{"id":8635,"date":"2005-12-23T00:00:00","date_gmt":"2005-12-22T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20051223-02n"},"modified":"2005-12-23T00:00:00","modified_gmt":"2005-12-22T22:00:00","slug":"die-zukunft-ist-weiss-chemikalien-aus-dem-bioreaktor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-zukunft-ist-weiss-chemikalien-aus-dem-bioreaktor\/","title":{"rendered":"Die Zukunft ist wei\u00df: Chemikalien aus dem Bioreaktor"},"content":{"rendered":"<p><b>Biotechnologie und Life Sciences sind ein seit Jahren stark wachsendes Ausstellungssegment der <a href=\"http:\/\/www.analytica.de\/\" >Analytica<\/a>. Ob Medizin und Pharmazie, ob Umwelt oder Nahrungsmittel \u2013 auch auf der 20. Analytica vom 25. bis 28. April 2006 werden die neuesten Verfahren und L\u00f6sungen f\u00fcr rote und gr\u00fcne Biotechnologie pr\u00e4sentiert. Zunehmend r\u00fcckt jetzt auch die wei\u00dfe Biotechnologie in den Mittelpunkt der Messe. Vor allem in der chemischen Produktion besteht ein wachsender Trend, klassische Synthesen durch biotechnische Verfahren zu ersetzen.<\/b> <\/p>\n<p>Deutschland hat sich neben den USA zum weltweit st\u00e4rksten Standort f\u00fcr biotechnologische Entwicklung und Produktion vorgearbeitet. Die Biotechnologie steht deshalb zusammen mit Labortechnik und Analytik immer st\u00e4rker im Fokus der Analytica \u2013 auch in der 20. Auflage, die die Europ\u00e4ische Leitmesse im April 2006 erf\u00e4hrt. <\/p>\n<p>&#8220;Gerade die gro\u00dfen, weltweit t\u00e4tigen Unternehmen haben die Biotechnologie in Deutschland in den letzten Jahren stark nach vorn gebracht&#8221;, skizziert der Vorsitzende der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), Professor Peter Stadler. <\/p>\n<p>Dies gelte &#8220;besonders f\u00fcr die Bereiche Verfahrensentwicklung, Produktion und Technik unserer Pharma- und Chemiekonzerne&#8221;. Selbst beim &#8220;Sorgenkind&#8221; der Branche, der Pflanzenbiotechnologie, k\u00f6nne sich Deutschland noch immer auf eine ausgezeichnete wissenschaftliche Basis st\u00fctzen. <\/p>\n<p>Auf 50 Milliarden Euro sch\u00e4tzen Experten den Wert biotechnologisch hergestellter Produkte der chemischen Industrie weltweit. Zwar pr\u00e4gt die &#8220;rote&#8221; Biotechnologie, also die medizinischen und pharmazeutischen Anwendungen, zusammen mit der &#8220;gr\u00fcnen&#8221; Gentechnik das Bild dieser Anwendungen in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 doch die &#8220;wei\u00dfe&#8221; Biotechnik hat das Potenzial, Europa und insbesondere Deutschland die technologische und \u00f6konomische F\u00fchrerschaft in der chemischen Industrie zu sichern. <\/p>\n<p>&#8220;Wei\u00df&#8221; sind alte und neue Produkte der chemischen Industrie, bei deren Herstellung zunehmend biotechnologische Verfahren zumindest in Teilschritten die &#8220;klassische&#8221; Synthese ersetzen. Als &#8220;wei\u00dfe Biotechnologie&#8221; definiert man die Nutzung biologischer Mittel und Verfahren f\u00fcr die Optimierung industrieller Prozesse. Dabei wird zwischen Biotransformation, also enzym- und zellkatalysierten Umsetzungen, und fermentativer Herstellung unterschieden. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Produkte bei der Biotransformation in ein- oder wenigstufigen Prozessen entstehen, werden bei fermentativen Verfahren ganze Stoffwechselwege genutzt. <\/p>\n<p><b>BASF, Degussa, Henkel, \u2013 die Chemieindustrie nutzt wei\u00dfe Biotechnik<\/b> <\/p>\n<p>Ein Paradebeispiel f\u00fcr die Nutzung des Potenzials der wei\u00dfen Biotechnologie gibt Degussa: Das D\u00fcsseldorfer Spezialchemieunternehmen hat schon in den achtziger Jahren Verfahren zur Herstellung von Aminos\u00e4uren f\u00fcr Futtermittel entwickelt \u2013 heute ein Milliardenmarkt. Auch Henkel arbeitet