{"id":85289,"date":"2020-12-03T07:22:11","date_gmt":"2020-12-03T06:22:11","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=85289"},"modified":"2021-02-17T15:23:28","modified_gmt":"2021-02-17T14:23:28","slug":"die-wald-null","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-wald-null\/","title":{"rendered":"Die Wald-Null"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_85292\" aria-describedby=\"caption-attachment-85292\" style=\"width: 549px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-85292\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/image.jpg\" alt=\"image\" width=\"549\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/12\/image.jpg 613w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/12\/image-300x225.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/12\/image-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 549px) 100vw, 549px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-85292\" class=\"wp-caption-text\">Copyright P. Ludwig-Sidow<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Das Beelzebubprinzip<\/h3>\n<p><strong>Die deutsche Politik tendiert dazu, mit ihren Bem\u00fchungen um ein Abbremsen des Klimawandels, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Eine Folge dieses Prinzips zeigt sich nicht nur in Norddeutschland: Durch das EEG f\u00fchrte die F\u00f6rderung von Biogasanlagen in wenigen Jahren zu von Mais\u00e4ckern dominierten Landschaften, mit Folgen wie hohem Pestizideinsatz und \u00dcberd\u00fcngung sowie starker Erosion w\u00e4hrend fast der H\u00e4lfte des Jahres. Die Vermaisung der Landschaft ging auf Kosten von Gr\u00fcnland und artenreichen Bl\u00fchwiesen, auf Kosten von Artenvielfalt auf den \u00c4ckern und auf Kosten von sauberem Grundwasser. Der klimaschutzwirksame Output zeigte sich infolge von Lachgasemissionen durch D\u00fcngung und Methanschlupf aus den Anlagen geringer als erhofft.<\/strong><\/p>\n<h3>Alles f\u00fcr den gro\u00dfen Ofen<\/h3>\n<p>Europa macht sich gerade bereit f\u00fcr den n\u00e4chsten Beelzebub, ebenfalls f\u00fcr regenerative Energiegewinnung, wobei die Regeneration nicht ein Jahr braucht, wie beim Mais, sondern rund 100 Jahre. Das Holz der W\u00e4lder soll in den Ofen wandern und da die B\u00e4ume beim Wachsen CO<sub>2<\/sub> gebunden haben, welches das Holz beim Verbrennen wieder freisetzt, gilt diese Form der Energiegerzeugung als klimaneutral.<\/p>\n<p>Gemeint ist hier aber nicht der kleine Kaminofen, der sporadisch mit Holz aus dem nahgelegenen Wald f\u00fcr einen gem\u00fctlichen Abend entz\u00fcndet wird, sondern Holzverbrennung im gro\u00dfem Stil, in Kraftwerken und oft mit Holz aus \u00dcbersee. In Gro\u00dfbritannien wurden schon Kohlekraftwerke auf Holz umger\u00fcstet. In Deutschland wird dies im Rahmen des Kohleausstiegs ernsthaft diskutiert. Der Vorteil f\u00fcr den Klimaschutz, jedenfalls auf dem Papier: CO<sub>2<\/sub>-Emissionen durch holzbefeuerte Kraftwerke sollen rechnerisch Null betragen.