{"id":8570,"date":"2005-11-09T00:00:00","date_gmt":"2005-11-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20051109-14n"},"modified":"2005-11-09T00:00:00","modified_gmt":"2005-11-08T22:00:00","slug":"keine-schnapsidee-alkohol-als-treibstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/keine-schnapsidee-alkohol-als-treibstoff\/","title":{"rendered":"Keine Schnapsidee: Alkohol als Treibstoff"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Stadtwerke Leipzig (SWL) forcieren ihr Engagement f\u00fcr erneuerbare Energien: Noch in diesem Monat startet der Bau einer neuartigen Biogas-Anlage, die mit minderwertigem Getreide und Treber gespeist wird. Sie soll unter anderem konkurrenzlos g\u00fcnstig Bioethanol erzeugen, das auch als Treibstoff f\u00fcr speziell umger\u00fcstete Kraftfahrzeuge verwendet werden kann. Wenn die Anlage wie geplant funktioniert, entstehen ein Dutzend weitere &#8211; auch in und um die Messestadt.<\/b><\/p>\n<p>Die Geschichte des ungew\u00f6hnlichen Projekts begann vor zwei Jahren. Damals klopfte der Zwickauer T\u00fcftler Jochen Auerbach bei den Stadtwerken an und schlug den Bau einer gemeinsamen Anlage vor, die auf einer neuartigen Kombination von Brennerei, Biogas-Anlage und Blockheizkraftwerk basiert. Auerbach hatte zuvor sieben Jahre lang mit einem eigenen Bio-Reaktor experimentiert und dabei eine Bakterien-Mischung gefunden, die hoch effizient Biogas und D\u00fcnger erzeugt.<\/p>\n<p>In der Kombination mit einer Brennerei k\u00f6nnen die Kostenvorteile auch f\u00fcr die Erzeugung des reinen Alkohols Bioethanol genutzt werden. Ein Stoff, der sich nicht nur f\u00fcr die Schnaps-Herstellung eignet, sondern auch als zukunftstr\u00e4chtiger Antriebsstoff f\u00fcr Autos gilt. In Brasilien, das dieses Produkt in gro\u00dfen Mengen aus Zuckerrohr herstellt, werden bereits tausende Autos ausschlie\u00dflich mit diesem reinen Alkohol angetrieben &#8211; teilweise in Fahrzeugen, die deutsche Hersteller wie Volkswagen liefern und daf\u00fcr speziell umr\u00fcsten.<\/p>\n<p>In Europa hat die EU-Kommission die Mineral\u00f6lkonzerne zu \u00e4hnlichen Aktivit\u00e4ten aufgefordert, um die Abh\u00e4ngigkeit vom teuren Erd\u00f6l zu verringern. Die Multis m\u00fcssen deshalb ihrem Benzin zwei Prozent Bioethanol beimischen; bis zum Jahr 2010 sollen es mindestens 5,75 Prozent sein. &#8220;Dieser Anteil wird weiter steigen&#8221;, glaubt Klaus-Joachim Pfeuffer von den SWL. &#8220;Bislang k\u00f6nnen die europ\u00e4ischen Gro\u00dfbrennereien Bioethanol nur zu Preisen von \u00fcber 40 Cent je Liter erzeugen. Wir peilen mit dem neuen Verfahren einen Preis unter 30 Cent an.&#8221;<\/p>\n<p>Inzwischen haben die Stadtwerke mit dem T\u00fcftler aus Zwickau die Firma Wabio Bioenergietechnik gegr\u00fcndet und wollen deren patentierte Technologie verwerten. 51 Prozent der Gesch\u00e4ftsanteile halten die Leipziger, je 24,5 Prozent der T\u00fcftler und ein Rechtsanwalt aus M\u00fcnchen. Auf einem Gewerbegebiet in Bad K\u00f6stritz soll am 21. November der Bau der Pilotanlage beginnen. Im April wird der erste Teilabschnitt in Betrieb gehen, zwei Monate sp\u00e4ter der gesamte Komplex.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens dann f\u00e4llt auch die Entscheidung \u00fcber den Bau weiterer Anlagen. Als Standorte sind Fl\u00e4chen in und um Leipzig in Vorbereitung &#8211; so in Schkeuditz, Glesien, Krostitz, Podelwitz, Thierbach, Espenhain und Rackwitz. &#8220;Wenn das Verfahren funktioniert, bauen wir mehrere Anlagen gleichzeitig&#8221;, so Pfeuffer.<\/p>\n<p>Die Anlage in Bad K\u00f6stritz wird rund 10 Millionen Euro kosten und komplett von den Stadtwerken finanziert. Sie soll j\u00e4hrlich mindestens 8,4 Millionen Liter Bioethanol erzeugen, die bereits komplett verkauft sind. &#8220;Wir haben uns f\u00fcr einen Abnehmer entschieden, der daraus Trink- und Industriealkohol herstellt&#8221;, sagt SWL-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Wolfgang Wille. Der K\u00e4ufer habe sich auch schon die Mengen der n\u00e4chsten f\u00fcnf Anlagen gesichert, \u00fcber deren Bau noch gar nicht entschieden ist. Einzige Bedingung: Die Lieferung der Leipziger m\u00fcsse vier Prozent billiger sein als die Importpreise. &#8220;Das ist mit der neuen Technik kein Problem&#8221;, glaubt Pfeuffer.<\/p>\n<p>Intern gilt die Investition bei den Stadtwerken bereits jetzt als &#8220;ausgesprochen ertragreich&#8221;. Denn auch die &#8220;Nebenprodukte&#8221; Strom (22 GWh pro Jahr) und W\u00e4rme (10 GWh pro Jahr) sp\u00fclen gutes Geld in die Kasse. 18F100 Tonnen eines ebenfalls anfallenden Stickstoff-Phosphor-Kalium-Substrats k\u00f6nnen in der Landwirtschaft als hochwertiger D\u00fcnger verkauft werden. Die Anlage in Bad K\u00f6stritz werde deshalb h\u00f6chstwahrscheinlich eine &#8220;zweistellige Gesamtkapitalrendite&#8221; abwerfen, hei\u00dft es hinter vorgehaltener Hand.<\/p>\n<p>Einziger Nachteil: In die Tanks von Fahrzeugen flie\u00dft vorerst nur sehr sp\u00e4rlich Bioethanol &#8211; n\u00e4mlich lediglich in die Fahrzeugflotte, die f\u00fcr die jeweils 20-k\u00f6pfigen Anlage-Teams angeschafft wird. &#8220;Weil wir nicht wissen, wie schnell sich das Tankstellennetz f\u00fcr unser Produkt in Europa entwickelt, wollen wir kein Risiko eingehen&#8221;, sagt Pfeuffer. &#8220;Aber im Jahr 2010 wird die Entwicklung deutlich weiter sein.&#8221;<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/leipzig-stadtwerke-steigen-ins-geschaeft-mit-biogas-ein\/\" >2004-06-16<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Stadtwerke Leipzig (SWL) forcieren ihr Engagement f&uuml;r erneuerbare Energien: Noch in diesem Monat startet der Bau einer neuartigen Biogas-Anlage, die mit minderwertigem Getreide und<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-8570","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8570","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8570"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8570\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8570"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8570"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8570"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=8570"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}