{"id":8716,"date":"2006-02-09T00:00:00","date_gmt":"2006-02-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20060209-06n"},"modified":"2006-02-09T00:00:00","modified_gmt":"2006-02-08T22:00:00","slug":"holzheizungen-und-feinstaub-auf-den-ofen-kommt-es-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/holzheizungen-und-feinstaub-auf-den-ofen-kommt-es-an\/","title":{"rendered":"Holzheizungen und Feinstaub: Auf den Ofen kommt es an!"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Feinstaub-Diskussion zur St\u00e4dtebelastung hat sich zun\u00e4chst wieder einmal gelegt. F\u00fcr die Kommunen allerdings ist das Partikelproblem weiterhin aktuell und mit allerlei Ma\u00dfnahmen soll gegen die Feinstaubbelastung angegangen werden: So verh\u00e4ngte Stuttgart etwa seit 1. Januar ein Durchfahrverbot f\u00fcr LKW. Weitere Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr private Dieselfahrzeuge sollen folgen. <\/p>\n<p>Ganz frisch auf der Skandalb\u00fchne stellen sich neuerdings private Biomasseheizungen dar. Sie gelten als bisher zu wenig beachtete Quelle f\u00fcr Feinstaubimmissionen.<\/b><\/p>\n<p>Und somit trifft das Feinstaubproblem mitten in die \u00d6ko-Euphorie f\u00fcr Holz- und Pelletheizungen hinein. &#8220;Schade um den Brennstoff Holz, der so \u00fcber die gesamte Breite in die Kritik ger\u00e4t. Eigentlich sind nur die ganz alten Kachel\u00f6fen und die billig zusammengeschwei\u00dften Anlagen problematisch&#8221;, sagt Bernhard Dreher, Energieexperte im <a href=\"http:\/\/www.bmu.de\/\" >Bundesumweltministerium (BMU)<\/a>.<\/p>\n<p>Angespornt durch hohe \u00d6lpreise erreichen Holz\u00f6fen derzeit in Deutschland ungeahnte Absatzmargen. Einer Erhebung des Essener Rheinisch-Westf\u00e4lischen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (RWI) nach heizt bereits jeder f\u00fcnfte Haushalt mit Holz. Grob gesch\u00e4tzt werden in den momentan vorhandenen 40.000 Pelletheizungen \u00fcbers Jahr 200.000 t Holzpresslinge verheizt, Tendenz steil steigend.<\/p>\n<p>Somit geben inzwischen Feinstaubbelastungen aus Holzheizungen einen dankbaren S\u00fcndenbock ab: &#8220;Wenn die Feinstaubemissionen aus dem Schornstein zunehmen, werden wir Holzfeuerungen verbieten&#8221;, t\u00f6nt es aus dem Berliner Umweltsenat.<\/p>\n<p>In Stuttgart wurde das Problem bereits aufgegriffen und man pr\u00fcft im Rahmen des neuen Luftreinhalteplans ein Verbrennungsverbot f\u00fcr Festbrennstoffe. &#8220;Das k\u00f6nnte aber auch so aussehen, dass man Pellet\u00f6fen vom Verbot ausnimmt, weil Pellets sauberer verbrennen als herk\u00f6mmliches Holz. Aber das ist alles noch nicht ausdiskutiert&#8221;, meint J\u00fcrgen Baum\u00fcller vom Umweltamt Stuttgart.<\/p>\n<p>Mit der EU-Feinstaubrichtlinie stecken die L\u00e4nder jetzt im Dilemma. Klimaschutz darf nicht zu Lasten der Luftreinhaltung gehen. Auch in \u00d6sterreich hat die Pelletbranche schon mit Imageproblemen zu k\u00e4mpfen: So machten von Seiten der Heiz\u00f6lwirtschaft geschaltete Anzeigen in Tageszeitungen Holzfeuerungen herunter. <\/p>\n<p> Ein umfangreiches Messprogramm aller f\u00fchrenden Pelletkesselhersteller aus Deutschland und \u00d6sterreich wurde nun in Auftrag gegeben, um zu retten, was zu retten ist. &#8220;Wie gro\u00df das Feinstaubproblem im Vergleich zu anderen Quellen tats\u00e4chlich ist, wurde noch nicht eindeutig untersucht. Da sind wir gerade dran&#8221;, sagt Martin Kaltschmitt vom <a href=\"http:\/\/www.energetik-leipzig.de\/\" >Leipziger Institut f\u00fcr Energetik und Umwelt<\/a>. <\/p>\n<p>Dort werden jetzt im Auftrag des BMU Scheitholz, Pellets und Hackschnitzel gr\u00fcndlich untersucht, was jeweils an Staub emittiert, wie die Verbrennung modifiziert werden kann und wie die Partikel aussehen. Die Studie soll etwa zwei Jahre dauern.