{"id":97573,"date":"2021-09-24T07:26:00","date_gmt":"2021-09-24T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=97573"},"modified":"2021-09-21T12:11:00","modified_gmt":"2021-09-21T10:11:00","slug":"kunststoffrecycler-lehnen-greenwashing-der-europaischen-kunststoffindustrie-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kunststoffrecycler-lehnen-greenwashing-der-europaischen-kunststoffindustrie-ab\/","title":{"rendered":"Kunststoffrecycler lehnen \u201eGreenwashing\u201c der europ\u00e4ischen Kunststoffindustrie ab"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p><strong>Die europ\u00e4ische Kunststoffindustrie startet eine neue Greenwashing-Kampagne, die man ihr nicht durchgehen lassen sollte. Das erkl\u00e4rte Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/bvse-dr-dirk-textor.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-97588\" width=\"183\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/bvse-dr-dirk-textor.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/bvse-dr-dirk-textor-223x300.jpg 223w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/bvse-dr-dirk-textor-111x150.jpg 111w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/bvse-dr-dirk-textor-200x270.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Anlass dieser Kritik ist nicht die Forderung einer Recyclat-Einsatzquote von 30 Prozent, sondern die gleichzeitig erhobene Forderung, das Kunststoffrecycling und die chemische Behandlung von Kunststoffabf\u00e4llen gleichzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Dirk Textor: &#8220;Die chemische Aufbereitung von Kunststoffabf\u00e4llen ist eigentlich ein alter Hut in der Branche, der immer mal wieder gezogen wird. Momentan wird sie unter dem Label des chemischen Recyclings gehypt.&#8221;<br><br>Es gibt nach Auffassung des bvse keinen Zweifel daran, dass das werkstoffliche Kunststoffrecycling eine wesentlich bessere \u00d6kobilanz ausweist als die chemische Behandlung von Kunststoffabf\u00e4llen. Es wird deutlich weniger Energie eingesetzt, der bei der chemischen Behandlung erforderliche Chemiecocktail wird nicht ben\u00f6tigt und die im Wege des Kunststoffrecyclings hergestellten Recyclate sind f\u00fcr eine gro\u00dfe Vielfalt von Kunststoffprodukten einsetzbar.<br><br>Nach Auffassung des bvse ist die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz der chemischen Verwertung deutlich schlechter als bei dem werkstofflichen Recycling von Kunststoffen. Nicht nur die Kreislauff\u00fchrung der Materialien ist ein wesentliches Element im Umweltschutz, sondern auch die Reduktion von CO<sub>2<\/sub>. Damit sind chemische Recyclingverfahren, von denen es noch keine im industriellen Ma\u00dfstab gibt, kontraproduktiv.&nbsp;<br>&nbsp;<br>Gegenw\u00e4rtig generieren die deutschen werkstofflichen Kunststoffrecycler eine Gesamtmenge von 2,04 Mio. t an Recyclaten, die, bezogen auf die Kunststoffabfallmenge in H\u00f6he von 6,28 Mio. t, immerhin 32 % entspricht. Die damit verbundenen Einsparungen an Rohstoffen, Energie und Treibhausgasen zeigen die enorme \u00f6kologische und \u00f6konomische Leistung der werkstofflichen Verwertung \u2013 also des bestehenden Kunststoffrecyclings. So werden hier Recyclate erzeugt, die seit vielen Jahren etablierte Einsatzgebiete haben, zu denen auch Anwendungen im Lebensmittelbereich geh\u00f6ren.<br><br>Bei der Betrachtung der Recyclat-Einsatzquote bezogen auf die post consumer Abf\u00e4lle, die in H\u00f6he von 5,35 Mio. t anfallen, ergibt sich ein ver\u00e4ndertes Erfolgsbild. Hier werden immerhin 1,02 Mio. t an Recyclaten in der Kunststoffindustrie verarbeitet und dies entspricht einer Recyclat-Einsatzquote von 19 %. Auch das ist ein bedeutender Erfolg bei den Verpackungsabf\u00e4llen, die dem VerpackG unterliegen. Aus den Erhebungen aus zur\u00fcckliegenden Jahren wird deutlich, dass die gesamte Recyclatmenge von 2017 zu 2018 um immerhin 10 % gesteigert werden konnte. Das Wachstum resultierte insbesondere aus den gestiegenen Einsatzmengen aus post consumer Abf\u00e4llen, die um 200.000 t gesteigert werden konnten.