{"id":9725,"date":"2007-01-30T00:00:00","date_gmt":"2007-01-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070130-06n"},"modified":"2007-01-30T00:00:00","modified_gmt":"2007-01-29T22:00:00","slug":"bioethanol-als-benzinersatz-deutschland-liegt-voll-im-trend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bioethanol-als-benzinersatz-deutschland-liegt-voll-im-trend\/","title":{"rendered":"Bioethanol als Benzinersatz: &#8220;Deutschland liegt voll im Trend&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><b>Bioethanol ist ein Multitalent: als Zusatz in der Lebensmittel- bzw. Kosmetikindustrie wie auch mit hohem Potential als Kraftstoff. Im Gegensatz zum fossilen Brennstoff Benzin ist Bioethanol aus nachwachsenden Rohstoffen und senkt den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df. In Deutschland ist der Trend zu Bioethanol jetzt angekommen.<\/b><\/p>\n<p>Seit dem 1. Januar 2007 m\u00fcssen deutsche Autofahrer Benzin mit einem durchschnittlichen Anteil von 1,2 Prozent Bioethanol tanken. Bis 2015 sollen es sogar 8 Prozent Biokraftstoffe sein. Doch w\u00e4hrend das Gesch\u00e4ft mit dem Umweltkraftstoff in Deutschland jetzt erst anl\u00e4uft, haben L\u00e4nder wie Brasilien und die USA diesen Weg bereits fr\u00fcher eingeschlagen. Hauptproduzent USA f\u00f6rdert seit Jahren die Ethanolproduktion aus Mais, Brasilien produziert Bioethanol mit Zuckerrohr, w\u00e4hrend in Europa erst z\u00f6gerlich Weizen, Roggen und Zuckerr\u00fcben als Rohstoffe f\u00fcr Bioethanol Verwendung finden. Dr. Oliver Henniges ist Bioethanol-Experte der Universit\u00e4t Hohenheim.<\/p>\n<p><b>F\u00fchrende L\u00e4nder wie die USA und Brasilien haben Bioethanol als Kraftstoff der Zukunft erkannt. Haben wir Deutsche diesen Trend verschlafen?<\/b><br \/>DR. OLIVER HENNIGES: &#8220;So kann man das nicht sagen. Bis vor wenigen Jahren hat die deutsche Politik einfach keinen Handlungsbedarf gesehen. \u00d6l war billig und abgesehen von einigen Krisen st\u00e4ndig verf\u00fcgbar. Doch der internationale Roh\u00f6lmarkt hat sich ver\u00e4ndert, die Benzinpreise steigen genauso wie die Abh\u00e4ngigkeit von Energie produzierenden L\u00e4ndern. In den letzten Jahren hat eine Trendwende eingesetzt. Die Deutschen wollen unabh\u00e4ngiger vom \u00d6l werden. Vor allem der steigende \u00d6lpreis f\u00fchrt zu einer lauter werdenden Forderung nach Biokraftstoffen. Auch gesellschaftlich liegen Umwelt- und Klimaschutz derzeitig offenbar im Trend. Gute Voraussetzungen f\u00fcr Nutzung und Produktion von Bioethanol.&#8221;<\/p>\n<p><b>Der gr\u00f6\u00dfte Hersteller von Bioethanol sind zurzeit die USA, dicht gefolgt von Brasilien. Wie sieht die derzeitige Entwicklung von Bioethanol in Deutschland aus? Sind wir konkurrenzf\u00e4hig?<\/b><br \/>DR. OLIVER HENNIGES: &#8220;Auf dem internationalen Markt hat Deutschland derzeit keine Chance. Im Durchschnitt kostet die Herstellung von Bioethanol in Deutschland mit 45 Euro\/hl fast dreimal soviel wie in Brasilien. Das liegt unter anderem an den vorteilhaften klimatischen und \u00f6konomischen Rahmenbedingungen des Landes, nicht zu vergessen, dass Brasilien in der Bioethanolproduktion mit einer 30j\u00e4hrigen Erfahrung trumpfen kann.&#8221;<\/p>\n<p><b>W\u00e4re es dann nicht \u00f6konomischer, Bioethanol zu importieren, statt selbst herzustellen?