{"id":8751,"date":"2006-01-30T00:00:00","date_gmt":"2006-01-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060130-02n"},"modified":"2006-01-30T00:00:00","modified_gmt":"2006-01-29T22:00:00","slug":"chinaschilf-oder-was-lange-waehrt-wird-endlich-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/chinaschilf-oder-was-lange-waehrt-wird-endlich-gut\/","title":{"rendered":"Chinaschilf &#8211; oder: Was lange w\u00e4hrt, wird endlich gut"},"content":{"rendered":"<p><b>Nach mehr als zehn Jahren Aufbruchstimmung scheinen sich f\u00fcr schweizer Miscanthus-Anbauer konkrete Perspektiven aufzutun. Trotz den ung\u00fcnstigen Vorzeichen der AP 2011 wird die industrielle Nutzung von Chinaschilf immer realistischer.<\/p>\n<p>Obwohl gem\u00e4ss Bundesratsvorschlag punkto AP 2011 die Unterst\u00fctzung pro Hektare nachwachsender Rohstoffe von 2000 Franken auf 600 runtergeschraubt werden soll, ist IGM (<a href=\"http:\/\/www.miscanthus.ch\/\" >Interessengemeinschat Miscanthus<\/a>)-Pr\u00e4sident J\u00f6rg Will optimistisch.<\/b><\/p>\n<p>Mit dem Argument, dass in der immer heisser werdenden Klimadiskussion ein CO<sub>2<\/sub>-neutraler Rohstoff an Bedeutung gewinne, will Will den Bund \u00fcberzeugen, die Anbaubeitr\u00e4ge nicht nur beizubehalten sondern sogar auszudehnen. Er hat beim Bund angeregt, eine Anbaukampagne zu finanzieren, welche Neuanpflanzern den Einstieg in den Chinaschilf-Anbau erleichteren soll.<\/p>\n<p><b>Erstes Miscanthus-Wohnhaus kommt im 2006<\/b> <\/p>\n<p>An der Hauptversammlung der IGM am Donnerstag in Sch\u00f6nb\u00fchl erkl\u00e4rte Will den rund 20 angereisten Miscanthus-Pflanzern, warum sie in Zukunft nicht im Schilf stehen werden. Im April soll ein erstes Wohngeb\u00e4ude aus Miscanthus-Elementen erstellt und im August der breiten \u00d6ffentlichkeit vorgestellt werden. &#8220;Die Miscanthus-Elemente sind nicht nur isolierend, sondern auch h\u00f6chst schallschluckend&#8221;, erkl\u00e4rte Roland Auderset, Delegierter von der Firma Nawaro AG in Gurmels.<\/p>\n<p>Diese von der EMPA und in Deutschland vom T\u00dcV und DIN attestierten Pr\u00fcfergebnisse haben die Nawaro AG dazu bewogen, im letzten Jahr in mehreren L\u00e4ndern, darunter die EU, Kanada und USA, Russland und China, Patente f\u00fcr den innovativen Miscanthus-Baustoff zu hinterlegen. Renommierte Architekten haben schon Interesse f\u00fcr den \u00f6kologischen Baustoff bekundet.<\/p>\n<p><b>\u00d6kologische Schallschutz-W\u00e4nde in Entwicklung<\/b><\/p>\n<p>Aber nicht nur H\u00e4user will Auderset mit den Miscanthus-Elementen erstellen. Nawaro AG und Ueli Freudiger, der Miscanthus-Pionier aus Gals, stehen mit einem Hersteller von Schallschutzw\u00e4nden aus Deutschland in Kontakt und werden W\u00e4nde gem\u00e4ss Schweizer Normen herstellen und mittelfristig Baueingaben machen.<\/p>\n<p>Die Vorteile des wieder nachwachsenden, \u00f6kologischen und einfach zu erntenden Rohstoffes gegen\u00fcber konventionellen Schallschutzw\u00e4nden aus Holz und Beton sprechen f\u00fcr sich, meinen die Initianten. F\u00fcr den Einsatz als Baustoff erhofft sich die IGM einen bis zu 80% h\u00f6heren Erl\u00f6s als der aktuelle Produzentenpreis von 150 Fr. pro Tonne. Diesen Preis erachtet Auderset als hoch. &#8220;Der Preisdruck im Baugewerbe ist gewaltig&#8221;, meint er, &#8220;\u00d6kologie hin oder her, die Entscheidung der Bauherrschaft richtet sich fast immer nach den Kosten.