{"id":9755,"date":"2007-01-22T00:00:00","date_gmt":"2007-01-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070122-04n"},"modified":"2007-01-22T00:00:00","modified_gmt":"2007-01-21T22:00:00","slug":"kamerun-biodiesel-als-exportschlager-auf-kosten-von-mensch-und-umwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kamerun-biodiesel-als-exportschlager-auf-kosten-von-mensch-und-umwelt\/","title":{"rendered":"Kamerun: Biodiesel als Exportschlager &#8211; auf Kosten von Mensch und Umwelt"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Regierung in Kamerun forciert mit Unterst\u00fctzung des <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/\" >Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF)<\/a> und der Weltbank die Expansion des industriell betriebenen Anbaus von \u00d6lpalmen f\u00fcr die Produktion von Biodiesel. Umweltorganisationen warnen vor den \u00f6kologischen Gefahren des Booms.<\/b><\/p>\n<p>Seit jeher wird im \u00fcberwiegend landwirtschaftlich genutzten Kamerun Speise\u00f6l aus \u00d6lpalmen gewonnen. Im 475.500 Quadratkilometer gro\u00dfen Land umfassen die \u00d6lpalmenpflanzungen eine Gesamtfl\u00e4che von 108.000 Hektar. Seitdem jedoch Palm\u00f6l weltweit auch als alternativer Kraftstoff gefragt ist, mussten vor allem im S\u00fcden zwischen 2001 und 2006 rund 30.000 Hektar Wald neuen Palmenplantagen weichen.<\/p>\n<p>In Kamerun will man den Biodiesel-Boom nicht verpassen, zumal wichtige potentielle Abnehmer wie Europa und Japan in ihrer Umweltpolitik auch auf die Verwendung von Biosprit als Kraftstoff setzen. &#8220;Die Regierung bem\u00fcht sich um eine Modernisierung der Landwirtschaft und hat 2001 ihr Palm\u00f6l-Projekt gestartet&#8221;, berichtet der Ingenieur Jean Momo, Mitarbeiter des Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft und Entwicklung. &#8220;Mit Hilfe von <a href=\"http:\/\/www.worldbank.org\/\" >Weltbank<\/a> und IWF wollen wir bis 2010 die Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr \u00d6lpalmen um rund 50.000 Hektar erweitern und 250.000 Tonnen Palm\u00f6l produzieren.&#8221;<\/p>\n<p>2005 betrug Kameruns Palm\u00f6lproduktion 140.000 Tonnen. Drei Wirtschaftszweige sind daran beteiligt: Die Agrarindustrie, d\u00f6rfliche Plantagen, die im Dienst von Unternehmen des Agro-Business betrieben werden sowie die traditionelle Landwirtschaft. Besonders ehrgeizige Pl\u00e4ne verfolgen Agro-Konzerne wie &#8220;Socapalm&#8221;, &#8220;Safacam&#8221; und &#8220;Ferme suisse&#8221;. Sie wollen ihre Palm\u00f6lplantagen erweitern und die Produktivit\u00e4t sowohl im Anbau wie in der Verarbeitung der \u00d6lpalmen steigern.<\/p>\n<p>Die Nutzung und Vermarktung des seit 2005 in Kamerun produzierten Biodiesels ist bislang allein den Unternehmen vorbehalten, die ihn herstellen. Auf die Frage nach den Produktionsmengen war lediglich zu erfahren, dass ein Teil des \u00d6ls grunds\u00e4tzlich nach Nigeria, Frankreich, Italien, Malaysia und Indonesien exportiert wird. Teilweise werde der Biotreibstoff auch von den Unternehmen selbst verarbeitet.<\/p>\n<p><b>Kamerun soll bedeutender Biotreibstoff-Exporteur werden<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Die neuen M\u00e4rkte f\u00fcr Bio-Brennstoffe kommen auch dem Verkauf von Palm\u00f6l zunutze&#8221;, meint Jacques Emana, der als Ingenieur f\u00fcr Socapalm arbeitet. &#8220;Es versteht sich von selbst, dass Kamerun und die hier ans\u00e4ssigen Unternehmen an diesem Markt einen betr\u00e4chtlichen Anteil erhalten.&#8221;<\/p>\n<p>Die Expansionsbestrebungen der Palm\u00f6lindustrie und die damit einhergehende Vertreibung der einheimischen Bev\u00f6lkerung aus ihren traditionellen Lebensr\u00e4umen haben Umweltorganisationen auf den Plan gerufen. &#8220;Durch Abholzen und Brandrodungen wird in unserem Land immer mehr Wald in Palmenplantagen umgewandelt&#8221;, erkl\u00e4rt Marie Mendouga von der in der Hauptstadt Jaunde ans\u00e4ssigen &#8220;Organisation zum Schutz Umwelt&#8221;. Auch Spekulanten h\u00e4tten einen wesentlichen Anteil an der Zerst\u00f6rung der W\u00e4lder Kameruns, betonte sie.<\/p>\n<p>Durch die Ausbreitung der Palmenplantagen w\u00fcrden B\u00f6den und Naturressourcen zerst\u00f6rt, die einheimische Vegetation radikal ver\u00e4ndert und die im Wald lebenden Menschen vertrieben und umgesiedelt, kritisiert die Aktivistin.