{"id":8955,"date":"2006-04-13T00:00:00","date_gmt":"2006-04-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060413-02n"},"modified":"2006-04-13T00:00:00","modified_gmt":"2006-04-12T22:00:00","slug":"getreide-brennt-am-besten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/getreide-brennt-am-besten\/","title":{"rendered":"Getreide brennt am besten"},"content":{"rendered":"<p><b>Die hohen Energiepreise, egal ob von Chinesen, Indern, \u00d6lscheichs oder Multis verursacht, beschleunigen die Suche nach alternativen Brennstoffen. W\u00e4hrend die Einen die Energiereserven im Wald vermuten, w\u00e4chst f\u00fcr Andere die Heizw\u00e4rme von morgen auf dem Acker. Wann was f\u00fcr wen lohnender wird, kann mit den folgenden, nicht besonders aufwendigen Berechnungsschritten rasch selbst ermittelt werden.<\/b><\/p>\n<p>Der ethisch umstrittene Ruf nach einer Freigabe der Getreideverbrennung f\u00fcr Heizzwecke wird immer lauter, schlie\u00dflich sind die Getreidepreise seit Jahren schon unten, w\u00e4hrend die \u00d6lpreise offenbar keine Grenzen mehr kennen. <\/p>\n<p>Wenn f\u00fcr \u00d6l mit dem Argument des unabh\u00e4ngigen Einkaufs, f\u00fcr Gas mit der einfachen, preiswerten und sauberen Versorgung und f\u00fcr Strom mit scheinbar g\u00fcnstigen Nachttarifen geworben wird, fehlt den drei land- und forstwirtschaftlichen Energietr\u00e4gern bislang noch eine vergleichbare Lobbyistenpower.<\/p>\n<p>Doch die Zeiten, wo das Heizen mit Holz, Stroh und neuerdings auch Getreide wegen aufw\u00e4ndiger Arbeitswirtschaft  zu m\u00fchsam erscheint, gehen dank intelligenter Logistik endlich auch f\u00fcr Kleinanlagen zu Ende.<\/p>\n<p>An einem Beispiel f\u00fcr einen W\u00e4rmeenergiebedarf von ca. 60.000 kWh, dies entspricht etwa dem Verbrauch von ca. 6.500 l \u00d6l (z. B. in einem kleineren Mehrfamilienhaus), wird ermittelt, welches Heizsystem bei aktuell bestehendem Investitionsbedarf aufgrund veralteter Technik derzeit die niedrigsten Kosten verursachen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Ausgangsdaten sind in der \u00dcbersicht 1 zusammengefasst. Demnach w\u00fcrde eine Heizung mit Nachtspeicher\u00f6fen mit ca. 8.200 \u20ac den niedrigsten Investitionsbedarf bei der h\u00f6chsten Lebensdauer verursachen. <\/p>\n<p>Ihr folgen die neue Gastherme und der \u00d6lkessel (beide inkl. Pufferspeicher) mit ca. 11.300 \u20ac bzw. 12.600 \u20ac, w\u00e4hrend die \u00d6fen f\u00fcr Strohpellets und Getreide erst f\u00fcr ca. 20.700 \u20ac und der f\u00fcr Holzhackschnitzel f\u00fcr ca. 22.600 \u20ac (alle drei inkl. Pufferspeicher und automatischer Beschickung) zu haben sind. <\/p>\n<p>Allerdings sind bei der Stroh- und Getreideverbrennung aufgrund der h\u00f6heren chemischen Aggressivit\u00e4t der Substrate mit ca. 12 Jahren deutlich k\u00fcrzere Nutzungsdauern zu erwarten als bei \u00d6l und Holzhackschnitzeln (15 Jahre) bzw. Gas (18 Jahre) oder Strom (20 Jahre).<\/p>\n<p>Getreide und Stroh ben\u00f6tigen aufgrund der etwas geringeren Anlagenwirkungsgrade von 85% gegen\u00fcber bis zu 98% bei Gas und Strom deutlich mehr Prim\u00e4renergieeinsatz. F\u00fcr Holzhackschnitzel ist zus\u00e4tzlich ein vergleichsweise hoher Lagerraumbedarf erforderlich, wenn eine Trocknungszeit von drei Jahren eingehalten werden soll.<\/p>\n<p>Aus den erforderlichen Brennstoffmengen und deren Beschaffungskosten (zwischen 0,11 \u20ac\/kg f\u00fcr Getreide und 16 \u20ac\/m<sup>3<\/sup> f\u00fcr Holzhackschnitzel frei Lager) ergeben sich mit 1.337 \u20ac bei Holzhackschnitzeln die niedrigsten und mit 6.091 \u20ac f\u00fcr Strom die h\u00f6chsten Verbrauchskosten f\u00fcr den Brennstoff.