{"id":93715,"date":"2021-08-12T07:37:00","date_gmt":"2021-08-12T05:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=93715"},"modified":"2021-08-09T12:02:14","modified_gmt":"2021-08-09T10:02:14","slug":"solarbetriebene-produktion-mit-bakterien-schonend-die-welt-ernahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/solarbetriebene-produktion-mit-bakterien-schonend-die-welt-ernahren\/","title":{"rendered":"Solarbetriebene Produktion: Mit Bakterien schonend die Welt ern\u00e4hren"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"323\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237-1024x323.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-93730\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237-1024x323.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237-300x95.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237-150x47.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237-768x242.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237-1536x484.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237-400x126.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237-1320x416.jpg 1320w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/08\/iStock-1159372713.jpg.6865237.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mit Proteinen, die aus Einzellern wie etwa Bakterien gewonnen werden, lie\u00dfe sich die Ern\u00e4hrung der Welt k\u00fcnftig umweltfreundlicher und ressourcenschonender gestalten als mit Pflanzen. Eine solarbetriebene Bakterienfarm mit einem Hektar Fl\u00e4che liefert ausreichend Proteine, um theoretisch 520&nbsp;Menschen ein Jahr lang zu ern\u00e4hren, ergab die Berechnung eines Teams um Dorian Leger von der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen. Ein Hektar Sojabohnen produziert dagegen nur Proteine f\u00fcr 40&nbsp;Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/content\/118\/26\/e2015025118\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ihren Beitrag im Fachmagazin \u00bbPNAS\u00ab<\/a>&nbsp;haben Leger und Team betrachtet, welchen Energie- und Platzbedarf eine Bakterienzucht hat, die mit Sonnenenergie und Molek\u00fclen aus der Umgebung das Futter f\u00fcr ihre Mikroben herstellt. Dabei k\u00f6nnte es sich beispielsweise um fotovoltaisch erzeugten Wasserstoff oder Methanol handeln. Dar\u00fcber hinaus versuchten sie, s\u00e4mtliche Energiefl\u00fcsse im System zu erfassen, die zus\u00e4tzlich anfallen, unter anderem f\u00fcr das Durchmischen der Fl\u00fcssigkeiten oder das Aufbereiten und Trocknen des Endprodukts, aber auch f\u00fcr D\u00fcngemittel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei zeigte sich ein bedeutender Vorteil gegen\u00fcber klassischer Landwirtschaft, selbst wenn sie die effizientesten Feldfr\u00fcchte zum Vergleich antreten lie\u00dfen&nbsp;\u2013 wie Sojabohnen oder Zuckerr\u00fcben. Sogar in Regionen mit nur geringer Sonneneinstrahlung lassen sich Systeme konstruieren, die pro Fl\u00e4cheneinheit mehr Kalorien oder Proteine erzeugen als der Ackerbau. Seine eigentlichen St\u00e4rken spielt das Verfahren den Daten nach allerdings in st\u00e4rker sonnenbeschienenen Gegenden&nbsp;aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mikroorganismen k\u00f6nnten auch als Tierfutter eingesetzt werden. Weil sie daf\u00fcr im Ganzen verarbeitet w\u00fcrden, steigt sogar noch die Ausbeute. Derzeit verbraucht gerade der Anbau des Futters f\u00fcr die Tierzucht gro\u00dfe Mengen an Ackerland und Ressourcen. Auch Fischmehl lie\u00dfe sich durch \u00bbMikrobenmehl\u00ab ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.spektrum.de\/fm\/912\/thumbnails\/newsimage353490.jpg.6865300.jpg\" alt=\"Solarbetriebene Bakterienfarm\" title=\"Solarbetriebene Bakterienfarm\"\/><figcaption>\u00a9 Paul van Leer et al. (Ausschnitt)Solarbetriebene Bakterienfarm | So stellen sich Dorian Leger und Team den Ablauf vor: Aus Sonnenenergie werden hochwertige Molek\u00fcle synthetisiert, die zur F\u00fctterung der Mikroben dienen. Aus diesen wird Protein extrahiert, oder die Mikroorganismen werden zu Tierfutter verarbeitet.