{"id":8977,"date":"2006-05-03T00:00:00","date_gmt":"2006-05-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060503-03n"},"modified":"2006-05-03T00:00:00","modified_gmt":"2006-05-02T22:00:00","slug":"kochen-mit-pflanzenoel-brenner-soll-leben-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kochen-mit-pflanzenoel-brenner-soll-leben-retten\/","title":{"rendered":"Kochen mit Pflanzen\u00f6l-Brenner soll Leben retten"},"content":{"rendered":"<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20060503-03\/0,1020,617504,00.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"\"\/><b>In den Entwicklungsl\u00e4ndern kochen t\u00e4glich zwei Milliarden Menschen\u00a0mit Holz, gef\u00e4hrden dabei ihre Gesundheit und ruinieren die Umwelt. An der <a href=\"http:\/\/www.uni-hohenheim.de\/\" >Universit\u00e4t Hohenheim<\/a> und auf den Philippinen wurde ein alternativer Pflanzen\u00f6l-Kocher entwickelt, der weltweit verbreitet werden soll.<\/b><\/p>\n<p>Der moderne Campus der philippinischen Leyte State University liegt in einem weltweit einzigartigen Naturparadies. Tats\u00e4chlich finden sich unter dem dichten Bewuchs des Regenwaldes und den Mangrovenw\u00e4ldern an den Ufern der Camotes Sea rund ein Drittel aller Pflanzenarten der Philippinen. Die Insel Leyte ist zu einem Pilgerort f\u00fcr Global Player mit gr\u00fcnem Anspruch geworden. <\/p>\n<p><b>Zuerst kamen die Autobauer, jetzt die Hausger\u00e4tehersteller<\/b> <\/p>\n<p>Den \u00f6kologischen Br\u00fcckenschlag zwischen Schwaben und S\u00fcdostasien haben die Tropenwissenschaftler der Universit\u00e4t Hohenheim in Stuttgart vorbereitet.<\/p>\n<p>So realisierte zun\u00e4chst DaimlerChrysler mit der Universit\u00e4t Leyte ein Projekt zu nachwachsenden Rohstoffen im Automobilbau. Aus den Fasern der lokalen Abaca-Banane werden inzwischen Bauteile wie die Ersatzradmulde der A-Klasse-Coup\u00e9s gefertigt. Vergangenes Jahr wurde ein &#8220;Abaca-Verarbeitungszentrum&#8221; er\u00f6ffnet, bis zu 60 Prozent Energie k\u00f6nnten mit der bis zu zwei Meter langen Naturfaser im Vergleich zu synthetischen Materialien eingespart werden. Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) in K\u00f6ln unterst\u00fctzt das sogenannte &#8220;Private Public Partnership&#8221;-Projekt der Autobauer mit \u00f6ffentlichen Geldern. (Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/daimlerchrysler-verwendet-naturfaser-bauteil-im-exterieur-der-mercedes-benz-a-klasse\/\" >2005-07-07<\/a>.)<\/p>\n<p><b>Brennholz-Bedarf verst\u00e4rkt die Erosion<\/b><\/p>\n<p>Der Anbau der Nutzpflanzen f\u00fcr die Industrieproduktion soll die Erosion der steilen Bergh\u00e4nge auf den tropischen Inseln aufhalten. Denn um Brennholz zu gewinnen, werden weiter die W\u00e4lder abgeholzt und damit den H\u00e4ngen die letzte Stabilisierung entzogen. Seit den neunziger Jahren starben auf den Philippinen mehr als 8.000 Menschen bei Erdrutschen, 70 Prozent der urspr\u00fcnglichen Tropenw\u00e4lder sind in den letzten 40 Jahren verschwunden. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20060503-03\/Holzbrand.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"\"\/>&#8220;Genau hier setzt unser Projekt eines Pflanzen\u00f6l-Kochers an&#8221;, sagt Werner M\u00fchlbauer, emeritierter Professor f\u00fcr Agrartechnik in den Tropen und Subtropen an der Universit\u00e4t Hohenheim. \u00dcber zwei Milliarden Menschen kochen t\u00e4glich an offenen Feuerstellen anstatt mit Gas oder Strom. Bis zu 700 Kilogramm Feuerholz, das entspricht dem Gewicht eines Smart-Kleinwagens, werden in den armen L\u00e4ndern f\u00fcr jedes Familienmitglied j\u00e4hrlich zur Essenszubereitung verfeuert.<\/p>\n<p>Die Nebenwirkungen sind nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation fatal: Durch die giftigen Abgase und Ru\u00dfpartikel aus den offenen Feuerstellen sterben j\u00e4hrlich mehr als 1,6 Millionen Menschen. &#8220;Einem Kocher, der mit reinem Pflanzen\u00f6l betrieben werden kann&#8221;, sagt deshalb Fritz Brickwedde, Generalsekret\u00e4r der <a href=\"http:\/\/www.dbu.de\/\" >Deutschen Bundesstiftung Umwelt<\/a>, &#8220;m\u00fcsste eine gro\u00dfe Zukunft bevorstehen.