{"id":86100,"date":"2021-03-15T07:32:26","date_gmt":"2021-03-15T06:32:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=86100"},"modified":"2021-03-10T14:48:10","modified_gmt":"2021-03-10T13:48:10","slug":"japanischer-baukonzern-entwickelt-nachhaltigen-stahlbeton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/japanischer-baukonzern-entwickelt-nachhaltigen-stahlbeton\/","title":{"rendered":"Japanischer Baukonzern entwickelt nachhaltigen Stahlbeton"},"content":{"rendered":"<p>Die globale Zementindustrie ist bisher einer der gr\u00f6\u00dften Emittenten von Treibhausgasen. Der japanische Baukonzern Taisei hat nun einen Beton vorgestellt, der den Klimawandel bremsen und nicht beschleunigen soll. &#8220;T-eConcrete \/ Carbon-Recycle&#8221; nennen die Entwickler ihr Verfahren, bei dem Kohlendioxid aus zum Beispiel Kraftwerken in Beton wiederverwendet und damit die CO2-Bilanz des Betons ins Negative gedr\u00fcckt wird.<\/p>\n<p>Acht Prozent der globalen CO2-Emissionen<br \/>\nDie Zahlen sind vielversprechend. Laut Taisei werden bei der Produktion von einem Kubikmeter Beton normalerweise zwischen 250 bis 330 Kilogramm des Treibhausgases frei. Doch mit der neuen Methode k\u00f6nnen nun f\u00fcr die gleiche Menge Beton 55 Kilogramm Kohlendioxid gebunden werden \u2013 und dies dauerhaft. Gleichzeitig wird Hochofenschlacke verwendet, ein Nebenprodukt der Stahlproduktion.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr greift Taisei das klimatische Grund\u00fcbel von Beton an, die Zementproduktion. Es wird gesch\u00e4tzt, dass die globale Zementproduktion weltweit f\u00fcr acht Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich ist. Und der Grund liegt in der Produktionsmethode. Das wichtigste Material ist Kalkstein, dem oft noch weitere Stoffe zugemischt werden. Der Rohstoff wird dann fein gemahlen und auf 1450 Grad Celsius erhitzt, um Zementklinker herzustellen, der dann wieder fein gemahlen wird. Das Problem: Bei dem Produktionsprozess wird nicht nur CO2 aus dem Kalkstein freigesetzt, sondern auch durch die Befeuerung der \u00d6fen.<\/p>\n<p>Eine bekannte Methode zur Treibhausgassenkung ist nun, den Zement durch Kalziumkarbonat zu ersetzen, das aus der Verbindung von Kalzium und Kohlendioxid hergestellt werden kann. Nur ist der damit hergestellte Beton klebriger, ben\u00f6tigt l\u00e4nger, um auszuh\u00e4rten, und ist nicht so fest wie sein traditionelles Vorbild, erkl\u00e4ren die Ingenieure von Taisei. Sie umgehen das Problem, in dem sie ein Bindemittel zusetzen, das haupts\u00e4chlich aus Hochofenschlacke besteht. Gleichzeitig wird damit die Kohlendioxidbilanz ins Minus gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Gesamtgesellschaftliche Anstrengung<br \/>\nTaiseis Entwicklung ist Teil eines nationalen Projekts, Methoden zur Kohlendioxidspeicherung und -verarbeitung zu entwickeln. Eine wichtige Triebkraft der konzertierten Aktion ist, dass Japan weiterhin an fossilen Brennstoffen festhalten will. Selbst der Hoffnungstr\u00e4ger Wasserstoff soll vorerst aus Kohle oder Gas abgespalten anstatt durch Elektrolyse aus Wasser hergestellt werden. Um dennoch das amtliche Ziel zu erreichen, bis 2050 eine karbonneutrale Gesellschaft zu schaffen, muss das frei werdende Kohlendioxid gebunden werden \u2013 und zwar in gro\u00dfen Mengen.