<\/p>\n<h3>Die M\u00e4r vom Restholz<\/h3>\n<p>Wegen der notwendigen Homogenit\u00e4t und Trockenheit des Brennstoff eignen sich (mit Energieaufwand produzierte) Holzpellets am besten. Dem B\u00fcrger wird vorgegaukelt, das daf\u00fcr nur Abf\u00e4lle verarbeitet werden, Durchforstungsholz sowie \u00c4ste und Kronen als Holzernteabfall. Letzteres f\u00e4llt in FSC-zertifizierten W\u00e4ldern schon mal gar nicht als Abfall an, da es f\u00fcr die Bodengesundheit im Wald verbleiben muss. Auch sonst reicht die Menge an Restholz aus der Forstwirtschaft und Holzverarbeitungsbranchen nicht mehr aus, weit mehr als nur Holzabfall wird zu Pellets und sogar Importe sind notwendig. In den USA werden ganze Baumst\u00e4mme zu Pellets zermahlen. Die EU f\u00fchrt heutzutage ein Drittel ihres Pelletbedarfs ein.<\/p>\n<p>Rund 25 Millionen Tonnen betr\u00e4gt die globale Pelletproduktion j\u00e4hrlich, 10 Millionen davon werden laut dem Netzwerk der Europ\u00e4ischen Akademien der Wissenschaften EASAC \u00fcber weite Strecken verschifft werden, aus Nordamerika nach Gro\u00dfbritannien und anderen europ\u00e4ischen Staaten.<\/p>\n<p>Ende der Neunziger wurde die &#8220;Energie aus lebendigen W\u00e4ldern&#8221; noch euphorisch von gro\u00dfen Umweltorganisationen beworben (DUH, BUND), inzwischen sind diese deutlich kleinlauter geworden, nicht nur wegen der M\u00e4r vom ausschlie\u00dflichen Restholz, sondern auch wegen der Emissionen von Feinstaub und anderen gesundheitssch\u00e4dlichen Stoffen.<\/p>\n<h3>Finde den Fehler<\/h3>\n<p>Die UN und die EU propagieren die Strom- und W\u00e4rmeerzeugung mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz als klimaneutral. Ihre zero-emission-strategy hat nur einen Haken, wie die EASAC schreibt: Das Kohlendioxid, das die B\u00e4ume in 50 bis 150 Jahren ihres Wachstums aufgenommen haben, wird jetzt und heute in die Atmosph\u00e4re geblasen. Neugepflanzte B\u00e4ume brauchen bis morgen und \u00fcbermorgen, n\u00e4mlich ein paar Jahrzehnte, bis sie \u00fcberhaupt erkleckliche CO<sub>2<\/sub>-Mengen wieder binden.<\/p>\n<p>Die von UN und EU propagierte Strategie, Holzvorr\u00e4te der W\u00e4lder f\u00fcr &#8220;Bioenergie&#8221; zu nutzen, f\u00fchrt nicht nur zu einer anf\u00e4nglichen Erh\u00f6hung der Emissionen. &#8220;Viel mehr&#8221; warnt die EASAC, &#8220;ist der Zeitraum hoher CO<sub>2<\/sub>-Level bis zur Wirksamkeit von neugepflanzten B\u00e4umen nicht kompatibel mit der Dringlichkeit der Emissionssenkungen wie sie im Pariser Klimaabkommen niedergelegt wurden.&#8221;<\/p>\n<p>Die EASAC h\u00e4lt es sogar f\u00fcr wahrscheinlich, dass der Wechsel von Kohle zu Holz unterm Strich die Treibhausgasemissionen erh\u00f6ht. Die L\u00e4nder aber k\u00f6nnen sich diesen Brennstoffwechsel als Emissionsminderungsma\u00dfnahme anrechnen lassen.<\/p>\n<h3>Mehr Schaden als Nutzen<\/h3>\n<p>Die Teller-versus-Tank-Debatte wurde in Deutschland bereits im Zusammenhang mit Biogasanlagen und Rapsanbau und Palm\u00f6limporten diskutiert, global folgt nun die Teller-versus-Kraftwerk-Debatte.