{"id":9064,"date":"2006-05-18T00:00:00","date_gmt":"2006-05-17T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060518-03n"},"modified":"2006-05-18T00:00:00","modified_gmt":"2006-05-17T22:00:00","slug":"scheer-biodiesel-bremst-lkonzerne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/scheer-biodiesel-bremst-lkonzerne\/","title":{"rendered":"Scheer: &#8220;Biodiesel bremst &Ouml;lkonzerne&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><b>Viele SPD-Abgeordnete sind dagegen, dass ihr Finanzminister Steinbr\u00fcck Biokraftstoffe besteuern will. Energieexperte Scheer erkl\u00e4rt der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/05\/16\/a0111.1\/text\" >TAZ<\/a>, warum es zur Revolte kommt. Er rechnet mit einer breiten Zustimmung in der SPD-Fraktion f\u00fcr sein Alternativkonzept.<\/b><\/p>\n<p>Herr Scheer, Sie haben eine Revolte gegen SPD-Finanzminister Peer Steinbr\u00fcck angezettelt und wollen seine Steuerpl\u00e4ne bei Biokraftstoffen verhindern. Laut Medienberichten folgt Ihnen die Mehrheit der SPD-Abgeordneten.<\/p>\n<p>Hermann Scheer: <i>\u00dcber genaue Zahlen l\u00e4sst sich nichts sagen. Es hat noch keine Abstimmung in der Fraktion stattgefunden. Aber es gibt eine sehr breite Zustimmung f\u00fcr ein Alternativkonzept.<\/i><\/p>\n<p>Seit 2004 sind alle Biokraftstoffe von der Mineral\u00f6lsteuer befreit. Inzwischen sind die \u00d6lpreise stark gestiegen &#8211; dadurch werden Biokraftstoffe wettbewerbsf\u00e4higer. Warum soll man sie weiter st\u00fctzen?<\/p>\n<p><i>Es ist nichts dagegen zu sagen, dass Steinbr\u00fcck den Biodiesel mit 10 Cent pro Liter belasten will. Aber reines Pflanzen\u00f6l soll mit 15 Cent pro Liter besteuert werden. Das ist zu viel. Pflanzen\u00f6l ist zwar in der Produktion etwas billiger &#8211; doch die Umr\u00fcstung der Motoren ist teurer.<\/i><\/p>\n<p>Eine Gegenrechnung: Vor zwei Jahren hat ein Liter Normaldiesel rund 80 Cent gekostet. Jetzt sind es 1,16 Cent. Warum kann man Biodiesel nicht mit 35 Cent besteuern? <\/p>\n<p><i>Biokraftstoffe m\u00fcssen billiger sein, damit die Autofahrer umsteigen. Erst dann kommen neue Motoren auf den Markt und kann ein Biokraftsektor entstehen, der von den gro\u00dfen Mineral\u00f6lkonzernen unabh\u00e4ngig ist.<\/i><\/p>\n<p>Warum sollen Mittelst\u00e4ndler besser sein als Mineral\u00f6lkonzerne? Das klingt nach Wirtschaftsromantik. <\/p>\n<p><i>Wenige Mineral\u00f6lkonzerne haben den Markt unter sich aufgeteilt. Sie haben keinerlei Interesse an Innovationen. Wenn Steinbr\u00fcck vorschreiben will, dass normaler Diesel ab Januar 4,4 Prozent Biodiesel enthalten muss, dann ist klar, was passiert: Die Mineral\u00f6lindustrie wird billigen Biodiesel etwa aus Indonesien importieren, der aus Palm\u00f6l hergestellt wurde. Das ist komplett un\u00f6kologisch, weil daf\u00fcr vorher Urwald gerodet wurde.<\/i><\/p>\n<p>Sind Sie daf\u00fcr, Palm\u00f6limporte zu verbieten? <\/p>\n<p><i>Es geht nicht um Importverbote, sondern um \u00f6kologisch tragf\u00e4hige Anbaukonzepte, damit die Biokraftstoffe nicht in die falsche Richtung fahren.<\/i><\/p>\n<p>Aber wie wollen Sie verhindern, dass auch die mittelst\u00e4ndische Biokraftbranche einfach billiges Palm\u00f6l importiert? <\/p>\n<p><i>Anders als die Mineral\u00f6lkonzerne kann der Mittelstand die Kostenvorteile der kurzen Wege nutzen. Es entstehen regionale M\u00e4rkte mit regional angebauten Biokraftstoffen. Im Unterschied zum \u00d6l findet die Wertsch\u00f6pfung zu 85 Prozent hier statt.<\/i><\/p>\n<p>Gibt es nicht einen Zwang zum Import, weil hier die Ackerfl\u00e4chen fehlen? Die Biodiesel-Tankstellen melden l\u00e4ngst, dass sie fast ausverkauft seien. <\/p>\n<p><i>Studien aus den Niederlanden zeigen, dass man allein mit Biogas den Energiebedarf der H\u00e4lfte aller Autos decken k\u00f6nnte &#8211; wenn alle organischen  Reststoffe genutzt w\u00fcrden. Das reicht, denn man braucht f\u00fcr die Abl\u00f6sung von Erd\u00f6l keinen vollen Mengenersatz, sondern einen Dreiklang aus effizienten Motoren, Biokraftstoffen und Elektroantrieben.<\/i><\/p>\n<p>Biogas ist unbestritten besonders \u00f6kologisch, weil Abf\u00e4lle weiterverwendet werden. Warum fordern Sie nicht, dass Steinbr\u00fcck nur Biogas f\u00f6rdert? <\/p>\n<p><i>F\u00fcr eine Weg-vom-\u00d6l-Strategie m\u00fcssen alle Biokraftstoffe genutzt werden.<\/i><\/p>\n<p>Aber die \u00d6kobilanz etwa von Bioethanol aus Zuckerr\u00fcben ist verheerend. Unter massivem D\u00fcngereinsatz wird nur 15 Prozent mehr Energie gewonnen, als vorher eingesetzt wurde. <\/p>\n<p><i>Die \u00d6kobilanz ist jedenfalls schon jetzt positiver als bei fossilen Kraftstoffen.<\/i><\/p>\n<p>5,6 Milliarden Euro soll die Steuer auf Biokraftstoffe bis 2009 bringen. Wie teuer wird es f\u00fcr den Staat, wenn Sie sich durchsetzen? <\/p>\n<p><i>Nicht teurer. Denn die Biokraftstoffproduzenten und ihre Besch\u00e4ftigten zahlen auch Steuern und Sozialabgaben.<\/i><\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kippt-die-biodieselsteuer\/\" >2006-05-15<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Viele SPD-Abgeordnete sind dagegen, dass ihr Finanzminister Steinbr&uuml;ck Biokraftstoffe besteuern will. Energieexperte Scheer erkl&auml;rt der TAZ, warum es zur Revolte kommt. 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