{"id":8727,"date":"2006-02-06T00:00:00","date_gmt":"2006-02-05T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060206-03n"},"modified":"2006-02-06T00:00:00","modified_gmt":"2006-02-05T22:00:00","slug":"baumwolle-2006-experten-prognostizieren-sinkende-produktionen-und-steigende-preise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/baumwolle-2006-experten-prognostizieren-sinkende-produktionen-und-steigende-preise\/","title":{"rendered":"Baumwolle 2006: Experten prognostizieren sinkende Produktionen und steigende Preise"},"content":{"rendered":"<p><b>Wenn die Baumwollpreise einmal richtig in Bewegung geraten, stellen sie h\u00e4ufig alle g\u00e4ngigen Preisvorstellungen in den Schatten. Und so kann es auch jetzt wieder sein. In New York, wo die Faser auf Termin gehandelt wird, hat Anfang Dezember ein Aufschwung eingesetzt, der nach dem Urteil mancher Analysten den Beginn einer langen, ausgedehnten Hausse markieren k\u00f6nnte.<\/b><\/p>\n<p>Baumwolle wird in naher Zukunft zwar nicht knapp. Doch es mehren sich die Hinweise darauf, da\u00df die kommende Saison 2006\/2007 (August bis Juli) nach dem laufenden Wirtschaftsjahr ein weiteres, diesmal aber beachtliches Produktionsdefizit hervorbringt. <\/p>\n<p>In diesem Fall k\u00f6nnte der Weltvorrat sp\u00fcrbar sinken und ein zu niedriges Niveau erreichen. Besonders gilt dies f\u00fcr hochwertige Ware, die vor allem in Amerika erzeugt wird.<\/p>\n<p><b>Kaum kostendeckendes Arbeiten m\u00f6glich<\/b><\/p>\n<p>Baumwolle ist, wenn man die in New York herrschenden Preise betrachtet, im historischen Vergleich zwar nicht sehr billig, doch gab es Zeiten, in denen die Notierungen um etwa das Doppelte \u00fcber dem gegenw\u00e4rtigen Niveau lagen. <\/p>\n<p>Als schlagendes Argument f\u00fchren jene, die deutlich h\u00f6here Preise voraussagen, an, da\u00df qualitativ hochwertige Baumwolle nur unter einem gro\u00dfen Aufwand, der von D\u00fcnger und Pflanzenschutzmitteln \u00fcber Treibstoffe bis hin zu Wasser reicht, erzeugt werden kann.<\/p>\n<p>Diese Produktionsmittel haben sich wegen des hohen \u00d6lpreises stark verteuert, so da\u00df die Produzenten ihre Kosten zu den gegenw\u00e4rtig herrschenden Preisen kaum noch und teils \u00fcberhaupt nicht mehr decken k\u00f6nnen. Der Anreiz zu m\u00f6glichst hoher Erzeugung schwindet daher ebenso wie der Anreiz, hochwertige Ware zu produzieren. <\/p>\n<p>Hinzu kommt, da\u00df der f\u00fcr die Baumwollerzeugung erforderliche Aufwand zu Teilen in hohem Ma\u00dfe nicht nur die Umwelt, sondern auch das Produkt mit Stoffen belastet, die die Erzeuger und die Endverbraucher von Textilien und Bekleidung sch\u00e4digen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>\u00d6lpreis l\u00e4\u00dft synthetische Fasern teurer werden<\/b><\/p>\n<p>Es gibt Beispiele aus sich wirtschaftlich erst entwickelnden L\u00e4ndern und Schwellenl\u00e4ndern wie Indien, die die Sch\u00e4dlichkeit der Baumwollproduktion, wie sie heute dort praktiziert wird, drastisch darstellen. <\/p>\n<p>Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Druck auf die Regierungen dieser L\u00e4nder, die gef\u00e4hrlichen Methoden der Baumwollerzeugung abzustellen, so stark wird, da\u00df die Produktion teuer genug wird, um \u00fcber ein sinkendes Angebot h\u00f6here Preise zu erzwingen. <\/p>\n<p>Welche Dimensionen dieses Thema erlangen k\u00f6nnte, wird daran deutlich, da\u00df Indien der drittgr\u00f6\u00dfte Baumwollproduzent der Welt ist.<\/p>\n<p>Der hohe \u00d6lpreis liefert ein weiteres Argument f\u00fcr steigende Baumwollpreise. Roh\u00f6l ist der Grundstoff f\u00fcr synthetische Fasern, die in weiten Bereichen mit der Naturfaser konkurrieren. Mit der Hausse am \u00d6lmarkt hat sich die Herstellung der synthetischen Ware so verteuert, da\u00df sie in Zukunft Marktanteile an die Baumwolle wird abgeben m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Diesen Effekt sp\u00fcren die M\u00e4rkte nach Darstellung von Fachleuten bisher nur deshalb nicht voll, weil es aller Erfahrung nach mindestens zwei Jahre dauert, bis die Spinnereien die maschinelle Verarbeitung von synthetischen Fasern auf Baumwolle umgestellt haben. <\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten 12 bis 18 Monaten k\u00f6nnte sich daher die Nachfrage nach der Naturfaser sp\u00fcrbar erh\u00f6hen, vorausgesetzt, ihr Preis w\u00fcrde nicht deutlich steigen.