{"id":90025,"date":"2021-04-22T07:44:32","date_gmt":"2021-04-22T05:44:32","guid":{"rendered":"https:\/\/news.bio-based.eu\/?p=87242"},"modified":"2021-06-18T19:41:02","modified_gmt":"2021-06-18T17:41:02","slug":"schaufenster-biooekonomie-industriepflanzen-machen-unproduktives-ackerland-rentabel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schaufenster-biooekonomie-industriepflanzen-machen-unproduktives-ackerland-rentabel\/","title":{"rendered":"Schaufenster Bio\u00f6konomie: Industriepflanzen machen unproduktives Ackerland rentabel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ungenutztes Potenzial: Rund 65 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen in Europa sind f\u00fcr die konventionelle Landwirtschaft kaum oder gar nicht nutzbar. Dieses enorme Potenzial zu erschlie\u00dfen, ist das Ziel des europ\u00e4ischen Forschungsprojektes MAGIC. Forschende aus zw\u00f6lf L\u00e4ndern besch\u00e4ftigen sich mit der Frage, wie Landwirte diese sogenannten marginalen landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen mit wenig Aufwand mit dem Anbau von Industriepflanzen wirtschaftlich rentabel nutzen k\u00f6nnen. Das Fachgebiet Nachwachsende Rohstoffe in der Bio\u00f6konomie an der Universit\u00e4t Hohenheim in Stuttgart ist einer von 26 Kooperationspartnern in dem von der EU mit rund sechs Millionen Euro gef\u00f6rderten Bio\u00f6konomie-Vorhaben. Das Projekt geh\u00f6rt mit fast 400.000 Euro F\u00f6rdergeld in Hohenheim zu den Schwergewichten der Forschung.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_87243\" aria-describedby=\"caption-attachment-87243\" style=\"width: 216px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-87243\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/06\/csm_20171025_Miscanthus_39_Wolfram_Scheible_ab195d4aa1.jpg\" alt=\"Industriepflanzen wie dieses Miscanthus-Gras machen wenig produktive Standorte rentabel: Im EU-Projekt MAGIC untersuchen die Universit\u00e4t Hohenheim und ihre Partner, wie unrentable Fl\u00e4chen nachhaltig und wertsch\u00f6pfend genutzt werden k\u00f6nnen. | Bildquelle: Universit\u00e4t Hohenheim \/ Wolfram Scheible\" width=\"216\" height=\"144\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-87243\" class=\"wp-caption-text\">Industriepflanzen wie dieses Miscanthus-Gras machen wenig produktive Standorte rentabel: Im EU-Projekt MAGIC untersuchen die Universit\u00e4t Hohenheim und ihre Partner, wie unrentable Fl\u00e4chen nachhaltig und wertsch\u00f6pfend genutzt werden k\u00f6nnen. | Bildquelle: Universit\u00e4t Hohenheim \/ Wolfram Scheible<\/figcaption><\/figure>\n<p>Rund 65 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4che, eine Fl\u00e4che etwas gr\u00f6\u00dfer als Frankreich, wurden in Europa aufgegeben, weil dort der Anbau von Nahrungsmittelpflanzen nicht mehr rentabel war. Ung\u00fcnstige Bedingungen wie niedrige Temperaturen, Trockenheit oder \u00fcberm\u00e4\u00dfige N\u00e4sse, Bodenprobleme oder auch steile Hanglagen machten die Bewirtschaftung dieser Fl\u00e4chen f\u00fcr die Landwirte uninteressant.<\/p>\n<p>Das EU-Projekt \u201eMarginal lands for Growing Industrial Crops: Turning a burden into an opportunity\u201c, kurz MAGIC, soll hier Abhilfe schaffen. Seit mehr als drei Jahren besch\u00e4ftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zw\u00f6lf europ\u00e4ischen L\u00e4ndern mit der Frage, wie diese Fl\u00e4chen durch den Anbau von so genannten Industriepflanzen zugleich wirtschaftlich und \u00f6kologisch nachhaltig genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Industriepflanzen liefern nicht nur reichlich erneuerbare Biomasse zur Energieerzeugung, sondern auch f\u00fcr die Produktion biobasierter Rohstoffe. Diese sind wiederum Ausgangsmaterial f\u00fcr die Herstellung von modernen, hochwertigen Materialien, wie beispielsweise biobasierte Kunststoffe oder Verbundmaterialien, Schmierstoffen, Chemikalien und Pharmazeutika.