{"id":9370,"date":"2006-08-22T00:00:00","date_gmt":"2006-08-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060822-04n"},"modified":"2006-08-22T00:00:00","modified_gmt":"2006-08-21T22:00:00","slug":"schnelle-kohle-aus-pflanzen-neuer-energietraeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schnelle-kohle-aus-pflanzen-neuer-energietraeger\/","title":{"rendered":"Schnelle Kohle aus Pflanzen &#8211; neuer Energietr\u00e4ger?"},"content":{"rendered":"<p><b>Wir kennen Kohle als fossilen Energietr\u00e4ger, die mittels nat\u00fcrlicher Druckerw\u00e4rmung innerhalb von Jahrmillionen aus Pflanzenr\u00fcckst\u00e4nden entsteht. Durch Zufall entdeckte j\u00fcngst ein deutscher Forscher ein Verfahren, mit dem das in ein paar Stunden m\u00f6glich wird. Nun fehlt nur noch die Anwendung.<\/p>\n<p>Kohle aus dem Dampfdrucktopf<\/b><\/p>\n<p>Es sieht noch nach einem Pinienzapfen aus, aber es ist ein St\u00fcck Braunkohle in Form eines Pinienzapfens: Es entstand \u00fcber Nacht in einem st\u00e4hlernen Dampfdrucktopf bei 200\u00b0C. <\/p>\n<p>Die Methode ist denkbar simpel, so Professor <a href=\"http:\/\/www.mpikg-golm.mpg.de\/kc\/people\/Antonietti\/\" >Markus Antonietti<\/a> vom <a href=\"http:\/\/www-de.mpimp-golm.mpg.de\/aktuelles\/news\/index.html\" >Max-Planck-Institut (MPI)<\/a> in Golm: Nachdem Pflanzenteile zusammen mit einem Katalysator wie Zitronens\u00e4ure oder einem Eisensalz in einem Druckbeh\u00e4lter erhitzt wurden, liefert die Reaktion selbst kurzfristig so viel W\u00e4rme, dass sie sich autonom vorantreibt. Innerhalb kurzer Zeit entsteht zun\u00e4chst ein an Erd\u00f6l erinnerndes Zwischenprodukt, welches nach ein paar Stunden eine Torfartige Substanz erh\u00e4lt und schlie\u00dflich als Braun- und Steinkohle entnommen wird.<\/p>\n<p>Antonietti nennt diese Verkohlung im Druckbeh\u00e4lter &#8220;Hydrothermale Karbonisierung (HTC)&#8221; , wobei der chemische Vorgang selbst noch ein R\u00e4tsel darstellt. &#8220;Die Reaktion ist im Wesentlichen noch immer unverstanden. Eigentlich passiert nichts weiter, als dass den Kohlenhydraten einer Pflanze das Wasser entzogen wird. Entgegen den Erwartungen l\u00e4uft diese Abspaltung auch in Anwesenheit von Wasser ab&#8221;, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler. Die Reaktion selbst sei aber nicht so wichtig, sondern eher das, was man daraus machen kann, ist Antonietti \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Diese Frage bleibt allerdings noch zu beantworten. Immerhin besitzt die Instantkohle zwei Vorteile: Nach Antonietti lassen sich f\u00fcr die feinen Kohlenstoff-Nanopartikel etliche Anwendungen in der Industrie finden, zum anderen sch\u00e4tzt der Forscher die Ausbeute der in der Pflanze gespeicherten Energie auf 70 Prozent.  <\/p>\n<p><b>Effiziente Produktion von fl\u00fcssigem Kraftstoff<\/b><\/p>\n<p>&#8220;In unserem Verfahren werden fast 100 Prozent des im Material gebundenen Kohlenstoffs zu Kohle umgewandelt&#8221;, gibt Antonietti an. Hierdurch lie\u00dfe sich fl\u00fcssiger Kraftstoff effizienter als bei herk\u00f6mmlichen Verfahren herstellen. So sei z.B. der Ertrag von Biodiesel relativ unspektakul\u00e4r, da pro Hektar Land etwa 3,2 Tonnen Rapssamen anfielen, aus denen wiederum eine Tonne Diesel verestert wird. &#8220;Mit HTC k\u00f6nnte man durch ein Biomass-to-Liquid Verfahren (BtL) aus einem Hektar Anbaufl\u00e4che 20 Tonnen Kohlenstoff beziehungsweise zehn Tonnen Treibstoff herstellen.