{"id":86416,"date":"2021-03-18T07:26:26","date_gmt":"2021-03-18T06:26:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=86416"},"modified":"2021-03-15T14:17:13","modified_gmt":"2021-03-15T13:17:13","slug":"pflanzliche-proteine-feiern-comeback-in-der-chemieindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/pflanzliche-proteine-feiern-comeback-in-der-chemieindustrie\/","title":{"rendered":"Pflanzliche Proteine feiern Comeback in der Chemieindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Der Boom der Erd\u00f6lchemie bedeutete das Aus f\u00fcr Bioproteine in der Industrie. Doch in einem Projekt konnten nun mehrere vielversprechende Produkte hergestellt werden, von abbaubaren Folien bis hin zu nachhaltigen Bindemitteln. Kehren die pflanzlichen Alternativen jetzt in gro\u00dfem Ma\u00dfstab zur\u00fcck?<\/p>\n<p>Proteine geh\u00f6ren wie Cellulose, Lignin und Fette zu den nachwachsenden Rohstoffen. Obwohl sie in der Vergangenheit bereits als Bindemittel oder Leim in der Chemieindustrie Anwendung fanden, wird ihr Potenzial heute kaum genutzt.<\/p>\n<p>Das wollen 18 Partner im <a href=\"https:\/\/tefuprot.de\/\" target=\"_blank\">Projekt \u201eTeFuProt\u201c<\/a> (kurz f\u00fcr \u201etechnofunktionelle Proteine\u201c) nun \u00e4ndern. Ziel ist es, aus landwirtschaftlichen Reststoffen Proteine f\u00fcr die industrielle Anwendung zu gewinnen und so der Verknappung und langfristigen Verteuerung fossiler Rohstoffe entgegenzuwirken. Langfristig sollen nachwachsende Rohstoffe das Erd\u00f6l dann komplett ersetzen.<\/p>\n<p>Proteinquelle Raps<br \/>\nBeim Verarbeiten von pflanzlichen Agrarrohstoffen wie Raps fallen gro\u00dfe Mengen Proteine an. Sie sind ein Nebenprodukt der Raps\u00f6lgewinnung, bei der \u00d6l aus dem Korn gepresst wird. \u00dcbrig bleiben proteinhaltige Produktionsreste, sogenannter Rapsschrot oder Rapspresskuchen.<\/p>\n<p>\u201eDieser R\u00fcckstand wird bislang \u00fcberwiegend als Futtermittel in der Nutztierhaltung eingesetzt\u201c, sagt Andreas Fetzer, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik und Verpackung IVV. \u201eAllerdings gibt es hier wegen der enthaltenen Bitterstoffe Limitierungen.\u201c<\/p>\n<p>Die Proteinfraktionen des Rapspresskuchens bieten aufgrund ihrer funktionellen Eigenschaften wie Schaum-, Gel- und Filmbildungseigenschaften sowie Wasserhaltungsverm\u00f6gen gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr technische Anwendungen. Sie eignen sich etwa als Zusatzstoffe f\u00fcr Farben, Lacke, Klebstoffe, Schmiermittel, Baumaterialien, Reinigungsmittel oder Polymere.<\/p>\n<p>\u201eDie Pflanzenproteine erm\u00f6glichen die Entwicklung neuartiger nachhaltiger, biobasierter Produkte mit verbesserten Eigenschaften\u201c, wei\u00df Fetzer. Zudem verringern sie die Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Ressourcen und treiben eine klimaschonende Produktion voran.<\/p>\n<p>Bindemittel in Farben und Lacken<br \/>\nAufgabe der Forscher am Fraunhofer IVV war es, zu untersuchen, wie sich die Proteine aus dem Rapsschrot und -presskuchen isolieren lassen und entsprechende Verfahren zu entwickeln. Dar\u00fcber hinaus waren sie mit der Modifikation der Eiwei\u00dfe beauftragt sowie mit deren Vorformulierung, um sie den Anwendungspartnern getrocknet in Pulverform oder fl\u00fcssig f\u00fcr Tests zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Bewertet wurden zudem technofunktionelle Eigenschaften wie L\u00f6slichkeit, Schaum- und Emulgierverhalten sowie Filmbildungsverm\u00f6gen. Neben dem Fraunhofer IVV waren die Firmen Animox und Naturstoff-Technik mit der Proteinherstellung und deren Veredelung betraut.