{"id":90258,"date":"2021-06-18T07:26:37","date_gmt":"2021-06-18T05:26:37","guid":{"rendered":"https:\/\/news.bio-based.eu\/?p=89450"},"modified":"2021-09-09T19:30:40","modified_gmt":"2021-09-09T17:30:40","slug":"kreislaufwirtschaft-ist-mehr-als-recycling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kreislaufwirtschaft-ist-mehr-als-recycling\/","title":{"rendered":"Kreislaufwirtschaft ist mehr als Recycling"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_89454\" aria-describedby=\"caption-attachment-89454\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-89454\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/06\/Kreislaufwirtschaft_als_Gescha-ftsmodell-300x300.jpg\" alt=\"Kreislaufwirtschaft_als_Gescha\u0308ftsmodell\" width=\"237\" height=\"237\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-89454\" class=\"wp-caption-text\">Adobe Stock \/ \u00a9New Africa &#8211; stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Produzieren, konsumieren, wegwerfen. Was in fast allen Lebensbereichen dominiert, ist mit globalen Herausforderungen nicht mehr vereinbar. Das lineare Wirtschaftsmodell entwickelt sich immer mehr zum Auslaufmodell und muss dringend durch nachhaltige Prinzipien wie beispielsweise Kreislaufwirtschaft ersetzt werden. Auch zeigt der vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene <a href=\"https:\/\/www.bmu.de\/fileadmin\/Daten_BMU\/Pools\/Broschueren\/greentech_atlas_2021_bf.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GreenTech-Atlas 2021<\/a> eine Dynamik in der \u00f6kologischen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft, die sowohl zu radikal ver\u00e4nderten Gesch\u00e4ftsmodellen f\u00fchrt, als auch zu Wachstums-Chancen f\u00fcr Unternehmen, die in nachhaltige Technologien und Dienstleistungen investieren. Doch was bedeutet zirkul\u00e4res Wirtschaften f\u00fcr Unternehmen?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2019 in Deutschland pro Person 72 Kilogramm Verpackungsm\u00fcll eingesammelt und damit durchschnittlich 4 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Doch nicht nur im Verpackungsbereich nimmt der Verbrauch stetig zu. Auch in anderen Bereichen ist der Konsum h\u00f6her als der Rohstoffanteil der Erde. Laut Umweltbundesamt verursachen Bau- und Abbruchabf\u00e4lle den gr\u00f6\u00dften Abfallstrom in Deutschland &#8211; im Jahr 2018 rund 54% des Brutto-Abfallaufkommens &#8211; und spielen damit eine wichtige Rolle f\u00fcr zirkul\u00e4res Wirtschaften.<\/p>\n<p>Es liegt auf der Hand, dass L\u00f6sungen nicht in der Beseitigung des M\u00fclls liegen. So definiert auch die \u00c4nderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes von 2020 als wichtigste Ziele die Verringerung des Ressourcenverbrauchs, Erh\u00f6hung der Recyclingquoten und St\u00e4rkung der Abfallvermeidung. Kreislaufwirtschaft als neues Denkmodell ist also ein richtiger L\u00f6sungsansatz f\u00fcr nachhaltigen Ressourcenschutz. Der Circular Economy Action Plan der EU-Kommission sowie die ab 2022 anzuwendende EU-Taxonomie machen deutlich, dass der \u00dcbergang zu einer CO<sub>2<\/sub>-neutralen, nachhaltigen und ressourceneffizienten Circular Economy in Europa bereits im Gange ist.<\/p>\n<p>Im Mai 2021 beschrieb die Circular Economy Initiative Deutschland in einer neu ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.circular-economy-initiative.de\/s\/Prasentation-Roadmap-DE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Roadmap<\/a>, mit welchen konkreten Ma\u00dfnahmen Deutschland eine systemische Circular Economy entwickeln und Klimaneutralit\u00e4t erreichen kann. Auch dadurch wird klar, dass die Umsetzung einer zukunftsf\u00e4higen Kreislaufwirtschaft kein Selbstzweck ist.