{"id":86063,"date":"2021-03-10T07:20:43","date_gmt":"2021-03-10T06:20:43","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=86063"},"modified":"2021-03-05T12:25:32","modified_gmt":"2021-03-05T11:25:32","slug":"bioraffinerien-in-der-kreislaufwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bioraffinerien-in-der-kreislaufwirtschaft\/","title":{"rendered":"Bioraffinerien in der Kreislaufwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Zum elften Mal stand Oberhausen am 24. und 25. Februar 2021 im Zentrum des Interesses zahlreicher internationaler Akteure der Bio\u00f6konomie: In Zusammenarbeit mit der EnergieAgentur.NRW und CLIB hatte das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik zur <a href=\"https:\/\/bio-raffiniert.de\" target=\"_blank\">Konferenz \u201eBIO-raffiniert\u201c<\/a> geladen \u2013 diesmal erstmalig virtuell. Schwerpunkte waren wieder Produkte und Prozesse f\u00fcr eine zirkul\u00e4re biobasierte Wirtschaft sowie die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Pandemie besch\u00e4ftigte sich die Runde zun\u00e4chst mit der Rolle der Bio\u00f6konomie als Chance f\u00fcr einen Strukturwandel. Ein Beispiel daf\u00fcr war das niederl\u00e4ndische \u201eCircular Biobased Delta\u201c, dessen Ziel es ist, den \u00dcbergang hin zu biogenen Rohstoffen und kreislauff\u00e4higen L\u00f6sungen zu beschleunigen.<\/p>\n<p>Regionale Wertsch\u00f6pfung durch Bioraffinerien<br \/>\nTradition hat bereits die Session rund um die Entwicklungen der namensgebenden Bioraffinerien. So stellte Stefano Facco von Novamont die integrierte Bioraffinerie als ein Konzept vor, um deindustrialisierte Areale durch innovative Technologien zu reindustrialisieren und Grenzertragsb\u00f6den f\u00fcr die Rohstoffgewinnung zu nutzen, was eine landwirtschaftliche Wertsch\u00f6pfung bedeutet, die nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurriert. Die Produkte selbst bieten nachhaltige L\u00f6sungen f\u00fcr Probleme hinsichtlich Wasser- oder Bodenqualit\u00e4t bei herk\u00f6mmlichen Prozessen. Das \u00f6konomische Potenzial illustrierte Facco mit dem Satz: \u201eWenn wir einen neuen Monomer f\u00fcr einen Polymer herstellen, haben wir immer auch Nebenstr\u00f6me und Nebenprodukte.\u201c Die lie\u00dfen sich meist ebenfalls gewinnbringend nutzen. Als Beispiele f\u00fcr neue Wertstoffe nannte er Bioherbizide, Bioschmierstoffe und bioabbaubare Kosmetikinhaltsstoffe. Wichtig sei zu ber\u00fccksichtigen, ob ein Produkt im Wasser, im Boden oder in der Kompostierung biologisch abbaubar sei bzw. sein m\u00fcsse. Nicht zuletzt betonte der Experte die Bedeutung von Kompost aus urbanen organischen Abf\u00e4llen als M\u00f6glichkeit, CO2 zu binden und die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Vielfalt der Bioraffinerien<br \/>\nOkko Ringena von UPM Biochemicals ging darauf ein, dass es die \u201eStandard-Bioraffinerie\u201c nicht gibt. Das Design sei wie ein Puzzle: Ist der Standort im Gr\u00fcnen oder in einem Chemiepark? Welche Art der Biomasse ist verf\u00fcgbar? Was f\u00fcr Produkte sollen erzeugt werden und in welchem Ma\u00dfstab? Welche Technologien stehen daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung oder k\u00f6nnen lizenziert werden? Wie sind die regionalen regulatorischen Rahmenbedingungen? Und nicht zuletzt: Welche Finanzmittel und -quellen