{"id":8436,"date":"2005-10-21T00:00:00","date_gmt":"2005-10-20T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20051021-10n"},"modified":"2005-10-21T00:00:00","modified_gmt":"2005-10-20T22:00:00","slug":"holzeinschlag-im-amazonasbecken-unterschaetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/holzeinschlag-im-amazonasbecken-unterschaetzt\/","title":{"rendered":"Holzeinschlag im Amazonasbecken untersch\u00e4tzt"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Lage im Amazonas ist nicht nur angesichts der derzeit extremen Trockenheit dramatisch: J\u00fcngsten Studien zufolge verschwindet der Wald doppelt so schnell wie bisher angenommen. Die Sch\u00e4den durch Abholzen werden um mindestens 60 Prozent untersch\u00e4tzt. Die brasilianische Regierung hat die Studie willkommen gehei\u00dfen, aber zugleich einger\u00e4umt, dass die Zahlen weit \u00fcberzogen sind. <\/p>\n<p>Als weitere Bedrohung kommt hinzu, so Wissenschaftler des <a href=\"http:\/\/globalecology.stanford.edu\/DGE\/\" >Carnegie Institute of Washington<\/a> in Stanford\/Kalifornien, dass selektives Schlagen dazu beitr\u00e4gt, die Kohlendioxidmenge, die der Wald aufnehmen kann, drastisch zu verringern. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin <a href=\"http:\/\/www.sciencemag.org\/\" >Science<\/a> in der j\u00fcngsten Ausgabe.<\/b> <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20051021-10\/asner_werbe.jpg.125919.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Bild\"\/>Foto: Courtesy of Gregory S. Asner\/Carnegie Institution of Washington<\/p>\n<p>Gregory Asner von der Carnegie Institution of Washington und seine Kollegen st\u00fctzen sich auf Aufnahmen der Landsat-Satelliten. Dank einer neuen Analysetechnik konnten sie darauf erstmals auch jene Fl\u00e4chen erkennen, auf denen nicht der gesamte Wald gerodet wurde, sondern lediglich einzelne, besonders profitable B\u00e4ume.<br style=\"clear:left;\"\/> <br \/>Die neue Bildanalysetechnik nutzt das Spektrum des von Vegetation bzw. Boden reflektierten Sonnenlichts. &#8220;Beispielsweise verr\u00e4t uns das Signal, wie viel gr\u00fcne Vegetation im Bl\u00e4tterdach vorhanden ist, wie viel totes Material am Waldboden liegt und wie viel Boden offen daliegt&#8221;, erl\u00e4utert Asner. Ausgestattet mit Algorithmen zur Mustererkennung k\u00f6nne das System binnen einer Nacht Aufnahmen des gesamten Amazonasbeckens mit einer Aufl\u00f6sung von 30 Metern pro Bildpunkt analysieren.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20051021-10\/amazonas-selektiver-einschlag.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Selektiv\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>In den f\u00fcnf brasilianischen Bundesstaaten mit der h\u00f6chsten Holzproduktion wurde demnach allein im Jahr 1999 auf 19.823 Quadratkilometern Fl\u00e4che selektiver Holzeinschlag betrieben. Dies entspreche bis zu 123 Prozent der gerodeten Fl\u00e4che. Durch selektives Schlagen gingen so in den Jahren von 1999 bis 2002 pro Jahr bis zu 50 Mio. Kubikmeter Holz verloren.<\/p>\n<p>Hinzu kamen weitere 16.100 Quadratkilometer durch Kahlschlag, wie der Wissenschaftler Gregory Asner berichtete. Betroffen vom selektiven Holzschlag sind auch Regionen, die eigentlich als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Als besonders dramatisch kommt hinzu, dass diese Art des Holzschlags nur sehr schwer auszumachen ist, betonen die Wissenschaftler. <\/p>\n<p>Das Forscherteam hatte Satellitenaufnahmen und -daten miteinander verglichen und dabei festgestellt, dass es vielerorts zu einer Ausd\u00fcnnung der Vegetation gekommen war. Zus\u00e4tzlich dazu hinterlassen Holzarbeiter eine Schneise zerst\u00f6rter Pflanzen, wenn die Baumst\u00e4mme abtransportiert werden.