{"id":8830,"date":"2006-03-08T00:00:00","date_gmt":"2006-03-07T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060308-05n"},"modified":"2006-03-08T00:00:00","modified_gmt":"2006-03-07T22:00:00","slug":"steuerliche-foerderung-fuer-biokraftstoffe-weckt-interesse-im-ausland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/steuerliche-foerderung-fuer-biokraftstoffe-weckt-interesse-im-ausland\/","title":{"rendered":"Steuerliche F\u00f6rderung f\u00fcr Biokraftstoffe weckt Interesse im Ausland"},"content":{"rendered":"<p><b>Der landl\u00e4ufig als Biodiesel bezeichnete Rapsmethylester (RME) hat in Deutschland eine rasante Entwicklung genommen: W\u00e4hrend anno 1998 nur 100.000 t RME produziert wurden, brachten die deutschen Veresterungswerke im vergangenen Jahr 1,8 Mio. t RME in den Verkehr und deckten damit sechs Prozent des Dieselmarkts ab. <\/p>\n<p>Weitere Produktionsst\u00e4tten sind geplant. Bis 2007 werde jeder zehnte Liter Diesel in Deutschland vom Acker kommen, meint Klaus Kliem, der Pr\u00e4sident der <a href=\"http:\/\/www.ufop.de\/\" >Union zur F\u00f6rerung von \u00d6l- und Proteinpflanzen (UFOP)<\/a>.<\/b><\/p>\n<p>Die Biokraftstoffbranche hat der abgel\u00f6sten rot-gr\u00fcnen Bundesregierung viel zu verdanken. Die geltende Mineral\u00f6lsteuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr Biokraftstoffe beurteilt der Chef des <a href=\"http:\/\/www.bioenergie.de\/\" >Bundesverbandes Bioenergie (BBE)<\/a>, Helmut Lamp, als den &#8220;entscheidenden Erfolgsfaktor der Markteinf\u00fchrung\u201d. <\/p>\n<p>Unklar ist, ob die neue Bundesregierung die Steuerbeg\u00fcnstigungen f\u00fcr RME aufrecht erh\u00e4lt. Die bisherige Regelung l\u00e4uft 2009 aus. Im Koalitionsvertrag hatte die Gro\u00dfe Koalition angek\u00fcndigt, die Steuerbefreiung durch eine Beimischungspflicht zu ersetzen. Kliem und Lamp lehnten diesen Plan unisono ab. Ihre Bef\u00fcrchtung: Die Beimischungspflicht nehme der Branche die Dynamik und eine damit einhergehende Besteuerung verdr\u00e4nge reinen RME vom Markt &#8211; und das, obwohl Biodiesel in Land- und Forstwirtschaft als \u00f6kologischer und g\u00fcnstiger Ersatz f\u00fcr fossilen Diesel <br \/>ben\u00f6tigt werde.<\/p>\n<p><b>\u00d6kologische Zwickm\u00fchle<\/b><\/p>\n<p>Nach Ansicht des CDU-Abgeordneten und Vizepr\u00e4sidenten des <a href=\"http:\/\/www.bauernverband.de\/\" >Deutschen Bauernverbands<\/a>, Norbert Schindler, zielt die Regierung mit der angek\u00fcndigten Beimischungspflicht nicht auf zus\u00e4tzliche Steuereinnahmen. Vielmehr wolle sie der Mineral\u00f6lindustrie Beine machen. Denn die habe in der Vergangenheit zu passiv auf Biokraftstoffe reagiert. <\/p>\n<p>Schindler will die Steuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr reine Biokraftstoffe erhalten. Seine Vorw\u00fcrfe an die Mineral\u00f6lindustrie beziehen sich vor allem auf deren z\u00f6gerliche Haltung zu Bioethanol. W\u00e4hrend der Biodieselmarkt wegen der anhaltend hohen \u00d6lpreise wie leer gefegt ist und die \u00d6lkonzerne ihrem Diesel inzwischen fl\u00e4chendeckend f\u00fcnf Prozent RME beimischen, bleiben drei potente Gro\u00dfanlagen f\u00fcr Bioethanol in Sachsen-Anhalt und Brandenburg bislang auf ihrer Produktion sitzen. <\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.suedzucker.de\/\" >S\u00fcdzucker AG<\/a> und die Sautergruppe wollten in den Anlagen ab 2005 aus 1,4 Mio. t Getreide (vor allem Weizen und Roggen) und aus Zuckerr\u00fcben knapp 600.000 t Bioethanol pro Jahr produzieren. Investitionsvolumen: knapp 300 Mio. \u20ac.  <\/p>\n<p>Doch die urspr\u00fcnglich geplante Beimischung des Agraralkohols zu Ottokraftstoffen stockt. Gem\u00e4\u00df der europ\u00e4ischen Kraftstoffnormen d\u00fcrften maximal f\u00fcnf Prozent beigemischt werden. Bei so geringen Mengen bef\u00fcrchten die Mineral\u00f6lkonzerne jedoch so genannte Dampfdruck-Anomalien, die gerade im Sommer zu unzul\u00e4ssig hohen Dampfdr\u00fccken des Kraftstoffes f\u00fchren. Besonders ausgepr\u00e4gt sind diese Anomalien bei Ethanolanteilen bis zwei Prozent. V\u00f6llig unproblematisch werden sie erst bei \u00fcber zehn Prozent Beimischung. <\/p>\n<p>Die S\u00fcdzucker Bioethanol GmbH hofft, dass die EU ihre Richtlinie zugunsten der Bioethanolbeimischung \u00e4ndern wird. Allerdings f\u00fchrt das Anheben der Dampfdruckgrenzwerte in eine \u00f6kologische Zwickm\u00fchle: Wegen ihrer Ozonrelevanz waren sie er zur Jahrtausendwende gesenkt worden.