{"id":91573,"date":"2021-06-29T07:26:00","date_gmt":"2021-06-29T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=91573"},"modified":"2021-09-09T21:04:09","modified_gmt":"2021-09-09T19:04:09","slug":"wie-sinnvoll-ist-die-co%e2%82%82-entfernung-aus-der-atmosphare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wie-sinnvoll-ist-die-co%e2%82%82-entfernung-aus-der-atmosphare\/","title":{"rendered":"Wie sinnvoll ist die CO\u2082-Entfernung aus der Atmosph\u00e4re?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Klimaneutralit\u00e4t bis zum Jahr 2045 \u2013 das ist das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/klimaschutzgesetz-regierung-will-zehn-prozentpunkte-mehr-co-einsparen-als-bisher-a-ad89b97c-affc-401d-b7e3-6c9cc139e32a\">neue Ziel<\/a>&nbsp;der Bundesregierung. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Emissionen in allen Sektoren der Wirtschaft und im Verkehr ebenso sinken wie die der Privathaushalte. \u00dcber die konkreten Ma\u00dfnahmen wird sp\u00e4testens nach der Bundestagswahl erbittert gestritten werden. Neben der Vermeidung von Treibhausgasen k\u00f6nne auch das aktive Entfernen von CO\u2082 aus der Atmosph\u00e4re einen Beitrag leisten. Das betrifft vor allem Emissionen, die nicht verhindert werden k\u00f6nnen, etwa aus dem Flugverkehr.<\/p>\n\n\n\n<p>CO\u2082 aktiv aus der Luft entfernen, daf\u00fcr gibt es&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/negative-emissionen-diese-technologien-sollen-das-klima-retten-a-1299694.html\">eine ganze Menge<\/a>&nbsp;Ideen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/technik\/negativemissionen-warum-der-co2-staubsauger-keine-wundermaschine-ist-a-fe072a0c-da17-40aa-adca-97c18e785635\">direkte Entnahme<\/a>&nbsp;von CO\u2082 aus der Luft und Speicherung im Boden,<\/li><li>massive Aufforstungsprogramme oder<\/li><li>das Ausbringen bestimmter fein gemahlener Gesteine etwa auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen.<\/li><li>Dazu kommt \u00bbBio Energy with Carbon Capture and Storage\u00ab, kurz BECCS. Dabei werden Pflanzen auf riesigen \u00c4ckern angebaut und sp\u00e4ter in Kraftwerken verbrannt. Das entstehende CO\u2082 wird aufgefangen und im Untergrund gespeichert.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bereits jetzt k\u00f6nnen die meisten Szenarien nur mithilfe von solchen negativen Emissionen erreicht werden. Das betrifft sowohl das 1,5-Grad-Ziel des Klimavertrags von Paris als auch viele der Szenarien, die den Weg skizzieren, zumindest das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Manchmal scheint der Verweis auf technische L\u00f6sungen zum Entfernen von Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re aber auch Gegnern einer radikaleren Klimapolitik als Argument f\u00fcr ein Weiter-so zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es beim Klimaschutz nun aber einen Unterschied zwischen einer Tonne CO\u2082, die eingespart wird und daher gar nicht entsteht, im Vergleich zu einer, die zwar fr\u00fcher einmal ausgesto\u00dfen, aber sp\u00e4ter dann mit technischen Hilfsmitteln wieder aus der Luft entfernt wurde? Eine aktuelle Studie eines Teams um Kirsten Zickfeld von der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby, ver\u00f6ffentlicht&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41558-021-01061-2\">im Fachmagazin \u00bbNature Climate Change\u00ab<\/a>, legt das zumindest nahe, auch wenn einige Fragen offenbleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forscherinnen und Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re einen weniger starken Effekt auf das Fortschreiten des Klimawandels haben k\u00f6nnte als die Vermeidung von Emissionen. F\u00fcr seine Arbeit hat das Team ein Computermodell genutzt und sich angesehen, wie sich der Kohlenstoffkreislauf der Erde bei Zugabe oder Entfernung einer gro\u00dfen Menge an Kohlenstoff ver\u00e4ndert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nahmen dabei das Zehn- bis Einhundertfache der aktuellen j\u00e4hrlichen globalen Emissionen auf einmal aus dem System \u2013 oder gaben die Menge zus\u00e4tzlich dazu. Dann verglichen sie \u00fcber 1000 Jahre die Entwicklung der simulierten CO\u2082-Konzentration und der Temperaturen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Reduktion der Emissionen als \u00bbMittel der Wahl\u00ab<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei der CO\u2082-Konzentration zeigte sich, dass die Entnahme von Kohlendioxid weniger wirksam war als die Erh\u00f6hung. Das w\u00fcrde bedeuten, dass der Ausgleich von CO\u2082-Emissionen durch negative Emissionen zu einem anderen Klimaergebnis f\u00fchren k\u00f6nnte als die komplette Vermeidung dieser CO\u2082-Emissionen. Bei der globalen Mitteltemperatur war das Ergebnis jedoch teils umgekehrt: In Szenarien mit hohen Entnahmen oder Emissionen machte eine entfernte Tonne CO\u2082 mehr aus als eine eingesparte. Zu den Gr\u00fcnden f\u00fcr den Unterschied \u00e4u\u00dfern sich die Forscher nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fragen, ob die \u00f6kologische Wende gelingt. Welche politischen Ideen und wirtschaftlichen Innovationen \u00fcberzeugen. Jede Woche zeigen wir, welchen Einfluss die Klimakrise auf unseren Planeten hat und warum wir im spannendsten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts leben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs ist klar, dass das Mittel der Wahl die Reduktion der Emissionen ist, die deutlich beschleunigt werden muss\u00ab, kommentierte die nicht an der Studie beteiligte Forscherin Judith Hauck vom Alfred-Wegener-Institut f\u00fcr Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Negative Emissionstechnologien seien mit gro\u00dfen Unsicherheiten behaftet, insbesondere auch \u00fcber unerw\u00fcnschte Nebeneffekte. \u00bbZudem sind sie im Moment und auf absehbare Zeit nicht in dem Ma\u00dfstab verf\u00fcgbar, in dem sie zum Beispiel im vorliegenden Artikel ausgetestet werden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der ebenfalls nicht beteiligte Forscher Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin kommentierte die Ergebnisse so: \u00bbMan k\u00f6nnte versucht sein, die Studie als Argument gegen Netto-negativ-Emissionen oder gar CO\u2082-Entnahme an sich zu interpretieren. Aber das Ergebnis der Studie, dass sehr gro\u00dfe Mengen an entnommenem CO\u2082 unter bestimmten Umst\u00e4nden nicht so effektiv wirken wie die gleiche Menge an CO\u2082-Emissionen, l\u00e4sst sich auch umgekehrt interpretieren \u2013 wir ben\u00f6tigen noch mehr CO\u2082-Entnahme als gedacht, um die CO\u2082-Konzentration in der Atmosph\u00e4re wieder effektiv abzusenken.\u00ab Es liege nicht an der M\u00f6glichkeit von negativen Emissionen in der fernen Zukunft, so Geden, dass die Menschheit heute immer noch so viel emittiere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klimaneutralit\u00e4t bis zum Jahr 2045 \u2013 das ist das&nbsp;neue Ziel&nbsp;der Bundesregierung. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Emissionen in allen Sektoren der Wirtschaft und im Verkehr ebenso sinken wie die der Privathaushalte. \u00dcber die konkreten Ma\u00dfnahmen wird sp\u00e4testens nach der Bundestagswahl erbittert gestritten werden. 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