<\/p>\n<p> &#8220;Auf jeden geschlagenen Baum kommen bis zu 30 weitere, die beim Einschlag schwer besch\u00e4digt werden k\u00f6nnen&#8221;, erl\u00e4utert Asner. &#8220;Ursache ist, dass die B\u00e4ume \u00fcber Schlingpflanzen verkn\u00fcpft sind, sodass beim F\u00e4llen eines Baumes auch an den benachbarten gezerrt wird.&#8221; Zudem f\u00fchre der starke Lichteinfall durch die L\u00fccken im Bl\u00e4tterdach einerseits zum Austrocknen des Waldbodens, andererseits zum Absterben von an Schwachlicht angepassten Pflanzen.<\/p>\n<p>Obwohl diese Methode des selektiven Schlagens weit weniger gef\u00e4hrlich f\u00fcr den Regenwald ist als Kahlschlag, ist dennoch der Schaden beachtlich: Meist sind es gerade dichte Regenw\u00e4lder, die gro\u00dfe Mengen von CO<sub>2<\/sub> aufnehmen, in denen solche Methoden angewendet werden. Dies f\u00fchrt dazu, dass die W\u00e4lder danach weit weniger CO<sub>2<\/sub> aufnehmen k\u00f6nnen als vorher. <\/p>\n<p>Eine andere Studie, die ebenfalls im Wissenschaftsmagazin Science ver\u00f6ffentlicht wurde, untersuchte die Folgen des Einschlages f\u00fcr die CO<sub>2<\/sub>-Aufnahme. Das Team um Daniel Bunker von der <a href=\"http:\/\/www.columbia.edu\/\" >Columbia University<\/a> in New York hat festgestellt, dass es durch den Einschlag zu weniger Niederschl\u00e4gen im Regenwald komme. <\/p>\n<p>Das verhindere das Wachstum der Pflanzen, die viel Feuchtigkeit brauchen und bevorzuge Spezies, die auch unter trockenen Bedingungen gedeihen k\u00f6nnen. Diese Pflanzen k\u00f6nnen Kohlenstoff effektiver in ihrem Gewebe aufnehmen. <\/p>\n<p>Allerdings gebe es auch einige weniger positive Effekte. Dazu geh\u00f6re etwa die F\u00e4higkeit, vor \u00dcberschwemmungen zu sch\u00fctzen, die Wasserqualit\u00e4t zu halten und anderen Risiken im komplexen Lebensraum standzuhalten. <\/p>\n<p>&#8220;Die beste Strategie w\u00e4re, so viele Arten wie m\u00f6glich zu sch\u00fctzen&#8221;, erkl\u00e4rt der Forscher. &#8220;Wenn zahlreiche verschiedene Lebewesen in einem \u00d6kosystem vorhanden sind, gibt es auch mehrere M\u00f6glichkeiten auf Ver\u00e4nderungen der Umwelt zu reagieren. Und das wird in Zukunft wesentlich sein&#8221;, erkl\u00e4rt der Forscher. Die Tatsache, dass Holzf\u00e4ller einige Baumarten gezielt entfernen, sei keine positive L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Forschung: Gregory P. Asner, Department of Global Ecology, Carnegie Institution of Washington, Stanford, Kalifornien; Jose N. Silva, Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecu\u00e1ria-Amazonia Oriental, Belem; und andere<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht in <a href=\"http:\/\/www.sciencemag.org\/\" >Science<\/a>, Vol. 310, 21. Oktober 2005, pp 480-2.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/problemfall-eukalyptus-plantagen-fuer-zellstoff-in-brasilien\/\" >2005-05-20<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutschlands-stiller-pakt-mit-der-holzmafia\/\" >2005-08-22<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Lage im Amazonas ist nicht nur angesichts der derzeit extremen Trockenheit dramatisch: J&uuml;ngsten Studien zufolge verschwindet der Wald doppelt so schnell wie bisher angenommen.<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-8436","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8436","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8436"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8436\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8436"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=8436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}