{"id":91447,"date":"2021-06-25T07:26:00","date_gmt":"2021-06-25T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=91447"},"modified":"2021-09-09T19:30:27","modified_gmt":"2021-09-09T17:30:27","slug":"neue-studie-zu-kunststoffemissionen-wieviel-plastik-landet-in-landwirtschaftlichen-boden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neue-studie-zu-kunststoffemissionen-wieviel-plastik-landet-in-landwirtschaftlichen-boden\/","title":{"rendered":"Neue Studie zu Kunststoffemissionen &#8211; Wieviel Plastik landet in landwirtschaftlichen B\u00f6den?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Plastikm\u00fcll in den Ozeanen, Mikroplastik in Kosmetik, \u00fcberfl\u00fcssige Plastikverpackungen \u2013 drei bereits bekannte Themen zum Umwelteinfluss von Kunststoff. Doch wie viel Plastik landet eigentlich in unseren B\u00f6den? Das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und das Institut f\u00fcr \u00d6kologie und Politik \u00d6kopol untersuchten erstmalig, aus welchen Quellen welche Mengen an Mikro- und Makroplastik in landwirtschaftliche B\u00f6den gelangen. Damit liefern die beiden Institute im Auftrag des NABU (Naturschutzbund Deutschland) e. V. einen Gesamt\u00fcberblick \u00fcber Kunststoffemissionen in der Landwirtschaft in Deutschland, der als Basis f\u00fcr weitere Detailuntersuchungen gelten soll. Die Studie wurde erm\u00f6glicht durch umfangreiche Vorarbeiten, die im Rahmen des BMBF-F\u00f6rderprojekts Plastikbudget stattfanden. Ein wichtiges Ziel der Studie ist es, Handlungsempfehlungen zu geben, um zuk\u00fcnftig Kunststoffeintr\u00e4ge in B\u00f6den zu verringern. Die Studie steht kostenfrei zur Verf\u00fcgung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/presse-medien\/pressemitteilungen\/2021\/kunststoffe-in-boeden\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textblockwithpics\/imageComponent1\/image.img.4col.large.jpg\/1622459252652\/kunststoffe-boeden-strohballen-teaser.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/presse-medien\/pressemitteilungen\/2021\/kunststoffe-in-boeden\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textblockwithpics\/imageComponent1\/image.img.4col.jpg\/1622459252652\/kunststoffe-boeden-strohballen-teaser.jpg\" alt=\"\" width=\"392\" height=\"293\"\/><\/a><figcaption>Strohballen werden oft mit Erntegarn gebunden, um sie in Form zu halten und zu fixieren. \u00a9 NABU\/Katharina Istel<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Bisher existieren bereits diverse Studien zu Mikro- und Makroplastik in Gew\u00e4ssern. Der Eintrag von Kunststoffemissionen in B\u00f6den ist allerding noch wenig erforscht. Das Fraunhofer UMSICHT und \u00d6kopol bilanzierten nun erstmalig Mengen und Quellen von Kunststoffeintr\u00e4gen in landwirtschaftliche B\u00f6den in Deutschland. Diese umfassen einerseits Kunststoffeintr\u00e4ge, die die Landwirtschaft verantwortet, und andererseits Kunststoffeintr\u00e4ge verursacht durch Dritte. Dazu geh\u00f6ren z.B. Littering (weggeworfener M\u00fcll), Kl\u00e4rschlamm, Komposte und G\u00e4rreste.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziele der im Mai publizierten Studie \u00bbKunststoffe in der Umwelt: Emissionen in landwirtschaftlich genutzte B\u00f6den\u00ab ist es, Wissensl\u00fccken zu schlie\u00dfen, einen ersten Gesamt\u00fcberblick zu bieten, Bedarfe f\u00fcr weitere empirische Detailuntersuchungen aufzudecken und erste Handlungsempfehlungen zu geben. In Expertenrunden wurden Akteur*innen der Landwirtschaft und auch aus der Kunststoffindustrie eingebunden. \u00bbUnsere Ergebnisse sind eine Einsch\u00e4tzung auf Basis einer Vielzahl von Daten \u2013 sowohl Literaturquellen und Fachmeinungen als auch eigene Annahmen und Sch\u00e4tzungen. Der Bericht ist somit nicht als endg\u00fcltig zu verstehen, sondern als Grundlage f\u00fcr weitere \u2013 vor allem experimentelle \u2013 Analysen und eine Debatte \u00fcber das Thema sowie die Entwicklung ad\u00e4quater Ma\u00dfnahmen, um Kunststoffemissionen zu reduzieren\u00ab, erkl\u00e4rt der Autor der Studie, J\u00fcrgen Bertling vom Fraunhofer UMSICHT.