{"id":86290,"date":"2021-03-16T07:26:24","date_gmt":"2021-03-16T06:26:24","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=86290"},"modified":"2021-03-11T14:46:46","modified_gmt":"2021-03-11T13:46:46","slug":"plafco-ein-nachhaltiger-plastikersatz-aus-papier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/plafco-ein-nachhaltiger-plastikersatz-aus-papier\/","title":{"rendered":"PLAFCO \u2013 ein nachhaltiger Plastikersatz aus Papier"},"content":{"rendered":"<p>Plastik ist unverzichtbar f\u00fcr uns: Es ist billig und praktisch und steckt in vielen Wegwerfprodukten wie Strohhalmen, Einweggeschirr oder auch Verpackungen wie Getr\u00e4nkeverbundkartons oder T\u00fcten \u2013 mit katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt. Das Start-up Plafco Fibertech Oy hat nun ein nachhaltiges Plastikersatzprodukt aus Papier entwickelt, das viele Einmalartikel aus Kunststoff zuk\u00fcnftig ersetzen k\u00f6nnte \u2013 und dies, ohne auf die Pluspunkte von Plastik verzichten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Unser Alltag ist eine Welt voller Kunststoff: Verpackungen und Folien aller Art, Einweggeschirr und noch vieles mehr sind allgegenw\u00e4rtig und machen j\u00e4hrlich weltweit einen Marktwert von mehreren Milliarden Euro aus &#8211; Tendenz stark steigend. Die Nutzungsdauer dieser Werkstoffe aus meist synthetischen Polymeren ist in der Regel kurz und die Herstellung der meisten Kunststoffe ist noch auf fossile Ressourcen angewiesen. Produkte wie Trinkhalme und Einweggeschirr aus fossilen Rohstoffen d\u00fcrfen ab Mitte 2021 nicht mehr verkauft werden, da sie h\u00e4ufig in der Umwelt entsorgt werden, wo sie nicht oder nur unvollst\u00e4ndig zersetzt werden k\u00f6nnen und damit Umwelt, Gew\u00e4sser und Gesundheit sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Schon 2013 machte man sich deshalb an der Dualen Hochschule Baden-W\u00fcrttemberg in Karlsruhe auf die Suche nach nachhaltigen Alternativen: In einem EU-Projekt begann Prof. Dr. Jukka Valkama, Leiter des dortigen Studiengangs Papiertechnik, mit seinem Team, an einer M\u00f6glichkeit der Plastiksubstitution aus Papier zu forschen. \u201eWir wollten wissen, ob man Papier als Basismaterial verwenden k\u00f6nnte, ohne viel Neues zu erfinden\u201c, berichtet Valkama. \u201eUnd wir haben es in dem dreij\u00e4hrigen Projekt tats\u00e4chlich geschafft, ein neues Produkt zu entwickeln, indem wir Papier zu einem Komposit umwandeln konnten, das vergleichbare Eigenschaften wie Plastik hat.\u201c<\/p>\n<p>Papier gewinnt andere Eigenschaften \u2013 und wird zu PLAFCO<\/p>\n<p>Das neue, umweltfreundliche Plastikersatzprodukt haben die Karlsruher Wissenschaftler PLAFCO \u2013 kurz f\u00fcr: Plastic Fibre Composite \u2013 genannt; eigentlich der falsche Name, wie Valkama im Nachhinein findet: \u201eEs ist ja gerade kein Plastik, sondern dieses wurde durch das neue Faserkomposit ersetzt. Aber wir lassen das jetzt so, das w\u00fcrde sonst f\u00fcr zu viel Verwirrung sorgen.\u201c<\/p>\n<p>PLAFCO entsteht aus Vliespapier, das an der Hochschule entweder aus Zellstoff selbst hergestellt oder in gro\u00dfen Rollen nach einer festgelegten Rezeptur bei Papierfabriken in Auftrag gefertigt wird. Zur eigentlichen Umwandlung zum Plastikersatzprodukt kommt das Papier in ein PLAFCO-Bad, in dem Chemikalien einen Teil der Zellulose zun\u00e4chst wieder aus der Naturfaser l\u00f6sen. Nachdem die Chemikalien durch Waschen in einem n\u00e4chsten Bad entfernt wurden, schlie\u00dft die gel\u00f6ste Zellulose als Kleber automatisch alle erreichbaren L\u00fccken im Papier. Anschlie\u00dfend wird das Material getrocknet und ist einsatzf\u00e4hig. \u201eAuf diese Weise wird Papier zu einem Komposit aus Zellstoff umgewandelt, das im Vergleich zum Ausgangspapier sehr stark verdichtet ist\u201c, erkl\u00e4rt der Professor. \u201eUnd dadurch hat es ganz andere Eigenschaften: Es ist viel steifer, gleichm\u00e4\u00dfiger und luftdicht; man kann es sogar auch undurchl\u00e4ssig f\u00fcr \u00d6l machen. Dadurch eignet es sich dann beispielsweise f\u00fcr Lebensmittelverpackungen.