sind vorhanden? UPM selbst verfolge das Konzept,\u00a0 bestehende erd\u00f6lbasierte Chemikalien zu ersetzen und zugleich neue biochemische Hochleistungsprodukte zu erzeugen \u2013 beides auf Basis von Lignin. F\u00fcr den Standort Leuna in Deutschland habe man sich entschieden, weil der eine besondere Kombination biete: einen Chemiepark mit guter Infrastruktur, Logistik sowie Lieferanten und Kunden; eine innovationsstarke Region mit Hochschulen, Forschungsinstituten und damit potenziellen qualifizierten Mitarbeitenden; und nachhaltig produzierte Holzrohstoffe in der unmittelbaren Umgebung.<\/p>\n<p>Auch ein Exkurs zu den Lieferketten in der Bio\u00f6konomie durfte nicht fehlen. Themen darin waren grenz\u00fcbergreifende Prozesse, Blockchains zur Dokumentation von Produktionsprozessen und Lieferketten sowie die Rolle der biobasierten Chemie f\u00fcr eine moderne Spezialchemie.<\/p>\n<p>Handreichung zur biologischen Abbaubarkeit<br \/>\nBesonders die Reststoffnutzung und die Bioabbaubarkeit bildeten den letzten Schwerpunkt der Konferenz. So wies Verena Bauchm\u00fcller vom nova-Institut darauf hin, dass die biologische Abbaubarkeit auch deshalb nicht immer als End-of-Life-Option ber\u00fccksichtigt werde, weil sie nicht immer die beste Option sei. F\u00fcr 25 sinnvoll bioabbaubare Anwendungen und Produkte habe das <a href=\"http:\/\/nova-institute.eu\/project\/biosinn-steckbriefe-sinnvoller-biologisch-abbaubarer-produkte\/\" target=\"_blank\">Forschungsprojekt BioSinn<\/a> jedoch Steckbriefe als Handreichung f\u00fcr Politik und Industrie entwickelt. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise Aufkleber auf Gem\u00fcse, Kaffeekapseln, Mulchfolie, Feuchtt\u00fccher und Mikroplastik in Kosmetik. Au\u00dferdem hat das Projekt einen Kriterienkatalog erstellt. Er zeigt auf, welche Faktoren bestimmen, ob der biologische Abbau eine sinnvolle End-of-Life-L\u00f6sung darstellt.<\/p>\n<p>Wertstoffe aus Reststoffen r\u00fcckgewinnen<br \/>\nEine weitere End-of-Life-L\u00f6sung im Sinne der Kreislaufwirtschaft pr\u00e4sentierte Sarah Wallus von RWE Power mit einer Versuchsanlage zur R\u00fcckgewinnung von Phosphor, Kohlenstoff und Wasserstoff durch die Vergasung von Kl\u00e4rschlamm. Volker Heil vom Fraunhofer UMSICHT erl\u00e4uterte, wie durch die Pyrolyse biogener Reststoffe maritime Kraftstoffe erzeugt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Den Abschluss machten einige prozesstechnische Innovationen aus der Forschung. So stellte Kevin Schmitz von der TU M\u00fcnchen vor, wie Pilze als Produktionssysteme genutzt werden k\u00f6nnen, um aus agrarischen Reststoffen Pektin zu erzeugen. Patrick Bongartz von der RWTH Aachen erkl\u00e4rte einen verbesserten Ansatz f\u00fcr die Herstellung von Biotensiden, und Kerstin M\u00fcller vom Fraunhofer IVV stellte neue Ans\u00e4tze vor, wie native Cellulose in thermoplastischen Anwendungen genutzt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum elften Mal stand Oberhausen am 24. und 25. Februar 2021 im Zentrum des Interesses zahlreicher internationaler Akteure der Bio\u00f6konomie: In Zusammenarbeit mit der EnergieAgentur.NRW und CLIB hatte das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik zur Konferenz \u201eBIO-raffiniert\u201c geladen \u2013 diesmal erstmalig virtuell. 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