{"id":9509,"date":"2006-11-21T00:00:00","date_gmt":"2006-11-20T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20061121-13n"},"modified":"2006-11-21T00:00:00","modified_gmt":"2006-11-20T22:00:00","slug":"neue-symbiose-zwischen-pflanzen-und-mikroorganismen-entdeckt-enormes-potenzial-fuer-einen-pestizidfreien-ackerbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neue-symbiose-zwischen-pflanzen-und-mikroorganismen-entdeckt-enormes-potenzial-fuer-einen-pestizidfreien-ackerbau\/","title":{"rendered":"Neue Symbiose zwischen Pflanzen und Mikroorganismen entdeckt &#8211; Enormes Potenzial f\u00fcr einen pestizidfreien Ackerbau"},"content":{"rendered":"<p><b>Eine Forschergruppe aus Gie\u00dfener Wissenschaftlern und ihren Kollegen von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen entdeckten k\u00fcrzlich eine ganze Gruppe von pilzlichen Mikroorganismen mit Namen Sebacinales, die Pflanzenwurzeln besiedeln und dabei positive Wirkung auf Ernteertrag und Gesundheit der Pflanze haben.<\/b> (Vgl. <a href=\"http:\/\/www.wams.de\/data\/2005\/09\/11\/773093.html\" >PM Uni Gie\u00dfen<\/a> vom 2005-09-25.)<\/p>\n<p>Das renommierte amerikanische Wissenschaftsjournal <a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/papbyrecent.shtml\" >Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS)<\/a> berichtet in seiner j\u00fcngsten Ausgabe \u00fcber die Entdeckung dieser unbekannten Lebensgemeinschaft, die aufgrund ihrer vermuteten weltweiten Verbreitung eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Bedeutung bei der Stabilisierung von globalen \u00d6kosystemen haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 1997 wurde in der indischen Thar W\u00fcste Nord-West-Indiens zuf\u00e4llig der pilzliche Mikroorganismus, <i>Piriformospora indica<\/i> (&#8220;der indische Pilz mit den birnenf\u00f6rmigen Sporen&#8221;), entdeckt, der dort in Lebensgemeinschaft mit W\u00fcstenpflanzen lebt. Diese zun\u00e4chst unspektakul\u00e4re Entdeckung gewann an Brisanz, als Gie\u00dfener Forscher zusammen mit ihren Kollegen des Max-Planck-Instituts in Marburg zeigen konnten, dass der Pilz das Wachstum und die Gesundheit zahlreicher Pflanzen, darunter agronomisch bedeutender Getreide, verbessert und die Toleranz gegen\u00fcber Salzstress erh\u00f6ht (PNAS (2005), 102: 13386-13391). Die neuen Forschungsergebnisse zeigen nun, dass nicht nur P. indica positive agronomische Effekte hervorruft, sondern auch eine Vielzahl von verwandten Arten, die in der neuen Ordnung Sebacinales zusammengefasst werden. <\/p>\n<p>Soweit von den Wissenschaftlern getestet, zeigen diese Arten die gleichen, wenn nicht sogar noch bessere Wirkungen im Hinblick auf Wachstumsstimulation und Pathogen-Resistenz in Getreidepflanzen. Neu und \u00fcberraschend ist auch, dass die Sebacinales-Pilze eine bis heute unbekannte Lebensweise zeigen: <\/p>\n<p>Um sich erfolgreich zu vermehren, besiedeln sie Wurzelzellen, die sie vorher abget\u00f6tet haben. Erst als Konsequenz dieser Besiedlung kann die Pflanze offensichtlich vom Eindringling profitieren, also nach dem \u00f6konomischen Prinzip &#8220;quid pro quo&#8221;. Wahrscheinlich t\u00f6ten die Pilze Wurzelzellen nicht mit Toxinen, sondern zwingen einzelne Zellen, ihr eigenes Zelltod-Programm (Apoptose) zu aktivieren. Die Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von einem &#8220;programmierten Zelltod&#8221;, der in der Pflanze durch den Mikroorganismus initiiert wird. <\/p>\n<p>Dieses Zelltod-Programm ist Bestandteil nat\u00fcrlicher Entwicklungsprozesse in Pflanzen, unter anderem dem Blattfall im Herbst, es besitzt aber auch lebensnotwendige Funktionen im Bereich der Organentwicklung. Die Forscher haben gro\u00dfe Hoffnung, dass die n\u00fctzlichen Mikroorganismen in naher Zukunft in der Landwirtschaft eingesetzt werden k\u00f6nnen, etwa zur Ertragsteigerung oder zur Stabilisierung von Agrar-\u00d6kosystemen. Auch f\u00fcr den \u00f6kologischen Landbau ergeben sich hochinteressante M\u00f6glichkeiten durch die Verbesserung der Pflanzengesundheit. <\/p>\n<p>Neben der Nutzung in der Landwirtschaft versprechen sich die Forscher aber auch einen enormen Erkenntnisgewinn \u00fcber die molekularen Mechanismen von Symbiosen und die Biodiversit\u00e4t von n\u00fctzlichen Mikroorganismen in globalen \u00d6kosystemen. <\/p>\n<p>&#8220;Dies ist eine der zentralen Fragestellungen, die die Universit\u00e4t im neuen Gie\u00dfen University Center for Infection, Disease and Environment verfolgen soll, einem im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der L\u00e4nder beantragten weiteren Excellenzcluster der Universit\u00e4t Gie\u00dfen&#8221;, so der Leiter der Gie\u00dfener Arbeitsgruppe und Vizepr\u00e4sident der Universit\u00e4t, Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel. &#8220;Die Ver\u00f6ffentlichung in PNAS ist ein weiterer Beleg daf\u00fcr, wie exzellent die Gie\u00dfener Umweltforschung auch international aufgestellt ist&#8221;. <\/p>\n<p>Deshmukh S, H\u00fcckelhoven R, Sch\u00e4fer P, Imani J, Sharma M, Wei\u00df M, Waller F, Kogel KH (2006) The root endophytic fungus Piriformospora indica requires host cell death for proliferation during mutualistic symbiosis with barley. Proc. Nat. Acad. Sci USA, online http:\/\/<a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/papbyrecent.shtml\" >www.pnas.org\/papbyrecent.shtml<\/a>.<\/p>\n<p><b>Kontakt:<\/b><br \/>Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel <br \/><a href=\"http:\/\/www.uni-giessen.de\/fbr09\/ipaz\/abt_phytopath\/home_phyto.htm\" >Institut f\u00fcr Phytopathologie und Angewandte Zoologie (IPAZ)<\/a><br \/>Heinrich-Buff-Ring 26-32<br \/>35392 Gie\u00dfen<br \/>Telefon: 0641 99-37491<br \/>Fax: 0641 99-37499<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:Karl-Heinz.Kogel@agrar.uni-giessen.de\">Karl-Heinz.Kogel@agrar.uni-giessen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Eine Forschergruppe aus Gie&szlig;ener Wissenschaftlern und ihren Kollegen von der Universit&auml;t T&uuml;bingen entdeckten k&uuml;rzlich eine ganze Gruppe von pilzlichen Mikroorganismen mit Namen Sebacinales, die Pflanzenwurzeln<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-9509","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9509"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9509\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9509"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=9509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}