{"id":8894,"date":"2006-02-16T00:00:00","date_gmt":"2006-02-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060216-01n"},"modified":"2014-08-13T09:50:34","modified_gmt":"2014-08-13T07:50:34","slug":"renaissance-der-mischkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/renaissance-der-mischkultur\/","title":{"rendered":"Renaissance der Mischkultur"},"content":{"rendered":"<p><b>Der Mischkulturanbau wird mehr und mehr wiederentdeckt. Diese seit dem 19. Jahrhundert bekannte Form des Ackeranbaus geriet in Vergessenheit, als die intensive Landwirtschaft damit begann, reine Monokulturen zu erzeugen. Doch vor dem Hintergrund steigender Energiekosten ist der Mischkulturanbau f\u00fcr Landwirte wieder interessant geworden, beispielsweise um mit \u00d6lsaat-Anteilen Pflanzen\u00f6l zu produzieren.<\/b><\/p>\n<p>Im Unterschied zu der im \u00f6kologischen Landbau verbreiteten Fruchtfolge bauen die Landwirte bei der Mischkultur verschiedene Fruchtarten nicht zeitlich nacheinander, sondern gleichzeitig nebeneinander an. Beispiel f\u00fcr eine Mischkultur, die heute noch angewandt wird: das Leguminosen-Gras-Gemenge, das \u00d6kobauern als Viehfutter dient.<\/p>\n<p>Der Mischanbau hat viele \u00f6kologische und \u00f6konomische Vorteile, die ihn gegen\u00fcber Reinkulturen auszeichnen. So k\u00f6nnen die Fruchtarten beim Mischfruchtanbau die Bodenfl\u00e4che und die Sonnenenergie mit h\u00f6herer Effizienz nutzen. Beispielhafte Kombinationen sind Gerste mit Leindotter sowie Weizen mit Leindotter.<\/p>\n<p>In der Praxis ist zurzeit nur Raps\u00f6l als Kraftstoff g\u00e4ngig. Kraftstoffe aus anderen \u00d6lpflanzen wie Leindotter sind bisher noch Gegenstand der Forschung. Doch deren bisherige Ergebnisse sind vielversprechend: Feldversuche in Mecklenburg-Vorpommern ergaben bei der Kombination Gerste mit Leindotter einen Ertrag von 256 kg Leindotter pro Hektar, was etwa 80 Liter Pflanzen\u00f6l pro Hektar entspricht \u2013 eine Menge, die zur Bestellung, Pflege und Ernte eines Hektars ausreicht.<\/p>\n<p><b>Pflanzen\u00f6l f\u00fcr den eigenen Bedarf<\/b><\/p>\n<p>Biokraftstoff aus \u00d6lsaaten k\u00f6nnen Landwirte zwar selbst produzieren, um damit ihre eigenen Schlepper anzutreiben. Doch die Vermarktung des \u00d6ls aus \u00f6kologischer Erzeugung ist sicherlich mit h\u00f6herer Wertsch\u00f6pfung verbunden. Der beim Rapsanbau anfallende Press- und Filterkuchen l\u00e4sst sich derzeit schon als Tierfutter verwenden. F\u00fcr Leindotter gilt das aber noch nicht, da dessen Kuchen nach den hiesigen (unzeitgem\u00e4\u00dfen) Bestimmungen nicht verf\u00fcttert werden darf.<\/p>\n<p>Wie erfolgreich der Mischfruchtanbau sein kann, beweist der Kramerbr\u00e4u-Naturland-Hof in Pfaffenhofen. &#8220;Die Gesamtertr\u00e4ge sind stabiler, da das Unkraut unterdr\u00fcckt werden kann&#8221;, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Markus Pscheidl. Im Idealfall k\u00f6nne man auf bestimmten Standorten gar ganz auf die mechanische Unkrautvernichtung verzichten. Dar\u00fcber hinaus tr\u00e4gt der Mischfruchtanbau zur nat\u00fcrlichen Sch\u00e4dlingsbefalls bei, weil er nat\u00fcrliche r\u00e4umliche Barrieren zum Wirt schafft.