<\/p>\n<p><b>Was sonst noch dazu kommt<\/b><\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20060413-02\/Bild%202.png\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Die \u00dcbersicht 2 zeigt die neben den reinen Brennstoffkosten noch anfallenden weiteren Kostenpositionen. Hier sind zun\u00e4chst weitere variable Kosten zu ber\u00fccksichtigen. Neben dem Unterhaltungsaufwand, den Geb\u00fchren und den anteiligen Versicherungspr\u00e4mien sind dies auch die Kosten f\u00fcr den Einsatz von Hilfsenergie (Strom), der von ca. 12 \u20ac f\u00fcr die Ventilatoren der Elektro\u00f6fen bis hin zu 210 \u20ac f\u00fcr die F\u00f6rdertechnik bei der Holzhackschnitzelheizung variiert.<\/p>\n<p>Nicht zu untersch\u00e4tzen ist der h\u00f6here Zeitbedarf f\u00fcr Kontrolle und Nachf\u00fcllen der Vorratsbeh\u00e4lter bei den land- und forstwirtschaftlichen Brennstoffen, der bei Bewertung mit 15 \u20ac\/AKh zu (selbstverdienten) Betr\u00e4gen von 180 bis 360 \u20ac f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Gas- und Stromheizung bestechen durch fehlende Kosten f\u00fcr einen Lagerraum, w\u00e4hrend die Holzhackschnitzelheizung auch hier mit 1.003 \u20ac wegen geringer Sch\u00fcttdichte und dem Dreijahresvorrat die mit Abstand h\u00f6chsten (Nutzungs)-Kosten f\u00fcr die Lagerung verursacht.<\/p>\n<p>Nach Aufsummierung s\u00e4mtlicher variabler Kosten liegt die Getreideverbrennung mit 3.053 \u20ac pro Jahr deutlich vor den Strohpellets (+ 9 %) und den Holzhackschnitzeln (+ 11 %). Gas und Stromheizsysteme liegen hier gleichauf, aber um 53 % h\u00f6her und Heizen mit Strom liegt von allen abgeschlagen beim 2,1-fachen gegen\u00fcber Getreide.<\/p>\n<p>Aus dem Investitionsbedarf resultieren die festen Kosten, die hier mit den anlagenspezifischen Abschreibungss\u00e4tzen ermittelt werden. Bei der Abschreibung sind der Getreide- und der Strohpelletofen mehr als und die Holzhackschnitzelheizung fast doppelt so teuer wie \u00d6l- und knapp dreimal so teuer wie die Gasheizung. <\/p>\n<p>Auch bei den Zinskosten (Annuit\u00e4tenfinanzierung \u00fcber die anlagenspezifische Nutzungsdauer unterstellt) liegen die mit Holz, Stroh und Getreide befeuerten Anlagen bei knapp den doppelten S\u00e4tzen der \u00d6l- und Gasanlagen. Die Summe der Festkosten ist mit 630 \u20ac f\u00fcr Strom am niedrigsten, gefolgt von 929 \u20ac f\u00fcr die Gas- und 1.173 \u20ac f\u00fcr die \u00d6lheizung. Die Hackschnitzelanlagen sind mit 2.104 \u20ac nur unwesentlich preiswerter als die Getreide- und Strohpelletanlagen.<\/p>\n<p><b>Was unterm Strich bleibt<\/b><\/p>\n<p>Mit Gesamtkosten von 5.323 \u20ac\/Jahr  hat die Anlage zum Heizen mit Getreide zwar die Nase vorn, aber die Heizung mit Holzhackschnitzeln ist (nur) um 183 \u20ac\/Jahr (+ 3,4 %) teurer und auch Strohpellets mit + 263 \u20ac\/Jahr (+ 4,9%) und Gas mit + 291 \u20ac\/Jahr (5,5%) folgen dicht dahinter. Der Vorteil gegen\u00fcber \u00d6l betr\u00e4gt 530 \u20ac\/Jahr. Lediglich die Stromheizung f\u00e4llt selbst bei verg\u00fcnstigten Tarifen von 0,10 \u20ac\/kWh so weit ab, dass dieses Heizsystem keinen weiteren Gedanken wert ist.<\/p>\n<p><b>Was passiert bei anderen Preisen?<\/b><\/p>\n<p>Die Umstellung auf eine andere Heiztechnik wird so stark von den Festkosten beeinflusst, dass eine derartige Entscheidung erst dann sinnvoll ist, wenn ohnehin eine neue Anlage her muss. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass die aktuell bestehenden Preisrelationen auch in Zukunft so weiter gelten? Eine Garantie daf\u00fcr gibt es nicht, aber manche Propheten bezeichnen die derzeitige Hausse bei den \u00d6l- und Gaspreisen erst als Vorgeschmack auf die Entwicklungen, die uns bei zunehmender Verknappung und weiter steigendem Bedarf in den &#8220;Schwellenl\u00e4ndern&#8221; bevorstehen.