{"id":90081,"date":"2021-04-30T07:26:55","date_gmt":"2021-04-30T05:26:55","guid":{"rendered":"https:\/\/news.bio-based.eu\/?p=87614"},"modified":"2021-06-18T19:38:10","modified_gmt":"2021-06-18T17:38:10","slug":"erbsenschalen-endlich-industriell-verwerten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/erbsenschalen-endlich-industriell-verwerten\/","title":{"rendered":"Erbsenschalen endlich industriell verwerten"},"content":{"rendered":"<p>Bislang erzielen Nebenprodukte der Erbsenverarbeitung keine gro\u00dfe Wertsch\u00f6pfung. Sie landen meistens in Tierfutter. Nun ist einem Forscherteam der Universit\u00e4ten Berlin und Hamburg ein Durchbruch bei der Verwertung der n\u00e4hrstoffreichen Schalen gelungen.<\/p>\n<p>In Deutschland werden j\u00e4hrlich mehr als 150.000 t Erbsen verarbeitet. Die Schale macht dabei rund zw\u00f6lf Prozent der Gesamtmasse einer Erbse aus und f\u00e4llt als Nebenprodukt bei der St\u00e4rke- und Proteingewinnung an. Sie enth\u00e4lt mehr als 80 Gewichtsprozente Ballaststoffe und ist reich an bioaktiven sekund\u00e4ren Pflanzenstoffen.<\/p>\n<p>Allerdings besitzen Erbsenschalen nur geringe technofunktionelle Eigenschaften. Das liegt an der kompakten Struktur ihrer Zellwandpolysaccharide. Es lohnt sich daher nicht, sie wieder der Lebensmittelproduktion zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Erbsenfasern gezielt ver\u00e4ndert<br \/>\nEntwickelt wurde das enzymatisch-mechanische Verfahren von Forschern der TU Berlin und der Universit\u00e4t Hamburg. Sie fanden heraus, dass sich die Wasserbindungseigenschaften von Erbsenschalen verbessert, wenn sie mittels Hochdruckhomogenisierung oder Mikrofluidisierung nassmechanisch behandelt werden. Au\u00dferdem setzt der Prozess die beiden Sekund\u00e4rmetabolite Saponin und Flavonoid frei.<\/p>\n<p>Der Effekt ist umso ausgepr\u00e4gter, je geringer die erzielte Partikelgr\u00f6\u00dfe ausf\u00e4llt. Hatten \u00fcber 90 Prozent der Partikel einen Durchmesser von unter 80 \u03bcm, entstanden stabile viskoelastische Suspensionen.<\/p>\n<p>Durch eine zus\u00e4tzliche enzymatische Vorbehandlung konnten die Lebensmitteltechnologen zudem die technofunktionellen Eigenschaften von Erbsenfasern gezielt beeinflussen und zugleich deren Gehalt an Saponinen senken. Dabei f\u00fchrte der Einsatz von Zellulase zu Suspensionen mit einer moderaten Viskosit\u00e4t, die Kombination von Zellulase mit Hemizellulase zu Fasern mit einer hohen Wasserbindung (circa 35 g Wasser pro Gramm unl\u00f6slicher Faser) und zur Ausbildung stabilerer Gele.<\/p>\n<p>Getestet wurden dar\u00fcber hinaus verschiedene Trocknungsverfahren. Dabei schnitten die im Vakuum getrockneten Faserprodukte in puncto Wasserbindekapazit\u00e4t ebenso gut ab wie manche kommerziell angebotenen Ballaststoffe. Nach Einsch\u00e4tzung des Forscherteams spricht zudem vieles daf\u00fcr, dass eine kommerzielle Nutzung der Fasern zur Gewinnung von Saponinen und Flavonoiden m\u00f6glich ist. Das soll jedoch nur bei einzelnen Sorten mit au\u00dfergew\u00f6hnlich hohen Gehalten dieser Sekund\u00e4rmetabolite sinnvoll sein.<\/p>\n<p>Verfahren in der Praxis umsetzbar<br \/>\nDie Ergebnisse sind grunds\u00e4tzlich f\u00fcr alle Unternehmen entlang der Wertsch\u00f6pfungskette von Lebensmitteln interessant, bei denen zellulosereiche Fasermaterialien als Nebenprodukt anfallen. Aus diesen lassen sich dann funktionelle Lebensmittelzutaten erzeugen, die sich wiederum f\u00fcr Anwendungen eignen, in denen eine gute Wasserbindung notwendig ist.<\/p>\n<p>Aufgrund der Eigenfarbe und des Eigengeschmacks von Erbsenfasern ist ein Einsatz allerdings bisher auf Produkte begrenzt, deren Qualit\u00e4t dadurch nicht beeintr\u00e4chtigt wird. Denkbar sind hier etwa Fleischersatzprodukte, Backwaren, Snackartikel und Convenience-Food.<\/p>\n<p>In der Lebensmittelindustrie ist die eingesetzte Technik noch nicht sehr weit verbreitet; es bedarf entsprechender Investitionen. Die steigende Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln und speziell Pflanzenproteinen d\u00fcrfte das Verfahren nach Ansicht der Forscher allerdings wirtschaftlich interessant machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hintergrund<br \/>\nDas BMEL f\u00f6rderte das dreij\u00e4hrige Forschungsprojekt mit 280.000 Euro in seiner Eiwei\u00dfpflanzenstrategie. Die Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung (BLE) betreute dabei die Arbeiten des Forschungsteams als Projekttr\u00e4ger. Der offizielle Titel des Forschungsprojektes lautet \u201e<a href=\"https:\/\/www.chemie.uni-hamburg.de\/institute\/lc\/arbeitsgruppen\/rohn\/projekte\/erbsenfasern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erbsenfaser 2.0 \u2013 Neue Konzepte zur Erh\u00f6hung der Wertsch\u00f6pfung und zur Optimierung der organofunktionellen sowie nutritiven Eigenschaften der bei der Erbsenverarbeitung anfallenden faserreichen Nebenprodukte<\/a>\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bislang erzielen Nebenprodukte der Erbsenverarbeitung keine gro\u00dfe Wertsch\u00f6pfung. Sie landen meistens in Tierfutter. Nun ist einem Forscherteam der Universit\u00e4ten Berlin und Hamburg ein Durchbruch bei der Verwertung der n\u00e4hrstoffreichen Schalen gelungen. In Deutschland werden j\u00e4hrlich mehr als 150.000 t Erbsen verarbeitet. 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