\u201c<\/p>\n<p>Kompostierbar, wiederverwertbar und umweltfreundlich<\/p>\n<p>So ist PLAFCO zwar papier\u00e4hnlich, es hat aber gleichzeitig vergleichbare Eigenschaften wie Plastik und kann so viele Kunststoff- und Hybridprodukte ersetzen &#8211; allerdings mit durchg\u00e4ngig positiven Eigenschaften. Pluspunkte des neuartigen Materials sind unter anderem, dass es vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar und kompostierbar ist und Umwelt und Gew\u00e4sser schont. Zudem ist es nahezu unbegrenzt wiederverwertbar: \u201eWir k\u00f6nnen mit PLAFCO direkt an Recyclingkreisl\u00e4ufe der Papierindustrie \u2013 also schon funktionierende Systeme \u2013 andocken und damit eine fast maximale Recyclingquote und exzellente Wertsch\u00f6pfung erreichen\u201c, so Valkama. \u201eDamit haben wir nicht nur ein vielversprechendes Material bekommen, sondern auch noch ein sehr interessantes im Sinne der Bio\u00f6konomie.\u201c<\/p>\n<p>Das Rohmaterial f\u00fcr das Vliespapier als Ausgangsstoff f\u00fcr PLAFCO ist Holz: S\u00e4gemehl oder Reststoffe aus der Holzverarbeitung. \u201eEs gibt f\u00fcr mich nichts Nachhaltigeres als Holz\u201c, sagt der Ingenieur. Von einj\u00e4hrigen Pflanzen, die auf den Feldern mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren, h\u00e4lt er nicht so viel. \u201eDas l\u00e4uft in der Papierindustrie alles sehr nachhaltig ab, es kommen nur Rohstoffe aus zertifizierten W\u00e4ldern zum Einsatz, daraus steht uns Zellstoff in riesigen Mengen zur Verf\u00fcgung. Und das auch noch zu einem attraktiven Preis, der sich so schnell nicht \u00e4ndern wird. Das kann Bio-Plastik nicht leisten.\u201c<\/p>\n<p>Suche nach Investoren schwierig<\/p>\n<p>Die positive Resonanz auf das neuartige Material ist bereits gro\u00df, wie Auszeichnungen wie der Innovationspreis NEO2020 oder der Blue Sky Young Researchers Award 2017\/18 zeigen. Jedoch ist die konkrete Umsetzung in Produkte gar nicht so einfach, wie man meinen k\u00f6nnte: Das urspr\u00fcngliche EU-Projekt zur Entwicklung des neuartigen Plastikersatzprodukts wurde gemeinsam mit Partnern durchgef\u00fchrt. Und nachdem man PLAFCO zum Patent angemeldet hatte, bot man den Partnern an, das Material zur Marktreife weiterzuentwickeln. \u201eDas waren aber hierf\u00fcr leider die falschen Partner, keiner wollte das Risiko eingehen\u201c, wie Valkama berichtet. \u201eDeshalb habe ich das alleine gemacht, habe Kollegen und Freunde als Team gewonnen und die Firma Plafco Fibertech Oy gegr\u00fcndet. Wir haben das Patent privat gekauft und 2017 angefangen, PLAFCO zu industrialisieren.\u201c<\/p>\n<p>Allerdings fehlt bislang immer noch eine entsprechende Anlage, 2,5 Mio. Euro w\u00fcrde eine Pilotanlage kosten. \u201eDas ist aber wie die Sache mit Huhn und Ei: Wir w\u00fcrden das Geld sofort bekommen, wenn wir zeigen k\u00f6nnten, dass eine solche Anlage funktioniert \u2013 aber ohne Anlage ist das schlecht.