{"id":91474,"date":"2021-06-25T07:35:00","date_gmt":"2021-06-25T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=91474"},"modified":"2021-06-22T13:43:18","modified_gmt":"2021-06-22T11:43:18","slug":"agrarfolien-verpackungsfolien-oder-mullbeutel-hochschule-hof-macht-holzreststoff-nutzbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/agrarfolien-verpackungsfolien-oder-mullbeutel-hochschule-hof-macht-holzreststoff-nutzbar\/","title":{"rendered":"Agrarfolien, Verpackungsfolien oder M\u00fcllbeutel \u2013 Hochschule Hof macht Holzreststoff nutzbar"},"content":{"rendered":"\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"200\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/06\/csm_Lignin_web_49609d6171.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-91478\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/06\/csm_Lignin_web_49609d6171.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/06\/csm_Lignin_web_49609d6171-113x150.jpg 113w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Biogene Reststoffe f\u00fcr Wirtschaft und Industrie verwertbar zu machen\u00a0&#8211; das ist das vorrangige\u00a0Forschungsziel des Instituts f\u00fcr angewandte Biopolymerforschung (ibp)\u00a0an der Hochschule Hof. Nun k\u00f6nnte den Forscherinnen und Forschern ein interessanter Durchbruch gelungen sein. Mit Hilfe von\u00a0Elektronenbestrahlung\u00a0konnten sie bisher\u00a0weitestgehend ungenutzte Reststoffe\u00a0aus der Papierindustrie so behandeln, dass diese als\u00a0Biokunststoffe zur Weiterverarbeitung\u00a0eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die so gewonnenen Werkstoffe sind weiterhin\u00a0vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar\u00a0und k\u00f6nnten schon heute f\u00fcr allerlei Produkte verwendet werden \u2013 g\u00e4be es da nicht noch ein ungel\u00f6stes Problem.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Beschreibung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>K\u00fcbra Aslan (M. Eng.) arbeitet als Teamleiterin f\u00fcr die Verarbeitung von Biokunststoffen am Institut f\u00fcr angewandte Biopolymerforschung (ibp) der Hochschule Hof. Dort betreut sie das Forschungsprojekt LigNutz, welches bereits den Namen des Stoffes beinhaltet, um den sich derzeit die Ambitionen der Jungforscherin drehen: Lignin. Das Biopolymer kommt in der Natur unter anderem in B\u00e4umen vor, wo es f\u00fcr die Verholzung der Zellen und die Zugfestigkeit des Holzes verantwortlich ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Reststoff bei der Papierproduktion<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Bei der Produktion von Papier wird Lignin als Reststoff allerdings ausgeschieden, da es andernfalls zum Vergilben der Papierbl\u00e4tter f\u00fchren w\u00fcrde: \u201eDas so gewonnene Kraftlignin macht 85 Prozent der weltweiten Ligninproduktion aus. Es wird derzeit aber nur zu etwa 5 Prozent genutzt, zum Beispiel als Beimischung in Zement, Tiernahrung oder in den ligninhaltigen ARBOFORM\u00ae Granulaten der Firma Tecnaro, welche zu spritzgegossenen Bauteilen weiterverarbeitet werden k\u00f6nnen. 95 Prozent dagegen dienen allenfalls zur Energiegewinnung. \u201eDas m\u00f6chten wir \u00e4ndern\u201c, erkl\u00e4rt K\u00fcbra Aslan. Das Problem dabei ist: Kraftlignin war als nat\u00fcrliches Biopolymer bislang f\u00fcr die Industrie schlicht nicht verwendbar, da es sich im Urzustand nicht schmelzen und damit auch nicht formen bzw. verarbeiten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bestrahlung ver\u00e4ndert die Struktur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Anregung, genau dieses Problem in den Fokus zu r\u00fccken, wurde schlie\u00dflich vom Unternehmen Tecnaro GmbH, einem langj\u00e4hrigen Forschungspartner der Hochschule Hof, an die Forscherin und den Institutsleiter Herrn Prof. Dr. Michael Nase herangetragen, wo man es sofort aufgriff. \u201eNun gibt es mehrere M\u00f6glichkeiten, die Struktur von Lignin so zu ver\u00e4ndern, dass man es formen und verarbeiten kann. Eine chemische Behandlung kam dabei f\u00fcr uns nat\u00fcrlich nicht in Frage, da unser Endprodukt immer biologisch abbaubar bleiben soll. Darum haben wir uns f\u00fcr das Experimentieren mit einer Elektronenbestrahlung entschieden\u201c, so K\u00fcbra Aslan. Zusammen mit ihrem Team absolvierte sie etliche Testreihen, um das gew\u00fcnschte Ziel zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Neuer Stoff voll zu verarbeiten<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Funktionsweise der Elektronenbestrahlung erkl\u00e4rt die Forscherin so: \u201eBei einem externen Partner unseres Instituts wurde die Oberfl\u00e4che des Kraftlignins mit Elektronen in unterschiedlicher St\u00e4rke bestrahlt. In der Folge bilden sich an dieser Oberfl\u00e4che freie Radikale, welche sich bei der Compoundierung mit einem anderen Biokunststoff verbinden und die chemische Struktur in der gew\u00fcnschten Form ver\u00e4ndern.\u201c Durch dieses Ergebnis wurde es den Forschenden nun auch m\u00f6glich einen thermisch stabilen Lignincompound, also eine neue Verbindung des Biokunststoffes zu entwickeln. Diese hat die gew\u00fcnschten Eigenschaften: \u201eDer neue Biokunststoff auf der Basis von Kraftlignin kann nun durch eine formgebende D\u00fcse gepresst und somit gestaltet werden. Das entsprechende Verfahren nennt sich Extrusion. Auf diese Art und Weise k\u00f6nnen wir bei uns am Institut zum Beispiel Schlauchfolien herstellen\u201c, so K\u00fcbra Aslan. Nach der Extrusion verf\u00fcgen die Produkte zudem \u00fcber sehr gute mechanische Eigenschaften wie hohe Zugfestigkeit und\/oder hohe Bruchdehnung, was die Einsatzm\u00f6glichkeiten des Produktes erweitert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Offene Fragen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Allerdings, so r\u00e4umen auch die Forscherinnen und Forscher der Hochschule Hof ein, sind damit noch nicht alle Probleme bei der Nutzbarmachung des Reststoffes Lignin beseitigt: \u201eLignin hat &#8211; auch in der bearbeiteten Form &#8211; einen leichten Geruch nach Verbranntem an sich. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich, dass es derzeit noch nicht f\u00fcr alle Produkte geeignet ist, insbesondere nicht f\u00fcr solche, die nah am Menschen sind. Hier hat die Forschung also noch einen Weg vor sich\u201c, so Prof. Dr. Michael Nase, Leiter des ibp.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt \u201eLigNutz\u201c wird vom Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) gef\u00f6rdert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biogene Reststoffe f\u00fcr Wirtschaft und Industrie verwertbar zu machen\u00a0&#8211; das ist das vorrangige\u00a0Forschungsziel des Instituts f\u00fcr angewandte Biopolymerforschung (ibp)\u00a0an der Hochschule Hof. Nun k\u00f6nnte den Forscherinnen und Forschern ein interessanter Durchbruch gelungen sein. 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