{"id":9183,"date":"2006-06-27T00:00:00","date_gmt":"2006-06-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060627-06n"},"modified":"2006-06-27T00:00:00","modified_gmt":"2006-06-26T22:00:00","slug":"aktuelle-studie-energie-vom-acker-fuer-landwirte-ein-lohnendes-geschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aktuelle-studie-energie-vom-acker-fuer-landwirte-ein-lohnendes-geschaeft\/","title":{"rendered":"Aktuelle Studie: Energie vom Acker f\u00fcr Landwirte ein lohnendes Gesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"<p><b>Produzenten von Biokraftstoffen stehen gute Zeiten bevor &#8211; zumindest wenn ihnen der Fiskus nicht doch noch Steine in den Weg legt. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universit\u00e4t Bonn in einer aktuellen Studie. Darin haben sie untersucht, unter welchen Voraussetzungen sich der Anbau von Energiepflanzen f\u00fcr nordrhein-westf\u00e4lischen Landwirte rentiert.<\/b> <\/p>\n<p>Ergebnis: Vor allem die Produktion von Biogas, Pflanzen\u00f6l und Raps\u00f6lmethylester (RME) &#8211; auch Biodiesel genannt &#8211; verspricht hierzulande gute Ertr\u00e4ge. Bei richtiger steuerlicher Weichenstellung k\u00f6nnte der Boom auch in Zukunft anhalten. Jeder Besitzer eines Dieselfahrzeugs in Deutschland hat wohl schon einmal unbewusst Biodiesel getankt: Drei bis f\u00fcnf Prozent RME setzt die Mineral\u00f6lwirtschaft inzwischen ihrem Dieselkraftstoff zu &#8211; nicht, weil sie dazu gesetzlich verpflichtet ist, sondern absolut freiwillig. Grund ist die Steuerbefreiung, die bislang f\u00fcr Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gilt. <\/p>\n<p>&#8220;Sie macht Biodiesel f\u00fcr die \u00d6lkonzerne vergleichsweise kosteng\u00fcnstig&#8221;, sagt Thomas Breuer vom <a href=\"http:\/\/www.ilr.uni-bonn.de\/\" >Institut f\u00fcr Lebensmittel- und Ressourcen\u00f6konomik<\/a> der Universit\u00e4t Bonn. Da es den Motoren \u00fcberdies egal ist, wenn sie neben dem Diesel zu einem geringen Prozentsatz chemisch veredeltes Salat\u00f6l verfeuern, steht einer Beimischung auch technisch nichts im Wege.<\/p>\n<p>Zwar ist es mit der Steuerfreiheit wohl bald vorbei: Nach den Pl\u00e4nen der Bundesregierung sollen k\u00fcnftig beim Verkauf eines Liters Biodiesel 9 Cent f\u00fcr den Fiskus f\u00e4llig werden. Gleichzeitig wird aber f\u00fcr die \u00d6lkonzerne die Beimischung von mindestens 4,4 Prozent RME zum Dieselkraftstoff Pflicht. &#8220;Zudem soll zumindest das reine Raps\u00f6l bis 2008 steuerfrei bleiben&#8221;, sagt Breuer. Gut f\u00fcr die Landwirte: &#8220;Die Rapspreise zeigen steigende Tendenz&#8221;, erkl\u00e4rt Breuer. &#8220;Und dieser Boom d\u00fcrfte vorerst anhalten, wenn der gesetzliche Rahmen so bleibt.&#8221;<\/p>\n<p><b>Raps\u00f6l: Die Bayern haben&#8217;s besser<\/b><\/p>\n<p>Aus Sicht der Landwirte sind die Bedingungen f\u00fcr Raps\u00f6l in Bayern besonders gut: Dort gibt es nur wenige gro\u00dfe zentrale Rapsm\u00fchlen. Viele Bauern im Freistaat pflanzen daher nicht nur Raps, sondern erledigen auch das Pressen der \u00d6lsaat. &#8220;Dabei sind die Wertsch\u00f6pfungspotenziale am gr\u00f6\u00dften&#8221;, sagt Breuer. &#8220;Die relativ geringen Investitionen, die f\u00fcr eine dezentrale Rapsm\u00fchle anfallen, sind schnell wieder eingespielt.