{"id":90061,"date":"2021-04-29T06:57:37","date_gmt":"2021-04-29T04:57:37","guid":{"rendered":"https:\/\/news.bio-based.eu\/?p=87487"},"modified":"2021-09-09T21:06:16","modified_gmt":"2021-09-09T19:06:16","slug":"klebstoffe-aus-restholz-biosprit-aus-stroh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/klebstoffe-aus-restholz-biosprit-aus-stroh\/","title":{"rendered":"Klebstoffe aus Restholz, Biosprit aus Stroh"},"content":{"rendered":"<p><strong>AugsburgFL\/\/MH \u2013 Abf\u00e4lle aus Land- und Forstwirtschaft k\u00f6nnten in Zukunft als Basis f\u00fcr umweltfreundliche Baumaterialien, D\u00e4mmsch\u00e4ume oder Treibstoffe dienen. Ein EU-Projekt unter Beteiligung der Universit\u00e4t Augsburg hat in den vergangenen 4,5 Jahren das Potenzial solcher Produkte ausgelotet. Die Ergebnisse zeigen auch, wie sehr bei ihrer Nutzung ein ganzheitlicher Blick Not tut, um unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen zu vermeiden.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_87489\" aria-describedby=\"caption-attachment-87489\" style=\"width: 277px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-87489\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/06\/p7164373_co_21.jpg__1080x2000_q85_subject_location-16621488_subsampling-21-300x225.jpg\" alt=\" In der Land- und Forstwirtschaft entstehen Abf\u00e4lle wie z.B. Holz, Rinde und Stroh. (Foto: Frank Luerweg) \" width=\"277\" height=\"208\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-87489\" class=\"wp-caption-text\">In der Land- und Forstwirtschaft entstehen Abf\u00e4lle wie z.B. Holz, Rinde und Stroh. (Foto: Frank Luerweg)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Holz, Rinde, Stroh und andere nat\u00fcrliche Abf\u00e4lle eignen sich als Basis f\u00fcr neuartige Materialien. So k\u00f6nnten in der Baubranche k\u00fcnftig \u201egr\u00fcne\u201c D\u00e4mmsch\u00e4ume, Klebstoffe oder Betonzus\u00e4tze zum Einsatz kommen, w\u00e4hrend Biotreibstoffe eine von mehreren Komponenten zur Transformation in eine gr\u00fcne Mobilit\u00e4t sind. Das EU-Projekt REHAP hat in den vergangenen Jahren untersucht, wie es um das \u00f6konomische und \u00f6kologische Potenzial solcher Produkte bestellt ist. 16 Partner aus 7 EU-L\u00e4ndern waren beteiligt, darunter auch Forschende der Universit\u00e4t Augsburg.<\/p>\n<p>\u201eWir haben unter anderem untersucht, wo in der EU derartige Reststoffe in welcher Menge anfallen und welche Konsequenzen ihre Nutzung h\u00e4tte\u201c, erkl\u00e4rt Lars Wietschel. Der Wirtschaftsingenieur promoviert an der Universit\u00e4t Augsburg am Lehrstuhl f\u00fcr Production &amp; Supply Chain Management von Prof. Dr. Axel Tuma. Dabei besch\u00e4ftigt er sich unter anderem mit der \u00d6kobilanz von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen. \u201eDer Ersatz herk\u00f6mmlicher Materialien durch gr\u00fcne Alternativen hat Konsequenzen in unterschiedlichen \u00f6kologischen Bereichen &#8211; wir sprechen auch von Wirkungs- und Schadenskategorien\u201c, sagt er. \u201eWenn man versucht, in einer dieser Kategorien ein optimales Ergebnis zu erzielen &#8211; etwa m\u00f6glichst wenig Treibhausgase auszusto\u00dfen -, dann l\u00e4uft man Gefahr, sich an anderen Stellen unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen einzukaufen.