{"id":86459,"date":"2021-03-19T07:32:26","date_gmt":"2021-03-19T06:32:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=86459"},"modified":"2021-03-16T14:04:18","modified_gmt":"2021-03-16T13:04:18","slug":"nichts-fuer-die-tonne-hofer-wissenschaftler-erforschen-umweltfreundliche-kunststoffprodukte-aus-bioabfaellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nichts-fuer-die-tonne-hofer-wissenschaftler-erforschen-umweltfreundliche-kunststoffprodukte-aus-bioabfaellen\/","title":{"rendered":"Nichts f\u00fcr die Tonne \u2013 Hofer Wissenschaftler erforschen umweltfreundliche Kunststoffprodukte aus Bioabf\u00e4llen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_86461\" aria-describedby=\"caption-attachment-86461\" style=\"width: 170px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86461 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/csm_Bild_Presseartikel_EISBiR_8581dc6928.jpg\" alt=\"csm_Bild_Presseartikel_EISBiR_8581dc6928\" width=\"170\" height=\"200\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-86461\" class=\"wp-caption-text\">Bio- Reststoffe als nat\u00fcrliche Bestandteile von Biokunststoffen; Quelle: Hochschule Hof<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Gibt es im Supermarkt bald Verpackungen mit Bioabf\u00e4llen aus lokalen Mostereien oder Landwirtschaftsfolien mit Kaffeesatz? Gut m\u00f6glich! Am Institut f\u00fcr angewandte Biopolymerforschung der Hochschule Hof (ibp) unter Leitung von <a href=\"https:\/\/www.hof-university.de\/ueber-uns\/personen\/professoren\/prof-dr-michael-nase.html\" target=\"_blank\">Prof. Dr. Michael Nase<\/a> m\u00f6chte eine Nachwuchsforschergruppe den Einfluss nat\u00fcrlicher Strahlung und biogener Reststoffe auf die Eigenschaften und Struktur von Biopolymeren erforschen. Damit k\u00f6nnten diese Biokunststoffe in Zukunft entsprechend der nationalen Bio\u00f6konomiestrategie f\u00fcr eine nachhaltige Produktwirtschaft interessant werden. Unter anderem sollen Bioabf\u00e4lle aus der Lebensmittelindustrie und Forstwirtschaft in die Biokunststoffmischungen eingesetzt und so einer nat\u00fcrlichen Wiederverwendung zugef\u00fchrt werden. Das Projekt wird zun\u00e4chst f\u00fcr 3 Jahre vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) gef\u00f6rdert und bei einer erfolgreichen Evaluation um zwei weitere Jahre verl\u00e4ngert. Die m\u00f6gliche Gesamtf\u00f6rdersumme bel\u00e4uft sich auf ca. 2 Mio. EUR.<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang steht eine ern\u00fcchternde Zahl: Lediglich 0,4% der weltweiten Kunststoffprodukte bestehen aus Biokunststoffen, d.h. Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Der Grund hierf\u00fcr liegt in der noch teilweise komplexen Produktion, den gering-verf\u00fcgbaren Mengen und dadurch vergleichsweise h\u00f6heren Preisen. Zudem verhindern derzeit auch die technischen Eigenschaften der Biopolymere ihren fl\u00e4chendeckenden Einsatz in der Industrie. Das nachhaltig zu \u00e4ndern, hat sich nun eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Nachwuchsforschergruppe um den Forschungsgruppenleiter Dr. Mirko Rennert vorgenommen.