{"id":92342,"date":"2021-07-13T07:26:00","date_gmt":"2021-07-13T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=92342"},"modified":"2021-07-08T12:42:02","modified_gmt":"2021-07-08T10:42:02","slug":"deutsche-start-ups-wollen-vom-einwegplastik-verbot-profitieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutsche-start-ups-wollen-vom-einwegplastik-verbot-profitieren\/","title":{"rendered":"Deutsche Start-ups wollen vom Einwegplastik-Verbot profitieren"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Die Geschichte von Wisefood begann mit einem Super-GAU. Im Herbst 2018 durfte Gr\u00fcnder Philipp Silbernagel sein Produkt in der Fernsehsendung \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u201c vorstellen. Eine einmalige Chance f\u00fcr das junge Start-up \u2013 schlie\u00dflich sa\u00dfen ihm nicht nur f\u00fcnf investitionsfreudige L\u00f6wen gegen\u00fcber, sondern auch Millionen Zuschauer vor den Fernsehbildschirmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Abend endete im Desaster. Die essbaren Trinkhalme, die Silbernagel im Gep\u00e4ck hatte, kamen bei den L\u00f6wen gar nicht gut an. Nicht nur, dass sie das angebotene Trinkwasser verf\u00e4rbten, auch der Geschmack erntete Kritik. Als \u201egruselig\u201c, empfand ihn Carsten Maschmeyer und Frank Thelen bem\u00e4ngelte zudem den \u201ekomischen Geruch\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweieinhalb Jahre sp\u00e4ter ist aus Wisefood ein erfolgreiches Unternehmen geworden. Die so heftig kritisierten Trinkhalme lagen als Aktionsartikel in den rund 4200 Filialen der Discounterketten Aldi. Hotelketten wie Mercure und IBIS sind Abnehmer des Start-ups, das mittlerweile auch essbare L\u00f6ffel, Becher und R\u00fchrst\u00e4bchen herstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir haben unsere Niederlage als Ansporn genommen, uns weiterzuentwickeln und am Geschmack und der Haltbarkeit des Produkts zu arbeiten\u201c, erz\u00e4hlt Philipp Silbernagel. Dass er und seine Mitgr\u00fcnder Patricia Titz und Maximilian Lemke nicht aufgegeben haben, lag auch daran, dass sich bald nach der Niederlage im Fernsehen bereits Hoffnung abzeichnete. Und zwar in Form eines neuen Gesetzes, das einen Umbruch des Marktes versprach &#8211; und somit eine riesige Chance f\u00fcr Start-ups, die sich dem Endes Plastikm\u00fclls widmeten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Klimasch\u00e4dliche Abgase und Plastikm\u00fcll<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn nun am 3. Juli in ganz Europa das Verbot von Einwegplastik in Kraft tritt, d\u00fcrfen Produkte wie To-Go-Becher, Trinkhalme,&nbsp;R\u00fchrst\u00e4bchen oder Einweg-Geschirr nicht mehr produziert und in den Handel gebracht werden. Eine Ma\u00dfnahme, auf die Umweltsch\u00fctzer schon lange gewartet haben, denn der Verbrauch von Plastikprodukten war in den vergangenen Jahren besorgniserregend gestiegen:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.duh.de\/becherheld-problem\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Laut Deutscher Umwelthilfe werden st\u00fcndlich<strong>&nbsp;<\/strong>rund 320.000 Einwegbecher f\u00fcr hei\u00dfe Getr\u00e4nke in Deutschland verbraucht. Pro Jahr sind das rund 2,8 Milliarden Becher.&nbsp;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswirkungen auf die Umwelt sind enorm: Alleine f\u00fcr die Herstellung der j\u00e4hrlich in Deutschland verbrauchten Coffee-to-go\u2013Becher werden rund 48.000 Tonnen des sch\u00e4dlichen Kohlendioxids in die Luft gepustet. Rund 85 Prozent des Meeresm\u00fclls besteht aus Kunststoffen, die f\u00fcr den Tod vieler Meereslebewesen verantwortlich seien,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/themen\/nachhaltigkeitspolitik\/einwegplastik-wird-verboten-1763390.