\u201c, sagt der Wissenschaftler und Firmengr\u00fcnder. \u201eEs war bisher eigentlich immer das Gleiche: man kommt bei den Verhandlungen sehr weit, aber kurz vor Abschluss ist es den Investoren dann doch zu riskant. Doch wir wissen, dass wir etwas Gutes haben, und momentan sieht die Suche nach Investoren auch ganz gut aus. Wir stehen tats\u00e4chlich kurz davor, in Baden-W\u00fcrttemberg etwas konkret realisieren zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Pilotanlage in Baden-W\u00fcrttemberg geplant<\/p>\n<p>Strohhalme aus PLAFCO sind genauso stabil wie solche aus Plastik, die in der EU bald verboten sind \u2013 wie auch andere Einwegprodukte aus Kunststoff. \u00a9 Plafco Fibertech Oy<br \/>\nGeplant ist erst einmal eine eher kleine Anlage \u2013 \u201eLow hanging fruits\u201c, wie Valkama sie bezeichnet. Konkrete Produkte, die dort hergestellt werden k\u00f6nnten, gibt es schon. \u201eWir haben zum Beispiel super Strohhalme aus PLAFCO gemacht, die sehr stabil und einfach zu produzieren sind. Auch mehrlagige Gegenst\u00e4nde wie Einwegbesteck und \u2013geschirr \u2013 sie sind ja aus Plastik ab Juli 2021 EU-weit verboten \u2013 und das w\u00e4re daher f\u00fcr uns ein exzellenter Einstieg in den Markt. Au\u00dferdem im Repertoire haben wir Verpackungen aller Art, f\u00fcr feste und f\u00fcr fl\u00fcssige Produkte, oder ebenso Wellpappe. Auch f\u00fcr den medizinischen Bereich k\u00f6nnten wir L\u00f6sungen bieten.\u201c<\/p>\n<p>Die eher kleine Pilotanlage k\u00f6nnte nach Sch\u00e4tzungen des Wissenschaftlers rund f\u00fcnf Millionen Kilogramm PLAFCO pro Jahr liefern; sp\u00e4ter w\u00e4ren mit gr\u00f6\u00dferen Maschinen hunderttausende Tonnen im Vierschichtbetrieb denkbar. \u201eDas ist dann aber eine ganz andere Kategorie, die der Massenprodukte\u201c, sagt Valkama. \u201eStarten w\u00fcrden wir gerne erst einmal mit den Exoten, die einen h\u00f6heren Preis, aber weniger Volumen haben.\u201c Geplant sind f\u00fcr den Bau der Anlage sechs Monate. Starten k\u00f6nnte man sofort, denn sie ist mit dem Maschinenbauer schon bis ins Detail fertig konstruiert. \u201eHier sitzt schon jede Schraube, und wir rechnen fest damit, dass wir noch in diesem Jahr mit der Produktion an einem baden-w\u00fcrttembergischen Standort starten k\u00f6nnen.\u201c Dann g\u00e4be es auch f\u00fcr weitere Investoren keinen Grund mehr, vor einem Engagement in eine gr\u00f6\u00dfere Anlage zur\u00fcckzuschrecken. \u201eDenn die Kleinanlage funktioniert dann ja\u201c, schlie\u00dft der Plafco-Gr\u00fcnder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plastik ist unverzichtbar f\u00fcr uns: Es ist billig und praktisch und steckt in vielen Wegwerfprodukten wie Strohhalmen, Einweggeschirr oder auch Verpackungen wie Getr\u00e4nkeverbundkartons oder T\u00fcten \u2013 mit katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt. Das Start-up Plafco Fibertech Oy hat nun ein nachhaltiges Plastikersatzprodukt aus Papier entwickelt, das viele Einmalartikel aus Kunststoff zuk\u00fcnftig ersetzen k\u00f6nnte \u2013 und [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10608,13217,10719,13618],"supplier":[16673,16936],"class_list":["post-86290","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biooekonomie","tag-komposite","tag-naturfasern","tag-papier","supplier-duale-hochschule-baden-wuerttemberg-dhbw","supplier-placfo-fibertech"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86290","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86290"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86290\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86290"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=86290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}