{"id":9822,"date":"2007-03-13T00:00:00","date_gmt":"2007-03-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070313-11n"},"modified":"2007-03-13T00:00:00","modified_gmt":"2007-03-12T22:00:00","slug":"die-kartoffel-als-nachwachsender-rohstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-kartoffel-als-nachwachsender-rohstoff\/","title":{"rendered":"Die Kartoffel als Nachwachsender Rohstoff"},"content":{"rendered":"<p><b>Wenn auch die Bedeutung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel stetig abnimmt, so w\u00e4chst aber die Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber einem ihrer Bestandteile, n\u00e4mlich der St\u00e4rke. Die St\u00e4rkegewinnung aus Kartoffeln hat sich seit den 80er Jahren verdreifacht.<\/b><\/p>\n<p>Neben den beiden anderen gro\u00dfen St\u00e4rkelieferanten Weizen und Mais hatte die Kartoffel 2005 in Deutschland einen Anteil von 44 Prozent an der St\u00e4rkeproduktion, bei einem Rohstoffaufkommen von sogar 65 Prozent. Das ist deshalb so hoch, weil die Kartoffel vergleichsweise wenig St\u00e4rke enth\u00e4lt, n\u00e4mlich nur etwa 17 Prozent &#8211; Weizen und Mais dagegen um die 60-70 Prozent. Dennoch liefert die Kartoffel den gr\u00f6\u00dften Ertrag pro Hektar Anbaufl\u00e4che.<\/p>\n<p><b>Kartoffelst\u00e4rke &#8211; Vor- und Nachteile<\/b><br \/>Die Kartoffel ist &#8211; insbesondere in Deutschland &#8211; sehr beliebt als St\u00e4rkelieferant. Sie liefert hohe Ertr\u00e4ge pro Hektar, hat eine h\u00f6here Quellkraft und Viskosit\u00e4t als ihre Konkurrenten, und sie besitzt die gr\u00f6\u00dften St\u00e4rkek\u00f6rner. Ein Nachteil ist, dass der Rohstoff Kartoffel nicht kontinuierlich verf\u00fcgbar ist. Die st\u00e4rkehaltigen Kartoffelsorten sind sp\u00e4te Sorten und eine Lagerung \u00fcber das gesamte Jahr ist nicht m\u00f6glich. Au\u00dferdem f\u00e4llt bei der Isolierung der St\u00e4rke aus Kartoffeln eine gro\u00dfe Menge Abwasser an, dass mit l\u00f6slichen Kohlenhydraten und Proteinen angereichert ist. Dadurch fallen hohe Reinigungskosten an.<\/p>\n<p><b>St\u00e4rke als Nachwachsender Rohstoff<\/b><br \/>Aufgrund ihrer F\u00e4higkeit zu verbinden und zu verdicken ist St\u00e4rke ein ausgesprochen vielseitig nutzbarer Rohstoff- l\u00e4ngst nicht mehr nur in der Lebensmittelindustrie.<\/p>\n<p>St\u00e4rke ist auch ein so genannter Nachwachsender Rohstoff. Darunter versteht man land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, die nicht f\u00fcr die Ern\u00e4hrung verwendet werden. St\u00e4rke als Nachwachsender Rohstoff ist biologisch abbaubar und &#8211; im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen &#8211; vor allem erneuerbar, weil die Pflanzen, die St\u00e4rke produzieren, immer wieder neu angebaut werden k\u00f6nnen. In den letzten Jahren hat es eine F\u00fclle von Produktentwicklungen auf St\u00e4rkebasis gegeben z.B. bei Verpackungen. Es gibt ihn schon, den kompostierbaren Joghurtbecher und auch das Einweggeschirr, welches im Bioabfall landen darf. Solche Produkte befinden sich allerdings noch weitgehend im Versuchsstadium.<\/p>\n<p><b>St\u00e4rke und ihre Bestandteile<\/b><br \/>Nun ist aber St\u00e4rke nicht gleich St\u00e4rke, ihre Eigenschaften h\u00e4ngen davon ab, in welchem Mengenverh\u00e4ltnis die beiden St\u00e4rke-Komponenten Amylose und Amylopektin in der Pflanze vorhanden sind. In der Regel ist das Verh\u00e4ltnis Amylose zu Amylopektin etwa 1:4 bis 1:5. Die meisten an St\u00e4rke gesch\u00e4tzten Eigenschaften wie z.B. die guten Kleistereigenschaften verdankt diese dem Amylopektin, das deshalb der begehrtere Bestandteil ist. Aber auch die Amylose hat ihre speziellen F\u00e4higkeiten, sie hat sehr gute Filmeigenschaften und wird deshalb zur Herstellung von Filmen und Folien verwendet.<\/p>\n<p>Die Trennung der beiden St\u00e4rkebestandteile f\u00fcr die industrielle Verarbeitung ist sehr aufw\u00e4ndig und f\u00fchrt zu einer hohen Abwasserbelastung. Deshalb wird entsprechend den jeweiligen Bed\u00fcrfnissen auf Rohstoffpflanzen mit hohem Amylose- bzw. Amylopektingehalt zur\u00fcckgegriffen. Beim Mais etwa gibt es einen Mutanten, der fast ausschlie\u00dflich Amylopektin ausbildet. Da die Maisk\u00f6rner dann ein wachsartiges Aussehen haben, hei\u00dft die Mutation &#8220;waxy&#8221;.