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Landwirtschaft weist bei Kunststoffverbrauch hohen Rezyklatanteil auf<\/h4>\n\n\n\n<p>Laut der Studie verbraucht die deutsche Landwirtschaft ca. 1,1 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr. Sie hat damit einen Anteil von 4,7 % am deutschen Gesamtverbrauch von 23,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Beim Kunststoffverbrauch erreicht die Landwirtschaft einen Rezyklatanteil von ca. 37 %, ist somit bei der Umsetzung einer Circular Economy anderen Kunststoffanwendungen deutlich voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt werden die Kunststoffemissionen in landwirtschaftliche B\u00f6den in Deutschland von den Autoren*innen auf mindestens 19 055 Tonnen pro Jahr gesch\u00e4tzt, wovon 15 420 Tonnen (81 %) au\u00dferhalb der Landwirtschaft entstehen, und 3635 Tonnen (19 %) direkt durch die Landwirtschaft verursacht werden. Das bedeutet, dass der durch Dritte verursachte Eintrag an Plastik h\u00f6her ist als der Anteil, der durch landwirtschaftliche Prozesse selbst verursacht wird.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Hoher Plastikeintrag durch Kl\u00e4rschlamm und Anbau unter Folien<\/h4>\n\n\n\n<p>Insbesondere durch den Einsatz von D\u00fcngemitteln, Bodenverbesserern, Pflanzenschutzmitteln oder Saatgut werden Emissionen direkt durch die Landwirtschaft verursacht, oder sie entstehen durch die Freisetzung von Kunststoffen im Futter- und Pflanzenbau, bei Pflanzhilfen, Pflanzbeh\u00e4ltern oder Bew\u00e4sserungssystemen. Bestimmte landwirtschaftliche Praktiken f\u00fchren zu besonders hohen Fl\u00e4cheneintr\u00e4gen wie Pflanzhilfen im Wein- und Gartenbau, D\u00fcngung mit Kompost, Anbau unter Folien, Anwendung von Kl\u00e4rschlamm und Langzeitd\u00fcnger sowie Bodenverbesserern in Form von Hydrogelen. F\u00fcr diese Prozesse muss allerdings auch der Eintrag an Kunststoff in landwirtschaftliche B\u00f6den gegen\u00fcber anderen Umwelteinfl\u00fcssen abgew\u00e4gt werden. Beispielsweise reduziert die Verwendung von Folien in der Landwirtschaft den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und erm\u00f6glicht erst einen regionalen Anbau von z.B. Erdbeeren oder Spargel.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bildungsinitiative und regulatorische Rahmenbedingungen<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Autor*innen der Studie haben Ma\u00dfnahmenvorschl\u00e4ge entwickelt, die es Akteur*innen in der Landwirtschaft erm\u00f6glichen sollen, Kunststoffemissionen zu verringern. Zum einen wird eine Bildungsinitiative empfohlen, um das Wissen \u00fcber alternative Praktiken f\u00fcr eine plastikemissionsfreie Landwirtschaft zu vermitteln. Hierzu geh\u00f6ren Informationen dar\u00fcber, wie Emissionen und ein Kunststoffeinsatz verringert oder v\u00f6llig vermieden werden k\u00f6nnen, und wie Kunststoffe im Kreislauf zu f\u00fchren sind. Zum anderen gibt die Studie erste Empfehlungen zu neuen regulatorischen und technischen Rahmenbedingungen: Das Recycling sollte bei allen Kunststoffanwendungen gest\u00e4rkt werden. Besonders wichtig w\u00e4re aber eine ausreichende Abbaubarkeit in allen umweltoffenen Anwendungen und solchen, in denen Verluste nicht ausreichend ausgeschlossen werden k\u00f6nnen. F\u00fcr ein umfassendes und notwendiges Umweltmonitoring ist weiterhin eine geeignete und reproduzierbare Messmethodik f\u00fcr Kunststoffe in B\u00f6den erforderlich. Auf politischer Ebene empfehlen die Autor*innen beispielsweise, Grenz- und Schwellenwerte f\u00fcr Kunststoffe als Fremdstoffbestandteile deutlich zu versch\u00e4rfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plastikm\u00fcll in den Ozeanen, Mikroplastik in Kosmetik, \u00fcberfl\u00fcssige Plastikverpackungen \u2013 drei bereits bekannte Themen zum Umwelteinfluss von Kunststoff. Doch wie viel Plastik landet eigentlich in unseren B\u00f6den? 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