{"id":97194,"date":"2021-09-17T07:26:00","date_gmt":"2021-09-17T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=97194"},"modified":"2021-09-14T13:49:06","modified_gmt":"2021-09-14T11:49:06","slug":"keine-konventionellen-kunststoffe-in-der-bekleidungsindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/keine-konventionellen-kunststoffe-in-der-bekleidungsindustrie\/","title":{"rendered":"Keine konventionellen Kunststoffe in der Bekleidungsindustrie"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Auch bei Modeartikeln achten Kunden zunehmend auf Nachhaltigkeit. Selbst die Wochenangebote der gro\u00dfen Discounter weisen gro\u00dffl\u00e4chig auf den Einsatz nachhaltig erzeugter Rohstoffe hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Kleidungsst\u00fccke sind mehr als Stoff \u2013 schlie\u00dflich gibt es auch Garne, Fasern und Applikationen wie Rei\u00dfverschl\u00fcsse. Umso besser, wenn auch die aus demselben Material bestehen. Zwei italienische Produzenten setzen in diesen F\u00e4llen auf einen biobasierten Kunststoff. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1001\" height=\"636\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/Bildschirmfoto-2021-09-14-um-12.07.49.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-97220\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/Bildschirmfoto-2021-09-14-um-12.07.49.png 1001w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/Bildschirmfoto-2021-09-14-um-12.07.49-300x191.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/Bildschirmfoto-2021-09-14-um-12.07.49-150x95.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/Bildschirmfoto-2021-09-14-um-12.07.49-768x488.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/09\/Bildschirmfoto-2021-09-14-um-12.07.49-400x254.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1001px) 100vw, 1001px\" \/><figcaption>Auf Basis nachwachsender Rohstoffe produzierte Rei\u00dfverschl\u00fcsse und Textilien zu verbinden kommt dem Nachhaltigkeitsgedanken doppelt entgegen, n\u00e4mlich auch bei dem vereinfachten Recycling.\u00a0\u00a9\u00a0Evonik<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Gabriele Mosso stellt fest: \u201eDer Rei\u00dfverschluss ist ein ziemlich kompliziertes Produkt.\u201c. Dieser Alltagsgegenstand, der uns so vertraut ist, mit dem wir Jacken, Taschen oder Bettw\u00e4sche schlie\u00dfen \u2013 zweifellos ein geniales Konzept, aber: kompliziert? Gabriele Mosso leitet seit 15\u2005Jahren den italienischen Rei\u00dfverschlusshersteller Nyguard, nennt sich selbst augenzwinkernd einen \u201eRei\u00dfverschlussverr\u00fcckten\u201c und wei\u00df, wovon er spricht. Damit ein Rei\u00dfverschluss reibungslos funktioniert, ist viel Detailarbeit n\u00f6tig. Das richtige Material, die exakte Form. Die Z\u00e4hne m\u00fcssen flie\u00dfend ineinandergreifen, d\u00fcrfen nicht h\u00e4ngenbleiben, nicht stocken. Und der Verschluss muss im wahrsten Sinne des Wortes nahtlos in das Band eingearbeitet sein. Vor 125 Jahren entstand die Idee, damals noch mit verschiebbaren Metallklammern. Doch die ersten Versionen scheiterten alle daran, dass sie umst\u00e4ndlich waren oder sich zur Unzeit verhakten. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich an der Grundidee nicht mehr viel ver\u00e4ndert. An den Details aber sehr wohl. Der Verschluss besteht heute meistens aus Kunststoff und auch das Band ist synthetisch.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle trifft Materialentwicklung auf Nachhaltigkeit. Wie kann nachhaltige Mode aussehen? Kleidungsst\u00fccke zu recyceln w\u00e4re eine Variante: Recycling ist aber generell schwierig, wenn verschiedene Werkstoffe miteinander fest verbunden sind. Das gilt f\u00fcr Verbundverpackungen genauso wie in diesem Fall f\u00fcr Hosen mit Rei\u00dfverschl\u00fcssen. Aus diesem Blickwinkel stellt sich die Frage: \u201eWarum nicht den Rei\u00dfverschluss aus demselben Material herstellen wie das Band, an dem er befestigt ist? Aus Kunststoff, klar, aber aus einem nachhaltigen, biobasierten Kunststoff. Und noch besser: Aus einem Material, das sich auch f\u00fcr das komplette Kleidungsst\u00fcck eignen w\u00fcrde?\u201c Damit w\u00e4re man der M\u00f6glichkeit, Kleidung zu recyceln, einen Schritt n\u00e4her. Auch wenn es bis zur Realisierung dieser Vision noch ein kleiner Weg ist, weil einige Details des Kleiderrecyclings noch erfunden werden m\u00fcssen \u2013 die Voraussetzungen von Seiten der Hersteller w\u00e4re geschaffen. Anfangs war es Interesse weniger Kunden von Textilien aus biobasiertem Kunststoff. Seit etwa drei Jahren aber ziehe das Thema enorm an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fast 100 Prozent biobasiert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.kunststoff-magazin.de\/gruene-werkstoffe\/bilder\/keine-konventionellen-kunststoffe-in-der-bekleidungsindustrie-1.htm\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.scope-online.de\/upload_weka\/nwo\/003\/740\/dr283_02_3740702.jpg\" alt=\"Nachhaltige Kleidung\" title=\"Nachhaltige Kleidung\"\/><\/a><figcaption>Zunehmende Nachfrage verzeichnen die Hersteller nachhaltiger Kleidung.