{"id":98187,"date":"2021-10-08T07:26:00","date_gmt":"2021-10-08T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=98187"},"modified":"2021-09-30T13:25:44","modified_gmt":"2021-09-30T11:25:44","slug":"mit-nawaro-die-landwirtschaft-diversifizieren-und-mehrnutzungsstrategien-verfolgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mit-nawaro-die-landwirtschaft-diversifizieren-und-mehrnutzungsstrategien-verfolgen\/","title":{"rendered":"Mit Nawaro die Landwirtschaft diversifizieren und Mehrnutzungsstrategien verfolgen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/fileadmin\/news\/fnr\/2020\/PM_2020-10_Silphie_Vorschau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"282\" height=\"212\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/csm_PM_2020-10_Silphie_Vorschau_b054d82d4c.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-98206\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/csm_PM_2020-10_Silphie_Vorschau_b054d82d4c.jpg 282w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/csm_PM_2020-10_Silphie_Vorschau_b054d82d4c-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/a><figcaption><a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/fileadmin\/news\/fnr\/2020\/PM_2020-10_Silphie_Vorschau.jpg\"><\/a><br>Durchwachsene Silphie Bl\u00fcte; Bild: FNR\/H. Stolte<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Die Produktion nachwachsender Rohstoffe bietet viele Ansatzpunkte, um die Landwirtschaft vielf\u00e4ltiger zu gestalten und neben der Produktion von Agrarg\u00fctern wichtige umweltbezogene Ziele zu verfolgen. In einer Gespr\u00e4chsrunde, die die FNR auf der&nbsp;<\/strong><a href=\"https:\/\/www.gfoe-conference.de\/index.php?cat=show_start\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>50. Jahrestagung der Gesellschaft f\u00fcr \u00d6kologie<\/strong><\/a><strong>&nbsp;organisierte, wurden insbesondere der Anbau von Energie- und Rohstoffpflanzen thematisiert, der zugleich die Biodiversit\u00e4t erh\u00f6hen kann.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee der Integration umweltbezogener Ziele in die Landwirtschaft ist nicht neu. Das Konzept des produktionsintegrierten Naturschutzes geht in diese Richtung und auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung f\u00fcr Globale Umweltver\u00e4nderungen (WBGU) empfiehlt in seinem 2020 ver\u00f6ffentlichten Landwende-Gutachten<sup>1<\/sup>&nbsp;eine diversifizierte und multifunktionale Landwirtschaft. \u201eEin integrierter Umgang mit Land, der die multiplen Ziele zusammendenkt und, wo m\u00f6glich, auf ein und derselben Fl\u00e4che realisiert, kann zur \u00dcberwindung der Konkurrenzen beitragen\u201c, hei\u00dft es auf&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.wbgu.de\/de\/publikationen\/publikation\/landwende\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.wbgu.de\/de\/publikationen\/publikation\/landwende<\/a>. Nachwachsende Rohstoffe k\u00f6nnen zur Diversifizierung der Landwirtschaft und zur Aufweitung von Fruchtfolgen beitragen und bieten viele Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr Mehrnutzungsstrategien auf der Fl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Landwirte sind offen f\u00fcr Neues<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Bei der FNR-Gespr\u00e4chsrunde am 31. August benannte Professor Jens Dauber, Leiter des Th\u00fcnen-Instituts f\u00fcr Biodiversit\u00e4t, drei wichtige Baustellen, um die Artenvielfalt in der Landwirtschaft zu erh\u00f6hen: kleinere Parzellen, diversere Fruchtfolgen und hochwertige Saum- und Randstrukturen. \u201eBei der Erweiterung von Fruchtfolgen nur mit Nahrungs- und Futterpflanzen sto\u00dfen wir aber an Grenzen. Hier sind nachwachsende Rohstoffe eine willkommene Erg\u00e4nzung. Insbesondere Dauerkulturen schaffen mehr Bl\u00fchangebote und Bodenruhe im Winter,\u201c so Dauber. Er berichtete auch aus dem laufenden Forschungsprojekt&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.final-projekt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">FInAL<\/a>. In dem vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) gef\u00f6rderten Vorhaben erproben Forscher gemeinsam mit Landwirten Ma\u00dfnahmen, die insektenfreundlich und gleichzeitig praktikabel und sinnvoll f\u00fcr die Betriebe sind. Aufgrund der zunehmenden Wetterextreme seien die Landwirte offen daf\u00fcr, Neues auszuprobieren, sagte Dauber. Einige der Partnerbetriebe im bayerischen Rottal h\u00e4tten in diesem Jahr Totalausf\u00e4lle im Mais durch Hagel erlebt. Als L\u00f6sungsans\u00e4tze werden dort nun Dauerkulturen wie die Durchwachsene Silphie oder Ackergras als Biogassubstrate angedacht. \u201eUnsere Daten zeigen, dass diese mehrj\u00e4hrigen Kulturen Nutzarthropoden (r\u00e4uberische Insekten wie Laufk\u00e4fer oder Spinnen, die sich von Sch\u00e4dlingen ern\u00e4hren) f\u00f6rdern, die auch in benachbarte Kulturen einwandern. Die Landwirte haben gro\u00dfes Interesse an dieser Form von biologischem Pflanzenschutz\u201c, so Dauber. Dauerkulturen wie die Durchwachsene Silphie k\u00f6nnen au\u00dferdem den Humusgehalt im Boden steigern und N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge ins Grundwasser mindern. Kurzfristig sind sie zwar weniger ertragreich, mittel- und langfristig k\u00f6nnten sie jedoch durch ihre gr\u00f6\u00dfere Stabilit\u00e4t und Resilienz wirtschaftlich \u00fcberlegen sein. Agrar\u00f6konomische Bilanzierungsmethoden m\u00fcssten weiterentwickelt werden, um dies ad\u00e4quat abzubilden, so Dauber.