&#8221;<\/p>\n<p><b>Bausteine aus Miscanthus und Heizung \u00e0 la Roseau du Chine<\/b><\/p>\n<p>Neben den Element-Bauteilen k\u00e4men auch Miscanthus-Bausteine auf den Markt, informierte Freudiger. Diese k\u00f6nnten wie Ziegelsteine eingesetzt werden. Der Vorteil sind ressourcenschonende Herstellung, h\u00f6here W\u00e4rme- und Schalld\u00e4mmwerte wie R\u00fcckbau in die \u00d6kobilanz.<\/p>\n<p>Aber nicht nur durch den Einsatz als Baustoff soll die Wertsch\u00f6pfung von Chinaschilf verbessert werden. Freudiger wird dieses Fr\u00fchjahr ein zentrale Heizanlage f\u00fcr min. 7 Einfamilienh\u00e4user in Betrieb nehmen. Statt Holzpellets verbrennt der in \u00d6sterreich hergestellte Ofen Miscanthus-H\u00e4cksel. Pro Hektare Rohstoffertrag erreiche man damit ein Erd\u00f6l-\u00c4quivalent von 7000 l, erkl\u00e4rte Freudiger.<\/p>\n<p><b>Rhizom-Ernte-Maschine von B\u00e4rtschi-Fobro<\/b><\/p>\n<p>Es scheint, dass nicht nur die Schweizer Miscanthus-Pioniere an den Erfolg der Biomasse der mehr als drei Meter hohen, schnellwachsenden Pflanze glauben. Die Firma B\u00e4rtschi-Fobro, H\u00fcswil, hat eigens eine Rhizom-Ernte-Maschine entwickelt. Damit k\u00f6nnten aus einem Hektar Chinaschilf Rhizome f\u00fcr die Neubesetzung von 5-7 Hektaren gewonnen werden.<\/p>\n<p>Die Anpflanzung mit Rhizomen erfolge durch die Verteilung mit dem Mistzetter und durch ein flaches Einpfl\u00fcgen, weiss Freudiger. Danach k\u00f6nne schon nach einem Jahr geerntet werden. Auch das Seco (Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft) unterst\u00fctzt die Marketing-T\u00e4tigkeiten der IGM und der Nawaro AG im Rahmen von Regio-Plus-Projekten momentan mit 91&#8217;000 Franken j\u00e4hrlich.<\/p>\n<p><b>Nicht alles ist rosig<\/b><\/p>\n<p>Trotz der ganzen &#8220;Good News&#8221; servierte die Buchhalterin der IGM, Vreni M\u00fcller, den China-Schilf-Produzenten auch Wermutstropfen. Fast 30 % des Erl\u00f6ses von Chinaschilf verpuffe durch die hohen Transportkosten. Grund sei die aufw\u00e4ndige Logistik, hervorgerufen durch die zentrale Lagerung und die schlecht kalkulierbare Nachfrage.<\/p>\n<p>Auch resultierten zu oft Leerfahrten durch mangelhafte Ware am Ladeort. Diesem teuren Qualit\u00e4tsmanko will die IGM durch Informationsveranstaltungen \u00fcber die optimale Lagerung abhelfen. Gerade in der Westschweiz komme es oft vor, dass der Schilf zu lange ungesch\u00fctzt im Regen liegen gelassen werde und verrotte, beklagte sich M\u00fcller.<\/p>\n<p><b>Mehr Miscanthus-Bauten sollen Nachhaltigkeit belegen<\/b><\/p>\n<p>Freudiger beklagte, dass trotz des grossen Interesses, das der Miscanthus-Bauweise durch Bauherren entgegengebracht werde, oft die mangelnde Langzeiterfahrung beklagt werde. Er rief die Schilf-Bauern dazu auf, \u00d6konomiegeb\u00e4ude mit Chinaschilf-Elementen zu bauen. Je \u00f6fter dieser eingesetzt werde, desto mehr &#8220;Anschauungsmaterial&#8221; f\u00fcr k\u00fcnftige Bauherren und Architekten stehe zur Verf\u00fcgung. &#8220;Mein B\u00fcroh\u00e4uschen, das erste Geb\u00e4ude in der Schweiz aus Chinaschilf-Elementen, ist jetzt 6 Jahre alt und schaut noch aus wie neu&#8221;, berichtete Freudiger enthusiastisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Nach mehr als zehn Jahren Aufbruchstimmung scheinen sich f&uuml;r schweizer Miscanthus-Anbauer konkrete Perspektiven aufzutun. 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