{"id":88767,"date":"2021-06-01T07:26:19","date_gmt":"2021-06-01T05:26:19","guid":{"rendered":"https:\/\/news.bio-based.eu\/?p=88767"},"modified":"2021-09-09T21:05:11","modified_gmt":"2021-09-09T19:05:11","slug":"kapazitaeten-zur-wasserstoffelektrolyse-sollen-auf-das-1000-fache-steigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kapazitaeten-zur-wasserstoffelektrolyse-sollen-auf-das-1000-fache-steigen\/","title":{"rendered":"Kapazit\u00e4ten zur Wasserstoffelektrolyse sollen auf das 1000-fache steigen"},"content":{"rendered":"<p>Bis 2040 sind weltweit 1000-mal so viel wie die derzeit in Betrieb befindlichen Gigawatt Elektrolyseur-Kapazit\u00e4ten geplant. Deutschland bleibt dabei der attraktivste Markt f\u00fcr Investitionen in emissionsarmen Wasserstoff: Fast ein Viertel der weltweiten Projekte sind hier geplant. Kosten und CO2-Fu\u00dfabdruck des verwendeten Stroms sind entscheidende Erfolgsfaktoren: Wasserstoff, der direkt aus erneuerbaren Energien und nicht mit Netzstrom hergestellt wird, d\u00fcrfte als einziger die von der EU festgelegten Grenzwerte f\u00fcr die CO2-Intensit\u00e4t einhalten.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung hat gerade ihr Klimaschutzgesetz nachgebessert und die Pl\u00e4ne zur Erreichung der Kohlenstoffneutralit\u00e4t versch\u00e4rft. Auch die EU und andere L\u00e4nder haben Dekarbonisierungsziele bis 2040 oder 2050 vorgelegt und damit erheblichen Handlungsbedarf f\u00fcr ihre Energieversorgung geschaffen.<\/p>\n<p>\u201eUm Netto-Null-Emissionen zu erreichen, m\u00fcssen in den kommenden Jahrzehnten s\u00e4mtliche Sektoren der Wirtschaft auf kohlenstofffreie Energiequellen umgestellt werden\u201c, sagt Hanns Koenig, Head of Comissioned Projects, Central Europe von Aurora Energy Research. \u201eBesonders in Bereichen, die die Klimaneutralit\u00e4t anders nicht oder nur schwer erreichen k\u00f6nnen, wird dabei Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen: Das betrifft vor allem bestimmte Industriezweige wie die Stahlerzeugung und Teile der Chemiebranche, aber auch Teile des Transportsektors wie den Flugverkehr.\u201c<\/p>\n<p>Wasserstoff wird derzeit haupts\u00e4chlich aus Erdgas hergestellt, wobei das entstehende CO2 in die Atmosph\u00e4re entlassen wird. Mit dem Ziel der Klimaneutralit\u00e4t r\u00fcckt daher das Potenzial von emissionsstoffarm produziertem Wasserstoff in den Fokus. Dieser kann beispielsweise aus Erdgas mit CO2-Abscheidung und -einlagerung (CCS, \u201eblauer Wasserstoff\u201e) oder durch Elektrolyse von Wasser mit Gr\u00fcnstrom (\u201egr\u00fcner Wasserstoff\u201e) hergestellt werden.<\/p>\n<p>Viele Regierungen in Europa f\u00f6rdern besonders letzteres; so strebt die EU bereits bis 2030 eine Elektrolyseur-Kapazit\u00e4t von 40 Gigawatt (GW) an, und die nationalen Regierungen in Europa haben zusammen bereits 34 GW zugesagt.<\/p>\n<p>Unternehmen ergreifen Chancen der Wasserstoffwirtschaft<br \/>\n\u201eUnsere Marktanalyse zeigt, wie schnell die Unternehmen auf diese Chance reagieren und neue Wasserstoffproduktionsanlagen entwickeln\u201c, sagt Anise Ganbold, Global Energy Markets Lead von Aurora Energy Research: \u201eWir haben in unserer globalen Elektrolyseur-Datenbank derzeit Projekte mit einer Gesamtleistung von 213,5 GW, die bis zum Jahr 2040 realisiert werden sollen. Das ist das Tausendfache der derzeit installierten Kapazit\u00e4t. Sollten all diese Projekte in Betrieb gehen, k\u00f6nnten sie bis zu 32 Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr produzieren, was bereits die H\u00e4lfte des heutigen Wasserstoffbedarfs ausmacht.\u201c<\/p>\n<p>Mit 23 Prozent der bis 2040 angedachten Projekte ist Deutschland weltweiter Spitzenreiter, auf Europa insgesamt entfallen 85 Prozent. Der Vergleich mit den europ\u00e4ischen Zielen zeigt jedoch auch, dass wohl ein gro\u00dfer Teil der Projekte nicht oder erst nach 2030 realisiert werden wird, es sei denn, die Ziele werden erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Viele der Projekte sind noch in einer sehr fr\u00fchen Konzeptphase, andererseits gibt es auch sehr konkrete Planungen: So sollen bis 2030 allein in Deutschland mehr als 9 GW, in den Niederlanden 6 GW und in Gro\u00dfbritannien 4 GW in Betrieb gehen &#8211; Tendenz steigend.