<\/p>\n<h3>Kreislaufwirtschaft als Gesch\u00e4ftsmodell<\/h3>\n<p>F\u00fcr Unternehmen gibt es also triftige Gr\u00fcnde, das Prinzip der Kreislaufwirtschaft in ihre Gesch\u00e4ftsmodelle zu integrieren. Aktuell wird dieses Marktmodell zwar noch mit Zur\u00fcckhaltung gelebt, was jedoch nicht an mangelnder Bereitschaft liegt. So gaben in einer Umfrage des Umweltcluster Bayern rund 35% der 70 Teilnehmenden eines Online-Seminars zur Circular Economy an, noch keine zirkul\u00e4ren Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Bei 20% seien diese geplant und weitere 35% bieten sie bereits an. Als H\u00fcrden bei der Entwicklung zirkul\u00e4rer Produkte oder Dienstleistungen seien ein entscheidender Faktor die Kosten (50%), gefolgt von mangelnder Zeit und fehlendem Bewusstsein (je 33%) sowie fehlender Kompetenz und fehlendem Commitment im Unternehmen (je 27%).<\/p>\n<p>Eine besonders hohe H\u00fcrde ist die Herstellung kreislauff\u00e4higer Produkte. So referierte der Nachhaltigkeitsberater Dr. Mateusz Wielopolski im Rahmen der vom Umweltcluster Bayern gef\u00fchrten Online-Seminar-Reihe \u201eDie sieben Prinzipien der Circular Economy\u201c \u00fcber M\u00f6glichkeiten des Circular Design und wie sich kreislauff\u00e4hige Produkte in der Realit\u00e4t umsetzen lassen. \u201eF\u00fcr die Entwicklung kreislauff\u00e4higer Produkte spielt intelligentes Design eine entscheidende Rolle, da bis zu 80% der Umweltauswirkungen bereits bei diesem Schritt festgelegt werden. Nicht nur Performance und \u00c4sthetik sind hier ausschlaggebend. Auch m\u00fcssen Produktionsprozesse so definiert werden, dass Rohstoffe \u00fcber mehrere Lebenszyklen ohne Qualit\u00e4tsverluste erhalten bleiben. Eine ganz besondere Rolle spielt die Auswahl geeigneter Materialien und wie diese miteinander verbunden sind bzw. wieder voneinander getrennt werden k\u00f6nnen. Materialien in durchg\u00e4ngigen, konsequenten und gesunden Kreisl\u00e4ufen zu f\u00fchren, stellt jedoch hohe Anforderungen an ihre Herstellung. Um kreislauff\u00e4hige Produkte zu entwickeln, m\u00fcssen alle Fragen bereits vor der Entwicklungsphase beantwortet werden.\u201c<\/p>\n<h3>Kreislaufwirtschaft ist mehr als Recycling<\/h3>\n<p>Kreislaufwirtschaft bedeutet also mehr als nur Recycling. Es ist ein gesamtheitlicher interdisziplin\u00e4rer Ansatz, der Know-how \u00fcber Prozesse, Technologien und Materialien verbindet. Der Fokus liegt auf langer Nutzungsdauer und Reparatur. Abfallvermeidung und Wiederverwendung stehen bei diesem Modell weit vor dem Recycling. Das Prinzip ist besonders dann sinnstiftend, wenn Produkte so gestaltet werden, dass sie in einen biologischen oder technologischen Kreislauf r\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Dieses sogenannte \u201eCradle-to-Cradle-Design\u201c erf\u00fcllt den Bedarf nach zukunftsf\u00e4higen Verfahrensweisen. Gleichzeitig setzt es Materialgesundheit voraus, damit sch\u00e4dliche Stoffe nicht den biologischen Kreislauf belasten und am Ende in der Nahrungskette landen.<\/p>\n<p>Mit diesen Themen findet eine \u00f6kologische Transformation statt, die der Umweltcluster mit Wissenstransfer, Fortbildungen, Vernetzungen und F\u00f6rderma\u00dfnahmen begonnen hat und mit aktuellen Kenntnissen aus Wissenschaft und Forschung weiterf\u00fchrt. Damit folgt er einem weiteren Umfrage-Ergebnis, bei dem 70% seiner Seminar-Teilnehmenden \u00e4u\u00dferten, sie m\u00fcssten zur Umsetzung zirkul\u00e4rer Produkte neue Kompetenzen aufbauen. Fast die H\u00e4lfte der Befragten gab an, Zugang zu F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten und externe Beratung zu suchen.<\/p>\n<h3>Umweltcluster Bayern f\u00f6rdert zirkul\u00e4res Wirtschaften<\/h3>\n<p>Dass zirkul\u00e4res Wirtschaften als Zukunftsmodell keine Theorie ist, beweist der Umweltcluster insbesondere mit umwelttechnologischen Projekten, wie zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.umweltcluster.net\/de\/projekte\/circular-4-0.