an vorderster Front mit bei verbesserten Enzymsystemen, fest etabliert sind biotechnische Verfahren auch bei der BASF zur Produktion von Vitaminen und Feinchemikalien. <\/p>\n<p>Die Anwendungen sind vielf\u00e4ltig. Die Forschung kennt heute mehr als 3.000 Enzyme, rund 150 davon werden schon kommerziell genutzt. Die wei\u00dfe Biotechnologie gewinnt auch f\u00fcr neue, meist umweltfreundlichere Verfahren und Produkte in anderen Industriezweigen an Bedeutung, so in der Lebensmittel-, Textil-, Kosmetik- und Papierindustrie. <\/p>\n<p>Noch liegt der Anteil von Chemieprodukten, die biotechnologisch hergestellt werden, bei f\u00fcnf Prozent. Jedoch wird bis zum Jahr 2010 mit einer Erh\u00f6hung auf zehn bis zwanzig Prozent gerechnet mit immer weiter steigender Tendenz (Siehe McKinsey-Studie <b>&#8220;Beitrag der Biotechnologie zur chemischen Industrie&#8221;<\/b>, 2004). In f\u00fcnf Jahren k\u00f6nnte die wei\u00dfe Biotechnik an bis zu 60 Prozent aller Chemieprodukte in irgendeiner Form beteiligt sein. <\/p>\n<p>Die Chancen der wei\u00dfen Biotechnologie liegen vor allem in der Einsparung von Syntheseschritten, im geringeren Rohstoffverbrauch, in der h\u00f6heren Energieeffizienz, in verminderten Emissionen und letzten Endes einer Reduktion der Produktionskosten. Das Vitamin B2 (Riboflavin) beispielsweise wurde bis 1990 in einer komplexen, mehrstufigen Synthese hergestellt. <\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gelang es Forschern und Entwicklern der BASF, eine einstufige Fermentation auf der Basis von Soja\u00f6l zu etablieren, die gegen\u00fcber dem alten, petrochemischen Verfahren gro\u00dfe Vorteile aufwies: Die Abf\u00e4lle gingen um 95 Prozent zur\u00fcck, die CO2-Emission um 30 Prozent und der Ressourcenverbrauch um 60 Prozent. Die Kosten f\u00fcr die Vitamin-B2-Herstellung sanken so um 40 Prozent. <\/p>\n<p><b>Die St\u00e4rke der Zukunft \u2013 aus transgenen Kartoffeln?<\/b> <\/p>\n<p>Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 650.000 Tonnen St\u00e4rke f\u00fcr technische Zwecke verarbeitet, beispielsweise in der Papier-, Textil- und Klebstoffindustrie. Kartoffelst\u00e4rke besteht aus einem Gemisch von Amylose und Amylopektin. In der Ern\u00e4hrung sind beide St\u00e4rkebestandteile gleichwertig, f\u00fcr industrielle Anwendungen wird in der Regel nur eine Komponente ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p> Die Trennung der beiden Komponenten ist aufw\u00e4ndig und umweltbelastend, deshalb suchen Z\u00fcchter wie Gentechniker nach Kartoffeln, die nur jeweils einen Bestandteil bilden. Bei BASF Plant Science haben die Gentechniker zwei solche Kartoffeltypen entwickelt. Bei diesen Knollen wurde das Gen, das f\u00fcr die Bildung von Amylose oder Amylopektin verantwortlich ist, abgeschaltet und so die Bildung eines St\u00e4rkebestandteils blockiert. <\/p>\n<p>Die wei\u00dfe Biotechnik ist, wie das Beispiel Kartoffel an der Grenze zwischen &#8220;gr\u00fcn&#8221; und &#8220;wei\u00df&#8221; zeigt, stark branchen\u00fcbergreifend. Ihre Bedeutung sowohl f\u00fcr die Chemische Industrie als auch f\u00fcr die Lebensmittel-, Kosmetik-, Textil-, und Papierindustrie nimmt zu. <\/p>\n<p>Neue Werkzeuge wie Screening-Methoden, Metabolic Engineering, globale Analysemethoden wie Genomics, Proteomics oder Metabolomics sowie die Werkzeuge der Bioinformatik sind oder werden immer besser verf\u00fcgbar. <\/p>\n<p>Die Analytica mit der Analytica Conference ist die Plattform, auf der sich Forschung und industrielle Anwendung aus diesen unterschiedlichen Branchen und Fachgebieten treffen. Dar\u00fcber hinaus ist die Analytica auch der Treffpunkt, auf der die Situation und die wirtschaftlichen Parameter insbesondere der jungen Biotech-Unternehmen und Start-ups beleuchtet und