&#8221; <\/p>\n<p>Konkurrenzf\u00e4hig sind diese dezentralen Anlagen aber nur dann, wenn nicht die n\u00e4chste Gro\u00dfpresse direkt vor der Haust\u00fcr steht. In Nordrhein-Westfalen mit seinen vier zentralen \u00d6lm\u00fchlen lohnt es sich daher nur an wenigen Standorten, den Raps selbst zu pressen.<\/p>\n<p>Zudem m\u00fcssen sich deutsche Rapsbauern gegen\u00fcber dem Weltmarkt preislich behaupten &#8211; ein Druck, dem beispielsweise Biogas-Produzenten nicht ausgesetzt sind. Deren Anlagen werden n\u00e4mlich vor allem mit G\u00fclle und Energiemais gef\u00fcttert &#8211; also Ausgangsstoffen, die aus der Region kommen m\u00fcssen, da ihr Transport zu kostenaufw\u00e4ndig w\u00e4re. Zudem holt eine Biogasanlage aus einem Hektar Fl\u00e4che f\u00fcnfmal soviel Energie wie eine Rapspresse.<\/p>\n<p>Richtig rentabel wird eine Biogasanlage aber erst ab einer gewissen Gr\u00f6\u00dfe. &#8220;Die Kosten gehen f\u00fcr eine moderne Anlage schnell in die Millionen&#8221;, erkl\u00e4rt Thomas Breuer. Zumal das Gas noch in Strom umgewandelt werden muss, bevor der &#8220;Energiewirt&#8221; kassieren kann. Bis zu 11,5 Cent pro Kilowattstunde garantiert der Gesetzgeber den Betreibern momentan, dazu kommt ein etwa halb so hoher Bonus, falls die Anlage ausschlie\u00dflich nachwachsende Rohstoffe verg\u00e4rt. <\/p>\n<p>Moderne Biogas-Kraftwerke heizen durch ihre Abw\u00e4rme zudem gleich noch das benachbarte Schwimmbad mit. F\u00fcr dieses Feature &#8211; Kraft-W\u00e4rme-Kopplung genannt &#8211; gibt es noch einmal 2 Cent mehr. &#8220;Diese Anlagen sind aufgrund des hohen Wirkungsgrades nat\u00fcrlich besonders rentabel und umweltfreundlich&#8221;, wei\u00df Breuer.<\/p>\n<p>Vor allem in Pflanzen\u00f6l, Biodiesel und Biogas sieht der Agrar\u00f6konom eine zukunftstr\u00e4chtige Chance f\u00fcr die deutsche Landwirtschaft. Und zwar eine, von der die Bundesrepublik insgesamt profitieren kann, l\u00f6st sie doch gleich drei Probleme auf einen Streich: Erstens sinkt damit die Abh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen Erd\u00f6l- und Erdgas-Lieferungen, zweitens sch\u00fctzt die Energieerzeugung aus Biomasse das Klima. Und drittens bietet diese Strategie einen Ausweg aus der EU-weiten Nahrungsmittel-\u00dcberproduktion: Statt Fl\u00e4chen einfach stillzulegen, k\u00f6nnen Landwirte sie mit Energiepflanzen bebauen und sich damit neue Einkommenspotenziale erschlie\u00dfen. <\/p>\n<p>&#8220;Auf unsere Landwirte kommen damit aber auch v\u00f6llig neue Herausforderungen zu&#8221;, betont Breuer. So erfordere eine Biogasanlage ein entsprechendes technisches wie \u00f6konomisches Know-how. &#8220;Leider gibt es f\u00fcr dieses zukunftstr\u00e4chtige Feld noch nicht gen\u00fcgend Ausbildungs- und Beratungsangebote.&#8221;<\/p>\n<p>Letztlich k\u00f6nnte der Boom aber auch f\u00fcr denjenigen Bauern helfen, die gar keine Energiepflanzen anbauen: &#8220;Die Konkurrenz um Agrarfl\u00e4chen wird zunehmen&#8221;, erwartet Breuer. &#8220;Und damit k\u00f6nnten auch die Lebensmittelpreise langfristig wieder steigen.&#8221;<\/p>\n<p><b>Kontakt:<\/b><br \/>Thomas Breuer<br \/>Telefon: 0228\/73-2325<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:thomas.breuer@ilr.uni-bonn.de\">thomas.breuer@ilr.uni-bonn.de<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Produzenten von Biokraftstoffen stehen gute Zeiten bevor &#8211; zumindest wenn ihnen der Fiskus nicht doch noch Steine in den Weg legt. 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