zur Konservierung in w\u00e4ssrigen Systemen unterhalb der kennzeichnungspflichtigen Menge ([ 0,1 Gew.%) kann bei Dispersionsfarben je nach Dichte bereits eine \u00dcberschreitung des gesetzlich festgelegten VOC-Grenzwertes von 75 g\/Liter bewirken.<\/p>\n<p><b>Bewertung von nachwachsenden Rohstoffen<\/b><br \/>Der Testbericht zu den Dispersionsfarben zeigt einmal mehr wie wichtig es ist, die nat\u00fcrlichen Rohstoffe politisch \u00fcber &#8220;Lobbyarbeit&#8221; in den diversen EU-Richtlinien besser zu positionieren. Den Naturfarbenproduzenten ist es nicht gelungen, die seit langem bekannten Auswirkungen dieser EU-Richtlinie so zu beeinflussen, dass nachwachsende Rohstoffe mit ihren Emissionen nicht im gleichen Topf landen, wie die VOC-Belastungen, die sich aus Stoffen fossilen Ursprungs ergeben. <\/p>\n<p>In den \u00d6kobilanzen werden Emissionen durch CO<sub>2<\/sub> f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe neutral = 0 bewertet. F\u00fcr die Verursacher des bodennahen Ozons k\u00f6nnte dieselbe Bewertung plausibel sein. Dies muss aber an der richtigen Stelle in den jeweiligen Gremien qualifiziert dargestellt werden. Die neue so genannte &#8220;Decopaint-Richtlinie&#8221; zur Bek\u00e4mpfung der Versauerung von B\u00f6den und der bodennahen Ozonbildung zeigt hier noch keine Entlastung f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe<\/p>\n<p><b>ISO-Normen zur CO<sub>2<\/sub>-Bilanzierung der Umweltbelastungen<\/b><br \/>Die aktuellen Diskussionen zur Reduzierung der Treibhausemissionen verlangen international anerkannter Bewertungsinstrumente die auf der Basis von Lebenszyklusbetrachtungen die Produkte und System auf praktische und verst\u00e4ndliche Parameter festschreibt. Die ersten Ans\u00e4tze zur Darstellung dieses Themas &#8220;CO<sub>2<\/sub>-neutral&#8221; wurde dieser Tage mit der AURO-Holzlasur 160 ver\u00f6ffentlicht, wobei die Bilanzierungsmethodik nicht transparent gemacht wurde. <\/p>\n<p>Die wissenschaftlich fundierte Grundlage f\u00fcr Treibhausemissionen sind die ISO-Normen 14025 und 14040, die mit der Erfassung aller Stoffdaten beginnt und \u00fcber die produktspezifischen Anforderungen (LCR) zur Lebenszyklusanalyse (LCA) und zur Umwelt-Produktdeklaration (EPD) f\u00fchrt. Farben- und Lackhersteller sind gut beraten, wenn sie wie andere Branchen gemeinsam die Grundlagen f\u00fcr die Bilanzierungsregeln und \u00d6kobilanzierungsdaten erarbeiten und international anerkannte Parameter zu den Umweltbelastungen festlegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Im Heft 3\/2007 ist der erste &Ouml;KO-TEST-Bericht ver&ouml;ffentlicht, in dem die normengerechte Deklarationen der Einsatz- und Inhaltsstoffe gesondert bewertet und mit 30% im Gesamtergebnis ber&uuml;cksichtigt<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-9864","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9864","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9864"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9864\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9864"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9864"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=9864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}