<\/p>\n<h3>Kernfrage der Bio\u00f6konomie<\/h3>\n<p>Ab M\u00e4rz 2021 beginnt unter dem Namen \u201e<a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/index.php?id=11150&amp;fkz=2219NR348\" target=\"_blank\">EISBiR<\/a>\u201c (\u201eEinfluss von ionisierender Strahlung auf die Eigenschaften und Verarbeitung von Biokunststoffen sowie biogener Roh- und Reststoffen als funktionale F\u00fcll- und Verst\u00e4rkerstoffe\u201c) ein Projekt, das auf seinem Feld echte Grundlagenforschung betreiben m\u00f6chte: \u201eDie Nutzung biogener Ressourcen anstelle fossiler Rohstoffe zur Herstellung stabiler Biokunststoffprodukte ist eine zentrale Herausforderung der Bio\u00f6konomie. Wir m\u00f6chten die Eigenschaften der nachwachsenden Rohstoffe so ver\u00e4ndern, dass auf unn\u00f6tige Chemikalien verzichtet werden kann und Produkte, unabh\u00e4ngig Ihrer Lebensdauer wieder einer Kreislaufwirtschaft zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Daf\u00fcr nehmen wir uns nat\u00fcrliche Vorbilder, wie die Schalen von Obst und Gem\u00fcse, die mit nur wenigen Inhaltsstoffen effektive Wirkungen und Produktschutz erm\u00f6glichen\u201c, so Dr. Mirko Rennert.<\/p>\n<h3>Struktur\u00e4nderung durch Bestrahlung<\/h3>\n<p>Dabei setzt man auf zwei unterschiedliche Wege: Die Wissenschaftler m\u00f6chten einerseits den bereits vielf\u00e4ltig genutzten Einfluss von ionisierender Strahlung untersuchen, um so die innere Struktur der Biokunststoffe zu ver\u00e4ndern: \u201eIonisierende Strahlung kann gezielt auf die innere Vernetzung oder Abbau der Kunststoffketten wirken. Diese Vernetzung entscheidet zum Beispiel dar\u00fcber, wie biegsam oder wie hart ein Kunststoff ist. Wir m\u00f6chten im Rahmen umfangreicher Versuchsreihen herausfinden, wie stark diese Eigenschaften durch Bestrahlung modifizierbar sind, um sie f\u00fcr technische Anwendungen nutzen zu k\u00f6nnen. Auch UV-Licht geh\u00f6rt dazu und wird untersucht, damit Anwendungen im Freien durch Sonneneinstrahlung nicht vorzeitig versagen\u201c, erg\u00e4nzt der stellvertretende Forschergruppenleiter David Krieg.<\/p>\n<h3>Leichtere Skalierbarkeit<\/h3>\n<p>Der Vorteil einer solchen Technik l\u00e4ge auf der Hand: Die Eigenschaften eines Biokunststoffes aus demselben Rohstoff k\u00f6nnten gezielt f\u00fcr verschiedene Anwendungen eingestellt werden. Dadurch lie\u00dfe sich der Einsatz unn\u00f6tiger F\u00fcllstoffe verhindern und die Biokunststoffe k\u00f6nnten einer nat\u00fcrlichen Wiederverwendung im Sinne der Kreislaufwirtschaft zugef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h3>Bioabfall als F\u00fcllstoff<\/h3>\n<p>Ein zweiter Schwerpunkt des beginnenden Forschungsvorhabens ist die Untersuchung biogener Reststoffe als nat\u00fcrliche Additive: \u201eZiel ist es die \u00c4nderung der Eigenschaften auch durch eine pflanzenbasierte Erg\u00e4nzung der Biokunststoffe zu erreichen. Die Inhaltsstoffe aus Rindenmulch stellen nicht nur eine guten Winterschutz f\u00fcr B\u00f6den dar, sondern k\u00f6nnen auch die Lebensdauer von Biokunststoffen verl\u00e4ngern, so wie die Rinde den Baum vor Witterung sch\u00fctzt.\u201c, sagt Dr. Mirko Rennert. Der biologische Kreislauf w\u00e4re damit geschlossen und auch hier erg\u00e4ben sich positive Effekte f\u00fcr den Preis der umweltfreundlichen Biokunststoffe: \u201eBiologische Reststoffe fallen als g\u00fcnstiger Abfallstoff an oder m\u00fcssen sogar kostenpflichtig entsorgt werden. Diese sinnvoll Biokunstoffen zuzuf\u00fcgen, k\u00f6nnte den Preis der aktuell noch teuren Biopolymere reduzieren und einen Einsatz in der Industrie attraktiver machen\u201c.<\/p>\n<p>Das Projekt \u201eEISBiR\u201c findet unter der Tr\u00e4gerschaft der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) statt und soll zun\u00e4chst bis Ende Februar 2024 laufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es im Supermarkt bald Verpackungen mit Bioabf\u00e4llen aus lokalen Mostereien oder Landwirtschaftsfolien mit Kaffeesatz? Gut m\u00f6glich! 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