{"id":8547,"date":"2005-11-14T00:00:00","date_gmt":"2005-11-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20051114-07n"},"modified":"2005-11-14T00:00:00","modified_gmt":"2005-11-13T22:00:00","slug":"juehnde-ein-dorf-befreit-sich-vom-oel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/juehnde-ein-dorf-befreit-sich-vom-oel\/","title":{"rendered":"J\u00fchnde: Ein Dorf befreit sich vom \u00d6l"},"content":{"rendered":"<p><b>So viele fremde Gesichter wie zurzeit haben die Bewohner des 800-Seelen-Dorfes <a href=\"http:\/\/www.bioenergiedorf.de\/\" >J\u00fchnde<\/a> im Landkreis G\u00f6ttingen noch nicht gesehen. Die Besucher scheinen aus jedem Winkel der Welt in den kleinen Ort rund 130 Kilometer s\u00fcdlich von Hannover zu pilgern &#8211; aus europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, Japan und Korea genauso wie aus den USA. Auch der scheidende Umweltminister J\u00fcrgen Trittin (Gr\u00fcne) reiste aus Berlin nach S\u00fcdniedersachsen und gratulierte: dem ersten Bioenergiedorf Deutschlands.<\/p>\n<p>Herzst\u00fcck ist die Biogasanlage<\/b><\/p>\n<p>Als bundesweit erster Ort produziert J\u00fchnde seinen kompletten Bedarf an Strom und W\u00e4rme aus Bioenergie. Von den Erd\u00f6lpreisen und Stromgeb\u00fchren gro\u00dfer Konzerne sind die Bewohner dadurch nicht mehr abh\u00e4ngig. Stattdessen liefern die ans\u00e4ssigen Landwirte nachwachsende Rohstoffe wie Gras, Getreide, Hackschnitzel sowie G\u00fclle von rund 800 K\u00fchen und 1.400 Schweinen, die Bakterien in der zentralen Biogasanlage in Methan umwandeln.<\/p>\n<p><b>Mehr Strom als verbraucht wird<\/b><\/p>\n<p>Im Blockheizkraftwerk wird das Methangas verbrannt und \u00fcber Generatoren in elektrischen Strom umgewandelt. Mit vier Millionen Kilowatt-Stunden produziert das Kraftwerk etwa doppelt so viel Elektrizit\u00e4t, wie das Dorf selbst verbraucht. Das senkt die Betriebskosten: F\u00fcr jede eingespeiste Kilowattstunde garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf 20 Jahre 17 Cent, was f\u00fcr J\u00fchnde knapp 700.000 Euro an Einnahmen pro Jahr bedeutet.<\/p>\n<p><b>Heizkosten so niedrig wie fr\u00fcher<\/b><\/p>\n<p>Die Abw\u00e4rme, die bei der Stromgewinnung entsteht, versorgt die beteiligten Haushalte des Orts mit Warmwasser und Heizw\u00e4rme. Das geschieht \u00fcber ein elf Kilometer langes Nahw\u00e4rmenetz, das gerade gebaut wird. F\u00fcr die kalte Jahreszeit gibt es zus\u00e4tzlich ein Hackschnitzel-Heizwerk. 140 der 200 Haushalte im Dorf haben sich bis jetzt anschlie\u00dfen lassen und daf\u00fcr 1.500 Euro an die eigens gegr\u00fcndete Betreibergenossenschaft gezahlt. <\/p>\n<p>Weitere 1.000 Euro kosten die Installationsarbeiten am Haus. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Bewohner f\u00fcr das Heizen ihrer Wohnungen heute nicht tiefer in die Tasche greifen als im Jahr 2002. Damals betrug der Heiz\u00f6lpreis etwa 35 Cent pro Liter. Heute ist er doppelt so hoch.<\/p>\n<p><b>Perspektive f\u00fcr die Bauern<\/b><\/p>\n<p>Von dem Projekt scheinen alle zu profitieren &#8211; auch die Umwelt: Die Kohlendioxid-Emissionen pro angeschlossenem Bewohner sinken durch die Umstellung auf Bioenergie um 60 Prozent. Dazu kommt, dass das Geld f\u00fcr die Energie weder ins Ausland flie\u00dft, noch an Energiekonzerne geht, sondern in der Region bleibt und damit auch den Landwirten langfristige Planungssicherheit bietet. <\/p>\n<p>Derzeit bauen diese auf 15 Prozent der Ackerfl\u00e4che des Dorfs Energiepflanzen an. M\u00f6glich w\u00e4re noch viel mehr: &#8220;J\u00fchnde k\u00f6nnte theoretisch sechs bis sieben D\u00f6rfer mit Energie versorgen&#8221;, rechnet Marianne Karpenstein-Machan von der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen vor. Nach Sch\u00e4tzungen der beteiligten Wissenschaftler k\u00f6nnte etwa ein Viertel des Energieverbrauchs in Deutschland durch nachwachsende Rohstoffe gedeckt werden.<\/p>\n<p><b>Mit gutem Beispiel voran<\/b><\/p>\n<p>Mit J\u00fchnde sei ein neues Kapitel bei der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen zur Energieversorgung aufgeschlagen worden, schw\u00e4rmte Trittin bei seinem Besuch. Angesichts immer weiter steigender \u00d6l-, Gas- und Strompreise scheint seine Zuversicht berechtigt, dass der kleine Ort im s\u00fcdlichen Niedersachsen auf Dauer nicht das einzige Bioenergiedorf Deutschlands bleiben wird.<\/p>\n<p><b>Rund f\u00fcnf Millionen Euro<\/b><\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr das Pilotprojekt in J\u00fchnde belaufen sich auf rund 5,2 Millionen Euro, wovon 1,3 Millionen das <a href=\"http:\/\/www.verbraucherministerium.de\/\" >Landwirtschaftsministerium<\/a> in Berlin \u00fcbernommen hat. Am Projekt beteiligt sind Wissenschaftler der Universit\u00e4ten G\u00f6ttingen und Kassel.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bioenergiedorf-juehnde-437-000-euro-fuer-die-wissenschaftliche-begleitforschung\/\" >2005-04-01<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>So viele fremde Gesichter wie zurzeit haben die Bewohner des 800-Seelen-Dorfes J&uuml;hnde im Landkreis G&ouml;ttingen noch nicht gesehen. 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