<\/p>\n<p>Auch in der konventionellen Landwirtschaft kann man damit den Einsatz von Herbiziden deutlich einsparen. F\u00fcr Kombinationen wie Erbse mit Gerste oder Senf mit Wicke ist zudem eine St\u00fctzwirkung nachgewiesen. Und nicht zuletzt senkt der Mischanbau das Risiko einer Missernte, da beim Ausfall einer Kultur noch immer die andere Kultur einen Ertrag sichern kann.<\/p>\n<p>Die Forschung zum Mischkulturanbau ist auf Ideen aus der landwirtschaftlichen Praxis angewiesen. Das EU-Projekt <a href=\"http:\/\/www.intercrop.dk\/\">Intercrop<\/a> beispielsweise untersucht die M\u00f6glichkeiten, das Saatgut in abwechselnden parallelen Reihen (row by row intercropping) oder gemischt (mixed intercropping) auszus\u00e4en.<\/p>\n<p>Mit dabei sind Forscher des Fachgebiets <a href=\"http:\/\/www.wiz.uni-kassel.de\/foel\/\">\u00d6kologischer Land- und Pflanzenbau<\/a> an der Universit\u00e4t Kassel. F\u00fcr die Forscher am <a href=\"http:\/\/www.pg.fal.de\/index.htm?page=\/versuchsfuehrer2004\/default.htm\">Institut f\u00fcr \u00f6kologischen Anbau<\/a> der Bundesforschungsanstalt f\u00fcr Landwirtschaft (FAL) gilt es dabei, praktikable L\u00f6sungen f\u00fcr die Umsetzung in die Praxis des Betriebes zu schaffen.<\/p>\n<p>Hier gibt es erste Ergebnisse: &#8220;Eine sechsfeldrige Fruchtfolge mit Mischkultur-Kombinationen kann Ertr\u00e4ge von bis zu 1.100 Liter Pflanzen\u00f6l erbringen&#8221;, sagt Hans Marten Paulsen von der FAL. Das entspricht rund 200 Liter pro Hektar \u2013 genug, um den Treibstoffbedarf eines \u00f6kologisch wirtschaftenden Betriebes zu decken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" alt=\"\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20060216-01\/Bild_1.JPG\" align=\"left\" border=\"0\" \/><b><i><br style=\"clear: left;\" \/>Der Mischkulturanbau verlangt nach spezieller Landtechnik bei der Aussaat. Die gezeigte Mischfruchtdrillmaschine verf\u00fcgt \u00fcber zwei getrennte pneumatische Saatk\u00e4sten, um Saaten unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe und Form in unterschiedlichen Saattiefen in einem Arbeitsgang auszus\u00e4en. Das Saatgut wird durch die nachfolgende Stempelpackerwalze gleichm\u00e4\u00dfig r\u00fcckverfestigt. Die R\u00e4umwalze verhindert dabei das Verstopfen der S\u00e4scharen, grobe organische Bestandteile bleiben in der Reihe liegen.<\/i><\/b><\/p>\n<p>Sowohl die Aussaat als auch die Ernte von Mischkulturen sind schon heute in einem einzigen Arbeitsgang durchf\u00fchrbar. Um Saaten unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe und Form in unterschiedlichen Tiefen des Ackerbodens in einem Arbeitsgang auszubringen, ben\u00f6tigt man eine pneumatische Mischfruchtdrillmaschine mit zwei Saatk\u00e4sten.<\/p>\n<p>Die ausgekl\u00fcgelte Ger\u00e4tschaft daf\u00fcr ist schon erprobt, genauso wie nach der Ernte die Trennung der Mischsaaten mit den g\u00e4ngigen Reinigungstechniken schon heute m\u00f6glich ist. Moderne \u00d6lpressen gew\u00e4hrleisten eine besonders schonende Kaltpressung. Die erzeugten Kraftstoffe weisen dadurch besonders niedrige Phosphorgehalte auf. Im Dauerbetrieb (24 Stunden) k\u00f6nnen \u00d6lpressen eine Leistung von 30.000 Liter Pflanzen\u00f6l pro Jahr produzieren.