{"id":9614,"date":"2006-12-29T00:00:00","date_gmt":"2006-12-28T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20061229-02n"},"modified":"2006-12-29T00:00:00","modified_gmt":"2006-12-28T22:00:00","slug":"arzneipflanze-2007-hopfen-gegen-krebs-und-hormonschwankungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/arzneipflanze-2007-hopfen-gegen-krebs-und-hormonschwankungen\/","title":{"rendered":"Arzneipflanze 2007: Hopfen gegen Krebs und Hormonschwankungen"},"content":{"rendered":"<p><b>Hopfen, die Arzneimittelpflanze des Jahres 2007, hat hohes Potenzial im Kampf gegen Krebs und Hormonschwankungen. Z\u00fcchter der <a href=\"http:\/\/www.uni-hohenheim.de\/\" >Universit\u00e4t Hohenheim<\/a> wollen es gentechnisch optimieren.<\/b><\/p>\n<p>Dass Hopfen \u00e4hnlich dem Baldrian beruhigende Wirkungen entfaltet, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Hopfen-Dragees gibt es in jedem Drogeriemarkt. Dass er dar\u00fcber hinaus auch die Teilung von Krebszellen verhindern und Frauen \u00fcber die Wechseljahre hinweghelfen kann, ist weniger bekannt. <\/p>\n<p>Das Problem bisher dabei: Der Hopfen produziert die notwendigen Wirkstoffe so ineffizient, dass die Produktion zu teuer ist. Forscher der Universit\u00e4t Hohenheim wollen das nun mittels Gentechnik \u00e4ndern \u2013 und k\u00f6nnen erste Erfolge verbuchen.<\/p>\n<p>Die Wunderstoffe des Hopfens hei\u00dfen 8-Prenylnaringenin, ein Phyto\u00f6strogen, und Xanthohumol. W\u00e4hrend das Phyto\u00f6strogen bei Einnahme regulierend in den Hormonkreislauf des Menschen eingreift und Frauen die Wechseljahre ertr\u00e4glicher machen kann, bek\u00e4mpft das Xanthohumol den Krebs, indem es die Teilung und Reproduktion der befallenen Zellen verhindert, zitiert Prof. Dr. Gerd Weber vom Institut f\u00fcr Pflanzenz\u00fcchtung, Saatgutforschung und Populationsgenetik der Universit\u00e4t Hohenheim die medizinische Forschung.<\/p>\n<p>Damit diese Produkte im Hopfen entstehen k\u00f6nnen, l\u00e4uft jedoch vorher eine komplexe Kette von Syntheseprozessen ab. Wie in einer Fertigungsstra\u00dfe f\u00fcr ein Automodell wandeln Enzyme im Hopfen in zahlreichen Teilschritten jedes entstehende Zwischenprodukt in ein noch komplexeres Zwischenprodukt um, bis am Ende die nutzbaren Endstoffe im Hopfen zur Verf\u00fcgung stehen. <\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Fahrzeugfertigungsstra\u00dfe, bei der am Ende nur ein Modell herauskommt, verzweigt sich die Prozesskette des Hopfens in verschiedene Richtungen, an denen am Ende eben nicht nur die Aroma- und Bitterstoffe f\u00fcr die Bierherstellung stehen, sondern auch die medizinisch wertvollen Stoffe Xanthohumol und 8-Prenylnaringenin.<\/p>\n<p>Die Natur zieht Bier der Krebsbek\u00e4mpfung vor. So kann man das Problem beschreiben, vor dem die Wissenschaft bisher stand. Denn im Gegensatz zur reichlichen Produktion der Aroma- und Bitterstoffe f\u00fcr den Brauvorgang geizt der Hopfen mit der Produktion der Wundermedizin. <\/p>\n<p>So sind enorme Mengen an Hopfenbl\u00fcten notwendig, um die Endstoffe in ausreichendem Ma\u00dfe zu erhalten. Das f\u00fchrt dazu, dass wenige Gramm medizinisch wirksamen Phyto\u00f6strogens bis zu 1.000 Euro kosten, Xanthohumol noch ein Vielfaches mehr. &#8220;Ein Preis den kaum jemand zahlen kann und will&#8221;, so Prof. Dr. Weber.