{"id":85728,"date":"2021-03-03T07:26:31","date_gmt":"2021-03-03T06:26:31","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=85728"},"modified":"2021-02-26T14:37:41","modified_gmt":"2021-02-26T13:37:41","slug":"biobasierte-kunststoff-verpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biobasierte-kunststoff-verpackungen\/","title":{"rendered":"Biobasierte Kunststoff-Verpackungen"},"content":{"rendered":"<p>In der Diskussion um nachhaltige Kunststoffe kursieren die unterschiedlichsten Begrifflichkeiten wie Biokunststoffe, Biopolymere, biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe. Einige dieser Materialien existieren bereits seit weit \u00fcber 100 Jahren: Celluloid zum Beispiel wurde bereits 1855 aus Cellulose hergestellt und gilt als einer der ersten Kunststoffe \u00fcberhaupt. Tats\u00e4chlich hielten fossile, nicht erneuerbare Rohstoffe wie Erd\u00f6l oder Erdgas erst ab den sp\u00e4ten 1940er Jahren Einzug in die Verpackungsindustrie.<\/p>\n<p>Heute sind wieder verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen zu verzeichnen, Kunststoffe vollst\u00e4ndig oder mindestens teilweise aus nachwachsenden Ressourcen herzustellen. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale bestehen in der Herkunft und den Eigenschaften der Kunststoffe. Man unterscheidet also, ob der eingesetzte Rohstoff erd\u00f6lbasiert oder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurde. Des Weiteren spielt die Best\u00e4ndigkeit der Kunststoffe eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Biopolymere ist der allgemeine, chemische Oberbegriff f\u00fcr Biokunststoffe. Dieser umfasst prinzipiell drei Kategorien: abbaubare erd\u00f6lbasierte Biopolymere, abbaubare und \u00fcberwiegend biobasierte sowie nicht abbaubare biobasierte Biopolymere. Biokunststoffe sind also biobasiert, biologisch abbaubar oder beides zugleich. Dabei ist es wichtig, zwischen diesen beiden Sachverhalten zu unterscheiden:<\/p>\n<p>Biobasierte Kunststoffe bestehen zum Teil aus der gleichen chemischen Basis wie die traditionellen fossilen Kunststoffe, werden aber zu einem wesentlichen Teil oder sogar vollst\u00e4ndig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Die neueren biobasierten Kunststoffe lassen sich untergliedern in jene, die auf chemisch neuartigen Polymeren basieren, wie Polylactide (PLA) oder Polyhydroxyalkanoate (PHA) und so genannte Drop-ins, also bekannte Polymere, in deren Herstellung fossile Rohstoffe ganz oder teilweise durch nachwachsende Rohstoffe wie Bio-PE ersetzt wurden. Sie sind mit den erd\u00f6lbasierten Varianten chemisch identisch.<\/p>\n<p>Der Begriff biobasiert sagt also etwas \u00fcber die Herkunft des Materials aus, aus dem die Kunststoffe hergestellt werden. Das bedeutet nicht zwangsl\u00e4ufig, dass die Kunststoffe auch biologisch abbaubar sind. Bei biologisch abbaubaren Kunststoffen hingegen erfolgt der biologische Abbau im Rahmen eines chemischen Prozesses, in dem in der Umwelt vorhandene Mikroorganismen den Kunststoff in nat\u00fcrliche Substanzen wie Wasser, Kohlendioxid, Salze und Biomasse umwandeln. Biologisch abbaubare Kunststoffe k\u00f6nnen sowohl erd\u00f6lbasiert als auch biobasiert sein.<\/p>\n<p>Herstellung und \u00d6kobilanz<\/p>\n<p>Die wichtigste Rohstoffquelle f\u00fcr biobasierte Kunststoffe ist pflanzliche Biomasse, zum Beispiel Cellulose und Lignin aus Holz, St\u00e4rke aus Mais, Weizen und Kartoffeln, Zucker aus der Zuckerr\u00fcbe oder Zuckerrohr, \u00d6le aus Raps, Sonnenblumen und Soja oder aus exotischen \u00d6lpflanzen wie \u00d6l- und Kokospalmen, die in \u201egr\u00fcnes\u201c Ethanol umgewandelt werden. Die am Markt verf\u00fcgbaren biobasierten Kunststoffe decken mittlerweile ein breites und technisch anspruchsvolles Einsatzspektrum ab. In einigen Bereichen lassen sich petrochemische Kunststoffe problemlos durch biobasierte ersetzen.<\/p>\n<p>Biobasierte Kunststoffe schonen fossile Ressourcen und tragen damit ein St\u00fcck zur zuk\u00fcnftigen Versorgungssicherheit bei. Auf dem heutigen Stand der Entwicklung leisten sie einen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie einen reduzierten \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck, das hei\u00dft geringere CO2-Emissionen im Vergleich zu erd\u00f6lbasierten Kunststoffen erzeugen. W\u00e4hrend der Wachstumsphase nehmen die Pflanzen CO2 auf, welches durch die Weiterverarbeitung zu Ethanol und Polyethylen gespeichert bleibt.<\/p>\n<p>Anwendung einer Brausetabletten-Verpackung<\/p>\n<p>Die Anwendungsbereiche von biobasierten Kunststoffen sind vielseitig: von Flaschen und Einweggeschirr \u00fcber Spielzeug und Autoteile bis hin zu Blument\u00f6pfen und Kaffeekapseln. Doch gerade bei Verpackungen f\u00fcr Medikamente und Nahrungsmittel sind die Anforderungen an den Produktschutz elementar. Wie hoch muss die Sauerstoffbarriere sein? Wie viel Feuchteschutz ist notwendig? Welche Haltbarkeit hat ein Produkt, das mit biobasierten Kunststoffen verpackt ist?