<\/p>\n<p>Wenn die Preisschere zwischen \u00d6l (und Gas) und landwirtschaftlichen Erzeugnissen noch weiter auseinander driftet, ist es analog zur Entwicklung bei Solar- und Biogasanlagen aber nicht unwahrscheinlich, dass sich die Anlagenbauer (zun\u00e4chst) ein St\u00fcck vom Vorteil sichern und deshalb die Investitionskosten f\u00fcr entsprechende Heizsysteme wohl erst einmal ansteigen werden. Das Argument &#8220;Sind nicht zu kriegen&#8221; kennen die Solarinteressierten zur Gen\u00fcge. Der Heizofenbau ist aber ein interessanter gro\u00dfer Markt und wird deshalb &#8211; anders als die genannten Bereiche &#8211; schnell ein Massengesch\u00e4ft mit dann vermutlich wieder sinkenden Anlagenpreisen.<\/p>\n<p>Doch rund 40% der Gesamtkosten bei Bio-Brennstoff-Anlagen werden derzeit vom Brennstoff selbst verursacht. Das sind deutlich weniger als die 65% bei \u00d6l und Gas. Daraus resultiert eine starke Variation der Ergebnisse,  wenn sich diese Preise unterschiedlich entwickeln. In der \u00dcbersicht 3 wird f\u00fcr verschiedene \u00d6lpreise aufgezeigt, wo die Schwellenwerte f\u00fcr die Kostengleichheit der verschiedenen Heizsysteme liegen.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20060413-02\/Schwellenwerte.png\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Bei einem \u00d6lpreis von 0,53 \u20ac\/l liegt der &#8220;Gleichgewichtspreis&#8221; f\u00fcr Getreide bei 121,82 \u20ac\/t deutlich \u00fcber dem aktuellen Preisniveau f\u00fcr &#8220;schlechtere&#8221; Qualit\u00e4ten, w\u00e4hrend die Holzhackschnitzel mit 16,24 \u20ac\/m3 und die Strohpellets mit ca. 0,14 \u20ac\/kg bei Unterstellung derzeitiger Zukaufspreise gerade konkurrenzf\u00e4hig werden. Wer diese beide &#8220;Brennstoffe&#8221; aber selbst erzeugen kann oder eine &#8220;g\u00fcnstige&#8221; Quelle hat, kann auch hier schon sparen.<\/p>\n<p>Erst bei \u00d6lpreisen unter 0,44 \u20ac\/l kommt auch die Getreideverbrennung wieder an ihre Wirtschaftlichkeitsgrenze. Aber glauben Sie wirklich, dass wir dies Preisniveau jemals wieder sehen?<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die Verbrennung von Getreide w\u00e4re unter den derzeitigen Preisrelationen zum \u00d6l ein bereits im &#8220;Hausgebrauch&#8221; lukratives Gesch\u00e4ft, insbesondere bei schwer vermarktbaren Qualit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Aber auch Stroh(pellets) und Holz(hackschnitzel) rechnen sich bei den derzeitigen \u00d6l- und Gaspreisen als konkurrenzf\u00e4hige Brennstoffe.<br \/>Die Umstellung lohnt aber nur, wenn ohnehin nennenswerter Investitionsbedarf besteht. Wer ohnehin einen neuen Kessel braucht, kann die Entscheidung leichter treffen, als der, der in der &#8220;Investitionsfalle&#8221; sitzt, weil gerade erst der Brenner erneuert wurde, da die Abgaswerte nicht mehr stimmten.<\/p>\n<p>Wer ernsthaft \u00fcberlegt, den Multis den Geldhahn ein wenig zuzudrehen und den nach einer Freigabe der Getreideverbrennung zu erwartenden Preissteigerungen f\u00fcr die \u00d6fen zuvorkommen will, der bestellt schon jetzt einen Ofen, der bei Biobrennstoffen ambivalent betrieben werden kann und f\u00e4ngt erst mal mit den schon zugelassenen Brennstoffen an.<\/p>\n<p><b>Kontakt:<\/b><br \/>Dr. Mathias Schindler<br \/>Fachbereich Betriebswirtschaft, Markt<br \/>Telefon: 0511 3665-1350<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/\/\" >2006-04-04<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nrw-gruene-heizen-mit-weizen-und-holz-bringt-mehr-unabhaengigkeit-vom-oel\/\" >2005-11-29<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die hohen Energiepreise, egal ob von Chinesen, Indern, &Ouml;lscheichs oder Multis verursacht, beschleunigen die Suche nach alternativen Brennstoffen. 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