{"id":88997,"date":"2021-06-07T14:26:34","date_gmt":"2021-06-07T12:26:34","guid":{"rendered":"https:\/\/news.bio-based.eu\/?p=88997"},"modified":"2021-09-09T19:31:05","modified_gmt":"2021-09-09T17:31:05","slug":"bei-welchen-kunststoffprodukten-ist-der-biologische-abbau-eine-sinnvolle-end-of-life-option-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bei-welchen-kunststoffprodukten-ist-der-biologische-abbau-eine-sinnvolle-end-of-life-option-2\/","title":{"rendered":"Bei welchen Kunststoffprodukten ist der biologische Abbau eine sinnvolle End-of-Life-Option?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_89165\" aria-describedby=\"caption-attachment-89165\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89165\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/06\/BioSinn_Steckbriefe_800px.png\" alt=\"Cover der BioSinn-Steckbriefe\" width=\"300\" height=\"300\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-89165\" class=\"wp-caption-text\">Cover der BioSinn-Steckbriefe<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">Grafiken und\u00a0PDF-Dateien in Englisch und Deutsch verf\u00fcgbar unter: <a style=\"color: #ff9900;\" href=\"http:\/\/nova-institute.eu\/press\/?id=275\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.nova-institute.eu\/press\/?id=275<\/a><\/span><\/p>\n<p><strong>Das <a href=\"http:\/\/nova-institute.eu\/biosinn\/home?lng=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Projekt BioSinn<\/a> fand Produkte und Anwendungen, fu\u0308r die biologischer Abbau am Lebensende eine echte Option darstellt. 25 Steckbriefe beantworten fu\u0308r jede Anwendung technische und regulatorische Fragen. Auch das Marktvolumen dieser Anwendungen wurde gescha\u0308tzt: Es sind in Deutschland etwa 170.000 Tonnen, in der Europa\u0308ischen Union etwa 1 Million Tonnen pro Jahr!<\/strong><\/p>\n<p>In der EU gelangen mehrere Millionen Tonnen Kunststoffe in die Umwelt. In die Natur, in Gewa\u0308sser, in den Kompoststrom \u2013 jedes Jahr, ungehindert. Einmal dort gelandet, ist eine Ru\u0308ckfu\u0308hrung in den Recyclingstrom oft nahezu unmo\u0308glich: zu kleinteilig, unauffindbar, zu aufwendig. Aber es gibt auch Kunststoffprodukte, die selbst bei korrekter Anwendung in der Natur, in Gewa\u0308ssern oder im Kompost landen, die es erst gar nicht ins Recycling schaffen. Und mit vielen davon haben wir tagta\u0308glich zutun. Man denke an Kosmetikprodukte, Teebeutel, Kaugummi oder Aufkleber auf Obst und Gemu\u0308se.<\/p>\n<p>Wa\u0308re hier der Einsatz von biologisch abbaubaren Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen eine sinnvolle Option? Kritiker bezweifeln, dass der biologische Abbau u\u0308berhaupt Nutzen bringt und setzen auf umfassende Reduzierung, Sammlung und Recycling von Kunststoffprodukten. Sie befu\u0308rchten zudem, dass biologisch abbaubare Produkte Verbraucherinnen und Verbraucher dazu verleiten ko\u0308nnten, die Produkte in der Umwelt zu entsorgen.<\/p>\n<p>Im Projekt \u201eBioSinn \u2013 Steckbriefe sinnvoller biologisch abbaubarer Produkte\u201c (<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/publications\/product\/biosinn-steckbriefe-sinnvoll-biologisch-abbaubarer-produkte-auf-basis-von-nachwachsenden-rohstoffen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der gesamte Report ist hier frei verf\u00fcgbar<\/a>), welches durch das Bundesministerium fu\u0308r Erna\u0308hrung und Landwirtschaft gefo\u0308rdert wurde (Fo\u0308rderkennzeichen 2219NR197), wurde von Expertinnen und Experten des nova-Instituts aus Hu\u0308rth bei Ko\u0308ln