{"id":86911,"date":"2021-04-08T07:40:30","date_gmt":"2021-04-08T05:40:30","guid":{"rendered":"https:\/\/news.bio-based.eu\/?p=86911"},"modified":"2021-09-09T21:06:51","modified_gmt":"2021-09-09T19:06:51","slug":"140-000-quadratkilometer-solarzellen-fur-co2-freien-flugverkehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/140-000-quadratkilometer-solarzellen-fur-co2-freien-flugverkehr\/","title":{"rendered":"140.000 Quadratkilometer Solarzellen f\u00fcr CO2-freien Flugverkehr im Jahr 2050"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Flugverkehr ist ein zunehmendes Problem f\u00fcr das Klima \u2013 mit 680 Prozent Wachstum von 1960 bis 2018, aktuell 3 Prozent der globalen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und sch\u00e4dlichen zus\u00e4tzlichen Effekten durch die Kondensstreifen. Wie man zumindest den CO<sub>2<\/sub>-Austo\u00df bis 2050 auf Null bringen k\u00f6nnte, beschreibt jetzt f\u00fcr den Passagier-Bereich als weitaus gr\u00f6\u00dften Teil des Flugverkehrs eine Studie unter Mitwirkung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change). Das Forschungsteam setzt auf eine linear auf 100 Prozent steigende gesetzliche Einspeisequote f\u00fcr synthetische Treibstoffe. Diese wird kombiniert mit einer CO<sub>2<\/sub>-Bepreisung, die auch die Effekte der Kondensstreifen ber\u00fccksichtigt und im Ergebnis sukzessive von 100 auf 800 Euro je Tonne CO<sub>2<\/sub> steigt. Die Studie wurde jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Environmental Research Letters ver\u00f6ffentlicht.<\/strong><\/p>\n<p>Derzeit wird der Flugverkehr kaum klimapolitisch reguliert: der nationale meist gar nicht, der innereurop\u00e4ische nur durch den niedrigen CO<sub>2<\/sub>-Preis im EU-Emissionshandel und der interkontinentale durch ein zahmes Ma\u00dfnahmenpaket unter der Regie der Zivilluftfahrtorganisation ICAO. Nach deren Hochrechnung steigt der j\u00e4hrliche weltweite CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df durch Passagierfl\u00fcge, sofern 2022 die Corona-Krise \u00fcberwunden ist, bis 2050 auf rund 1800 Millionen Tonnen \u2013 das ist zweieinhalbmal so viel wie noch 2018. \u201eIn unserem Szenario dagegen wird der Antrieb auf nicht-biogene, strombasierte Treibstoffe umgestellt\u201c, erkl\u00e4rt Felix Creutzig, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport und Co-Autor der Studie. \u201eBei rund 150 Prozent h\u00f6heren Treibstoff- und knapp 40 Prozent h\u00f6heren Gesamtkosten w\u00fcrde dann im Jahr 2050 trotzdem noch deutlich mehr geflogen als 2018. Allerdings: Bis dahin m\u00fcsste die Branche gewaltige Investitionen f\u00fcr Treibstoffproduktion und Energieversorgung auf den Weg bringen.\u201c<\/p>\n<p>Wie gro\u00df dieser Investitionsbedarf ist, sch\u00e4tzt das Forschungsteam mit Hilfe eines Rechenmodells ab, und zwar f\u00fcr unterschiedliche Varianten des Nachfrage-Verhaltens. Als recht realistisch sieht es zum Beispiel eine Preiselastizit\u00e4t von 1 an (10 Prozent Preiserh\u00f6hung dr\u00fccken f\u00fcr sich genommen, andere Einfl\u00fcsse ausgeblendet, die Nachfrage um 10 Prozent). Dann k\u00e4me die globale Luftfahrt im Jahr 2050 auf 15,9 Billionen Passagierkilometer \u2013 das w\u00e4re etwa halb so viel wie im Business-as-usual-Szenario, aber doppelt so viel wie noch im Jahr 2018. Der Atmosph\u00e4re w\u00fcrden dann im Zeitraum 2022 bis 2050 insgesamt Emissionen von 26,5 Gigatonnen CO<sub>2<\/sub> erspart. Der Effekt w\u00e4re geringer, wenn die Politik lediglich auf die Einspeisequote und nicht erg\u00e4nzend auf die CO<sub>2<\/sub>-Bepreisung setzt; und sie w\u00e4re gr\u00f6\u00dfer, wenn die Corona-Delle erst sp\u00e4ter als 2022 \u00fcberwunden w\u00fcrde. F\u00fcr die 15,9 Billionen Passagierkilometer in der von der Studie fokussierten Variante w\u00fcrden rund 320 Millionen Tonnen synthetische Treibstoffe ben\u00f6tigt. Die derzeit kosteng\u00fcnstigste und platzsparendste M\u00f6glichkeit, den daf\u00fcr n\u00f6tigen Strom CO<sub>2<\/sub>-frei zu produzieren, w\u00e4ren Solarkraftwerke. Platzbedarf nach aktueller Technik: rund 140.000 Quadratkilometer, das entspricht rund 40 Prozent der Fl\u00e4che von Deutschland.<\/p>\n<p>Die Standorte f\u00fcr die Solarzellen und damit auch f\u00fcr die Produktion des k\u00fcnftigen Flugzeug-Sprits k\u00f6nnten laut der Studie am besten in W\u00fcstenregionen liegen. \u201eDas wirft nat\u00fcrlich Fragen nach einem sicheren Transport auf, und \u00fcberhaupt nach den sozialen und politischen Folgen solcher Gro\u00dfinvestitionen\u201c, betont Stefan G\u00f6ssling, Professor an der Universit\u00e4t Kalmar in Schweden und Leitautor der Studie. \u201eAber f\u00fcr CO<sub>2<\/sub>-freien Flugverkehr im Jahr 2050 muss man jetzt damit beginnen, die Produktion synthetischer Treibstoffe in gro\u00dfem Stil zu starten und sukzessive hochzufahren. Deshalb ist die Corona-Krise ein Zeitfenster zum Umsteuern \u2013 hin auf einen moderateren, aber einigerma\u00dfen nachhaltigen Wachstumspfad.\u201c<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><br \/>\nG\u00f6ssling, S., Humpe, A., Fichert, F., Creutzig, F., 2021, COVID-19 and pathways to low-carbon air transport until 2050, Environmental Research Letters<br \/>\n<a href=\"http:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/abe90b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/abe90b<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Studie zeigt die enormen Herausforderungen der Umstellung auf synthetische Treibstoffe und den Handlungsdruck f\u00fcr die Politik. Corona-Krise als Chance zum Umsteuern<\/p>\n","protected":false},"author":58,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5571],"tags":[13202],"supplier":[14694],"class_list":["post-86911","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-co2-based","tag-aviation","supplier-mercator-research-institute-on-global-commons-and-climate-change-mcc"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/58"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86911"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86911\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86911"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=86911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}