<\/p>\n<h3>Nachhaltige Biomasseproduktion auf marginalen Fl\u00e4chen f\u00fcr eine wachsende Bio\u00f6konomie<\/h3>\n<p>Den Grundgedanken von MAGIC erkl\u00e4rt die Leiterin des Fachgebietes Nachwachsende Rohstoffe in der Bio\u00f6konomie an der Universit\u00e4t Hohenheim Prof. Dr. Iris Lewandowski: \u201eMAGIC ist ein breit angelegtes Projekt, mit dem wir europaweit Landwirten M\u00f6glichkeiten zum Anbau von Industriepflanzen aufzeigen wollen und ihnen Entscheidungshilfe geben m\u00f6chten: Angefangen bei der Kartierung von Fl\u00e4chen \u00fcber Z\u00fcchtung und Auswahl geeigneter Pflanzen bis hin zur Entwicklung von Anbau- und Ernteverfahren. Nicht zuletzt wollen wir auch Handlungsempfehlungen f\u00fcr Politiker erstellen, um diese Form der landwirtschaftlichen Nutzung zu unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen durch den Anbau von Industriepflanzen einerseits marginale landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4chen dazu genutzt werden, wertvolle Rohstoffe f\u00fcr Produkte mit einer hohen Wertsch\u00f6pfung sowie f\u00fcr die Erzeugung von Bioenergie zu liefern, wobei zudem keine Konkurrenz zur der Nahrungsmittelproduktion entstehe.<\/p>\n<p>Andererseits werde auch die Einkommensgrundlage der Landwirte verbessert. \u201eIndem stillgelegte Fl\u00e4chen wieder nutzbar gemacht und damit aufgewertet sowie neue M\u00e4rkte f\u00fcr die Biomasse erschlossen werden, verbessert sich auch das Einkommen der Anbauer\u201c, f\u00e4hrt Prof. Dr. Lewandowski fort.<\/p>\n<h3>Verlust an Biodiversit\u00e4t, Bodenerosion und Freisetzung von Treibhausgasen verringern<\/h3>\n<p>Ihr Mitarbeiter und seit 2018 Leiter des Hohenheimer Arbeitspaketes Dr. Moritz von Cossel erg\u00e4nzt: \u201eZudem tr\u00e4gt der Anbau von Industriepflanzen durch seine extensive Bewirtschaftungsweise dazu bei, den Verlust an Biodiversit\u00e4t, die Bodenerosion und die Freisetzung von Treibhausgasen zu verringern.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Gro\u00dfgras Miscanthus beispielsweise w\u00e4chst bis zu 20 Jahre lang auf derselben Fl\u00e4che, ohne dass der Landwirt den Boden bearbeiten muss\u201c, beschreibt er. \u201eUnd da es im Fr\u00fchjahr jeden Jahres geerntet wird, verhindert es nicht nur, dass bei heftigen Herbstst\u00fcrmen wertvoller Boden abgetragen wird, sondern tr\u00e4gt auch dazu bei, dass die Bodenfruchtbarkeit gef\u00f6rdert werden kann.\u201c<\/p>\n<p>Nachhaltigkeit spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewertung aller Ma\u00dfnahmen. Denn der Nutzen des Anbaus von Industriepflanzen h\u00e4ngt sehr stark davon ab, ob es zu einer potenziellen Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion kommen kann, ob die Biodiversit\u00e4t und andere \u00d6kosystemleistungen beeintr\u00e4chtigt werden und welche Industriepflanzen und welche Bewirtschaftungsmethoden eingesetzt werden sollen.<\/p>\n<h3>Pflanze und Standort m\u00fcssen zusammen passen<\/h3>\n<p>Ausgangspunkt f\u00fcr die MAGIC-Forschenden war die Frage, welche Pflanzen unter welchen Bedingungen f\u00fcr den Anbau auf marginalen landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen geeignet sind. \u201eObwohl Industriepflanzen meist eine andere Robustheit zum Beispiel gegen\u00fcber sandigen oder versalzten Fl\u00e4chen mitbringen als Nahrungspflanzen, sind auch sie nicht f\u00fcr alle Marginalstandorte geeignet\u201c, erkl\u00e4rt Dr. von Cossel.<\/p>\n<p>Deswegen wurden zun\u00e4chst europaweit marginale landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4chen erfasst und kartiert, auf denen Industriepflanzen, sozial-\u00f6kologisch und nachhaltigen Kriterien folgend, angebaut werden k\u00f6nnten. Zudem w\u00e4hlten die Wissenschaftler insgesamt 20 ein- und mehrj\u00e4hrige Pflanzenarten f\u00fcr weitere Anbauversuche aus \u2013 darunter auch wiederentdeckte alte Kulturarten wie Leindotter oder F\u00e4rberdistel.<\/p>\n<p>Dabei sind viele der Pflanzen mehrfach nutzbar. So wird beispielsweise aus den Samen des Nutzhanfs \u00d6l gewonnen, w\u00e4hrend aus den St\u00e4ngeln Fasern gewonnen werden.