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070313-11\/07-03-13_Starke\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"07-03-13_Starke\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/><b>Rohstoffe nach Ma\u00df<\/b><br \/>Die industrielle Verarbeitung stellt v\u00f6llig neue Anforderungen an die Rohstoffpflanzen. Bei einer Kartoffel, aus der St\u00e4rke gewonnen werden soll, ist es v\u00f6llig egal, ob sie mehlig oder festkochend, klein oder gro\u00df ist, sie muss vor allem einen hohen St\u00e4rkegehalt haben, die St\u00e4rkezusammensetzung soll optimal sein, und sie muss von gleichm\u00e4\u00dfiger Qualit\u00e4t und Beschaffenheit sein f\u00fcr den industriellen Prozess.<\/p>\n<p>Die Z\u00fcchter sind bem\u00fcht, all diese Anforderungen zu bedienen, aber die M\u00f6glichkeiten der Kartoffelz\u00fcchtung sind begrenzt. Die Kultur-Kartoffel ist tetraploid, d.h. sie hat vier Chromosomen s\u00e4tze und deshalb sehr komplizierte Vererbungsmuster. Es ist ausgesprochen schwierig, eine oder gar mehrere gew\u00fcnschte Eigenschaften einzukreuzen &#8211; zumal f\u00fcr eine Eigenschaft in der Regel mehrere Gene zust\u00e4ndig sind. Eine Kartoffel zu z\u00fcchten, die nur die bevorzugte Amylopektin-St\u00e4rke bildet, ist mit konventionellen Methoden bislang nicht gelungen.<\/p>\n<p>Eine gentechnisch ver\u00e4nderte Kartoffel, die vorwiegend Amylopektin-St\u00e4rke produziert, befindet sich in der EU im Zulassungsverfahren. Bei dieser Kartoffel wurde mit Hilfe der Antisense -Technik ein Gen (gbss), das in der Kartoffel-Knolle an der Bildung der St\u00e4rke beteiligt ist, inaktiviert. Dadurch ver\u00e4ndert sich die St\u00e4rkezusammensetzung, der Anteil der Amylopektin-S\u00e4rke nimmt zu.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070313-11\/graphics_227a0fa2782594ff0e6e8b2aa429761e.png\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"graphics_227a0fa2782594ff0e6e8b2aa429761e.png\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Abbildung: St\u00e4rkeproduktion in Deutschland 2005 (4,58 Mio. t)<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070313-11\/graphics_EUc941e1dabf4c40c5554c3ecc694236af.png\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"graphics_EUc941e1dabf4c40c5554c3ecc694236af.png\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Abbildung: Rohstoffaufkommen f\u00fcr die St\u00e4rkeproduktion in der EU 2005 (22,6 Mio. t)<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070313-11\/graphics_Verbauch_e5485046fd91bead3160744d2671e62e.png\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"graphics_Verbauch_e5485046fd91bead3160744d2671e62e.png\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Abbildung: Verbrauch von St\u00e4rkeprodukten in der EU nach Sektoren 2005<\/p>\n<p>St\u00e4rke wird heute zunehmend im &#8220;Non-Food-Bereich&#8221; eingesetzt (42%) f\u00fcr Baustoffe und Verpackungsmaterialien, Tapetenkleister und Wasch-Pulver, f\u00fcr Folien und Kosmetika. Der L\u00f6wenanteil geht dabei an die Papierindustrie.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/den-staerkefabriken-fehlen-die-kartoffeln\/\" >2006-12-14<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutschland-kartoffeln-als-impfstoff-lieferanten\/\" >2006-06-19<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-spezial-kreativspielzeug-aus-kartoffelstaerke-bei-aldi-sued\/\" >2005-12-27<\/a>.)<\/p>\n<p>Quelle Grafiken: Fachverband der St\u00e4rke-Industrie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Wenn auch die Bedeutung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel stetig abnimmt, so w&auml;chst aber die Wertsch&auml;tzung gegen&uuml;ber einem ihrer Bestandteile, n&auml;mlich der St&auml;rke. 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