{"id":9713,"date":"2007-02-06T00:00:00","date_gmt":"2007-02-05T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070206-03n"},"modified":"2007-02-06T00:00:00","modified_gmt":"2007-02-05T22:00:00","slug":"nova-bericht-weltweit-wachsende-nachfrage-nach-naturfasern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-bericht-weltweit-wachsende-nachfrage-nach-naturfasern\/","title":{"rendered":"nova-Bericht: Weltweit wachsende Nachfrage nach Naturfasern"},"content":{"rendered":"<p>Nach viert\u00e4gigen Konsultationen und Beratungen bei der Food and Agriculture Organization of the United Nations (<a href=\"http:\/\/www.fao.org\/\" >FAO<\/a>) in Rom (30. Januar bis 2. Februar 2007), an denen mehr als 50 Vertreter von L\u00e4ndern und Verb\u00e4nden sowie Produzenten und H\u00e4ndler teilnahmen, ergab sich ein klares Bild von den weltweiten Marktentwicklungen bei Naturfasern. Die Trends der letzten drei Jahre setzen sich fort: Weiterhin eine Nachfrage auf hohem Niveau, steigende Produktions- und Absatzmengen sowie je nach Naturfaser stabile bis weiter steigende Preise.<\/p>\n<p><b>Flachs, Hanf und Kokosfasern<\/b><br \/>Dauerhaft stabile Preise &#8211; dies bedeutet inflationsbereinigt sogar leicht fallenden Preise \u2013 zeigen neben den europ\u00e4ischen Naturfasern Flachs und Hanf lediglich Kokosfasern. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind leicht zu verstehen:<\/p>\n<p>W\u00e4hrend europ\u00e4ische Naturfasern auf den globalen M\u00e4rkten einen nur sehr geringen Spielraum f\u00fcr Preissteigerungen haben, werden bei Kokosfasern, die ein Nebenprodukt der Kokosnuss-Lebensmittelproduktion darstellen, nach wie vor nur geringe Mengen der anfallenden Fasern tats\u00e4chlich genutzt. Steigende Nachfrage kann daher leicht, ohne neue Anbaufl\u00e4chen und ohne Preissteigerungen befriedigt werden.<br \/><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070206-03\/07-02-07_flachs+hanf_index_klein.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"07-02-07_flachs+hanf_index_klein.jpg\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/><b>Jute<\/b><br \/>Jutefasern, die mengenm\u00e4\u00dfig nach Baumwolle weltweit wichtigsten Naturfasern, haben nach drei Jahren deutlicher Preissteigerungen in 2006 stabile Preise gezeigt. Da die Nachfrage weiter w\u00e4chst, werden in 2007 tendenziell wieder steigende Preise erwartet.<br \/><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070206-03\/07-02-07_jute+sisal_index_klein.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"07-02-07_jute+sisal_index_klein.jpg\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/><b>Sisal und Abaca<\/b><br \/>Bei Sisal und Abaca haben sich in 2006 die Preissteigerungen der letzten drei Jahre fortgesetzt. Da die Nachfrage weiter w\u00e4chst, werden f\u00fcr beiden Pflanzen die Anbaufl\u00e4chen erweitert und der Ertrag pro Hektar gesteigert. Gleichzeitig werden neue Anwendungsbereiche wie Geotextilien, M\u00f6bel und Verbundwerkstoffe erschlossen. <\/p>\n<p><b>Weltweites Wirtschaftswachstum und Rohstoffwende<\/b><br \/>Die weltweit wachsende Nachfrage nach Naturfasern wird vor allem von zwei Faktoren getrieben. Zum einen vom allgemeinen Wirtschaftswachstum und insbesondere dem Wirtschaftswachstum in China. So ben\u00f6tigt China z.B. stetig wachsende Mengen an Sisalfasern zum Polieren von Metalloberfl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Zum anderen profitieren Naturfasern wie auch andere nachwachsende Rohstoffe bereits von der <a href=\"http:\/\/www.rohstoffwende.de\/\" >Rohstoffwende<\/a>. So finden Sisal-Bindegarne in Nordamerika bereits wieder zunehmend Einsatz im Agrarbereich, wo sie synthetische Bindegarne zu ersetzen; die Erschlie\u00dfung der europ\u00e4ischen M\u00e4rkt soll bald folgen. \u00c4hnliches geschieht im Bereich der Teppichr\u00fccken; hier sind es vor allem Jute- und Kokosfasern, die beginnen, verlorene Marktanteile zur\u00fcck zu erobern. <\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen ist der absolute Marktanteil noch sehr gering, aber wachsend. Anders im Verpackungsbereich: Hier gibt es L\u00e4nder wie Indien, die seit kurzem bei Verpackungss\u00e4cken f\u00fcr Zucker und andere Lebensmittel Jutes\u00e4cke sogar gesetzlich vorschreiben. Aktuell klagt zwar die indische Kunststoffindustrie noch gegen die neuen Gesetze, Vertreter der indischen Regierung zeigten sich in Rom jedoch zuversichtlich, dass die neuen Gesetze Bestand haben werden.