untersucht, ob es Anwendungen und Produkte gibt, fu\u0308r die der biologische Abbau eine sinnvolle oder sogar die beste End-of-Life-Option darstellt. Dabei waren die Auswahlkriterien, dass das Einsammeln der Produkte (oder ihrer U\u0308berbleibsel), die Abtrennung der Produkte von sonstigem organischem Abfall oder ein stoffliches Recycling nicht mo\u0308glich, o\u0308konomisch nicht realisierbar ist bzw. in der Praxis nicht stattfindet. Weitere Kriterien waren, dass durch die Verwendung biologisch abbaubarer Materialien der Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt vermieden werden kann oder dass durch die Verwendung biologisch abbaubarer Materialien indirekte positive Effekte, wie z.B. ein relevanter Sekunda\u0308rnutzen, erzielt werden kann.<\/p>\n<p>Expertinnen und Experten des nova-Instituts konnten zusammen mit dem Projektpartner Institut fu\u0308r Kunststofftechnik der Universita\u0308t Stuttgart und einem Projekt-Beirat aus Vertretern der Industrie, Wissenschaft und Politik in mehreren Workshops auf dieser Basis 25 Anwendungen identifizieren, fu\u0308r die die biologische Abbaubarkeit eine gute oder sogar die beste End-of-Life-Option darstellt. Diese wurden von allen Seiten beleuchtet: in welchen Umgebungen verbleiben die Produkte genau? Gibt es bereits geeignete biologisch abbaubare Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen fu\u0308r diese speziellen Anforderungen? Wie sehen die marktwirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen aus?<\/p>\n<p>Neben den Produkten, die von Endkonsumenten benutzt werden, wurden auch unbekanntere bzw. unscheinbare Anwendungen aufgedeckt, die einen gro\u00dfen Kunststoffeintrag in die Umwelt verursachen. Die Borsten der meisten sta\u0308dtischen Kehrmaschinen bestehen z. B. aus Kunststoff, der sich abnutzt und unwiederbringlich in der Umgebung verbleibt. Landwirtschaftliche Anwendungen wie Saatgutbeschichtung oder Flockungshilfsmittel, die im Kla\u0308rschlamm enthalten sind, bestehen oft aus nicht biologisch abbaubaren Polymeren und werden systematisch in die Bo\u0308den eingetragen. Oder Produkte in der Fischerei, die im Meer verloren gehen. Auch die Kompoststro\u0308me ko\u0308nnen durch Kunststoffe verunreinigt werden.<\/p>\n<p>Das Ergebnis des Projektes ist eine Broschu\u0308re fu\u0308r Entscheidungstra\u0308ger aus Industrie und Politik, aber auch fu\u0308r die breite O\u0308ffentlichkeit, mit 25 Produktsteckbriefen und umfangreicher Hintergrundinformation zum Thema biologischer Abbau. Fu\u0308r jedes Produkt wird erkla\u0308rt, inwiefern der biologische Abbau eine sinnvolle und machbare Option ist und welche technischen Substitutionsmo\u0308glichkeiten es fu\u0308r einen nachhaltigeren Materialeinsatz gibt. Zudem wurden politische Rahmenbedingungen und Regularien beleuchtet und produktspezifisch ausgewertet. Erstmalig wurden auch die Marktvolumina fu\u0308r Deutschland und die EU erhoben und abgescha\u0308tzt. Das Gesamtvolumen der 25 Anwendungen liegt in Deutschland bei rund 170.000 Tonnen und in der Europa\u0308ischen Union sogar bei etwa 1 Million Tonnen, von denen der gro\u0308\u00dfte Anteil in die Umwelt gelangt. Hier wu\u0308rde der Einsatz biologisch abbaubarer Materialien erhebliche Umweltvorteile bringen.