<br><br>Das Problem ist aber klar zu beschreiben: Es gibt immer noch viel zu viele Kunststoffverpackungen im Markt, die nach ihrer Gebrauchsphase nicht recycelbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Problem ist l\u00f6sbar: Der Schl\u00fcssel hei\u00dft \u201eDesign for Recycling\u201c.<br><br>Es gibt inzwischen hervorragende Verpackungsl\u00f6sungen, die recycelbar sind. Aber sie machen erst einen Bruchteil der Verpackungen aus, die im Umlauf sind. Es ist deshalb bedauerlich, dass die Kunststoffindustrie jetzt auf eine seit Jahrzehnten vor sich hin d\u00fcmpelnde Technologie, die chemische Verwertung, setzt, um sich vor einer L\u00f6sung f\u00fcr eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, n\u00e4mlich dem Design for Recycling, zu dr\u00fccken.<br><br>Die Ans\u00e4tze bei der chemischen Verwertung basieren heute auf dem Einsatz von Stoffstr\u00f6men, die im werkstofflichen Recycling bereits seit vielen Jahren erfolgreich verwertet werden. Damit stehen im Fokus der chemischen Abfallbehandlung die getrennt gesammelten und sortierten Polyolefinfraktionen aus dem Verpackungsbereich.<br><br>Fazit: &#8220;Wer auf die chemische Abfallbehandlung setzt, konterkariert sehenden Auges alle Bem\u00fchungen, Verpackungen nachhaltiger durch Design for Recycling zu gestalten. Chemische Abfallbehandlungsverfahren werden letztlich, vergleichbar mit der M\u00fcllverbrennung, den Stoffstrom der Kunststoffe beseitigen, anstatt diesen zu recyceln&#8221;, so die Kunststoffrecycler im bvse-Bundesverband Sekund\u00e4rrohstoffe und Entsorgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die notwendigen chemischen Prozesse durchlaufen sind, ist f\u00fcr die Herstellung \u201cneuer\u201d Kunststoffe nur noch ein Bruchteil der eingesetzten Stoffe verf\u00fcgbar, deutlich weniger als beim werkstofflichen Recycling.<br><br>&#8220;Es ist aus unserer Sicht auch v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich, warum sich die Kunststoffindustrie auf den Abfallstrom der Kunststoffverpackungen fokussiert&#8221;, so Dr. Dirk Textor.<br><br>Der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling betont, dass das Hauptproblem hinsichtlich Menge und Gewicht nicht etwa die Kunststoffverpackungen darstellen, sondern die Kunststoffstr\u00f6me, die beispielsweise in Elektroger\u00e4ten oder Fahrzeugen verbaut werden, die glasfaserverst\u00e4rkten Kunststoffe oder die Compounds.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier k\u00f6nnte sich die chemische Kunststoffabfallbehandlung tats\u00e4chlich zu einer, auch \u00f6kologisch, besseren L\u00f6sung als die bisher g\u00e4ngige M\u00fcllverbrennung entwickeln. Auf diesem weiten und wichtigen Feld tummeln sich aber erstaunlich wenige Akteure der chemischen Verwertung.<br><br>Das hat seinen Grund: Es ist technisch enorm anspruchsvoll, f\u00fcr die genannten Kunststoffabf\u00e4lle einen industriell darstellbaren Verwertungsprozess zu entwickeln. Da ist die einfache M\u00fcllverbrennung die wesentlich g\u00fcnstigere Alternative, so dass man tats\u00e4chlich den Eindruck gewinnen kann, dass die Kunststoffindustrie in Wahrheit nach wie vor nicht an Kreislaufwirtschaft interessiert ist, sondern an L\u00f6sungen der einfachen und billigen Entsorgung, die ihr Gesch\u00e4ftsmodell so wenig wie m\u00f6glich tangiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die europ\u00e4ische Kunststoffindustrie startet eine neue Greenwashing-Kampagne, die man ihr nicht durchgehen lassen sollte. Das erkl\u00e4rte Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling. 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