<\/p>\n<p>\u201eAngefangen beim Pflanzk\u00fcbel \u00fcber kleine Parzellen bis hin zu ganzen Feldern testen wir europaweit, wie sich die Pflanzen unter marginalen Wachstumsbedingungen entwickeln\u201c, beschreibt Dr. von Cossel.<\/p>\n<h3>Spezielle Bewirtschaftungs- und Ernteverfahren<\/h3>\n<p>Dar\u00fcber hinaus interessiert die Forschenden, welche Bewirtschaftungsmethoden sowohl mit dem geringsten Aufwand f\u00fcr den Landwirt als auch mit dem geringsten Eingriff in das \u00d6kosystem verbunden sind. Dabei zeigte sich, dass vor allem die zum Standort passende Auswahl der Industriepflanzen ein entscheidender Faktor ist. Denn alle anderen notwendigen Ma\u00dfnahmen, wie Bodenbearbeitung, D\u00fcngung, Unkrautbek\u00e4mpfung, Bew\u00e4sserung usw., h\u00e4ngen sehr stark davon ab, wie die Pflanze an den jeweiligen Standort angepasst ist.<\/p>\n<p>Ebenso muss die Ernte-Technologie auf die jeweilige Pflanzenart zugeschnitten sein. F\u00fcr die Ernte von Industriepflanzen kommen oft andere Ernteverfahren zum Einsatz als f\u00fcr Nahrungspflanzen. \u201eOftmals verf\u00fcgen Landwirte nicht \u00fcber das notwendige Wissen, wie und wann sie die Pflanzen anbauen und ernten m\u00fcssen, und verzichten deswegen ganz auf den Anbau\u201c, erkl\u00e4rt Dr. von Cossel.<\/p>\n<p>Deswegen passen die Wissenschaftler vorhandene Ernteverfahren an die spezifischen Bed\u00fcrfnisse an oder entwickeln auch neue Ernte-Methoden. Wie so ein angepasstes Ernteverfahren aussehen kann, beschreibt Dr. von Cossel am Beispiel des Nutzhanfs, der \u201edoppelt\u201c geerntet wird: \u201eInnerhalb eines Erntevorgangs werden zun\u00e4chst die Samenst\u00e4nde geerntet und gesammelt und dann erst die St\u00e4ngel der Pflanze abgem\u00e4ht. So k\u00f6nnen beide Pflanzenteile getrennt weiterverarbeitet werden.\u201c<\/p>\n<h3>Datenbanken und Entscheidungshilfen f\u00fcr Interessierte<\/h3>\n<p>Alle Erkenntnisse aus den Kartierungsarbeiten flie\u00dfen in eine auf der Projekt-Website \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Datenbank ein. Besucher k\u00f6nnen sich so \u00fcber den Status von marginalen Landfl\u00e4chen in ihrer Region informieren. Sie k\u00f6nnen aber auch dabei helfen, die Qualit\u00e4t der Karte zu verbessern.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend gibt es auf der Website eine weitere Datenbank mit Informationen zu den 20 wichtigsten Industriepflanzen, die auf Marginalstandorten angebaut werden k\u00f6nnen. In Faktenbl\u00e4ttern sind alle wesentlichen Informationen zu der jeweiligen Nutzpflanze zusammengefasst, angefangen bei ihren Boden- und Klimapr\u00e4ferenzen, \u00fcber die Bodenvorbereitung und Aussaat, Wasser- und D\u00fcngebedarf, Krankheiten und Sch\u00e4dlingen, bis hin zu Ertr\u00e4gen und Verwendungszwecken sowie Besonderheiten zu Ernteverfahren und Lagerung.<\/p>\n<p>Ein zus\u00e4tzliches Entscheidungssystem gibt einen schnellen und anschaulichen \u00dcberblick \u00fcber die geeignetsten Industriepflanzen f\u00fcr die gegebenen klimatischen und geologischen Standortbedingungen und soll Landwirten bei der Entwicklung nachhaltiger Industriepflanzenanbausysteme auf marginalen landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen helfen.<\/p>\n<p>Weitere Informationen:<br \/>\nMAGIC-Homepage: <a href=\"http:\/\/magic-h2020.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/magic-h2020.eu<\/a><br \/>\nWissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichung zum Projekt: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3390\/en12163123\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.3390\/en12163123<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ungenutztes Potenzial: Rund 65 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen in Europa sind f\u00fcr die konventionelle Landwirtschaft kaum oder gar nicht nutzbar. 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