<\/p>\n<p>Fakt jedoch ist: Um die 15 mg\/m<sup>3<\/sup> und 20 mg\/m<sup>3<\/sup> Staub liegen die Durchschnittswerte bei den Pelletkesseln &#8211; und damit um den Faktor 10 besser als bei alten Holzheizungen. &#8220;Die besten Pelletheizungen emittieren 5 mg\/m<sup>3<\/sup>  Gesamtstaub&#8221;, sagt Reinhold Priewasser von der Universit\u00e4t Linz. Damit liegen sie dicht bei den Gas- und \u00d6lfeuerungen. &#8220;Bei Pellets f\u00e4llt extrem wenig Asche an. Au\u00dferdem sind sie genormt, das garantiert eine gewisse Qualit\u00e4t&#8221;, meint Hans Hartmann vom bayerischen Technologie- und F\u00f6rderzentrum, TFZ, in Straubing. <\/p>\n<p>Automatisch beschickte Pelletanlagen warten mit den geringsten Staubwerten auf. Die kleineren Oberfl\u00e4chen im Gegensatz zu Holzscheiten sowie die automatisierte Zufuhr machen die Verbrennung st\u00f6rungsfrei.<\/p>\n<p><b>Auf den Ofen kommt es an<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Unsere Pr\u00fcfergebnisse zeigen, dass es nicht hei\u00dfen kann: \u00d6l statt Holz. Sondern: Neue Holzheizungen statt alte Anlagen!&#8221;, stellt Priewasser klar. Auch gibt es erste Anzeichen daf\u00fcr, dass die Partikel nicht die gleiche Wirkung wie Dieselru\u00df haben. &#8220;Wir vermuten, dass die St\u00e4ube aus der Holzverbrennung weniger toxisch sein k\u00f6nnten. Das m\u00fcssen Toxikologen aber noch verifizieren&#8221;, deutet Bernhard Dreher an.<\/p>\n<p>Geforscht wird noch an Ma\u00dfnahmen gegen die t\u00fcckischen Teilchen. Gewebefilter und Elektrofilter sind als Sekund\u00e4rl\u00f6sung durchaus effektiv. Mit Rauchgaskondensation erreicht man sogar Verbesserungen um rund 10%, belegen \u00f6sterreichische Experten.<\/p>\n<p>Der Aufwand muss allerdings finanzierbar bleiben. &#8220;Aufw\u00e4ndige Reinigungstechnik sollte man sich f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Anlagen aufheben. Bei kleinen \u00d6fen helfen auch schon gro\u00dfe Pufferspeicher. Damit kann der Ofeninhalt sauber verbrennen und der schadstofftr\u00e4chtige Gluthaltebetrieb wird kurz gehalten&#8221;, erl\u00e4utert Ute Maier, Kleinfeuerungsanlagenreferentin beim Umweltministerium Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p>Wie es weiter geht? Ob neue Grenzwerte anstehen, Vorschriften f\u00fcr die Anlagenhersteller, bestimmte Emissionswerte zu garantieren oder mehr \u00dcberwachung durch die Schornsteinfeger &#8211; alles reine Prognose. &#8220;Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re, die Kleinfeuerungsverordnung zu novellieren und den Geltungsbereich der technischen Anforderungen nach unten zu \u00f6ffnen, um die kritischen Kleinanlagen nicht im verordnungsleeren Raum zu lassen&#8221;, w\u00fcnscht sich Ute Maier.<\/p>\n<p>Fest steht, das BMU ist hier gefordert: Minderung von Feinstaub und gleichzeitige F\u00f6rderung erneuerbarer Energien. Schlie\u00dflich werden Holzheiz-Systeme wegen ihrer Klimaneutralit\u00e4t mit nicht unerheblichen Zusch\u00fcssen subventioniert.<\/p>\n<p>Bis dahin gilt der Wahlspruch von Joachim Fischer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer beim <a href=\"http:\/\/www.depv.de\/\" >Deutschen Pelletverband<\/a>: &#8220;Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass Heizungen in unterschiedlicher Qualit\u00e4t angeboten werden, da sollte man nichts \u00fcber einen Kamm scheren. Ich als Verbraucher kann immerhin auf niedrige Emissionswerte achten.&#8221;<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/feinstaubemission-aus-pelletfeuerungen-depv-ruft-zu-sachlicher-diskussion-auf\/\" >2005-08-11<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Feinstaub-Diskussion zur St&auml;dtebelastung hat sich zun&auml;chst wieder einmal gelegt. 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