<\/p>\n<p><b>F\u00f6rderung des Leindotteranbaus<\/b><\/p>\n<p>Raps-Monokulturen sind aus \u00f6kologischer Sicht nicht erstrebenswert. Mischkulturen wird dagegen aufgrund ihrer hohen Umweltvertr\u00e4glichkeit zum \u00f6kologischen Landbau hohe Priorit\u00e4t einger\u00e4umt. Aufgrund dessen kann davon ausgegangen werden, dass in den n\u00e4chsten Jahren die Weiterentwicklung der Saat- und Erntetechnik in Kombination mit der Optimierung des Gemengemanagements (v.a. Arten- und Sortenkombinationen) den Mischfruchtanbau bef\u00f6rdern werden.<\/p>\n<p>Nach der L\u00f6sung logistischer Probleme zur regionalen Erfassung und Verarbeitung der pflanzlichen Rohstoffe steht der Ausweitung des Mischkulturanbaus dann kaum noch etwas entgegen. Dabei spielen auch Erhalt und Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen im l\u00e4ndlichen Raum eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Den Mischkulturanbau in die Praxis konventionell und \u00f6kologisch wirtschaftender Betriebe zu integrieren, wird aber erst gelingen, wenn die derzeit bestehenden Hemmnisse abgebaut werden. Dies lie\u00dfe sich etwa mit der Aufnahme der F\u00f6rderung von Leindotter in der EU-\u00d6lsaatenregelung beschleunigen. Au\u00dferdem bleibt abzuwarten, wie sich die Bundesregierung zur m\u00f6glichen Besteuerung von Biotreibstoffen entscheiden wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mischfruchtanbau.de\/\">IG Mischfruchtanbau<\/a><br \/>\nMargret Stephan<br \/>\nErlenstra\u00dfe 29 b, D-85416 Langenbach<br \/>\nFon 08761\/7521-35, Fax 08761\/7521-34<br \/>\n<a href=\"mailto:info@mischfruchtanbau.de\">info@mischfruchtanbau.de<\/a><\/p>\n<p>Mischfrucht-Betrieb Kramerbr\u00e4u Naturland-Hof<br \/>\nMarkus Pscheidl<br \/>\nSonnenstra\u00dfe 4, D-85276 Pfaffenhofen<br \/>\nFon 08441\/4999-10, Fax 08441\/4999-19<br \/>\n<a href=\"mailto:markus.pscheidl@kramerbraeu.de\">markus.pscheidl@kramerbraeu.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oel.fal.de\/\">Bundesforschungsanstalt f\u00fcr Landwirtschaft (FAL)<\/a><br \/>\nDr. Hans Marten Paulsen<br \/>\nTrenthorst 32, D-23847 Westerau<br \/>\nFon 04539\/8880-316, Fax 04539\/8880-140<br \/>\n<a href=\"mailto:hans.paulsen@fal.de\">hans.paulsen@fal.de<\/a><\/p>\n<p>Universit\u00e4t Kassel, Fachgebiet \u00d6kologischer Land- und Pflanzenbau<br \/>\nChristoph Dahlmann<br \/>\nNordbahnhofstra\u00dfe 1 a, D-37213 Witzenhausen<br \/>\nFon 05542\/98-1634, Fax 05542\/98-1568<br \/>\n<a href=\"mailto:dahlmann@wiz.uni-kassel.de\">dahlmann@wiz.uni-kassel.de<\/a><\/p>\n<p>Spezielle Mischkultur-Landtechnik<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.haaghof.com\/\">Haaghof \u2013 Kompetenzb\u00fcro f\u00fcr Agrarkultur<\/a><br \/>\nWalter Kress<br \/>\nD-74239 Hardthausen<br \/>\nFon 07139\/4524-64, Fax 07139\/4524-66<br \/>\n<a href=\"mailto:kress@haaghof.com\">kress@haaghof.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Der Mischkulturanbau wird mehr und mehr wiederentdeckt. 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