<\/p>\n<p>In Tests konnten dabei insbesondere die filmbildenden Eigenschaften \u00fcberzeugen: \u201eTrocknet man in Wasser gel\u00f6ste Proteine, denen ein biobasierter Weichmacher hinzugef\u00fcgt wurde, in einer Petrischale, so entweicht das Wasser und die Proteine vernetzen sich zu einem stabilen Film\u201c, beschreibt Fetzer. Die Proteine eignen sich so prinzipiell als alternatives Bindemittel in Farben und Lacken, Holzlasuren oder Parkettbeschichtungen, die bislang in der Regel erd\u00f6lbasierte Rohstoffe enthalten. \u201eBeispielsweise lie\u00dfen sich so Acrylate durch Proteinpr\u00e4parate ersetzen.\u201c<\/p>\n<p>Hervorzuheben sei zudem die F\u00e4higkeit der Proteine, Farbstoffe sehr gut zu binden beziehungsweise als Barriere zu fungieren. Gerade im Holzbereich zeigte sich so ein Mehrwert der proteinbasierten Beschichtung: Ein \u201eAusbluten\u201c der Farbstoffe aus dem Holz konnte verhindert werden.<\/p>\n<p>Chance zu Sprunginnovationen<br \/>\nFetzer und seinen Kollegen ist es gelungen, vier verschiedene Proteintypen zu gewinnen und entsprechend vier unterschiedliche Prozesse aufzusetzen. \u201eDer Rapspresskuchen wird nachent\u00f6lt, vermahlen und in Wasser eingel\u00f6st\u201c, skizziert der Wissenschaftler. \u201eAnschlie\u00dfend wird das entstandene Gemisch zentrifugiert, um die Fest- und Fl\u00fcssiggemische voneinander zu trennen. Das w\u00e4ssrige Extrakt mit den gel\u00f6sten Proteinen wird im n\u00e4chsten Schritt weiterverarbeitet.\u201c Auf diese Weise gewonnene Proteinisolate weisen dabei einen Proteinanteil von oftmals \u00fcber 90 Prozent auf.<\/p>\n<p>Am Ende der langj\u00e4hrigen Projektarbeit stehen nun eine Reihe vielversprechender Produkte, die teils bereits als Prototyp vorliegen. Bioabbaubare Folien, als Verpackungsmaterial etwa f\u00fcr Waschmittelportionen oder als Pflanzfolien, z\u00e4hlen ebenso dazu wie Faserplatten aus Produktionsresten sowie mit Rapsprotein modifizierte Bindemittel. Flammstabile Isoliersch\u00e4ume f\u00fcr die Bauwirtschaft oder Formschaum f\u00fcr Verpackungen, Faserschutz und Farb\u00fcbertragungsinhibitoren in \u00d6ko-Waschmitteln, Verdickerkomponenten f\u00fcr Schmierstoffe oder Binder f\u00fcr Gleitlacke und Additive in Universalreinigern f\u00fcr Holzoberfl\u00e4chen komplettieren die Liste.<\/p>\n<p>\u201eDie Proteine in die Produkte einzuarbeiten und Eigenschaften mit Mehrwert zu generieren, ist in vielen F\u00e4llen gelungen\u201c, res\u00fcmiert Fetzer. Im n\u00e4chsten Schritt sollen die Pr\u00e4parate optimiert und zur Marktreife gef\u00fchrt werden. Langfristiges Ziel: in gro\u00dfem Ma\u00dfstab petrochemische durch biobasierte Produkte zu ersetzen und eine h\u00f6here Wertsch\u00f6pfung durch die Verwendung pflanzlicher Proteine zu erreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Boom der Erd\u00f6lchemie bedeutete das Aus f\u00fcr Bioproteine in der Industrie. Doch in einem Projekt konnten nun mehrere vielversprechende Produkte hergestellt werden, von abbaubaren Folien bis hin zu nachhaltigen Bindemitteln. Kehren die pflanzlichen Alternativen jetzt in gro\u00dfem Ma\u00dfstab zur\u00fcck? Proteine geh\u00f6ren wie Cellulose, Lignin und Fette zu den nachwachsenden Rohstoffen. 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