<\/p>\n<p><b>Neue Technologien und fallender Mehrwert von Zwischenh\u00e4ndlern<\/b><br \/>Diskussionen am Rande der Sitzungen zeigten zwei interessante internationale Trends. Jahrzehnte lang wurden die Naturfaserexporte aus den produzierenden L\u00e4ndern von &#8211; vor allem &#8211; europ\u00e4ischen Naturfaserh\u00e4ndlern organisiert und kontrolliert. Diese Handelsstrukturen sind eindeutig auf dem R\u00fcckzug. Infolge der Globalisierung, der Nutzung von Internet und E-Mail-Kommunikation, fallenden Sprachbarrieren durch die Weltsprache Englisch und immer einfacheren und preiswerteren Reisem\u00f6glichkeiten, entstehen zunehmend mehr Direktkontakte zwischen Naturfaserproduzenten und Endabnehmern in Europa, Nordamerika und Japan. Zwischenh\u00e4ndler haben einen immer geringeren Mehrwert und werden umgangen.<\/p>\n<p>Die Folge ist aber nicht nur, dass die Produzenten so besseren Margen erzielen k\u00f6nnen, sondern auch, dass nun auch erheblich mehr Innovationen stattfinden, die in den alten Handelsstrukturen eher behindert wurden. Erst wenn die Produzenten wissen, was die Endabnehmer mit ihren Rohstoffen und Produkten machen, wie die Prozesse beim Endabnehmer im Detail aussehen, k\u00f6nnen sie ihrerseits ihre Produktionsprozesse anpassen, optimieren und auch neue Techniken einsetzen, um die gew\u00fcnschten Qualit\u00e4ten effizienter zu produzieren und neue Anwendungen zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Hierdurch entsteht ein erheblicher Innovationsschub, der sich aktuell in steigenden Investitionen in neue Ernte- und Aufschlusstechniken niederschl\u00e4gt. Dies ist auch dringend erforderlich, um in der Konkurrenz zu multinationalen Chemie- und Kunststoffunternehmen und ihren Rohstoffen bestehen zu k\u00f6nnen. Steigenden Kunststoffpreise und steigende Naturfaserpreise unterst\u00fctzen diesen Prozess, er\u00f6ffnen ganz neue M\u00f6glichkeiten und geben zunehmend Spielraum f\u00fcr neue Investitionen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel sind Verbundwerkstoffe wie naturfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe. Es zeigt sich immer mehr, dass es \u00f6konomisch wenig Sinn macht, aufwendige Langfasern zu produzieren, wie sie f\u00fcr Seile, Bindf\u00e4den und Garne erforderlich sind, und diese dann f\u00fcr die neuen technische Anwendungen im sp\u00e4teren Prozess einzuk\u00fcrzen. <\/p>\n<p>Immer mehr Projekte zielen nun darauf, auch in Asien, Afrika und S\u00fcdamerika preiswerte Kurzfasern f\u00fcr diese neuen Anwendungen zu produzieren. Hierbei wird intensiv auf die Forschungsergebnisse aus der EU und Nordamerika zur\u00fcckgegriffen.<\/p>\n<p>Zunehmend werden au\u00dferdem auch die Koppel- und Nebenprodukte wertsch\u00f6pfend genutzt, z.B. Abaca-Enzyme in Kosmetika oder Reste der Sisalproduktion in Biogasanlagen.<\/p>\n<p><b>Neue Chancen f\u00fcr europ\u00e4ische Naturfasern?<\/b><br \/>Auf der einen Seite geben die anhaltenden Preissteigerungen f\u00fcr exotische Naturfasern Spielraum f\u00fcr die Preise europ\u00e4ischer Naturfasern, die dringend ben\u00f6tigt werden, um mittel- und langfristig bei sinkenden Agrarsubventionen am Markt bestehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite sind die exotischen Naturfasern nach jahrzehntelangem technischem Stillstand erwacht und treiben nun technische Innovationen voran, wobei sie von internationalen Organisationen wie FAO und CFC (Common Fund for Commodities), aber auch von ihren nationalen Regierungen unterst\u00fctzt werden. Gleichzeitig fallen zunehmen die Zwischenh\u00e4ndler weg. Beides wird den europ\u00e4ischen Naturfaserproduzenten das Leben \u00f6konomisch erschweren.<\/p>\n<p><b>Ausblick<\/b><br \/>Nach jahrzehntlangem technologischem Stillstand und zunehmender Verdr\u00e4ngung durch synthetische Produkte erleben Naturfasern nun weltweit eine Renaissance. Weiter steigende Energie- und Kunststoffpreise sowie Investitionen in neue Technologien und die Erschlie\u00dfung neuer Anwendungsfelder beschleunigen diesen Trend. <\/p>\n<p>Welche Rolle dabei zuk\u00fcnftig europ\u00e4ische Naturfasern wie Flachs und Hanf spielen werden, h\u00e4ngt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Um hier aber nicht den Anschluss an die weltweiten Entwicklungen zu verpassen, sind weiterhin finanzielle Hilfen, Forschungsprojekte sowie vor allem geeignete politische Rahmenbedingungen erforderlich. So wie Indien die Nutzung von Jute im Verpackungsbereich durch gesetzliche Vorgaben st\u00fctzt, k\u00f6nnte Br\u00fcssel z.B. durch eine Modifikation der Altauto-Richtlinie Schwung in die heimische Naturfaserwirtschaft bringen.<\/p>\n<p>Autor Michael Carus (<a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/\" >nova-Institut<\/a>) nahm als Vertreter des Bundesministeriums f\u00fcr Landwirtschaft, Ern\u00e4hrung und Verbraucherschutz (<a href=\"http:\/\/www.bmelv.de\/\" >BMELV<\/a>) und der European Industrial Hemp Association (<a href=\"http:\/\/www.eiha.org\/\" >EIHA<\/a>) an den FAO-Sitzungen teil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach viert&auml;gigen Konsultationen und Beratungen bei der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) in Rom (30. Januar bis 2. 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