{"id":92786,"date":"2021-07-21T07:29:00","date_gmt":"2021-07-21T05:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=92786"},"modified":"2021-09-09T19:29:21","modified_gmt":"2021-09-09T17:29:21","slug":"chemisches-recycling-bei-dior-zuruck-zum-ol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/chemisches-recycling-bei-dior-zuruck-zum-ol\/","title":{"rendered":"Chemisches Recycling bei Dior: Zur\u00fcck zum \u00d6l"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/4957236\/948\/Recycling-Kreislaufwirtschaft-Plastik-Lippenstift-Dior-1.jpeg\"><\/a>Gerade erst sind Wattest\u00e4bchen und\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Experte-ueber-EU-Verbot-fuer-Einwegplastik\/!5779354\/\">Coffee-to-go-Becher in der EU verboten<\/a>, da verpackt Dior seinen Lippenstift neu. Der \u201eDior Addict Lip Maximizer\u201c, der seinen Nut\u00adze\u00adr:in\u00adnen zu \u201eseidig glatten, optimal hydratisierten und volumin\u00f6sen Lippen\u201c verhelfen soll, wird k\u00fcnftig in einer Verpackung verkauft, in der ein Drittel Recyclingmaterial steckt. Der Luxuskonzern LVMH, zu dem Dior geh\u00f6rt, will in den kommenden Jahren fossile Rohstoffe aus seinen Verpackungen eliminieren und setzt laut Mitteilung auf \u201einnovative molekulare Recycling-Technologien\u201c des US-amerikanischen Chemieunternehmens Eastman.<\/p>\n\n\n\n<p>Eastman mit Sitz in Kingsport, Tennessee, setzt auf \u201echemisches Recycling\u201c. Das bedeutet, Kunststoffe werden durch hohe Temperaturen oder L\u00f6sungsmittel wieder in ihre molekularen Bestandteile zerlegt und in ihre Ausgangsform zur\u00fcckversetzt. Je nach Methode k\u00f6nnen dabei auch unterschiedliche Kunststoffe zusammen verarbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Material aus Tennessee namens Cristal(TM) Renew Copolyester werden Abf\u00e4lle aus Polyester oder Polyamid \u2013 also etwa Pet-Flaschen oder Nylon \u2013 mit einem chemischen L\u00f6sungsmittel aufgel\u00f6st und in Einzelmolek\u00fcle zerlegt, die von fossilen Rohstoffen nicht zu unterscheiden sind. Als Ausgangsmaterial werden sie wieder in den Produktionskreislauf eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Chemisches Recycling, an dem in Deutschland unter anderem auch der Ludwigshafener BASF-Konzern arbeitet, k\u00f6nnte eine L\u00f6sung f\u00fcr die gro\u00dfen Mengen alter Verpackungen oder Verbundkunststoffe sein. Noch immer werden nur 47 Prozent aller&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Plastikrecycling-in-Indien\/!5701902\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Kunststoffabf\u00e4lle recycelt,<\/a>&nbsp;der Rest wird verbrannt und dabei h\u00f6chstens zur Energiegewinnung genutzt. Deshalb hat das chemische Recycling es sogar ins Wahlprogramm der Union f\u00fcr die Bundestagswahl im kommenden September gebracht. Darin hei\u00dft es, neben der \u201eForschung zu Re-Oil-Verfahren\u201c wolle man \u201eauch das chemische Recycling f\u00f6rdern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">UBA: Herk\u00f6mmliches Recycling ist vorzuziehen<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Umweltbundesamt (UBA) ist bislang eher skeptisch gegen\u00fcber den neuen Verfahren. Es sieht darin zwar Potenzial f\u00fcr einen nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen: Chemisches Recycling sei geeignet, Schadstoffe aus Stoffstr\u00f6men zu entfernen und auch solche Kunststoffe zu recyceln, bei denen mechanisches Verfahren \u2013 also schreddern und neu gie\u00dfen \u2013 nicht geeignet sind. In einem Hintergrundpapier wertete das UBA die Verfahren