\u201c<\/p>\n<p>Ein Beispiel sind Biotreibstoffe aus Energiepflanzen wie Raps: Ihr massenhafter Anbau hat zwar die Verbrennung klimasch\u00e4dlicher Treibstoffe verringert. Gleichzeitig ben\u00f6tigte ihr Anbau aber Ackerland, das nicht mehr f\u00fcr die Agrarproduktion zur Verf\u00fcgung stand. Als Folge stiegen die Agrar-Importe aus L\u00e4ndern wie Brasilien, mit negativen Folgen f\u00fcr den Regenwald im Amazonasgebiet. \u201eReststoffe wie Stroh oder Holzabf\u00e4lle konkurrieren nicht mit der Nahrungsmittelproduktion\u201c, erkl\u00e4rt Wietschel. \u201eSie gelten daher als umweltvertr\u00e4gliche Ausgangsstoffe f\u00fcr Biotreibstoffe der zweiten Generation. Dennoch bringt auch ihre Nutzung Nachteile mit sich.\u201c<\/p>\n<p>Denn dass der Bauer nach der Maisernte die Stoppeln stehen l\u00e4sst und sp\u00e4ter unterpfl\u00fcgt, hat einen guten Grund: Die Ma\u00dfnahme tr\u00e4gt dazu bei, die N\u00e4hrstoff- und Humusbilanz im Boden aufrechtzuerhalten. W\u00fcrden alle Pflanzenreste f\u00fcr Biokraftstoffe verwandt, w\u00fcrde die Bodenqualit\u00e4t abnehmen; zudem m\u00fcssten Landwirte mehr d\u00fcngen. \u201eDas ist nur eine von vielen Wirkbeziehungen, die zu bedenken sind\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Andrea Thorenz, die an der Universit\u00e4t Augsburg das \u201eResource Lab\u201c leitet. \u201eWir suchen nach Sweet Spots, an denen wir uns m\u00f6glichst gro\u00dfe Vorteile in einem Bereich durch m\u00f6glichst geringe Nachteile in einem anderen Bereich erkaufen.\u201c<\/p>\n<p>Dazu nutzen die Forscher Computerprogramme, mit denen sie die Wechselbeziehungen algorithmisch abbilden k\u00f6nnen. Auf diese Weise l\u00e4sst sich sichtbar machen, wie sich die Optimierung eines Parameters &#8211; zum Beispiel des Kohlendioxid-Aussto\u00dfs &#8211; auf einen anderen Parameter &#8211; beispielsweise die Landnutzung oder die Bodenqualit\u00e4t &#8211; auswirkt. Auf diese Weise lassen sich die Sweet Spots identifizieren. \u201eDie Abw\u00e4gung der Schadenskategorien gegeneinander kann die Software allerdings nicht \u00fcbernehmen\u201c, betont Thorenz. \u201eAuf Basis der Informationen gegebenenfalls Priorit\u00e4ten zu setzen, bleibt Aufgabe der Politik.\u201c<\/p>\n<p>Denn einen objektiven K\u00f6nigsweg gibt es meist nicht. Mit Schadenskategorien zu arbeiten und ihre wechselseitige Beeinflussung sichtbar zu machen, erlaube aber informiertere Entscheidungen, sind die Wissenschaftler \u00fcberzeugt. Ihnen geht es dabei nicht so sehr um das spezielle Problem der Biokraftstoffe. \u201eUnsere Herangehensweise weist dar\u00fcber hinaus\u201c, betont Prof. Dr. Axel Tuma. \u201eSie l\u00e4sst sich als eine Art Blaupause verstehen, wie man Entscheidungsprozesse transparenter machen kann, die eine Abw\u00e4gung zwischen verschiedenen Zielen erfordern.\u201c<\/p>\n<p>Die Augsburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben auch die \u00f6konomischen Rahmenbedingungen untersucht, unter denen nachhaltige Materialien gegen\u00fcber ihren konventionellen Pendants konkurrenzf\u00e4hig sind. Im Moment k\u00f6nnen sie in Punkto Preis n\u00e4mlich meist nicht mit Produkten auf fossiler Rohstoffbasis mithalten. Durch Steuererleichterungen auf die umweltfreundlichen Alternativen oder eine CO<sub>2<\/sub>-Steuer lie\u00dfe sich das aber \u00e4ndern. Der technologische Fortschritt d\u00fcrfte zudem dazu beitragen, dass die neuen Materialien k\u00fcnftig deutlich g\u00fcnstiger werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AugsburgFL\/\/MH \u2013 Abf\u00e4lle aus Land- und Forstwirtschaft k\u00f6nnten in Zukunft als Basis f\u00fcr umweltfreundliche Baumaterialien, D\u00e4mmsch\u00e4ume oder Treibstoffe dienen. Ein EU-Projekt unter Beteiligung der Universit\u00e4t Augsburg hat in den vergangenen 4,5 Jahren das Potenzial solcher Produkte ausgelotet. 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