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">schreibt die Bundesregierung in einem Bericht<\/a>&nbsp;&nbsp;\u2013 und geht angesichts dieser Zahlen noch einen Schritt weiter: Ab 2023 werden&nbsp;Caterer, Lieferdienste&nbsp;und Restaurants&nbsp;verpflichtet, Mehrwegbeh\u00e4lter f\u00fcr Essen und Getr\u00e4nke zum Mitnehmen anzubieten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Strafzins bei Verlust<\/h3>\n\n\n\n<p>Damit er\u00f6ffnet sich f\u00fcr Start-ups ein ganz neuer Markt. Und Matthias Potthast will nicht mehr lange warten, um ihn zu erobern. Ginge es nach dem M\u00fcnchner, w\u00fcrden bereits jetzt alle Gastronomen ihr Angebot umstellen. Anfang des vergangenen Jahres hat er gemeinsam mit seinen Co-Gr\u00fcndern Gregor Kolb und Aaron Sperl eine Mehrwegl\u00f6sung f\u00fcr To-Go-Essen und Trinken entwickelt. Sein Start-up Relevo bietet die M\u00f6glichkeit, das Geschirr kostenlos mitzunehmen und innerhalb von 14 Tagen in einem der Partnerrestaurants wieder zur\u00fcckzugeben. \u201eDazu m\u00fcssen sie nur vorab den QR-Code auf dem Geschirr scannen und den Mitarbeitern ihre Best\u00e4tigung vorzeigen, damit wir wissen, wo das Geschirr aktuell steckt\u201c, erz\u00e4hlt Potthast. Vers\u00e4umt man die R\u00fcckgabe oder verliert das Geschirr, fallen f\u00fcnf bis zehn Euro an. Die regul\u00e4ren Kosten f\u00fcr das Geschirr tragen die Restaurants, die an Relevo 20 Cent pro Nutzung zahlen.\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/gruender\/essenslieferdienste-und-mehrwegverpackungen-der-muehsame-weg-zur-teller-to-go-gesellschaft-\/26667376.html\" target=\"_blank\">Einen \u00e4hnlichen Service bietet das Start-up Vytal<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch l\u00e4ngst nicht alle Restaurants sind bereit, die Idee mitzutragen. \u201eMan merkt, dass die Umsetzung des Gesetzes erst in zwei Jahren verpflichtend ist. Da brauchen die Gastronomen nat\u00fcrlich erst einmal ihren Bestand auf \u2013 der&nbsp; Schutz der Umwelt tritt da hinter wirtschaftlichen Erw\u00e4gungen zur\u00fcck.\u201c Dabei sei der Einsatz des Mehrwegggeschirrs f\u00fcr die Gastronomen sogar g\u00fcnstiger, sagt Potthast. \u201eAu\u00dferdem wirkt Relevo wie ein Kundenbindungsprogramm, denn viele geben das Geschirr dort zur\u00fcck, wo sie es auch geholt haben \u2013 und schauen gleichzeitig in die Karte, was es an diesem Tag Neues gibt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb ist Matthias Potthast zuversichtlich. Auf lange Sicht, sagt er, sei das Potential riesig. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland fast 72.000 Restaurants, rund 3.400 Imbissstuben und etwa 11.700 Caf\u00e9s. Sie alle werden in den kommenden Monaten auf die umweltfreundliche Variante umstellen m\u00fcssen. Ein absoluter Wachstumsmarkt, findet auch der fr\u00fchere Telegate-Vorstandsvorsitzende Andreas Albath. Zusammen mit anderen Privat-Investoren und Delivery Hero ist er im M\u00e4rz 2020 bei Wisefood eingestiegen: \u201eDas Thema Nachhaltigkeit gewinnt bei den Konsumenten immer mehr an Bedeutung.\u201c<br><br>Philipp Silbernagel und seine Mitgr\u00fcnder hatten die richtige Idee zur richtigen Zeit, findet der Investor. Daran \u00e4nderte letztlich auch ein misslungener Fernsehauftritt nichts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte von Wisefood begann mit einem Super-GAU. Im Herbst 2018 durfte Gr\u00fcnder Philipp Silbernagel sein Produkt in der Fernsehsendung \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u201c vorstellen. Eine einmalige Chance f\u00fcr das junge Start-up \u2013 schlie\u00dflich sa\u00dfen ihm nicht nur f\u00fcnf investitionsfreudige L\u00f6wen gegen\u00fcber, sondern auch Millionen Zuschauer vor den Fernsehbildschirmen. Doch der Abend endete im Desaster. 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