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese geringe Produktion sind die f\u00fcr den Teilvorgang zust\u00e4ndigen Enzyme verantwortlich. Doch w\u00e4hrend die Prozesskette zu den Biergrundstoffen bekannt ist, sind die ablaufenden Synthesevorg\u00e4nge samt der relevanten Enzyme f\u00fcr Xanthohumol und Phyto\u00f6strogen unbekannt. <\/p>\n<p>&#8220;Wir sind ihnen aber auf der Spur&#8221;, so Prof. Dr. Weber. Wenn die Forscher die den verantwortlichen Enzymen zu Grunde liegenden Gene identifizieren k\u00f6nnen, dann k\u00f6nnen sie diese f\u00fcr eine effizientere Arbeitsweise modifizieren. Daf\u00fcr braucht es aber Geduld: Nach einer DNA-Neuprogrammierung brauchen die verwendeten Hopfenst\u00e4ngel neun Monate, bis sie sich zur vollst\u00e4ndigen Pflanze regenerieren und Aussagen \u00fcber den Versuchserfolg, also eine erh\u00f6hte Produktion von Xanthohumol und des Phyto\u00f6strogens erm\u00f6glichen. Lediglich 0,5 Prozent der Kandidaten sind dann tats\u00e4chlich transgen, also erfolgreich gentechnisch ver\u00e4ndert. <\/p>\n<p>Um ihr Ziel zu erreichen, konzentrieren sich die Z\u00fcchter zun\u00e4chst darauf, die relevanten Gene aus Hopfen und anderen Organismen zu finden und zu isolieren. &#8220;Als zweiten Schritt wollen wir die Funktion der Hopfengene optimieren und\/oder fremde Gene aus anderen Organismen in den Hopfen einbringen&#8221;, meint Prof. Dr. Weber. <\/p>\n<p>Ein m\u00f6glicher Kandidat daf\u00fcr k\u00f6nnte zum Beispiel die Pflanze Acker-Schmalwand (<i>Arabidopsis thaliana<\/i>) sein. Die Gefahr, dass sich der neue, genver\u00e4nderte Hopfen unkontrolliert ausbreitet, sieht Prof. Dr. Weber nicht. &#8220;Die interessanten Stoffe finden sich vor allem in der weiblichen Bl\u00fcte. Wir werden den Anbau des Medizinhopfens folglich auf weibliche Pflanzen beschr\u00e4nken, so dass auch kein Pollen verweht werden kann.&#8221;<\/p>\n<p>Einen wichtigen Teilerfolg k\u00f6nnen die Hohenheimer Forscher bereits verbuchen. Um herauszubekommen, ob die reichhaltige Produktion der Arzneistoffe nicht zu Lasten der Biergrundstoffe geht, haben sie durch gentechnische Ver\u00e4nderungen den Hopfen den sonst im Rotwein enthaltenden Stoff Resveratrol produzieren lassen, dessen Synthesevorgang bekannt ist. <\/p>\n<p>Das Ergebnis stimmt die Forscher zuversichtlich: Denn obwohl der Hopfen jetzt gro\u00dfe Mengen Resveratrol produziert, liefert er weiterhin die gleichen Mengen an Aroma- und Bitterstoffen. Das lasse einen gro\u00dfen Ressourcenpool vermuten, sagt Prof. Dr. Weber. &#8220;Der Hopfen hat gro\u00dfes Potenzial, ein Star zu werden. Wir m\u00fcssen ihn nur ein wenig f\u00f6rdern&#8221;, so der Hohenheimer Wissenschaftler weiter.<\/p>\n<p><b>Hintergrund<\/b><\/p>\n<p>Seit 1997 erforscht Prof. Dr. Weber molekularbiologisch den Hopfen. Dem Pflanzengenetiker gelang es weltweit als erstes, gentechnisch ver\u00e4nderten Hopfen herzustellen. Darauf aufbauend gr\u00fcndete er das mittlerweile gr\u00f6\u00dfte auf Hopfen fokussierte Forschungsnetzwerk der Welt, EU-HOPNET.<\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Prof. Dr. Gerd Weber<br \/><a href=\"http:\/\/www.uni-hohenheim.de\/\" >Universit\u00e4t Hohenheim<\/a><br \/>Institut f\u00fcr Pflanzenz\u00fcchtung, Saatgutforschung und Populationsgenetik<br \/>Tel.: 0711 459-22341<br \/>Fax: 0711 459-22343<br \/>E-Mail: weberg@uni-hohenheim.de<\/p>\n<p><b>S. auch Link:<\/b> <a href=\"http:\/\/www.uni-wuerzburg.de\/sonstiges\/meldungen\/single\/artikel\/hopfen-ist\/\" >Arzneimittelpflanze des Jahres<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Hopfen, die Arzneimittelpflanze des Jahres 2007, hat hohes Potenzial im Kampf gegen Krebs und Hormonschwankungen. 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