<\/p>\n<p>Ein Projektziel war, Potenziale fu\u0308r biologisch abbaubare Kunststoffe aufzuzeigen, die bisher oft u\u0308bersehen wurden. Die o\u0308ffentliche Debatte dreht sich zu gro\u00dfen Teilen um Verpackungen, diese ko\u0308nnen und sollten jedoch in aller Regel eingesammelt und recycelt werden. BioSinn konzentrierte sich daher gerade auf solche Anwendungen, bei denen die Sammlung in der Praxis nicht oder kaum mo\u0308glich ist. So liegt das Volumen bei Anwendungen in der Landwirtschaft durch Flockungshilfsmittel im Kla\u0308rschlamm, Saatgutbeschichtung, Tra\u0308gerpolymere fu\u0308r Pestizide und Mulchfolien besonders hoch.<\/p>\n<p>Fu\u0308r 24 der 25 Anwendungen konnten biologisch abbaubare Substitute fu\u0308r die derzeit verwendeten Materialien gefunden werden. Nur bei einer Anwendung ist das nicht gelungen, beim Schmutzradierer. Hier gibt es bislang keine nachhaltige Alternative mit denselben Eigenschaften. Wer Mikroplastik vermeiden will, muss auf dieses Produkt verzichten.<\/p>\n<p>Oft sind die alternativen Produkte teurer, aber vor allem meist am Markt wenig bekannt oder schlecht verfu\u0308gbar. Oft fehlt den Anwendern und Verbrauchern auch das Bewusstsein um die Problematik und Alternativen. So ist Verbrauchern und Verbraucherinnen meist nicht bewusst, dass konventionelles Kaugummi aus Plastik besteht oder dass Feuchttu\u0308cher einen hohen Kunststoffanteil haben, um ihre Festigkeit zu bekommen. In beiden Fa\u0308llen bleiben Kunststoffe in der Umwelt, die nicht biologisch abgebaut werden. Die aktuelle Gesetzgebung und bestehende Standards stellen oft noch Hindernisse fu\u0308r die sta\u0308rkere Markteinfu\u0308hrung biologisch abbaubarer Produkte in entsprechenden Anwendungen dar, es fehlen die politischen Leitplanken. Dabei ko\u0308nnten in vielen Fa\u0308llen spezifische politische Ma\u00dfnahmen eine erhebliche Wirkung erzielen und Ma\u0308rkte fu\u0308r Alternativen o\u0308ffnen.<\/p>\n<p>Michael Carus, Gescha\u0308ftsfu\u0308hrer des nova-Instituts, fasst die Ergebnisse des Projektes BioSinn zusammen: <em>\u201eAm Anfang des Projektes stand eine Frage: Ko\u0308nnte es Anwendungen geben, bei denen der biologische Abbau die beste End-of-Life-Option darstellt, weil z. B. ein Einsammeln und Recyceln nicht praktizierbar ist? Im Projekt konnten 25 solche Anwendungen gefunden und analysiert werden. Es hat u\u0308berrascht, dass diese Anwendungen in der Europa\u0308ischen Union ein Gesamtvolumen von 1 Million Tonnen aufweisen \u2013 und das meiste davon gelangt heute noch in Form nicht biologisch abbaubarer Makro- und Mikroplastik in die Umwelt. Hier ko\u0308nnten durch biologisch abbaubare Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen erhebliche Umweltentlastungen erzielt werden. Wir hoffen, dass unser umfassender Bericht mit 25 Steckbriefen sowohl das Bewusstsein fu\u0308r die Problematik und die Substitutionsmo\u0308glichkeiten deutlich erho\u0308ht, als auch entsprechende politische Ma\u00dfnahmen anregen wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aufgrund des gro\u00dfen internationalen Interesses wird der Abschlussbericht sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch angeboten. Der vollsta\u0308ndige Bericht ist in beiden Sprachen frei verfu\u0308gbar unter: <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/publications\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.renewable- carbon.eu\/publications\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grafiken und\u00a0PDF-Dateien in Englisch und Deutsch verf\u00fcgbar unter: www.nova-institute.eu\/press\/?id=275 Das Projekt BioSinn fand Produkte und Anwendungen, fu\u0308r die biologischer Abbau am Lebensende eine echte Option darstellt. 25 Steckbriefe beantworten fu\u0308r jede Anwendung technische und regulatorische Fragen. 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