<\/p>\n<p>Bisher verzichten die Mineral\u00f6lhersteller meist ganz auf die Ethanolbeimischung. Nur dort, wo sich ein f\u00fcnfprozentiger Anteil aufgrund \u00fcberschaubarer Logistikketten gew\u00e4hrleisten l\u00e4sst, kommt der reine Agraralkohol in den Sprit. <\/p>\n<p><b>Schweden f\u00e4hrt mit Bioethanol<\/b><\/p>\n<p>Nun zeichnen sich allerdings L\u00f6sungen ab, an denen sich auch die Autoindustrie beteiligen m\u00f6chte. So erkl\u00e4rte sich DaimlerChrysler k\u00fcrzlich bereit, an allen Fahrzeugen die technischen Voraussetzungen f\u00fcr eine 10prozentige Beimischung von Biokraftstoffen zu schaffen \u2013 Bioethanol eingeschlossen. Au\u00dferdem kommen verst\u00e4rkt so genannte Flexible-Fuel-Vehicles (FFV) auf den deutschen Markt, die vom Werk aus auf hohe Ethanolbeimischungen vorbereitet sind.<\/p>\n<p>Immer mehr K\u00e4ufer in Schweden greifen zu FFV. Ende 2005 waren dort schon 50.000 Fahrzeuge unterwegs, die mit einer Mischung aus 15 Prozent Benzin und 85 Prozent Bioethanol (E85) fahren. Landesweit werde ein Tankstellennetz daf\u00fcr aufgebaut. Zudem werden Ottokraftstoffen fl\u00e4chendeckend f\u00fcnf Prozent Bioethanol beigesetzt, wobei Dampfdruck-Anomalien wegen der k\u00fchleren Temperaturen in Schweden keine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Den zus\u00e4tzlichen Aufbau der E85 Infrastruktur sehen die Schweden als Klimaschutzma\u00dfnahme. Im Vergleich zum Benzinbetrieb fallen mit E85 bis zu 80 Prozent weniger CO<sub>2<\/sub>-Emissionen an, ohne dass die Autofahrer auf Leistung verzichten m\u00fcssen. Im Gegenteil: Wegen der hohen Oktanzahl von Bioethanol steigt die Motorleistung um f\u00fcnf Prozent. Mit E85 leistet der Ford Focus 1.6 FFV 105 PS, im Benzinbetrieb sind es nur 100 PS.<\/p>\n<p>Dagegen sehen die Schweden Biokraftstoffe weniger als Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeit f\u00fcr heimische Landwirte. Nach volkswirtschaftlicher Pr\u00fcfung orientiert der skandinavische Staat seine Ma\u00dfnahmen an den CO<sub>2<\/sub>-Vermeidungskosten. Und da ist europ\u00e4ischer Bioethanol nicht wettbewerbsf\u00e4hig: W\u00e4hrend sich eine Tonne Klimagas mit Brasilianischem Ethanol f\u00fcr unter 50 \u20ac\/t vermeiden l\u00e4sst, kostet dies in Europa je nach Verfahren 200 bis 600 \u20ac\/t. <\/p>\n<p>Entsprechend importieren die Schweden \u00fcber zwei Drittel des Bioethanols und f\u00f6rdern biogene Kraftstoffe unabh\u00e4ngig vom Herstellerland durch eine komplette Mineral\u00f6lsteuerbefreiung. Ein Gro\u00dfteil der Importe kommt aus Brasilien. Denn der global f\u00fchrende Erzeuger liefert Ethanol aus Zuckerrohr f\u00fcr 25 ct\/l &#8211; hiesige Anbieter produzieren doppelt so teuer. <\/p>\n<p>Entgegen der schwedischen Praxis und den Empfehlungen von Volkswirtschaftlern, den globalen Bioethanolmarkt so offen wie m\u00f6glich zu gestalten, fordern BBE und UFOP Importbeschr\u00e4nkungen, um die Steuervorteile f\u00fcr Biokraftstoffe aufrecht erhalten zu k\u00f6nnen. In S\u00fcdamerika wie in Osteuropa bestehe gro\u00dfes Interesse, mit Biokraftstoffen am gef\u00f6rderten deutschen Markt mitzumischen. Dagegen lie\u00dfen gerade Osteuropas Produzenten jegliche Bem\u00fchung f\u00fcr die Erschlie\u00dfung der eigenen M\u00e4rkte vermissen. UFOP Chef Kliem forderte deshalb Strategien f\u00fcr einen harmonisierten EU-Markt.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schweden-15-000-bio-ethanol-fahrzeuge-verkauft\/\" >2006-01-03<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/koalitionsvertrag-entwarnung-fuer-biokraftstoffe\/\" >2005-11-18<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mitteldeutsche-zeitung-mineraloelindustrie-bremst-bio-ethanol-aus\/\" >2005-10-27<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Der landl&auml;ufig als Biodiesel bezeichnete Rapsmethylester (RME) hat in Deutschland eine rasante Entwicklung genommen: W&auml;hrend anno 1998 nur 100.000 t RME produziert wurden, brachten die<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-8830","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8830","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8830"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8830\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8830"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=8830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}