besser als die Verbrennung. Wo aber herk\u00f6mmliches Recycling m\u00f6glich sei, sei es vorzuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sieht auch Dieter Stapf vom Institut f\u00fcr Technische Chemie am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) so. Er forscht seit Jahren an Verfahren zum chemischen Recycling mit hohen Temperaturen. \u201ePET-Flaschen k\u00f6nnen bis zu f\u00fcnf Mal mechanisch recycelt werden\u201c, sagt er, \u201edanach werden die Polymerketten zu kurz und der Kunststoff erreicht das Ende seines Lebenszyklus.\u201c An dieser Stelle greife chemisches Recycling. Auch bislang gar nicht recycelbare Dinge, etwa Schaumstoffmatratzen, seien Gegenstand intensiver Forschung. Es m\u00fcsse f\u00fcr chemisches Recycling nicht mehr Energie aufgewendet werden als f\u00fcr mechanisches, sagt Stapf. Schlie\u00dflich m\u00fcssten auch in herk\u00f6mmlichen Anlagen Sortierb\u00e4nder laufen, Kunststoffe gewaschen und danach wieder eingeschmolzen werden. Doch die Technik sei einfacher und daher billiger. \u201eWo mechanisches Recyceln Vorteile hat, sollte man es einsetzen\u201c, sagt Stapf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Energiebilanzen fehlen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Circular Economy Ini\u00adtia\u00adtive Deutschland stellte&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/static1.squarespace.com\/static\/5b52037e4611a0606973bc79\/t\/608ab95faaed640a6dda4df9\/1619704174261\/VP_Gesamtbericht+DE\" rel=\"noreferrer noopener\">in einer \u00dcbersichtsstudie zu Kunststoffverpackungen fest<\/a>, die \u201eEffizienz, die Wirtschaftlichkeit sowie die Beitr\u00e4ge der unterschiedlichen Verfahren zum Klimaschutz\u201c seien bislang strittig. Bevor die Techniken in einen breiten Einsatz k\u00e4men, m\u00fcssten \u201ejedoch f\u00fcr die einzelnen chemischen Verfahren noch Energiebilanzen erstellt, Emissionen gepr\u00fcft, Gesundheitsrisiken analysiert und die Umweltbilanz im industriellen Ma\u00dfstab betrachtet werden\u201c. Dann bestehe die Chance, dass sich aus dem breiten Spektrum an Verfahren Schl\u00fcsseltechnologien herauskristallisieren, die entscheidend zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft beitragen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, h\u00e4lt deshalb derzeit wenig davon, chemisches Recycling f\u00fcr Kosmetikverpackungen einzusetzen. \u201eAlle Verfahren des chemischen Recyclings setzen mehr CO<sub>2<\/sub>&nbsp;frei als mechanische\u201c, sagt Wilts. W\u00fcrden an sich recyclingf\u00e4hige Verpackungen aus dem gelben Sack, die gut sortiert und deshalb auch mechanisch zu bearbeiten seien, im chemischen Recycling landen, sei das \u201eeine katastrophale Fehlentwicklung\u201c. Dann w\u00fcrden nicht nur etablierte, nachhaltigere Verwertungswege zerst\u00f6rt. \u201eDie Hersteller von Verpackungen k\u00f6nnten sich von der Pflicht entbunden f\u00fchlen, leichter recycelbare und ressourcenschonende Kunststoffverpackungen zu entwerfen\u201c, sagt Wilts. Genau darauf komme es aber in einer k\u00fcnftigen Kreislaufwirtschaft an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade erst sind Wattest\u00e4bchen und\u00a0Coffee-to-go-Becher in der EU verboten, da verpackt Dior seinen Lippenstift neu. Der \u201eDior Addict Lip Maximizer\u201c, der seinen Nut\u00adze\u00adr:in\u00adnen zu \u201eseidig glatten, optimal hydratisierten und volumin\u00f6sen Lippen\u201c verhelfen soll, wird k\u00fcnftig in einer Verpackung verkauft, in der ein Drittel Recyclingmaterial steckt. 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