<\/b><br \/>DR. OLIVER HENNIGES: &#8220;Eigentlich ist Bioethanol aus Zuckerrohr in Hinblick auf die CO<sub>2<\/sub>-Reduktion sogar umweltfreundlicher als die europ\u00e4ische Variante. Die Vorteile von Bioethanol haben aber nicht nur mit dem Umweltaspekt zu tun &#8211; auch der deutsche Arbeitsmarkt k\u00f6nnte erheblich davon profitieren. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Landwirtschaft w\u00e4re das eine einmalige Chance. Viele Bauern produzieren schon in erheblichem Umfang Pflanzen f\u00fcr die Energieproduktion, da sie mit der herk\u00f6mmlichen Nahrungsmittelproduktion weniger verdienen. Durch den Ausbau der Bioenergieproduktion steigt die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten wie z.B. Zuckerr\u00fcben und Weizen f\u00fcr die Produktion von Bioethanol. Vielleicht k\u00f6nnen die Landwirte langfristig ihre Ware zu einem besseren Preis verkaufen und m\u00fcssten nicht ausschlie\u00dflich auf EU-Gelder hoffen. <\/p>\n<p>Diese Hoffnung haben viele Bauern. F\u00fcr die Produktion des Pflanzenkraftstoffes im eigenen Land sind ebenfalls viele Wirtschaftszweige betroffen. Das schafft Arbeitspl\u00e4tze und wirkt sich letztlich auf den Staatshaushalt aus. Wir h\u00e4tten im Prinzip alle etwas davon. Es darf aber nicht \u00fcbersehen werden, dass der Verbraucher zuk\u00fcnftig mehr an der Tankstelle bezahlen muss! Aber bei der hohen Besteuerung von Kraftstoffen in Deutschland f\u00e4llt das kaum ins Gewicht.&#8221;<\/p>\n<p><b>Sch\u00fctzenhilfe bekommt der neue Kraftstoff aus der Politik: Seit dem 1. Januar 2007 m\u00fcssen Benzin oder Diesel einen gewissen Prozentsatz an Bioethanol oder Biodiesel enthalten. Ist das ein Weg?<\/b><br \/>DR. OLIVER HENNIGES: &#8220;Unter den beiden Voraussetzungen, dass Biokraftstoffe politisch und gesellschaftlich erw\u00fcnscht sind und dass auf eine Steuerbefreiung verzichtet wird, ist es eine notwendige Ma\u00dfnahme. Ohne diese Regelung h\u00e4tte Bioethanol als alternativer Rohstoff auf dem deutschen Markt keine Chance, weil sich einerseits die Benzinhersteller gegen Biokraftstoffe wehren und andererseits der Verbraucher wegen der hohen Kosten das billigere Benzin tanken w\u00fcrde.&#8221;<\/p>\n<p><b>Gleichzeitig ist jedoch die Besteuerung f\u00fcr Bioethanol weggefallen. Ist das nicht ein Widerspruch?<\/b><br \/>DR. OLIVER HENNIGES: &#8220;Die \u00d6kosteuer f\u00fcr Bioethanol ist schlicht widersinnig und zeigt, das politische Aussagen nur eine kurze Halbwertszeit haben. Ein Liter Bioethanol hat nur zwei Drittel des Energiegehalts von einem Liter Benzin &#8211; trotzdem zahlen Sie f\u00fcr beides den gleichen Steuersatz. Das hei\u00dft, steuerlich wird Bioethanol sogar bestraft. Wenn die \u00d6kosteuer eine politische Lenkungswirkung haben soll, darf sie nicht auf Biokraftstoffe angewendet werden! Aber die \u00d6kosteuer ist offensichtlich mehr &#8220;Steuer&#8221; als &#8220;\u00d6ko&#8221;!&#8221;<\/p>\n<p><b>Die Beimischungsquote f\u00fcr Biokraftstoffe steigt bis 2015 auf 8 Prozent an. K\u00f6nnten wir den steigenden Bioethanolbedarf durch heimischen Anbau decken, ohne auf den konventionellen Ackerbau zu verzichten?<\/b><br \/>DR. OLIVER HENNIGES: &#8220;Auf den Nahrungsmittelanbau m\u00fcssen wir nicht verzichten. 2015 k\u00f6nnten sch\u00e4tzungsweise drei Milliarden Liter Bioethanol in die Tanks der Autos flie\u00dfen, wenn die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Theoretisch k\u00f6nnte der deutsche Agrarsektor die ben\u00f6tigten Getreide- oder R\u00fcbenmengen aufbringen. Das k\u00f6nnte in der Tendenz zu h\u00f6heren Getreidepreisen f\u00fchren &#8211; was Getreideproduzenten hilft, daf\u00fcr aber die Tiermast verteuert. Allerdings k\u00f6nnten stillgelegte Fl\u00e4chen nutzbar gemacht und auf subventionierten Export verzichtet werden. Ich gehe aber davon aus, dass der Bedarf an Bioethanol nicht allein aus der Produktion durch heimische Rohstoffe kommt.