<\/p>\n\n\n\n<p>Frank Wagener vom Institut f\u00fcr angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) brach bei der FNR-Gespr\u00e4chsrunde eine Lanze f\u00fcr Agroforstsysteme, insbesondere im Kontext Gew\u00e4sserschutz.&nbsp; Einen Gew\u00e4sserschutzstreifen lediglich zu begr\u00fcnen und zu mulchen, sei viel zu kurz gedacht, meinte er. Stattdessen w\u00fcrden sich hier, wie auch generell auf Acker- und Gr\u00fcnland, Agroforstsysteme als hochdiverse Mehrnutzungssysteme anbieten. Sie k\u00f6nnen Nahrung (Obst- und Nussb\u00e4ume), Energie (schnellwachsende Baumarten), Wertholz (Wertholzbaumarten als \u00dcberh\u00e4lter), Erosions- und Gew\u00e4sserschutz, Klimaschutz (Kohlenstoffbindung und Humusaufbau), Biodiversit\u00e4t und Biotopverbund (Beimischung standortgerechter Geh\u00f6lze), positive Effekte f\u00fcr die dazwischenliegenden Kulturen und ein Einkommen f\u00fcr den Landwirt liefern. In Hanglagen k\u00f6nnen Agroforstsysteme auch zum Hochwasserschutz beitragen. Nicht zuletzt helfen sie potenziell, mehr Akzeptanz f\u00fcr staatliche Vorgaben im Gew\u00e4sserschutz im Zuge der GAP oder der EG-Wasserrahmen-Richtlinie zu schaffen. Noch hakt die Umsetzung dieser Richtlinie stark, auch, weil zu wenige Landeigent\u00fcmer Fl\u00e4chen f\u00fcr eine \u00f6kologische Aufwertung von Gew\u00e4ssern bereitstellen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Agroforstwirtschaft hinsichtlich Beihilfef\u00e4higkeit m\u00fcssen nun in Deutschland schnell verbessert werden, forderte Wagener.<\/p>\n\n\n\n<p>Das BMEL hat am IfaS schon ab 2007 die Entwicklung eines Mehrnutzungskonzeptes mit nachwachsenden Rohstoffen unterst\u00fctzt: Der Ansatz ELKE (\u201eEntwicklung extensiver Landnutzungskonzepte f\u00fcr die Produktion nachwachsender Rohstoffe als m\u00f6gliche Ausgleichs- und Ersatzma\u00dfnahmen\u201c (<a href=\"https:\/\/www.landnutzungsstrategie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.landnutzungsstrategie.de<\/a>)) wurde in zwei Projekten, die vom BMEL gef\u00f6rdert wurden, bis zur Praxisreife entwickelt. Mittlerweile kommt das Konzept unter anderem bei der Gestaltung von Ausgleichsma\u00dfnahmen f\u00fcr den Bau der Autobahn A39 zur Anwendung \u2013 hier kompensieren Landwirte mit dem Anbau von Wildpflanzengemengen f\u00fcr Biogasanlagen die Eingriffe in Natur und Landschaft durch den Stra\u00dfenbau.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hintergrund\u00a0<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der WBGU benennt in seinem Ende 2020 ver\u00f6ffentlichten Landwende-Gutachten drei gro\u00dfe, aktuelle Herausforderungen: die Klimakrise, die Biodiversit\u00e4tskrise und die Ern\u00e4hrungskrise. Viele L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr diese Krisen sind mit der Landnutzung verkn\u00fcpft und treten bereits heute in Konkurrenz zueinander. \u201eDer WBGU bezeichnet dies als \u201eTrilemma der Landnutzung\u201c, weil es auf den ersten Blick scheint, als k\u00f6nne jeweils eine dieser Herausforderungen nur auf Kosten der anderen beiden bew\u00e4ltigt werden.\u201c Zur L\u00f6sung schl\u00e4gt der WBGU f\u00fcnf Mehrgewinnstrategien vor, eine davon bezieht sich auf die Diversifizierung von Landwirtschaftssystemen. Agroforstsysteme, also der streifenf\u00f6rmige Anbau von Geh\u00f6lzen auf Acker- und Gr\u00fcnland, werden als ein Beispiel zur Umsetzung dieser Strategie genannt. Aber auch andere nachwachsende Rohstoffe wie Energiepflanzen, Arznei-, Faser- und \u00d6lpflanzen zur stofflichen Nutzung oder Paludikulturen auf wiedervern\u00e4ssten Moorb\u00f6den k\u00f6nnen zur Diversifizierung beitragen und Elemente von Mehrnutzungskonzepten aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Projektauswahl zum Thema Nachwachsende Rohstoffe und Biodiversit\u00e4t findet sich hier:\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/pflanzen.fnr.de\/service\/presse\/themendossier-nawaro-goes-vielfalt\" target=\"_blank\">https:\/\/pflanzen.fnr.de\/service\/presse\/themendossier-nawaro-goes-vielfalt<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Links<\/h3>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.kcs-convention.com\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.kcs-convention.com\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/final-projekt.de\" target=\"_blank\">http:\/\/final-projekt.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><sup>1<\/sup>&nbsp;WBGU \u2013 Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltver\u00e4nderungen (2020): Landwende im Anthropoz\u00e4n: Von der Konkurrenz zur Integration. Berlin: WBGU.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Produktion nachwachsender Rohstoffe bietet viele Ansatzpunkte, um die Landwirtschaft vielf\u00e4ltiger zu gestalten und neben der Produktion von Agrarg\u00fctern wichtige umweltbezogene Ziele zu verfolgen. In einer Gespr\u00e4chsrunde, die die FNR auf der&nbsp;50. 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