<\/p>\n<p>Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltver\u00e4nderungen, WBGU, erkennt in seinem im November 2020 in Entwurfsfassung erschienenen Hauptgutachten, dass &#8220;diese Biomassenutzung&#8221; in Konkurrenz steht &#8220;zur Ern\u00e4hrungssicherung sowie zum Biodiversit\u00e4tsschutz&#8221;. Er fordert stattdessen &#8220;die Priorisierung von Ressourcen erhaltenden, langfristig Kohlenstoff speichernden stofflichen Anwendungen&#8221;. Auch seien vorrangig andere Strategien n\u00f6tig, vor allem die Senkung der Nachfrage nach Energie durch Steigerung von Energieeffizienz und &#8220;\u00c4nderung des Mobilit\u00e4tsverhaltens&#8221;. Als &#8220;Mehrgewinnstrategie&#8221; bezeichnet der WBGU &#8220;nachhaltiges Bauen mit Holz&#8221;, das \u00fcber Biomassenutzungskaskaden am Ende auch noch Energie liefern kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Quellen und zum Weiterlesen<\/h3>\n<p>Norton, M. et al. (EASAC): &#8220;Serious mismatches continue between science and policy in forest bioenergy&#8221; <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1111\/gcbb.1264\" target=\"_blank\">https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1111\/gcbb.1264<\/a>3<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/easac.eu\/media-room\/press-releases\/details\/emissions-trading-system-stop-perverse-climate-impact-of-biomass-by-radically-reforming-co2-accounting-rules\/\" target=\"_blank\">https:\/\/easac.eu\/media-room\/press-releases\/details\/emissions-trading-system-stop-perverse-climate-impact-of-biomass-by-radically-reforming-co2-accounting-rules\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"BorlabsCookie _brlbs-cb-default\">\n<div class=\"_brlbs-content-blocker\">\n<div class=\"_brlbs-default\">\n<p>Click on the button to load the content from issuu.com.<\/p>\n<p><a class=\"_brlbs-btn\" href=\"#\" data-borlabs-cookie-unblock role=\"button\">Load content<\/a><\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"borlabs-hide\" data-borlabs-cookie-type=\"content-blocker\" data-borlabs-cookie-id=\"default\"><script type=\"text\/template\">PGlmcmFtZSB0aXRsZT0iTGFuZHdlbmRlIGltIEFudGhyb3BvesOkbjogVm9uIGRlciBLb25rdXJyZW56IHp1ciBJbnRlZ3JhdGlvbiAoQWx0ZXIgTGluaykiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly9lLmlzc3V1LmNvbS9lbWJlZC5odG1sP3U9d2JndSZkPXdiZ3VfaGcyMDIwX2FyYmVpdHNleGVtcGxhci1idW5kZXNyZWdpZXJ1bmciIHN0eWxlPSJib3JkZXI6bm9uZTsgd2lkdGg6IDUwMHB4OyBoZWlnaHQ6IDM4M3B4OyIgYWxsb3c9ImNsaXBib2FyZC13cml0ZSxhbGxvdy10b3AtbmF2aWdhdGlvbixhbGxvdy10b3AtbmF2aWdhdGlvbi1ieS11c2VyLWFjdGl2YXRpb24sYWxsb3ctZG93bmxvYWRzLGFsbG93LXNjcmlwdHMsYWxsb3ctc2FtZS1vcmlnaW4sYWxsb3ctcG9wdXBzLGFsbG93LW1vZGFscyxhbGxvdy1wb3B1cHMtdG8tZXNjYXBlLXNhbmRib3gsYWxsb3ctZm9ybXMiICBhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW49InRydWUiPjwvaWZyYW1lPg==<\/script><\/div>\n<\/div>\n<p>Zum 24.11.2020 ruft die BBIWS anl\u00e4sslich des &#8220;International Day of Action&#8221; B\u00fcrgerInnen und Waldsch\u00fctzerInnnen auf, sich gegen die Verbrennung von Holz aus W\u00e4ldern f\u00fcr Energiegewinnung zu wenden und die <a href=\"https:\/\/you.wemove.eu\/campaigns\/the-eu-must-protect-forests-not-burn-them-for-energy\" target=\"_blank\">EU-weite Petition<\/a> dagegen zu unterzeichnen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Beelzebubprinzip Die deutsche Politik tendiert dazu, mit ihren Bem\u00fchungen um ein Abbremsen des Klimawandels, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. 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