in ein breites \u00f6ffentliches Rampenlicht gestellt werden. <\/p>\n<p><b>Finanzierungsituation weiterhin angespannt<\/b> <\/p>\n<p>Trotz aller Erfolg versprechender Perspektiven \u2013 noch ist die &#8220;rote&#8221; Biotechnik vorherrschend, was die Zahl der Firmen und den Umsatz betrifft. Geld wird im Pharmasektor verdient. Weit geringer ist die Anzahl der &#8220;gr\u00fcnen&#8221; Biotech-Unternehmen mit Zielen wie gentechnischem Pflanzenschutz, verbesserten Agrarmethoden, neuen Lebensmitteln, nachwachsende Rohstoffe und Medikamenten aus transgenen Pflanzen. <\/p>\n<p>Von 350 deutschen Biotech-Unternehmen, die die Unternehmensberatung Ernst &#038; Young in &#8220;Biotechnologie-Report&#8221; mit &#8220;Kommerzialisierung der modernen Biotechnologie&#8221; als Hauptgesch\u00e4ftszweck listet, bet\u00e4tigen 92 sich Prozent auf dem Pharmasektor, jeweils 13 Prozent mit Pflanzen oder dem Umweltschutz. <\/p>\n<p>Zwar befindet sich die deutsche Biotech-Branche nach Jahren einer \u00fcberaus st\u00fcrmischen Entwicklung, bei der auf einer Woge von Risikokapital viele Start-ups hervorgebracht wurden, immer noch in einer Konsolidierungsphase. Aber die Zeichen deuten das Ende der Talsohle an: Laut Ernst &#038; Young steigen die Ums\u00e4tze wieder, die Verluste gehen weiter zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Die deutsche Biotech-Branche stabilisiert sich, wobei jedoch der aktuelle Kapitalbedarf gerade kleiner und privater Unternehmen bei weitem nicht durch das zur Verf\u00fcgung gestellte Venture Capital gedeckt werden kann. Die wei\u00dfe Biotechnik ist hiervon weniger betroffen. <\/p>\n<p>F\u00fcr Klaus Dittrich, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Messe M\u00fcnchen International und Chef der Analytica bietet der Ausstellungsschwerpunkt Biotechnologie und Life Sciences ein spannendes Innovationsfeld im Rahmen der Analytica 2006: &#8221; Hier erwarte ich trotz der immer noch angespannten wirtschaftlichen Situation dieser jungen Branche gro\u00dfe Impulse. Die Verzahnung von personalisierter Diagnostik \u2013 d.h. der Identifikation von Genen, die die genetisch bedingte, individuell unterschiedliche Wirksamkeit von Pharmazeutika verursachen \u2013und Therapie er\u00f6ffnet neue Dimensionen bei der Erkennung und Behandlung von Krankheiten, insbesondere in der Behandlung von Tumorerkrankungen. <\/p>\n<p>Ich denke an Mini-Gentest-Labors f\u00fcr die Notfallmedizin, die Online-Diagnostik, um die Interaktionsprozesse von lebenden Zellen zu verstehen und der Einsatz von Biochips zur Fr\u00fcherkennung von Volkskrankheiten. Gleiches gilt f\u00fcr die Nutzung von Biotechnologie in der industriellen Fertigung. Die wei\u00dfe Biotechnologie ist f\u00fcr den Menschen vielleicht nicht so aufsehenerregend wie die rote und gr\u00fcne Biotechnologie, aber sie bietet das Potenzial, die deutsche Biotech-Industrie im Weltmarkt wieder nach vorne zu bringen.&#8221;<\/p>\n<p>(Vgl. Veranstaltungshinweis vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/\/\" >2006-04-25<\/a> sowie Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nutzung-nachwachsender-rohstoffe-in-bioraffinerien\/\" >2005-12-09<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/pflanzliche-eigenschaften-optimieren-basf-baut-biotechnologie-aus\/\" >2005-12-15<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/basf-mit-innovationen-profitables-wachstum-schaffen\/\" >2005-11-14<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokonversion-wie-ingenieure-und-wissenschaft-von-der-natur-lernen\/\" >2005-06-06<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Biotechnologie und Life Sciences sind ein seit Jahren stark wachsendes Ausstellungssegment der Analytica. 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