\u00a0\u00a9\u00a0Messe D\u00fcsseldorf, ctillmann<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>F\u00fcndig wurde Gabriele Mosso bei Evonik und dem Produkt Vestamid Terra. Unter dieser Marke wird ein Polyamid vertrieben, das komplett aus biobasiertem Material hergestellt wird, aus Rizinus\u00f6l; ein Rohstoff, der weder als Nahrungsmittel zum Einsatz kommt, noch als Futtermittel. Da die Pflanze, der sogenannte Wunderbaum, trockene B\u00f6den und D\u00fcrre toleriert, konkurriert der Anbau des nachwachsenden Rohstoffs nicht mit Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Nahrungsmittel. Laut Evonik also eine ideale Pflanze f\u00fcr biobasierte L\u00f6sungen. Nyguard hat sich entschlossen, konsequent in diese Richtung zu gehen. \u201eWir k\u00f6nnen mit den gro\u00dfen Unternehmen bei Standardprodukten ohnehin nicht konkurrieren, also haben wir uns eine Nische geschaffen\u201c, erkl\u00e4rt Gabriele Mosso. Noch produziert Nyguard vereinzelt auch Rei\u00dfverschl\u00fcsse aus Kunststoff, der nicht biobasiert ist: Aber der Anteil nachwachsender Rohstoffe geht auf 100\u2005Prozent zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dieser erfolgreichen Umstellung tr\u00e4gt auch die Kooperation mit Textilhersteller Fulgar bei. Der Kunststoff von Evonik \u00e4hnle dem Polyamid, das Nyguard bislang verwendet habe. 36\u2005000\u2005Tonnen Garn produziert Fulgar nach eigenen Angaben j\u00e4hrlich \u2013 mittlerweile eben auch aus nachhaltigen Kunststoffen. Fulgar ging in einen engen Austausch mit Evonik. Nach einer Reihe an Versuchen wurden Werkstoffformulierungen gefunden, die in die Produktgruppe gut funktionieren. \u201eFulgar hat die Chancen f\u00fcr Textilien durch Vestamid Terra erkannt\u201c, sagt Johannes Krampe, Manager Filaments im Bereich High Performance Polymers bei Evonik. \u201eWir merken, wie sehr das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile pr\u00e4sent ist\u201c. Immer mehr Unternehmen reagierten auf diesen Wunsch der Kunden, kein Teil der Wegwerfgesellschaft sein zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Garnproduzenten hat der biobasierte Kunststoff weitere Vorteile. Die Kunststofffaser sei gut im Feuchtigkeitsmanagement und auch in der Abdeckung. Mit einem daraus verarbeiteten, vergleichsweise leichten Stoff f\u00fchlt sich der Tr\u00e4ger besser gesch\u00fctzt vor Wind und K\u00e4lte. Und Feuchtigkeit verdunste nachweislich sogar noch etwas besser als bei vergleichbaren Polyamiden auf petrochemischer Basis. Damit sei Vestamid Terra unter anderem f\u00fcr Sport- und Outdoor-Kleidung eine interessante Alternative, genauso wie f\u00fcr Unterw\u00e4sche. Aber auch von Produzenten f\u00fcr Abendgarderobe und Luxusmode seien, gebe es Anfragen\u201c, sagt Garosi.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau bei solchen Auftr\u00e4gen, bei Outdoor- und Luxuskleidung, ist auch f\u00fcr Fulgar die Kooperation mit den Rei\u00dfverschlussherstellern von Nyguard ein Gewinn. Wenn es leichter wird, ein Kleidungsst\u00fcck zu recyceln, dann ist das f\u00fcr alle Seiten eine sinnvolle Sache. Das wiederum zahlt in den gro\u00dfen Bereich Nachhaltigkeit ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVor einigen Jahren noch waren die Firmen zwar an nachhaltigen Rei\u00dfverschl\u00fcssen interessiert, aber noch nicht bereit, daf\u00fcr, zu zahlen\u201c, sagt Nyguard-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Mosso. Eine Erfahrung, die sich also mit jener von Fulgar deckt. Das hat sich ge\u00e4ndert, und besonders im Jahr 2020 noch einmal deutlich verst\u00e4rkt. F\u00fcr Mosso ein Beweis, dass seine Entscheidung, voll auf biobasierte Kunststoffe zu setzen, richtig war. Mittlerweile gehe er immer h\u00e4ufiger zu Kunden mit eigens angefertigten Modell-Entw\u00fcrfen von Kombinationen aus Rei\u00dfverschluss und Garn, die beide aus dem gleichen Werkstoff bestehen. \u201eWir verdoppeln da sozusagen unsere Vertriebsst\u00e4rke\u201c, sagt er. \u201eDas ist echtes Co-Marketing. Und es ist erfolgreich, weil es genau den richtigen Nerv trifft.\u201c Zumal er seines Wissens nach wie vor der einzige ist, der derzeit Rei\u00dfverschl\u00fcsse aus biobasiertem Material anbietet. \u201eWeil wir fr\u00fchzeitig darauf gesetzt haben und unser Produktionsprozess bereits darauf eingestellt ist.\u201c Er zwinkert. Der Rei\u00dfverschluss \u2013 das ist schlie\u00dflich in manchen Details ein durchaus kompliziertes Produkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch bei Modeartikeln achten Kunden zunehmend auf Nachhaltigkeit. Selbst die Wochenangebote der gro\u00dfen Discounter weisen gro\u00dffl\u00e4chig auf den Einsatz nachhaltig erzeugter Rohstoffe hin. Aber Kleidungsst\u00fccke sind mehr als Stoff \u2013 schlie\u00dflich gibt es auch Garne, Fasern und Applikationen wie Rei\u00dfverschl\u00fcsse. Umso besser, wenn auch die aus demselben Material bestehen. 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