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CIRCULAR4.0<\/a>. Es f\u00f6rdert den Einsatz digitaler Technologien und Prozesse bei KMU im Alpenraum, um deren Entwicklung hin zu zirkul\u00e4ren Gesch\u00e4ftsmodellen zu unterst\u00fctzen. Das Projekt soll das Bewusstsein f\u00fcr den Zusammenhang von Digitalisierung und Circular Economy bei Multiplikatoren, Wirtschaftsf\u00f6rderern, Finanzgebern und Unternehmen in der Region schaffen. Ein speziell entwickeltes Schulungsprogramm mit Tools zur Entwicklung zirkul\u00e4rer Gesch\u00e4ftsmodelle mit Hilfe digitaler Prozesse soll an KMU aus dem Alpenraum getestet werden. Interessierte Unternehmen aus Schwaben und Oberbayern k\u00f6nnen sich f\u00fcr die im Herbst 2021 beginnende Pilotphase beim Umweltcluster bewerben.<\/p>\n<p>Auch mit dem regionalen Kunststoff-Projekt \u201e<a href=\"https:\/\/www.regiocycle.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">reGIOcycle<\/a>\u201c stellt der Umweltcluster Bayern seine umwelttechnologische Expertise unter Beweis. Das Projekt steht f\u00fcr Vermeidung, Substitution und nachhaltige Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen am Beispiel der Region Augsburg. In einer dreij\u00e4hrigen Forschungsphase widmet es sich den Fragen, wie eine regionale Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffe im Raum Augsburg verbessert werden kann und welche nachwachsenden Ressourcen in der Region vorhanden sind. Projektziel ist die Entwicklung und Erprobung eines realisierbaren Konzepts zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, unter Mitwirkung verschiedener Akteure und Stakeholder aus Kommunen, Forschungseinrichtungen und lokal agierender Unternehmen.<\/p>\n<p>Dass der Umweltcluster branchen\u00fcbergreifend in Wertsch\u00f6pfungsketten denkt, zeigt er auch mit \u201e<a href=\"https:\/\/www.umweltcluster.net\/de\/projekte\/werelana-umweltcluster-bayern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">WeReLaNa<\/a>\u201c \u2013 einem Cross-Cluster-Projekt im Bereich Bio\u00f6konomie. \u00dcbergeordnetes Ziel ist das Schlie\u00dfen von Kreisl\u00e4ufen und das Er\u00f6ffnen von Innovationsr\u00e4umen f\u00fcr die Nutzung von Reststoffen aus Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie.<\/p>\n<p>Mit seiner Online-Seminar-Reihe \u201eDie sieben Prinzipien der Circular Economy\u201c bewegt der Umweltcluster ebenfalls die Zahnr\u00e4der der Vernetzung und Weiterbildung. So vermittelte die gemeinsam mit den bayerischen IHKs veranstaltete Fortbildungsreihe relevante Kenntnisse und zeigte anhand von Best Practices, worauf es bei einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft ankommt. Die erfolgreiche Reihe war seit ihrem Start so gut besucht, dass sie nach dem letzten der acht geplanten Seminare nahtlos weitergef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>\u201eUmweltschutz, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung sind f\u00fcr uns keine Branchentrends, sondern z\u00e4hlen zu unserem Selbstverst\u00e4ndnis\u201c, betont Alfred Mayr, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Umweltcluster Bayern. \u201eAus diesem Grund f\u00f6rdern wir die Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen und damit ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Innovationskraft.\u201c Auf dieser Grundlage entwickelt sich der Umweltcluster immer mehr zu einer bei Expert:innen gefragten \u00fcberregionalen Informationsplattform.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Produzieren, konsumieren, wegwerfen. Was in fast allen Lebensbereichen dominiert, ist mit globalen Herausforderungen nicht mehr vereinbar. 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