{"id":8676,"date":"2005-12-09T00:00:00","date_gmt":"2005-12-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20051209-02n"},"modified":"2005-12-09T00:00:00","modified_gmt":"2005-12-08T22:00:00","slug":"tomaten-wachsen-mit-sonne-und-bioenergie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/tomaten-wachsen-mit-sonne-und-bioenergie\/","title":{"rendered":"Tomaten wachsen mit Sonne und Bioenergie"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Biokraft Hennstedt GmbH liefert neben der Biogas-Abw\u00e4rme zus\u00e4tzlich W\u00e4rme aus einem Holzkessel und CO<sub>2<\/sub> an eine G\u00e4rtnerei; der Holzkessel treibt zudem einen ORC-Prozess zur Stromerzeugung an.<\/b><\/p>\n<p><center><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20051209-02\/Grafik_Gewaechs_rgb_291105.jpg\" align=\"center\" BORDER=\"0\" ALT=\"Grafik\"\/><\/center><br style=\"clear:left;\"\/><b><i>Unterglas-Gartenbau und Biogasanlagen, die sich in r\u00e4umlicher N\u00e4he zueinander befinden, k\u00f6nnen hervorragend voneinander profitieren: Der Betreiber der Biogasanlage findet einen K\u00e4ufer f\u00fcr die Abw\u00e4rme aus der Anlage und der G\u00e4rtner kann diese W\u00e4rme zu einem g\u00fcnstigen Preis beziehen.<\/i><\/b><\/p>\n<p>Der W\u00e4rmebedarf eines Gew\u00e4chshauses wird in der Regel aus fossilen Quellen gedeckt. Nicht so in Hennstedt in Dithmarschen: Hier sollen die Tomaten eines Gem\u00fcseanbaubetriebes ab Dezember 2005 mit W\u00e4rme und Kohlendioxid aus Biomasse wachsen. Eine neuartige Kombination aus einer Biogasanlage mit nachgeschaltetem Blockheizkraftwerk und einem Holzheizkraftwerk mit innovativer Organic-Rankine-Cycle(ORC)-Technik macht\u2019s m\u00f6glich. Gef\u00f6rdert wird das Projekt vom Bundeslandwirtschaftsministerium, der EU und dem Land Schleswig-Holstein.<\/p>\n<p>&#8220;Schon 2000 hatten wir erstmals die Idee zum gemeinsamen Betrieb einer Biogasanlage&#8221;, berichtet Klaus Hinrichs, Landwirt und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Biokraft Hennstedt GmbH. Auf seinem Hof im so genannten Milchg\u00fcrtel Dithmarschens f\u00e4llt, genau wie bei seinen Nachbarn, jedes Jahr tonnenweise G\u00fclle aus der Milchviehhaltung an. Daraus l\u00e4sst sich in einer Biogasanlage mit nachgeschaltetem Blockheizkraftwerk (BHKW) W\u00e4rme und Strom erzeugen. Der Strom kann in das \u00f6ffentliche Netz eingespeist und zu im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Tarifen verg\u00fctet werden.<\/p>\n<p>Mehr als 2.500 Biogasanlagen mit rund 450 MW installierter Leistung gibt es bereits in Deutschland, die inzwischen l\u00e4ngst Stand der Technik sind. Die Anlagen haben in der Regel einen Gesamt-Wirkungsgrad von 90%; etwa 35% der eingesetzten Energie wird in Strom und 55% in W\u00e4rme umgewandelt. Mit der EEG-Verg\u00fctung rechnen sich schon Anlagen, die nur den produzierten Strom einspeisen, ohne die W\u00e4rme abzusetzen. Wirtschaftlicher ist es aber, wenn der Betreiber auch einen Abnehmer f\u00fcr die W\u00e4rme findet.<\/p>\n<p>Die Hennstedter Bauern suchten eine Weile vergeblich danach, bis sie schlie\u00dflich einen idealen Partner fanden: Ein Gl\u00fcckst\u00e4dter Gem\u00fcseanbaubetrieb zeigte nicht nur Interesse, sondern meldete sogar einen noch gr\u00f6\u00dferen W\u00e4rmebedarf f\u00fcr ein geplantes 6-Hektar-Gew\u00e4chshaus an. Die G\u00e4rtnerei sicherte vertraglich zu, das Gew\u00e4chshaus dann in unmittelbarer Nachbarschaft zu bauen, wenn die Energieversorgung realisiert wird. <\/p>\n<p>Die Landwirte der Biokraft Hennstedt GmbH erweiterten daraufhin ihre Planungen um einen Holzkessel. Dieser soll neben der zus\u00e4tzlichen W\u00e4rme auch Strom \u00fcber einen sogenannten Organic-Rankine-Cycle-Prozess produzieren: Eine Dampfturbine arbeitet als W\u00e4rmetr\u00e4ger mit Silikon\u00f6l; das bereits bei niedrigeren Temperaturen und Dr\u00fccken Energie \u00fcbertragen kann als