&#8221;<\/p>\n<p>Derk Jan Swider vom <a href=\"http:\/\/www.ier.uni-stuttgart.de\/\" >Institut f\u00fcr Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER)<\/a> in Stuttgart nimmt solche Statements mit Vorsicht auf. Nach seiner Meinung kann Biomasse nur ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte des Heizwerts von Steinkohle enthalten. &#8220;Ich glaube nicht, dass ein Zwischenschritt wie die Umwandlung von Biomasse zu Steinkohle, wie sie Antonietti durchf\u00fchrt, die Wirtschaftlichkeit erh\u00f6ht.&#8221; Allerdings lenkt Swider ein, dass ihm f\u00fcr eine qualifizierte Bewertung noch etliche Informationen fehlen. <\/p>\n<p>Der Leiter des <a href=\"http:\/\/ww.wka.tu-harburg.de\/\" >Instituts f\u00fcr Energietechnik<\/a>, Alfons Kather, berechnet an der Technischen Universit\u00e4t Hamburg-Harburg Energiebilanzen f\u00fcr Kraftwerke. &#8220;Die HTC ist nur der erste Schritt zu einem Kraftstoff. Erst wenn der gesamte Prozess von der Pflanze zum Benzin energetisch &#8220;en d\u00e9tail&#8221; betrachtet worden ist und dann noch sinnvoll erscheint, erst dann k\u00f6nnte dieses Verfahren bahnbrechend sein&#8221;, sagt Kather. <\/p>\n<p><b>Vielleicht klimafreundliche Schnellkompostierung?<\/b><\/p>\n<p>Nach Antonietti k\u00f6nnte das HTC-Verfahren auch zur klimafreundlichen Schnellkompostierung von Biomasse verwendet werden. Im nat\u00fcrlichen Verottungsprozess wandeln sich \u00fcblicherweise nur zehn Prozent des Pflanzenmaterials zu Torf, der Rest geht als ungebundenes Kohlendioxid in die Atmosph\u00e4re. Durch das HTC-Verfahren bleibt der Kohlenstoff gebunden.<br \/>&#8220;Torf ist mein Favorit unter den M\u00f6glichkeiten, Biom\u00fcll zu verwerten&#8221;, sagt Antonietti. <\/p>\n<p>Immerhin k\u00f6nnten die 115.000 Tonnen Biom\u00fcll, die allein in Berlin pro Jahr anfallen, so zu Torf verarbeitet werden auf dem sich schnell wachsende Pflanzen wie Schilf anbauen lie\u00dfe, sodass zus\u00e4tzlich Kohlendioxid aus der Luft gebunden wird. <\/p>\n<p>Antonietti: &#8220;Da wir so eine negative Kohlendioxidbilanz erhalten, ist HTC ein attraktives Verfahren zum Handel mit CO2-Zertifikaten.&#8221;<\/p>\n<p><b>Kohlenstoff-Nanopartikel: Ein Hightech-Werkstoff<\/b><\/p>\n<p>Nach Antonietti k\u00f6nnten Kohlenstoffpartikel sich auch als Hightech-Werkstoff eignen, denn kurz vor der Verdichtung zur Kohle besteht das Ausgangsmaterial aus winzigen Nano-K\u00fcgelchen von 20 bis 200 Millionstel Millimeter Durchmesser. &#8220;Diese Gr\u00f6\u00dfe wird gerne von Tintenpatronenherstellern oder in der Reifenindustrie genutzt. Zucker als Ausgangsstoff ist dreimal billiger als das \u00fcblicherweise verwendete Polystyrol&#8221;, ist Antonietti \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/forschung\/105352.html\" >Zum Originaltext<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Wir kennen Kohle als fossilen Energietr&auml;ger, die mittels nat&uuml;rlicher Druckerw&auml;rmung innerhalb von Jahrmillionen aus Pflanzenr&uuml;ckst&auml;nden entsteht. 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