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich werden bereits heute in kleinerem Ma\u00dfstab Nahrungs- und Futtermittel aus Mikroorganismen gewonnen. Was f\u00fcr den menschlichen Konsum gedacht ist, kommt in den Supermarkt als Superfood (Spirulina-Algen) oder Fleischersatz (Quorn). H\u00e4ufig stamme die daf\u00fcr eingesetzte Energie aber aus nicht erneuerbaren Quellen oder aus der Landwirtschaft in Form von Zucker, schreibt das Team. Solche Systeme schneiden darum schlechter ab als jene, die prim\u00e4r auf Fotovoltaik basieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Umweltfreundlicher, aber noch zu teuer<\/h3>\n\n\n\n<p>In ihrem Paper stellt die Arbeitsgruppe noch weitere positive Seiten des Verfahrens heraus. Der Wasserverbrauch etwa sei um mehrere Gr\u00f6\u00dfenordnungen geringer als beim klassischen Anbau auf dem Acker. Zudem l\u00e4sst sich die eingesetzte Menge an D\u00fcnger, allen voran Stickstoff, so einstellen, dass kein \u00dcberschuss ins Abwasser ger\u00e4t. Damit lie\u00dfe sich das Problem einer \u00dcberd\u00fcngung vermeiden. Und nicht zuletzt k\u00f6nnte eine solche Anlage in Gegenden stehen, die f\u00fcr Landwirtschaft nicht geeignet sind, sprich: in W\u00fcsten oder St\u00e4dten. Im Gegenzug lie\u00dfen sich einstige Monokulturen wieder zu hochwertigeren \u00d6kosysteme renaturieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Um einen wirklich substanziellen Beitrag zur Ern\u00e4hrung der Menschheit zu liefern, m\u00fcssten allerdings immer noch unrealistisch gro\u00dfe Landfl\u00e4chen unter Solarmodulen verschwinden&nbsp;\u2013 zus\u00e4tzlich zu jenen Fl\u00e4chen, die ohnehin bereits f\u00fcr Fotovoltaik gebraucht werden, um die Wirtschaft auf CO<sub>2<\/sub>-freie Energie umzustellen. Selbst mit effizienten Mikroorganismen werden die weltweite Fleischproduktion und der entsprechende Bedarf an Tierfutter sinken m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Nachteil des Verfahrens liegt auf der Hand: Solange es nur sehr wenige oder keine nachgefragten M\u00f6glichkeiten gibt, den Proteinextrakt in der K\u00fcche zu verwenden, wird ein solches Produkt nur wenige Abnehmer finden. Dem Einsatz als Tiernahrung steht der Preis entgegen. Leger und Team kalkulieren, dass er&nbsp;\u2013 noch ohne Anschaffungskosten&nbsp;\u2013 pro Kilogramm Protein vier- bis f\u00fcnfmal h\u00f6her liegt als bei Sojaprotein und doppelt so hoch wie bei Fischmehl. Allerdings ist der Vergleich nicht wirklich fair: So g\u00fcnstig k\u00f6nnen diese beiden umwelt- und klimasch\u00e4dlichen Proteinquellen nur deshalb sein, weil die Folgekosten ihrer Produktion nicht von den Erzeugern, sondern von der Allgemeinheit getragen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Proteinen, die aus Einzellern wie etwa Bakterien gewonnen werden, lie\u00dfe sich die Ern\u00e4hrung der Welt k\u00fcnftig umweltfreundlicher und ressourcenschonender gestalten als mit Pflanzen. Eine solarbetriebene Bakterienfarm mit einem Hektar Fl\u00e4che liefert ausreichend Proteine, um theoretisch 520&nbsp;Menschen ein Jahr lang zu ern\u00e4hren, ergab die Berechnung eines Teams um Dorian Leger von der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen. 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