Wasser. <\/p>\n<p>Als drittes Element ist die Auskopplung von Kohlendioxid aus den BHKW-Abgasen vorgesehen. Dieses soll als &#8220;Pflanzennahrung&#8221; in das Gew\u00e4chshaus eingeleitet werden, denn im modernen Gem\u00fcseanbau wird mit einem gesteigerten CO<sub>2<\/sub>-Druck das Wachstum der Pflanzen beschleunigt. Es handelt sich somit um einen, zumindest idealtypisch, geschlossenen CO<sub>2<\/sub>-Kreislauf: Bei der Verbrennung des Biogases wird soviel CO<sub>2<\/sub> frei, wie das Gr\u00fcnfutter f\u00fcr die g\u00fclleproduzierenden K\u00fche beim Wachstum vorher eingebunden hat. Dieses CO<sub>2<\/sub> nehmen die Gew\u00e4chshaus-Tomaten auf. Der Mensch, der die Tomaten isst, veratmet schlie\u00dflich das CO<sub>2<\/sub> in die Atmosph\u00e4re, womit wieder neue Gr\u00fcnpflanzen wachsen k\u00f6nnen und der Prozess von vorne beginnt.<\/p>\n<p>Somit sind nun alle Voraussetzungen gegeben, dass die Hennstedter Tomaten mit der Kraft der Sonne und der W\u00e4rme und dem Kohlendioxid aus Biomasse wachsen k\u00f6nnen, und das sogar zu g\u00fcnstigeren Preisen, als bei einer Versorgung mit fossilen Energietr\u00e4gern. Dies liegt zum einen an den gestiegenen Heiz\u00f6l- und Erdgaspreisen, zum anderen an den g\u00fcnstigen Rohstoffen: <\/p>\n<p>Neben Waldrestholz wird in dem Holzkessel das in Dithmarschen reichlich vorhandene Holz aus der Pflege der landestypischen Knicks eingesetzt. Knicks sind Wallhecken, die in Nordwest-Deutschland als Begrenzung und Windschutz zwischen den Feldern dienen. Die Biogasanlage bef\u00fcllen die ortsans\u00e4ssigen Bauern neben der G\u00fclle auch mit Mais- und Grassilage. Insgesamt werden pro Jahr gut 115.000 Tonnen Ausgangsstoffe ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Rohstoffversorgung ist dezentral gesichert, sondern auch die Finanzierung wurde vor Ort auf die Beine gestellt. Rund 90 Anleger beteiligten sich mit insgesamt 1,5 Millionen Euro Eigenkapital an der 13,2 Millionen Euro-Investition. &#8220;Dabei sind neben den Landwirten, die die Rohstoffe anliefern, auch B\u00fcrger aus der Region, die das Projekt unterst\u00fctzen wollen&#8221;, freut sich Hinrichs. <\/p>\n<p>Gr\u00fcnde daf\u00fcr gebe es viele, meint er: &#8220;Die Bioenergie st\u00e4rkt unsere strukturschwache Region, bringt den Landwirten ein zus\u00e4tzliches Einkommen und unterst\u00fctzt die Nutzung einheimischer Energietr\u00e4ger.&#8221; Dies sowie die Punkte Klimaschutz und nicht zuletzt die F\u00f6rderung des Unterglas-Gem\u00fcseanbaus hierzulande haben auch das Land Schleswig-Holstein \u00fcberzeugt, das das Projekt bezuschusst. <\/p>\n<p>Weitere F\u00f6rdermittel kamen von der EU und dem Bundeslandwirtschaftsministerium, das rund eine Million Euro \u00fcber seinen Projekttr\u00e4ger, die <a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/\" >Fachagentur nachwachsende Rohstoffe (FNR)<\/a> bereitstellte. &#8220;F\u00fcr uns war vor allem die Evaluation einer neuen Technik und der komplexe Ansatz der entscheidende Aspekt. Mit einem derartigen Projekt werden M\u00f6glichkeiten der zus\u00e4tzlichen Wertsch\u00f6pfung im l\u00e4ndlichen Raum aufgezeigt,&#8221; erkl\u00e4rt Dr. Andreas Sch\u00fctte, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der FNR.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Biokraft Hennstedt GmbH liefert neben der Biogas-Abw&auml;rme zus&auml;tzlich W&auml;rme aus einem Holzkessel und CO<sub>2<\/sub> an eine G&auml;rtnerei; der Holzkessel treibt zudem einen ORC-Prozess zur<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-8676","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8676","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8676"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8676\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8676"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=8676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}