<\/p>\n<p>Die Arbeitsgruppe im Bereich Zement umfasst dabei neben Taisei acht weitere Hersteller von Baumaterialien und Hoch- und Tiefbaukonzerne, die an der Dekarbonisierung anderer Baumaterialien arbeiten. Allerdings rechnet Taisei damit, dass die Methode erst 2030 wirklich marktreif sein wird. Taiseis fernes Ziel spiegelt eine Herausforderung der Bauindustrie wider. Die Decarbonisierung von Stahl und Zement sei &#8220;besonders schwierig&#8221;, erkl\u00e4rte Microsoft-Gr\u00fcnder Bill Gates j\u00fcngst, der \u00fcber seine Stiftung massiv in Dekarbonisierungstechnologien investiert.<\/p>\n<p>Ein Grund ist f\u00fcr ihn der Preis. Der l\u00e4ge f\u00fcr klimafreundlichen Zement mehr als doppelt so hoch wie f\u00fcr die normale Ware. Yuri Mytko, Marketingchef des kanadischen Beton-Startups CarbiCrete, einem anderen Anbieter von karbonnegativem Beton, nennt eine weitere Ursache. Bei den Betonmischern, wenigstens bei denen in Nordamerika, handelt es sich um ein Heer kleiner und mittlerer Unternehmen, die oft in Familienbesitz sind, so Mytko im Gespr\u00e4ch. &#8220;Es braucht schlicht viel Zeit, all diese Unternehmen von den neuen Technologien zu \u00fcberzeugen.&#8221; Selbst f\u00fcr einen Medienstar wie CarbiCrete.<\/p>\n<p>Gemahlene Schlacke h\u00e4rtet Kohlendioxid<br \/>\nDie US-Wirtschaftszeitung Wall Street Journal, die Nachrichtenagentur Bloomberg und der britische Sender BBC geh\u00f6ren zu der langen Liste an Medien, die sich f\u00fcr die Verhei\u00dfung der Betonpioniere interessiert haben. CarbiCrete verwendet dabei wie Taisei Schlacke von Stahlh\u00fctten, zielt aber nicht auf Stahlbeton, sondern das Gie\u00dfen von Betonbl\u00f6cken und -formen.<\/p>\n<p>Dabei ersetzen die Kanadier den Zement durch gemahlene Schlacke, die dann mit Kohlendioxid geh\u00e4rtet wird. Ein Vorteil \u2013 neben der Kohlendioxidbindung: Die Dauer der Aush\u00e4rtung schrumpft mit dieser Methode von 28 Tagen auf 24 Stunden, behauptet Mytko. Der Nachteil: Die Hersteller ben\u00f6tigen eine spezielle Kammer, um den Beton in einer Kohlendioxidatmosph\u00e4re zu baden. Und die kostet wenigstens drei Millionen kanadische Dollar (zwei Millionen Euro) und muss zudem in die bestehenden, automatisierten Produktionsprozesse eingef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p>Ein weiteres Manko: Die Technologie ist noch nicht erh\u00e4ltlich. CarbiCrete demonstriert f\u00fcr die Zertifizierung gerade in einer Versuchsanlage bei einem Kunden, dass die Technik f\u00fcr die Gro\u00dfserienproduktion taugt. Aber Mytko macht Interessenten Hoffnung, die Technik bald lizenzieren zu k\u00f6nnen. &#8220;Wenn das Projekt gut l\u00e4uft, k\u00f6nnte unser Partner im Fr\u00fchjahr der erste Kunde werden \u2013 und dann im Sommer der Verkauf von Lizenzen beginnen.&#8221; Die Nutzer von Stahlbeton werden allerdings noch l\u00e4nger warten m\u00fcssen, bis auch sie das Gef\u00fchl haben k\u00f6nnen, durch das Zubetonieren von St\u00e4dten und Landwirtschaften einen Beitrag zur Klimarettung zu leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die globale Zementindustrie ist bisher einer der gr\u00f6\u00dften Emittenten von Treibhausgasen. 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