&#8221;<\/p>\n<p><b>Das bedeutet Importe vor allem aus den Tropen. Umweltsch\u00fctzer sehen in dem steigenden Bedarf von Biokraftstoffen den Grund f\u00fcr die Zerst\u00f6rung des brasilianischen Regenwaldes. Wie sehen Sie diese Behauptung?<\/b><br \/>DR. OLIVER HENNIGES: &#8220;Diese Gefahr sehe ich nicht. Zuckerrohr w\u00e4chst nicht in den Gebieten des Regenwaldes sondern weiter s\u00fcdlich, vor allem in der Region um Sao Paulo. M\u00f6glicherweise gibt es eine Verschiebung der Anbaufl\u00e4chen nach Norden, die aber nur bedingt mit dem Zuckerrohranbau zu tun hat. Es ist zu einfach, umweltpolitische Probleme Brasiliens einseitig der Bioethanolproduktion anzulasten. Nat\u00fcrlich sind Politiker Brasiliens gefordert, dem Abholzen des Regenwaldes entgegenzuwirken. Das schafft man aber nicht, indem man die Bioethanolproduktion verbietet!&#8221;<\/p>\n<p><b>Wie sieht die Zukunft der Bioethanolproduktion in Deutschland aus?<\/b><br \/>DR. OLIVER HENNIGES: &#8220;Die Nachfrage nach Bioethanol ist durch die neue Gesetzgebung bis zu einem bestimmten Ausma\u00df gesetzlich gesichert. Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Bioethanolproduktion jedoch in Deutschland wird zum gr\u00f6\u00dften Teil vom stets unsicheren Roh\u00f6lpreis abh\u00e4ngen. Wer behauptet, er k\u00f6nne den \u00d6lpreis vorhersagen, muss sich allerdings die Frage gefallen lassen, warum er noch arbeitet!&#8221;<\/p>\n<p><b>Zur Person<\/b><br \/>Oliver Henniges (29) promovierte am Institut f\u00fcr Landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universit\u00e4t Hohenheim \u00fcber die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Bioethanolproduktion. In seinem k\u00fcrzlich erschienenen Buch <b>&#8220;Die Bioethanolproduktion &#8211; Wettbewerbsf\u00e4higkeit in Deutschland unter Ber\u00fccksichtigung der internationalen Konkurrenz&#8221;<\/b> gibt er wertvolle Hinweise f\u00fcr Wirtschaft und Politik, wie die Zukunft der Bioethanolproduktion in Deutschland aussehen k\u00f6nnte (Josef Eul Verlag, ISBN 987-3-89936-551-1, 79 EUR).<\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/><a href=\"http:\/\/www.uni-hohenheim.de\/i3v\/00000700\/00106041.htm\" >Universit\u00e4t Hohenheim, Institut f\u00fcr Landwirtschaftliche Betriebslehre<\/a><br \/>Dr. Oliver Henniges<br \/>Tel.: 0711 459-22557<br \/>E-Mail:<a href=\"mailto:henniges@uni-hohenheim.de\">henniges@uni-hohenheim.de<\/a> <\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-buchbesprechung-dissertation-die-bioethanolproduktion-wettbewerbsfhigkeit-in-deutschland-unter-bercksichtigung-der-internationalen-konkurrenz\/\" >2007-01-12<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/brasilien-anstieg-im-ethanolverbrauch-erwartet\/\" >2007-01-02<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-rohstoffe-fuer-bioethanol-gesichert\/\" >2006-10-31<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-bericht-bioethanolproduktion-in-deutschland\/\" >2006-06-30<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Bioethanol ist ein Multitalent: als Zusatz in der Lebensmittel- bzw. Kosmetikindustrie wie auch mit hohem Potential als Kraftstoff. 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