<\/p>\n<p>Mit <a href=\"https:\/\/www.sanner-group.com\/de\/brausetablettenverpackungen\/biobase-biobasierte-verpackungen\" target=\"_blank\">Sanner Biobase<\/a> hat der Verpackungsspezialist Sanner k\u00fcrzlich eine biobasierte Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen f\u00fcr Brausetabletten eingef\u00fchrt. Die Brausetabletten-Verpackung besteht zu 90% aus nachwachsenden Rohstoffen und ist recycelbar. Die Eigenschaften der Gesamtverpackung sind mit herk\u00f6mmlichen Brausetablettenverpackungen vergleichbar. Die Haltbarkeitsdauer der Tabletten l\u00e4sst sich dank hohen H2O-Barriereeigenschaften verl\u00e4ngern. Im Hinblick auf die Handhabung bietet die Verpackung Verbrauchern au\u00dferdem eine hochwertige Haptik und Optik: Die Tablettenr\u00f6hre l\u00e4sst sich bedrucken oder auch mit einem IML-Etikett versehen.<\/p>\n<p>Studie ermittelt 15% CO2-Einsparungen<\/p>\n<figure id=\"attachment_85729\" aria-describedby=\"caption-attachment-85729\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-85729 \" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/sanner3-jpg-679x1024.png\" alt=\"sanner3-jpg\" width=\"555\" height=\"837\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/02\/sanner3-jpg-679x1024.png 679w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/02\/sanner3-jpg-199x300.png 199w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/02\/sanner3-jpg-600x905.png 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/02\/sanner3-jpg.png 899w\" sizes=\"auto, (max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-85729\" class=\"wp-caption-text\">Eine Studie zeigt Einsparungen der CO2-Emissionen von etwa 15%. Bild: Sanner<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr die neue biobasierte Brausetabletten-Verpackung wurde die \u00d6kobilanz einer R\u00f6hre mit einem Durchmesser von 27 mm und einem Fassungsverm\u00f6gen von ca. 15-20 Brausetabletten von dem unabh\u00e4ngigen Beratungsunternehmen Forestfinest Consulting (FFC) im Vergleich zu einer erd\u00f6lbasierten Variante ermittelt. Die Erhebung erfolgte nach dem \u201eCradle to Gate\u201c-Ansatz \u2013 also von der Materialbeschaffung bis zum Werkstor \u2013 und umfasst die Lebenszyklus-Phasen der Materialbeschaffung, Rohstofftransport, Vorverarbeitung des Materials, sowie die Produktion der Verpackung.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen erzielt die biobasiert Brausetabletten-Verpackung demnach eine Einsparung der Emissionen in H\u00f6he von rund 15 % an CO2-\u00c4quivalent (CO2e).<\/p>\n<p>Das entspricht ca. 7,3 t CO2e je eine Million R\u00f6hren. Dies wiederum entspricht ungef\u00e4hr den j\u00e4hrlichen CO2e-Emissionen von vier Mittelklasse-KFZ oder den durchschnittlichen CO2e-Emissionen eines Menschen pro Jahr.<\/p>\n<p>Ist die Verpackungszukunft biobasiert?<\/p>\n<p>Noch machen Biokunststoffe erst 1% der j\u00e4hrlich produzierten Kunststoffmenge aus. Doch der Verband European Bioplastics geht in einer gemeinsam mit dem Forschungsunternehmen nova-Institut erstellten Markt\u00fcbersicht von einer Steigerung der weltweit produzierten Menge an Biokunststoffen von 2,11 Mio t im Jahr 2019 bis auf ca. 2,43 Mio. t im Jahr 2024 aus, von denen knapp die H\u00e4lfte auf biobasierte Kunststoffe entfallen wird. Optimierungspotenzial gibt es bis dahin genug: Noch liegen die Herstellungskosten deutlich \u00fcber denen herk\u00f6mmlicher Kunststoffe. Auch die Verarbeitung ist l\u00e4ngst nicht bei allen Materialien final definiert. Vor allem aber geht es darum, eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit unter Ber\u00fccksichtigung der Nachhaltigkeitsaspekte sicherzustellen.<\/p>\n<p>Wie wollen wir in Zukunft recyceln? Wie k\u00f6nnen wir Gewicht und unn\u00f6tige Verpackungen vermeiden, ohne den Produktschutz zu gef\u00e4hrden? Wie lassen sich neue Konzepte in die drei S\u00e4ulen nachhaltigen Handelns (\u00f6kologisch, sozial und \u00f6konomisch) integrieren? Technische Revolutionen geschehen nicht \u00fcber Nacht. Entsprechend muss auch nicht jedes Produkt und jede Verpackung gleich aus Biokunststoffen gefertigt werden. Vielmehr geht es jetzt darum, die ersten Schritte zu wagen und bei den richtigen Produkten anzufangen \u2013 zum Beispiel bei Brausetabletten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Diskussion um nachhaltige Kunststoffe kursieren die unterschiedlichsten Begrifflichkeiten wie Biokunststoffe, Biopolymere, biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe. Einige dieser Materialien existieren bereits seit weit \u00fcber 100 Jahren: Celluloid zum Beispiel wurde bereits 1855 aus Cellulose hergestellt und gilt als einer der ersten Kunststoffe \u00fcberhaupt. 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