<\/p>\n<p>In den Gebieten, in denen die Plantagen auf dem Vormarsch sind, hat die Bev\u00f6lkerung einen schweren Stand. Nach Angaben von Philippe Engoulo aus Nyet\u00e9, einem s\u00fcdwestlich von Jaunde gelegenen Dorf in der N\u00e4he von Kribi, ergaunern sich die Unternehmen das Land, dr\u00e4ngen die ahnungslosen Menschen mit falschen Versprechungen dazu, Vertr\u00e4ge zu unterzeichnen, um sie dann von ihrem Grund und Boden zu verjagen.<\/p>\n<p>Andere berichten von der Missachtung von Gewohnheitsrechten, von Plantagen, die ohne beh\u00f6rdliche Erlaubnis angelegt werden, von gebrochenen Vertr\u00e4gen und nicht bezahlten Geldstrafen. Den betroffenen Gemeinden w\u00fcrden Informationen vorenthalten, Dorf\u00e4lteste w\u00fcrden durch Manipulationen zum Landverkauf gezwungen, zugesagte Versprechen nicht eingehalten und den Kleinbauern versprochenes Land verweigert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend von Safacam und Socapalm keine Stellungnahme zu den Vorw\u00fcrfen zu bekommen war, zeigte sich ein Mitarbeiter von Ferme suisse, wenn auch anonym, zu einer telefonischen Erkl\u00e4rung bereit. Er versicherte, sein Unternehmen vertreibe niemanden von seinem Land. &#8220;Wir bezahlen daf\u00fcr, m\u00f6glicherweise besser als andere.&#8221;<\/p>\n<p><b>Traditionelle Lebensgrundlage wird zerst\u00f6rt<\/b><\/p>\n<p>Das Vordringen der Palmenplantagen zerst\u00f6re die angrenzenden W\u00e4lder, die Existenzgrundlage der einheimischen Bev\u00f6lkerung, klagt Hubert Minkoulou, der in der Gegend von Kribi zu Hause ist. &#8220;Die gro\u00dfen Unternehmen haben die schweren Konflikte mit den hier lebenden Ethnien der Bagyeli, Boulou und Fang zu verantworten. Man hat ihr Land entsch\u00e4digungslos konfisziert.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Wir k\u00f6nnen unser traditionelles Leben nicht fortf\u00fchren, und neue Arbeitspl\u00e4tze sind nicht in Sicht&#8221;, so Florence Mpecke, die ebenfalls in Kribi lebt: Die Unternehmen beschaffen sich ihr Personal in anderen Regionen Kameruns und bringen ihre Mitarbeiter in Lagern auf dem Plantagengel\u00e4nde unter. Einheimische werden hier nur selten besch\u00e4ftigt.&#8221;<\/p>\n<p>Ihre Klage \u00fcber die massive Verseuchung der in der Nachbarschaft der Fabriken liegenden Gew\u00e4sser durch Industrieabw\u00e4sser, die Krankheiten wie Bilharziose, Ruhr, Typhus und Cholera ausl\u00f6sen k\u00f6nnen, wird von dem in der &#8220;Klinik der Hoffnung&#8221; in Jaunde arbeitenden Arzt Marc Dzomou best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Pierre Minko von der Nichtregierungsorganisation (NGO) &#8220;Equal Rights Opportunity Forum&#8221; in Jaunde spricht von der langen, schmerzlichen und konfliktreichen Geschichte der \u00d6lpalmenplantagen in Kamerun, die 1963 mit der ersten industriell betrieben Pflanzung begonnen habe. Jetzt, mit der Produktion und F\u00f6rderung von Biodiesel, bieten sich Plantagenbesitzern und Unternehmen ganz neue Wachstumschancen, die der einheimische Bev\u00f6lkerung m\u00f6glicherweise noch mehr schaden k\u00f6nnten, betont er.<\/p>\n<p>&#8220;Unsere Geschichte ist die vom stillschweigenden Verschwinden der W\u00e4lder, die zu Plantagen werden&#8221;, klagt Odette Lobe, die Vorsitzende des Dorfentwicklungskomitees von Nyet\u00e9. &#8220;Das ist die Geschichte einer traditionellen Kultur und ihrer Menschen, die als l\u00e4ndliches Proletariat verelenden. Es sind ihre Stimmen, die der von den Propagandisten des Biodiesels betriebenen Zerst\u00f6rung der W\u00e4lder Einhalt gebieten.&#8221; <\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Informationen im Internet: <a href=\"http:\/\/www.regenwald.org\/\" >http:\/\/www.regenwald.org<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/umweltgruppen-fordern-verzicht-auf-biokraftstoffe\/\" >2007-01-09<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Regierung in Kamerun forciert mit Unterst&uuml;tzung des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) und der Weltbank die Expansion des industriell betriebenen Anbaus von &Ouml;lpalmen f&uuml;r die Produktion<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-9755","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9755"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9755\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9755"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=9755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}