&#8221;<\/p>\n<p><b>&#8220;Protos&#8221;-Kocher statt Klimagas, Ru\u00df und Gift<\/b><\/p>\n<p>Diese Zukunft sollte Anfang April auf Leyte beginnen. Eine Delegation der M\u00fcnchener Bosch und Siemens Hausger\u00e4te GmbH (BSH), Weltumsatz 6,8 Milliarden Euro, besuchte mit Wissenschaftlern, Entwicklungsexperten und Umweltsch\u00fctzern das s\u00fcdostasiatische Eiland. In einer \u00fcber einj\u00e4hrigen Erprobungsphase in philippinischen Haushalten und l\u00e4ndlichen Gark\u00fcchen hatte der Pflanzen\u00f6lkocher mit dem Namen &#8220;Protos&#8221; seine Bew\u00e4hrungsprobe bestanden.<\/p>\n<p>Den winzigen Exoten in der Programmpalette des Ger\u00e4teherstellers zeichnet laut BSH-Manager Gerd Strobel eine &#8220;einfache Konstruktion, hohe Zuverl\u00e4ssigkeit und niedriger Preis&#8221; aus. So soll \u00d6ko-Kocher &#8220;Protos&#8221; schon f\u00fcr umgerechnet 30 Euro im Land produziert werden k\u00f6nnen. &#8220;Das Funktionsprinzip ist so einfach wie beim Petroleumkocher&#8221;, sagt Strobel. &#8220;Wir haben aus unserer Kernkompetenz Kochen ein Ger\u00e4t f\u00fcr die Schwellenl\u00e4nder entwickelt.&#8221;<\/p>\n<p><b>Ru\u00dft nicht, stinkt nicht, explodiert nicht<\/b><\/p>\n<p>Mehrere Jahre hatten die Hohenheimer Forscher  an der Entwicklung des \u00d6ko-Kochers gearbeitet. &#8220;Es hat geru\u00dft und gestunken ohne Ende&#8221;, sagt Projektleiter M\u00fchlbauer, &#8220;wir waren schon drauf und dran, das aufzugeben.&#8221; Immerhin hatte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt schon im Jahre 1998 einen Antrag auf F\u00f6rderung des \u00d6ko-Brenners genehmigt und 90.000 Euro bereitgestellt.<\/p>\n<p>Assistent Elmar Stumpf gelang nach hartn\u00e4ckigen Versuchen endlich der Durchbruch. Mit Hilfe eines besonders angeordneten Verdampferrohrs sowie einem Prallteller brachte er den &#8220;Protos&#8221; zum Funktionieren. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20060503-03\/Brenner.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"\"\/>Die Agrarwissenschaftler verzichteten logischerweise auf den Einbau komplizierter D\u00fcsen, um den Brennstoff einzuspritzen. Eine 0,3 bis 0,5 Millimeter gro\u00dfe \u00d6ffnung l\u00e4sst sich nun mit einem einfachen Draht bei Verschmutzungen s\u00e4ubern. Und der Aufsatz des dreibeinigen Ger\u00e4tes erlaubt es, die asiatischen Wok-Pfannen komfortabel zu benutzen. &#8220;Unser Kocher kann auch auf keinen Fall explodieren&#8221;, versichert M\u00fchlbauer.<\/p>\n<p>&#8220;Wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, den Brennstoff in ausreichenden Mengen bereit zu stellen&#8221;, sagt Stumpf. Zusammen mit lokalen Dorfkooperationen bauen die Leyter Nachhaltigkeitsexperten eine Infrastruktur f\u00fcr die Gewinnung von Pflanzen\u00f6len aus tropischen Gew\u00e4chsen wie der Kokosnuss, der Purgiernuss oder dem Rizinus auf. Immerhin stehen alleine auf den Philippinen mit 300 Millionen Kokospalmen viermal mehr Rohstofflieferanten als das Land Bewohner hat.<\/p>\n<p>Mit 100 Litern Pflanzen\u00f6l l\u00e4sst sich nach Berechnungen der deutschen Ger\u00e4tehersteller die Kochenergie einer durchschnittlichen Familie f\u00fcr ein ganzes Jahr sichern. Zwar hat das Kokos\u00f6l nur einen um vier Prozent geringeren Heizwert als die Konkurrenz Kerosin. Daf\u00fcr aber entweicht offenen Feuerstellen 370 Mal mehr Kohlenmonoxid als den Pflanzenkochern.<\/p>\n<p>In Hohenheim wird schon an einen globalen Einsatz des \u00d6ko-Kochers gedacht. Sowohl in Guatemala, Tansania, China, oder Indien besteht Interesse an &#8220;Protos&#8221;. <\/p>\n<p>Ob sich der schw\u00e4bische Pflanzenkocher allerdings gegen Gasger\u00e4te, Petroleumkocher oder Holzkohle durchsetzen kann, ist noch ungewiss. &#8220;F\u00fcr die Weltfirma ist das doch ein Risiko&#8221;, urteilt Kocherpionier M\u00fchlbauer. &#8220;Wenn das nicht funktioniert, lacht die ganze Konkurrenz.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>In den Entwicklungsl&auml;ndern kochen t&auml;glich zwei Milliarden Menschen&nbsp;mit Holz, gef&auml;hrden dabei ihre Gesundheit und ruinieren die Umwelt. 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