<\/p>\n<p><b>China der f\u00fchrende Produzent&#8230;<\/b><\/p>\n<p>Die Baumwollpflanze ist, von der Verwendung ihrer Frucht her betrachtet, ein Zwitter. Zum einen liefert sie die Faser, zum anderen aber auch Baumwollsaat\u00f6l. Es ist ein hochwertiges pflanzliches \u00d6l, das aber auf der gesamten Palette dieser \u00d6le eher eine untergeordnete Rolle spielt. <\/p>\n<p>Dies gilt auch f\u00fcr die Kalkulation der Erzeuger, denn keiner von ihnen w\u00fcrde Baumwolle allein deshalb anbauen, um die \u00d6lfrucht zu produzieren.<\/p>\n<p>Baumwolle wird international sowohl in Tonnen als auch in Ballen gehandelt. Ein Ballen enth\u00e4lt nach der bevorzugten amerikanischen Ma\u00dfeinheit 480 Pound von je 453,59 Gramm. <\/p>\n<p>Das Landwirtschaftsministerium in Washington (USDA) hat die Weltproduktion 2005\/2006 zuletzt auf 112,36 Millionen Ballen gesch\u00e4tzt. In der vergangenen Saison wurde damit ein Rekord von 120,38 Millionen Tonnen erzeugt. 2004\/2005 lag der Ertrag noch bei 95,26 Millionen Ballen. <\/p>\n<p>F\u00fchrender Produzent ist in der laufenden Saison China mit 24,5 Millionen Ballen, gefolgt von den Vereinigten Staaten von Amerika (23,72 Millionen Ballen), Indien (18,6 Millionen Ballen) und Pakistan (9,75 Millionen Ballen). In der Europ\u00e4ischen Union (EU) werden nach Angaben des USDA 2,4 Millionen Ballen erzeugt.<\/p>\n<p><b>Baumwolle: der Rohstoff-Hit 2006?<\/b><\/p>\n<p>Auf der Verbrauchsseite liegt China mit 43 Millionen Ballen weit vorn. Mit 16,5 Millionen Ballen ist das Land auch der bedeutendste Importeur. Das Bild relativiert sich, wenn man bedenkt, da\u00df China einen gro\u00dfen Teil seines Baumwollverbrauchs in Form von Textilien und Bekleidung wieder exportiert. <\/p>\n<p>Dies ist Gegenstand eines Dauerstreits mit der Regierung in Washington, aber auch mit der EU, weil China mit seinem Angebot an Baumwollprodukten die heimische Textilwirtschaft in beiden Regionen wettbewerbsunf\u00e4hig werden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Beim Baumwollverbrauch liegt Indien mit 17 Millionen Ballen an zweiter Stelle, gefolgt von Pakistan (11,75 Millionen Ballen), der T\u00fcrkei (7,05 Millionen Ballen), Amerika (6 Millionen Ballen) und Brasilien (4 Millionen Ballen). <\/p>\n<p>In der EU d\u00fcrften 2005\/2006 nach Erkenntnissen des USDA 2,67 Millionen Ballen importiert und 3,09 Millionen Ballen verbraucht werden.<\/p>\n<p><b>Amerika und Brasilien streiten vor der WTO<\/b><\/p>\n<p>Neben dem Streit um die sehr hohen und sehr billigen chinesischen Textilexporte pr\u00e4gen auch Auseinandersetzungen zwischen Brasilien und Amerika das Bild des Baumwollmarktes. Sie werden im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) ausgetragen. <\/p>\n<p>Gegenstand sind die von der Regierung in Washington gew\u00e4hrten Subventionen f\u00fcr die amerikanischen Baumwollerzeuger, die indirekt auch den Export f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Sollte Amerika gezwungen werden k\u00f6nnen, die Subventionen zu verringern, lie\u00dfe dies das Angebot an der auf der ganzen Welt gefragten hochwertigen Ware sinken, es sei denn, der Preis f\u00fcr die Faser w\u00fcrde so weit anziehen, da\u00df die amerikanischen Farmer Baumwolle unter weitgehend marktwirtschaftlichen Bedingungen erzeugen k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Wenn die Baumwollpreise einmal richtig in Bewegung geraten, stellen sie h&auml;ufig alle g&auml;ngigen Preisvorstellungen in den Schatten. 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