<\/p>\n<p>Auch die Gr\u00f6\u00dfe der einzelnen Elektrolyseur-Projekte w\u00e4chst schnell, ein Zeichen daf\u00fcr, dass die Technologie und die Lieferkette reifer werden: Heutzutage haben die meisten Elektrolyseure Leistungen von unter 10 Megawatt. Schon 2025 wird eine typische Anlage 100 bis 500 MW leisten und Wasserstoff f\u00fcr direkt angeschlossene Verbraucher erzeugen. Bis 2030 werden die Anlagegr\u00f6\u00dfen auf 1 GW und mehr steigen, verbunden mit gro\u00df angelegten Projekten, die in L\u00e4ndern mit billigem Strom Wasserstoff f\u00fcr den Export produzieren.<\/p>\n<p>Deutschland bleibt attraktivster Markt f\u00fcr Wasserstoffanwendungen<br \/>\nDer halbj\u00e4hrlich erscheinende Hydrogen Market Attractiveness Report von Aurora Energy Research bewertet die europ\u00e4ischen L\u00e4nder nach ihrer Attraktivit\u00e4t f\u00fcr Investitionen in emissionsarmen Wasserstoff: Basierend auf Kriterien wie Politik, Anreizsysteme, Produktionskosten und voraussichtlichen Zentren der Wasserstoffnachfrage beh\u00e4lt demnach Deutschland den Spitzenplatz als attraktivster Markt f\u00fcr entsprechende Projekte.<\/p>\n<p>\u201eAllerdings stellen inzwischen auch andere L\u00e4nder ambitionierte Wasserstoffpl\u00e4ne vor und holen auf\u201c, sagt Ganbold \u201eZum Beispiel verfolgt Italien eine langfristige, strategische Politik, um sich einerseits als Wasserstoffbr\u00fccke zwischen Afrika und Westeuropa zu positionieren und andererseits bis 2050 ein F\u00fcnftel seines Endenergieverbrauchs auf wasserstoffbasierte Quellen umzustellen. Polen wiederum konzentriert sich auf kurzfristige Ziele, will bis 2025 zwei Gigawatt Elektrolyseur-Kapazit\u00e4ten bauen und ein Carbon Contract for Difference-System einf\u00fchren, um teurere Produktionsmethoden f\u00fcr emissionsarmen Wasserstoff zu f\u00f6rdern.\u201c<\/p>\n<p>Insgesamt werten die Studienautoren die Ergebnisse ihrer Analyse als Zeichen daf\u00fcr, dass die schnelle Entwicklung einer Wasserstoffinfrastruktur in den kommenden Jahren immer wahrscheinlicher wird. Allerdings gebe es neben ehrgeizigen Pl\u00e4nen in vielen L\u00e4ndern auch noch erhebliche H\u00fcrden bei den Rahmenbedingungen: Von B\u00fcrokratie, \u00fcber mangelnde Richtlinien bis hin zu kontraproduktiven Anreizen. Auch die erhebliche Kostendiskrepanz zwischen der \u201egr\u00fcnen\u201e Wasserstoffproduktion aus Elektrolyseuren und den bestehenden, CO2-intensiven Wasserstoffquellen bleibe vorerst bestehen.<\/p>\n<p>Erfolgsentscheidend: Strompreis und CO2-Intensit\u00e4t des Wasserstoffs<br \/>\nUnternehmen, die in Elektrolyseur-Projekte investieren, m\u00fcssen sich Gedanken machen, welches Gesch\u00e4ftsmodell sie damit verfolgen und wie sie ihr Vorhaben daf\u00fcr optimal gestalten. Das betrifft sowohl die genutzten Energiequellen als auch den Abnehmer des produzierten Wasserstoffs. Die meisten Projekte in Auroras Elektrolyseur-Datenbank werden Windkraft nutzen, gefolgt von Solarenergie; ein kleiner Teil plant die Nutzung von Netzstrom. Als Endverbraucher wird in den meisten F\u00e4llen die Industrie genannt, gefolgt von der Mobilit\u00e4t.<\/p>\n<p>\u201eDer Erfolg von gr\u00fcnem Wasserstoff aus Elektrolyse wird von zwei Schl\u00fcsselfaktoren abh\u00e4ngen\u201c, sagt Koenig: \u201eZum einen sind das die Stromkosten, die den gr\u00f6\u00dften Teil der Produktionskosten ausmachen. Und zum anderen die CO2-Bilanz, die entscheidend ist, ob der erzeugte Wasserstoff als klimafreundlich gelten kann.\u201c<\/p>\n<p>Beim Preis f\u00fcr Strom aus dem Netz d\u00fcrfte Frankreich bis 2040 am g\u00fcnstigsten sein. Bei der CO2-Intensit\u00e4t werden die Stromnetze in Norwegen, Schweden und Frankreich am besten abschneiden.<\/p>\n<p>\u201eNur in diesen L\u00e4ndern werden mit Netzstrom betriebene Elektrolyseure wohl die relativ strengen Grenzwerte einhalten, die die EU bis 2030 f\u00fcr das Label \u201enachhaltiger\u201c Wasserstoff plant\u201e, sagt Koenig. \u201eDie Alternative zur Minderung des CO2-Fu\u00dfabdrucks ist, sich vom Netz zu entkoppeln und sich direkt mit Gr\u00fcnstrom aus Wind, Sonne und Wasser zu versorgen, zum Beispiel \u00fcber PPAs.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis 2040 sind weltweit 1000-mal so viel wie die derzeit in Betrieb befindlichen Gigawatt Elektrolyseur-Kapazit\u00e4ten geplant. Deutschland bleibt dabei der attraktivste Markt f\u00fcr Investitionen in emissionsarmen Wasserstoff: Fast ein Viertel der weltweiten Projekte sind hier geplant. 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